Hölderlin-Projekt Vertiefung und Verwandlung

Die 12 Impulse der Friedensfeier - 4 Das Universelle

Hölderlin-Projekt Vertiefung und Verwandlung

 

 

 

Friedensfeier

(4)

Und manchen möcht ich laden, aber o du,
Der freundlichernst den Menschen zugetan,
Dort unter syrischer Palme,
Wo nahe lag die Stadt, am Brunnen gerne war;
Das Kornfeld rauschte rings, still atmete die Kühlung
Vom Schatten des geweiheten Gebirges,
Und die lieben Freunde, das treue Gewölk,
Umschatteten dich auch, damit der heiligkühne
Durch Wildnis mild dein Strahl zu Menschen kam, o Jüngling!
Ach! aber dunkler umschattete, mitten im Wort, dich
Furchtbarentscheidend ein tödlich Verhängnis. So ist schnell
Vergänglich alles Himmlische; aber umsonst nicht;

 

4 Das Universelle

Die Klänge in mir haben etwas Weites. Sie umfassen alles, wollen alles mit einbeziehen in die Friedensfeier.

Vielleicht ist es zu groß für mich. Aber es will ja geschehen.

Ich rufe in’s Universelle, in’s scheinbare Nichts, wortlos. Ich weiß, dass es die großen Helfer gibt, in den geistigen Welten. Die Mittler, die das Unbegrenzte für uns erträglich machen. Sie helfen uns, uns zu finden. Und sie helfen bei unserer Verwandlung.

Und manchen möcht ich laden, aber o du,
der freundlichernst den Menschen zugetan …

Mein Ausruf bleibt in der Luft hängen, bleibt offen, ich kann den Satz nicht vollenden. Er richtet sich an den Christus. Ich kenne auch die Bhagavad-Gita, in der der Krishna spricht: „Ich bin die Seele dieser Welt, in aller Wesen Herz bin ich.

Die Kraft, die in mich eintritt – der Dichter bezeichnet sie als „heiligkühnen Strahl“. Und alles in mir, was vom Göttlichen schon berührt ist, alles, was Vertrauen zu ihm hat, nennt er die „lieben Freunde“. Sie mildern die geistigen Kräfte ab, damit ich sie aushalten kann.

Die Freunde gleichen einem Wolkengebilde. Sie lassen die Sonne nur in Maßen durch. Und das ist gut so.

Ich spüre, wie sie nun intensiver scheint. Ich habe mich auf sie vorbereitet. Alles wird durchsichtiger.

Tausend Kräfte gibt es in mir, die das alles gar nicht wollen. Sie wollen keine Verwandlung. Das Licht stört sie auf in ihren Kammern. Sie haben gut gelebt darin und haben sich von meinem Zorn, meinem Ehrgeiz, meinem Stolz ernährt. Und von manch anderen meiner Eigenschaften.

Und nun schlagen sie zu.

… dunkler umschattete, mitten im Wort, dich
Furchtbarentscheidend ein tödlich Verhängnis. So ist schnell
Vergänglich alles Himmlische; aber umsonst nicht.

Was ist nun mit den großartigen Impulsen der Friedensfeier?

Habe ich sie vertrieben? Ist die Feier schon zu Ende?

 


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Date: April 13, 2020
Author: Gunter Friedrich (Germany)
Photo: Pastell von Franz Karl Hiemer (Wikipedia)

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