Viele Worte werden täglich an einen Menschen gerichtet. Viele Stimmen fordern unsere Aufmerksamkeit.
Auch wenn der Empfänger eine Schlüsselposition einnimmt, muss er dennoch sehr bewusst und wach sein, um nicht all diesen Einflüssen zum Opfer zu fallen.
Es gibt Teile unserer Persönlichkeit, die wir nicht ausreichend kennen. Die Schwingungen von Worten, Musik, Ideen, Bildern und Wünschen beeinflussen diese dunklen, unbewussten Teile unseres Selbst. Die Gefahr geht nicht so sehr vom göttlichen Wort aus: Es ruft zwar auch, aber es zwingt nicht. Im göttlichen Wort liegt Freiheit. Wir können die uns gebotenen Möglichkeiten nutzen oder auch nicht. Anders verhält es sich, wenn Menschen das Wort benutzen. Die Beeinflussung der Massen, das Schüren von Ängsten, Manipulation und Werbung sind Beispiele für die bindende Kraft der Schwingungsgesetze, die hinter dem Wort wirken. Magie ist sehr real, und jeder Mensch hat bewusst oder unbewusst mit ihr zu tun.
Geheimnisvolle Erfahrung
Inmitten dieses tobenden Ozeans aus energetischen Wellen, in diesem Chaos der Schwingungen, gibt es manchmal einen Moment der Offenheit, der Klarheit, der Einsicht, Unerwartet, wie ein Blitz, der den dunklen Himmel zerreißt.
Während des Ersten Weltkriegs erlebte ein britischer Offizier etwas Seltsames. Als er eines Abends spazieren ging, wurde er von einer geheimnisvollen Erfahrung überwältigt, die etwa 30 Sekunden dauerte. Harmonische Echos schienen vom Himmel zu kommen. „Das ist die Harmonie der Sphären“, dachte der Offizier. Dann sah er Himmelskörper, die sowohl Licht als auch Musik erzeugten. „Ich stand still auf dem Leinpfad und dachte: Wie wunderbar wäre es, in diesem Moment zu sterben“, so der Offizier.[1]
Eine wirklich bemerkenswerte Erfahrung. Es ist auch verständlich, warum der Offizier in diesem Moment über den Tod nachdachte; darauf kommen wir später zurück.
Anscheinend war der Offizier mit dem Begriff „Harmonie der Sphären“ vertraut. Das führt uns zurück zu Pythagoras. Seine erhabene Spiritualität, verbunden mit seinem wissenschaftlichen Verstand, führte zu dieser umfassenden Sicht auf den Kosmos und den Menschen. Es heißt, dass er tatsächlich die himmlischen Akkorde hörte, dass die Ohren seiner Seele auf die Klänge und Schwingungen der Planeten und Sterne in ihren Sphären eingestimmt waren.
Kohärenz und Proportionen
Was in Pythagoras‘ Weltbild besonders ins Bewusstsein rückt, ist die Harmonie des Universums: die Kohärenz und die Proportionen zwischen den Dingen. Für ihn drückten die ganzen Zahlen von eins bis zehn spirituelle Realitäten und deren gegenseitige Beziehungen aus. Er führte Experimente mit Saiten von Musikinstrumenten durch und entdeckte die kosmischen Prinzipien, die dem zugrunde liegen, was wir Harmonie oder Disharmonie nennen. Warum empfinden wir etwas als harmonisch oder disharmonisch?
Ein Mensch empfindet etwas als harmonisch, wenn es mit seinem inneren Wesen übereinstimmt, mit ihm in Resonanz steht. Es geht um Übereinstimmung. In welcher Beziehung stehen hier Quelle und Empfänger zueinander?
In der Universellen Lehre wird das Universum in seiner Gesamtheit als ein System von sieben Sphären, sieben Lebensfeldern, auch sieben kosmische Bereiche genannt, bezeichnet. Für uns als irdische Wesen mit einem Zeit-Raum-Bewusstsein ist das schwer vorstellbar. Das sagt mehr über uns aus als über das Universum. Offensichtlich ist unser ich-bezogenes Bewusstsein nicht im Einklang mit der gesamten Schöpfung.
Dennoch haben sowohl Pythagoras als auch der britische Offizier die Harmonie der Sphären erfahren. Der eine dauerhaft, der andere für einen kurzen Moment. Wie lässt sich das erklären? Das ist nur möglich, wenn die Siebenfachheit des Universums auch grundlegend und strukturell im Menschen als Ganzem verankert ist. Es besteht eine strukturelle Harmonie zwischen dem Menschen als Mikrokosmos und dem Universum als Makrokosmos.
Ein Zitat:
Und Jesus sprach: Was Gott, der Eine, gemacht hat, ist gut, und wie die große erste Ursache sind auch die sieben Geister gut, und alles, was aus ihren schöpferischen Händen kommt, ist gut. Nun haben alle geschaffenen Dinge ihre eigenen Farben, Töne und Formen; aber bestimmte Töne, obwohl sie an sich gut und rein sind, erzeugen, wenn sie gemischt werden, Disharmonien, dissonante Töne.[1]
Disharmonie
Sowohl der Mensch als Mikrokosmos als auch das Universum sind Schöpfungen der sieben Spheren und daher gut. Wenn wir jedoch die Zerstörung und das Chaos auf unserem Planeten betrachten, verstehen wir, dass etwas nicht stimmt. Es herrscht Disharmonie. Offenbar haben wir die Töne auf disharmonische Weise vermischt.
Der Mensch steht vor einem doppelten Problem, das im Wesentlichen dasselbe ist. Erstens sind wir nicht im Einklang mit dem Universum, zweitens sind wir in uns selbst disharmonisch und leiden unter innerer Zerrissenheit.
Beginnen wir bei uns selbst. Wir nehmen Disharmonie zwischen unserem Kopf, unserem Herzen und unseren Händen wahr. Mit anderen Worten: Die primären Funktionen des Denkens, Fühlens und Wollens sind in Unordnung geraten. Spirituell gesehen könnte man sagen, dass die Harmonie und Kohärenz zwischen Geist, Seele und Körper gestört ist. Wir sind uns der spirituellen Struktur unseres Mikrokosmos nicht bewusst, wodurch unsere Seele orientierungslos ist und alle möglichen Klänge und Schwingungen experimentell miteinander vermischt. Das Ergebnis manifestiert sich in unserem Körper und durch unsere Hände.
Psychologen haben diese innere Anarchie bemerkt und versucht, etwas Ordnung hinein zu bringen. Mit irdischen Mitteln und Therapien ist dies bis zu einem gewissen Grad möglich. Wir können unsere Persönlichkeit stabilisieren, was im sozialen Leben nützlich ist. Die grundlegende Disharmonie des Ich-Bewusstseins können wir auf diese Weise jedoch nicht überwinden: Die Harmonie der Sphären erreicht unser inneres Ohr nicht.
Warum nicht? Das Ich- Bewusstsein sieht sich als separates Wesen und verfolgt persönliche Interessen. Wie könnte ein solches Bewusstsein die Gesamtheit der Harmonie der Sphären hören? Wie könnte ein dissonanter Ton in den himmlischen Symphonien mitschwingen?
Tod und Wiedergeburt
Um die Harmonie der Sphären hören zu können, ist eine tiefgreifende und strukturelle Transformation notwendig. Es ist ein Prozess, der als Sterben und Wiedergeburt beschrieben werden kann, wobei beide Prozesse als innere Transformationen verstanden werden.
Die Geschichte des britischen Offiziers weist in dieser Hinsicht interessante Merkmale auf. Es ist Krieg. Das kollektive Ergebnis aller ich-bezogenen Menschen. Kampf, Schmerz, Hass, Elend und Trauer. Das Ich-Bewusstsein erlebt die Hoffnungslosigkeit seiner eigenen Existenz und verstummt für eine halbe Minute. Es stellt seine Aktivität für einen Moment ein. Der Offizier denkt: „Wie wunderbar wäre es, in diesem Moment zu sterben“. Tatsächlich war er innerlich für einen Moment gestorben. Die Zeitachse wurde zu einem Punkt, einem Brennpunkt der Ewigkeit. Er stand in der Harmonie der Sphären. Er wurde sich des himmlischen Lichts und Klangs bewusst, der ewig und allgegenwärtig ist. Pythagoras erlebte mit seiner erleuchteten Seele und seiner darauf abgestimmten Persönlichkeit dauerhaft die Harmonie der Sphären. Sein Ich – Bewusstsein war endgültig gestorben und durch ein Geist – Seelenbewusstsein ersetzt worden. Nach dreißig Sekunden nahm das Ich-Bewusstsein des Offiziers wieder seine alte Machtposition ein. Es war wieder Krieg.
[1] Das Wassermann Evangelium Jesu Christi, 39:11-12
