Es gibt Wege, die tiefer führen als jeder Gedanke. Wege ohne Antwort – die doch alles verwandeln.
How does it feel?
To be on your own,
with no direction home
A complete unknown,
like a rolling stone
Bob Dylan
Es gibt Wege, die tiefer führen als jeder Gedanke.
Wege ohne Antwort – die doch alles verwandeln.
Wege zur Quelle, zum Ursprung, zu den Müttern.
Wer sie geht, braucht Mut –
den Mut, zu verlieren, was sicher schien,
den Mut, zu lieben, was dunkel ist,
den Mut, zu werden, was man nie zu sein wagte.
Diese Wege führen durch Geburt und Trennung,
durch Zweifel, Tod und Licht,
bis dorthin, wo das Drama endet –
und das Leben beginnt.
Eva – Mutter der Lebenden
Eva trat über eine Grenze –
mutig, vielleicht übermütig.
Sie wollte mehr: verstehen, leben, erwachen.
Wie ein Kind, geboren in eine weite, fremde Welt,
schritt sie hinaus, manchmal zu weit.
Doch sie wagte es.
Und sie trug die Konsequenzen.
Eva hat viele Kinder.
Auch sie überschreiten Grenzen –
aus Unwissenheit, aus Sehnsucht, aus Trotz.
Sie zerstören, kämpfen, vergessen.
Und sie tragen die Konsequenzen.
Doch Eva leidet mit ihnen allen.
Sie ist die Gebärende, die Liebende –
die alle trägt,
nicht besitzergreifend,
sondern durchlässig für das Leben,
das sich selbst verschenkt,
grenzenlos und reich.
Faust
Faust, der sich nicht sattsehen kann am Wissen dieser Welt,
steht an der Schwelle, von der es kein Zurück gibt,
vor der jeder Wahrheit Suchende einmal steht.
Er steigt hinab – nicht in Räume, nicht in Zeiten –
sondern in das, was jenseits davon liegt:
zu den Müttern.
Dort ist kein Boden, kein Bild, kein Halt.
Dort ist Ursprung.
Nicht Gestalt – sondern Möglichkeit.
Nicht Licht – sondern Dunkel, das alles enthält.
Nicht Wahrheit – sondern der Schoß, aus dem Wahrheit geboren wird.
Er steigt hinab –
wissend, dass er alles verlieren könnte.
Wer hier aufrecht geht, braucht Mut:
den Mut, das Ich zu lassen, die Zweifel, die Herrschaft.
Denn dort sind die Mütter –
jene uralte Dreiheit,
die nicht herrscht, nicht richtet, nicht spricht –
sondern hält.
Trägt.
Gebiert.
Faust schreitet durch das Nichts –
ein Nichts, das mehr ist als alles, was er je gedacht hat.
Und was er dort empfängt, ist keine Antwort,
sondern der Schlüssel
zur Tiefe des Lebens selbst.
Inanna – die Liebende
Inanna, Königin des Himmels,
kleidet sich mit Macht, mit Glanz, mit Liedern.
Sie trägt Krone, Ring, Gewand,
den Spiegel der Schönheit
und die Würde des Lebens.
Hinab steigt sie –
nicht aus Neugier, nicht aus Trotz –
sondern mutig aus Liebe.
Hinab zur Schwester.
Zur Erde.
Zum Tod.
Sieben Tore durchschreitet sie.
An jedem ein Verlust.
Krone, Ring, Gewand,
Selbstbild, Kontrolle, Sprache, Atem –
alles lässt sie zurück.
Nackt steht sie vor dem Tod.
Tot ist sie drei Tage lang.
Und die Welt hält den Atem an.
Doch Liebe, echte Liebe, steigt ihr nach.
Und sie kehrt zurück –
verwundet, verwandelt, wissend.
Nicht mehr Mond, sondern Stern.
Nicht mehr herrschend, sondern segnend.
Nicht mehr getrennt, sondern verbunden
mit allem, was ist.
Hannah– im Glück
Hannah hat gedient, gearbeitet, gelernt,
wie Eva, Faust, Inanna.
sieben Jahre und geistiges Gold ist ihr Lohn.
Nun kehrt sie heim.
Zur Mutter.
Sie tauscht, was sie trägt:
Gold gegen ein Pferd, um zügig zu gehen,
Pferd gegen eine Kuh, um sich von Reinheit zu nähren,
Kuh gegen ein Schwein, um andere zu nähren,
Schwein gegen eine Gans, um leichter zu werden.
Gans gegen eine Stein, den Stein der Weisen,
rau und schwer wie ein Schleifstein,
den sie rollen lässt in den Brunnen der Unendlichkeit.
Anmutig, leicht sind ihre Schritte.
Frei ihr Herz –
frei vom Drama, frei vom Kreis aus Wollen und Werden.
Sie geht heim –
zurück in den Schoß des Lebens,
zurück zur Mutter,
zurück zu sich selbst.
Und sie lacht.
Denn nichts fehlt.
Alles ist da.
