Gestalt – Ein offenbares GeheimnisGestalt

Das Sichtbare ist ein in den Geheimniszustand erhobenes Unsichtbares Novalis

Gestalt – Ein offenbares GeheimnisGestalt

Gestalt ist ein großes Geheimnis. Ein offenbares, wie Goethe sagt. Die Gestalt ist ein ungeklärtes Rätsel. Es ist nicht nur erstaunlich, in welcher Fülle und Differenzierung es sie gibt, sondern dass es sie überhaupt gibt, denn die Wahrscheinlichkeit, dass aus wenigen Grundelementen und Basisstoffen komplexe Wesen entstehen, grenzt an das Unmögliche.

Formen und Gestalten sind nicht als genetische Information vorgegeben. Jedes Molekül kann sich in alle Gestalten einfügen, wie Baumaterial für Bauwerke vielerlei Art tauglich ist. Doch wer entwirft die Bauwerke? Wer ist der Architekt eines Apfels? Welche Kraft, welcher Wille überzeugt die freien Atome und Moleküle davon, für eine gewisse Zeit, im Verbund mit anderen, ein Blatt, eine Ameise, ein Mensch zu sein? Wie kommt es zu der Abmachung, dass aus einem Buchensamen eine Buche wächst, obwohl dieselben Stoffe sich in jedem anderen Samen auch finden lassen?
Gewiss: Die Gestalt ist nicht das Göttliche, ebensowenig wie das Wort Baum der Baum selber ist. Doch es gibt einen Bezug. Sichtbare Gestalt ist Sprache, oder, wie Novalis es wunderbar ausdrückt: „Das Sichtbare ist ein in den Geheimniszustand erhobenes Unsichtbares.“

Es liegt an uns, ob wir in der Natur, die nicht von Menschen gemacht ist und zu der wir gehören als ein wahrnehmendes und eingreifendes Wesen, eine göttliche Offenbarung sehen oder eine Art „Torte“, die der Gier freigegeben ist. Die Art unserer Deutung macht uns zu dem, was wir werden und sind. Denn wir sind bis zu einem gewissen Grad selbstschöpferisch.

Der Text in seiner vollen Länge ist im LOGON Magazin Nr. 3 veröffentlicht

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Date: June 30, 2020
Author: Alfred Bast (Germany)
Photo: Alfred Bast

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