{"id":97366,"date":"2022-07-07T19:18:40","date_gmt":"2022-07-07T19:18:40","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=97366"},"modified":"2022-11-07T19:36:51","modified_gmt":"2022-11-07T19:36:51","slug":"kunst-ist-medium-der-begegnung-und-verwandlung-rr-1988-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/kunst-ist-medium-der-begegnung-und-verwandlung-rr-1988-teil-2\/","title":{"rendered":"Kunst ist Medium der Begegnung und Verwandlung\u201c (RR 1988) \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/kunst-ist-medium-der-begegnung-und-verwandlung-rr-1988-teil-1\/\">zur\u00fcck zu Teil 1<\/a><\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Meine Kunstpraxis gr\u00fcndet auf einem Freiheitsbegriff dieser Art und orientiert sich daran, sowohl im Hinblick auf meine eigenen bildnerischen Prozesse als auch auf kontemplative Rezeptionsprozesse. Das hei\u00dft, dass mein eigenes Kunstverst\u00e4ndnis transformativ orientiert ist, was den Prozess des Erschaffens angeht, aber auch den einer m\u00f6glichen spirituellen Wirkung, und dass es nicht auf einem <em>L`art pour l`art<\/em>-Kunstverst\u00e4ndnis gr\u00fcndet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Gedicht von Friedrich-Karl Heckmann aus dem Buch <em>Vom Pfad zur Inneren Freiheit<\/em> hei\u00dft es: \u201eWir wissen nicht, nein, ahnen nur den Weg zum Licht, Vollendung Spur. \/ Zeit ist\u2019s, um aufzubrechen, Zeit, um zu brechen ab. Denn das Neue steigt, folgend dem Gesetze.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Die Art, wie du diese Einf\u00fchrung gemacht hast, passt zu deinen Bildern, <em>du<\/em> passt zu deinen Bildern. Ich meine, es kommen Gesetze kosmischer Art zum Ausdruck. Wir erleben den Sch\u00f6pfungsprozess Gottes als Kinder Gottes, und wir nehmen wahr als sch\u00f6pferische Wesen, wenn wir daf\u00fcr offen sind. Paul Klee sagt ja, die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar. Sie macht nicht nur die Sch\u00f6pfung sichtbar, sondern auch das Sch\u00f6pferische, und auch, dass wir sch\u00f6pferische Wesen sind.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Was du sagst, bringt etwas in mir zum Klingen. Paul Klee und seine Bilder haben mich sehr bewegt; er war au\u00dferordentlich reflektiert, lehrte am Bauhaus und hat eine differenzierte bildnerische Lehre entwickelt und gelehrt. Es ist sehr bemerkenswert, dass er ein hervorragender Geiger war. Er wusste lange nicht, ob er Musiker oder bildender K\u00fcnstler werden m\u00f6chte. Seine Bilder haben f\u00fcr mich etwas Musikalisches, das hei\u00dft sie entwickeln sich in der Zeit, seine Bilder sind wie eine Partitur. Das, was die bildende Kunst \u2013 sie bildet, sie bildet nicht ab \u2013 zum Ausdruck bringt, ist, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Meine Bilder sind f\u00fcr mich im Sinne Klees Partituren, sie k\u00f6nnen in uns Melodien initiieren und modulieren, in denen Unsichtbares sichtbar und Unausgesprochenes sp\u00fcrbar wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Deshalb sind auch das Diptychon an der Kopfwand des Hermessaals mit den beiden Triptychen jeweils links und rechts an den L\u00e4ngsw\u00e4nden sch\u00f6ne Bildkontinuen, wo von Bild zu Bild jeweils Anschluss gefunden wird durch das N\u00e4chste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Der Begriff Bildkontinuen gef\u00e4llt mir und bringt es auf den Punkt, es geht mir tats\u00e4chlich um kontinuierliche bildnerische Fortsetzung.<\/p>\n<p>Durch die serielle Reihung der Bilder wird ein bildnerischer Ablauf und malerischer Prozess erlebbar, der \u00fcber das einzelne Bildwerk hinausl\u00e4uft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt weitere relevante Aspekte f\u00fcr meine Bildnerei, unabh\u00e4ngig vom seriellen Prinzip, das gerade in der <em>Pop Art<\/em> eines Andy Warhol eine gro\u00dfe Rolle gespielt hat. Es gibt drei weitere\u00a0 ma\u00dfgebliche Referenzpunkte und bildnerische Kompositions-Prinzipien, die in der Moderne bedeutsam wurden und auch meine Malerei als Kind der Zeit mit gepr\u00e4gt haben. Das sind Offenheit, Leere und Prozessualit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Offenheit, Leere und Prozessualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Das sind Aspekte, die wir ja aus der \u00f6stlichen Malerei und Philosophie kennen.<\/p>\n<p><strong>RR<\/strong>\u00a0 Nehmen wir die <em>Leere<\/em>. Wenn man einen Europ\u00e4er fragt, was eine Hand ausmacht, dann sind das Finger und Daumen; wenn man einen Taoisten fragt, was die Hand zur Hand macht, dann ist es der Zwischenraum zwischen den Fingern. Dieser Aspekt der \u00e4u\u00dferen Umrissgrenze eines jeglichen materiellen Etwas artikuliert auch immer den umgebenden Raum und gestaltet ihn mit. Und eben dieser Raumaspekt und die bewusste und gezielte\u00a0 Einbeziehung von Leere und Zwischenraum in die Gestaltung sind ein zentraler Aspekt der Moderne, der sowohl f\u00fcr die Architektur, als auch f\u00fcr Skulptur und Malerei als Gestaltungsparameter virulent wird.<\/p>\n<p>Und dann die <em>Offenheit<\/em>. In der Moderne wird die Unabgeschlossenheit des Bildes wichtig; es steht nicht mehr f\u00fcr ein Ganzes wie das traditionelle europ\u00e4ische Bildwerk, vielmehr liefert es nur einen Bildausschnitt eines gr\u00f6\u00dferen Kontinuums und weist \u00fcber die Bildgrenzen hinaus. Solche Bilder betonen die Fl\u00e4chigkeit und verweben die Bildgestalten mit der Bildebene. Das Bildgeschehen dr\u00e4ngt nach vorne in den Realraum, es kommt dem Betrachter entgegen, attackiert ihn f\u00f6rmlich und bezieht ihn mit ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dagegen ist das klassische, traditionelle europ\u00e4ische Bild der Vormoderne ein hermetisch abgeschlossenes Ganzes, das <em>pars pro toto<\/em> f\u00fcr die Welt steht, es fungiert als Fenster, das unserem Blick einen inneren, imagin\u00e4ren Raum er\u00f6ffnet, der uns zentripetal ansaugt und vereinnahmt in einem inneren Bildraum, der hinter der Bildebene der Leinwand illusionistisch Tiefen er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der offene Bildtypus der europ\u00e4ischen Moderne, seine signifikanten stilistisch-\u00e4sthetischen Strategien und Kompositions-Prinzipien, wie beispielsweise das Anschneiden der Bildsujets und seine abstrakte Reduzierung, Fl\u00e4chigkeit, Konturierung und ornamentale Dynamik und musikalisch anmutende Rhythmisierung wurden durch die klassische japanische \u00c4sthetik inspiriert, durch den sogenannten <em>Japonismus<\/em>.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Und das dritte, die Prozessualit\u00e4t?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RR<\/strong>\u00a0 Prozessualit\u00e4t und Zeitlichkeit wurden schon im Impressionismus des sp\u00e4ten Van Gogh und eines Claude Monet ma\u00dfgeblich, wenn uns ihre vibrierenden Farblicht-Energien in einen zeitlichen Bewegungsstrom mitrei\u00dfen.<\/p>\n<p>In der Dada Bewegung der 20er Jahre und im Happening und Fluxus der 60er Jahre sind die Faktoren Zeit und Prozessualit\u00e4t virulent und stehen thematisch im Mittelpunkt des k\u00fcnstlerischen Schaffens sehr vieler K\u00fcnstler, die einen starken Einfluss ausge\u00fcbt haben auf andere k\u00fcnstlerische Disziplinen, und nat\u00fcrlich in besonderer Weise auf das k\u00fcnstlerische Denken und Schaffen von Joseph Beuys.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig vom sinnlichen Erleben und einf\u00fchlender Begegnung mit meiner Bildnerei (was eigentlich v\u00f6llig ausreichend ist) k\u00f6nnen diese erg\u00e4nzt werden durch ein tieferes Verst\u00e4ndnis der Einflusskr\u00e4fte auf die europ\u00e4ische Moderne, die eben auch f\u00fcr mein k\u00fcnstlerisches Tun wichtig sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der \u00c9lan vital<\/strong><\/p>\n<p>Neben den Aspekten Leere, Offenheit, Prozessualit\u00e4t und den angesprochenen japanischen \u00e4sthetischen Strategien gibt es zwei weitere wichtige Bezugspunkte f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis meiner k\u00fcnstlerisch-malerischen Arbeit: einerseits das <em>\u00c9lan vital<\/em>-Konzept Henry Bergsons, also das Prinzip einer alles durchdringenden Energie, und andererseits beziehe ich mich ganz konkret auf den sp\u00e4ten Monet, speziell auf seine Seerosenbilder der Rotonde in der Orangerie in Paris. Interessant ist, dass Monet Vorlesungen von Bergson in Paris geh\u00f6rt hat und so von dessen <em>\u00c9lan vital<\/em>&#8211; Konzept beeinflusst wurde. Es ist das Pendant der europ\u00e4ischen Geistesgeschichte zum Konzept des <em>Chi<\/em>, das gleicherma\u00dfen zu verstehen ist als eine alles durchwirkende Energie, die sowohl in der Heilkunst der traditionellen chinesischen Medizin als auch in den asiatischen Kampfk\u00fcnsten eine entscheidende Rolle spielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erlebe Monets gemalte Seerosen als energetische Farblichtfelder, die den Betrachter von allen Seiten umgeben und eine sehr starke suggestive Wirkung aus\u00fcben, der man sich nicht entziehen kann.<\/p>\n<p>Das hat mich dazu inspiriert, f\u00fcr den Hermessaal des Rosenkreuzer Kongresszentrums mit meinen eigenen bildnerischen Mitteln auch ein energetisches Farblichtfeld in Form eines Environment zu schaffen. Und so habe ich diese Bilder <em>\u00c9lan vital<\/em>&#8211;<em>Zyklus<\/em> genannt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Das Gewand der Zeit ist nicht nur eine bestimmte Kleidung oder ein bestimmtes Aussehen, sondern betrifft auch das Geistige der Zeit, den Ausdruckscharakter und die Schwingungsebene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Schwingungsebene, das trifft es sehr gut. Mir geht es um Modulationen von Schwingungsfeldern, wobei ich im ablaufenden Malprozess sowohl moduliere als auch selber moduliert werde. In meinen \u00fcber Stunden w\u00e4hrenden Malprozessen (bis zu acht Stunden ohne Pause) erh\u00f6ht sich dann die Schwingungsfrequenz. Wenn es mir dann gelingt, ganz auf mein Tun fokussiert zu bleiben und ich die Energie halte, gehe ich ganz darin auf, bin im Flow und das Schwingungsfeld f\u00fchrt mich. In diesem Bewusstseinszustand verliere ich dann v\u00f6llig mein Zeitgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Den gesamten Prozess erlebe ich jedes Mal als eine tiefgreifende und nachhaltige spirituelle Erfahrung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE \u00a0<\/strong>Was denkst du als K\u00fcnstler \u00fcber Wahrnehmung?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gewahrsein und Gestaltung<\/strong><\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Nun, in der bildenden Kunst sprechen wir nicht von Wahrnehmung, sondern von \u201ek\u00fcnstlerischem Sehen\u201c. Dem Begriff \u201eWahrnehmung\u201c ist per se der Begriff von \u201eWahrheit\u201c inh\u00e4rent. Und da ist der Begriff \u201eSehen\u201c weniger belastet von einem Wahrheitsanspruch. Zudem zeigt uns die Geschichte der Kunst, dass die unterschiedlichen Bildwerke uns ganz unterschiedliche Weisen k\u00fcnstlerischen Sehens offenbaren, bei denen nicht die einen mehr und die anderen weniger wahr sind. Das ist auch in unserem Alltag eine Binsenweisheit: Ein F\u00f6rster sieht einen Wald eben anders als der Besitzer eines S\u00e4gewerks oder ein Spazierg\u00e4nger. Das gleiche gilt auch f\u00fcr Maler.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun gehe ich noch \u00fcber den Begriff \u201eSehen\u201c hinaus, und spreche lieber von \u201eGewahrsein\u201c, da ein solches einerseits alle Sinne umfasst und sich nicht nur auf das Sehen kapriziert, und andererseits sowohl des Bewussten als auch des Unbewusste in uns inne wird. Das Gewahrsein, auf das ich anspiele, bringt \u00e4u\u00dferes und inneres Sehen, H\u00f6ren, F\u00fchlen, Riechen und Schmecken zusammen und wird durchwirkt von unseren geistigen Prozessen. Den \u201eGewahrseins-Prozess\u201c erlebe ich als Inspirations-, G\u00e4rungs-, Verdichtungs- und sch\u00f6pferischen Gestaltungs-Prozess, dem ich mich hingebe, um ganz darin aufzugehen und selbstvergessen \u00fcber mich selbst hinauszuwachsen. In meinem Malprozess durchdringen sich Impression und Expression, die in meinem Tun \u201eBildgestalten\u201c manifestieren. Das Ergebnis dieser Dynamik bezeichne ich als \u201eWahrgebung\u201c. Ich erlebe mich in diesem Prozess als Medium, es ist f\u00fcr mich eine Form von tatkr\u00e4ftiger Kontemplation, indem sich mir das \u201eGeheimnis des Sch\u00f6pferischen\u201c immer wieder auf die unterschiedlichsten Weisen offenbart, als ein \u201enuminos Wunderbares\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch dem Gewahrsein eignet begrifflich Wahrheit, allerdings ist solcherart sinnliche Vergegenw\u00e4rtigung ein Erkenntnisprozess, welcher nicht <em>nehmend<\/em> durch eine zentrierend-herausnehmende Fokussierung bestimmt wird, also so etwas wie eine geschlossene und enge Zielerfassung, die auf ein Wahrnehmungsobjekt intentional abzielt.<\/p>\n<p>In Gewahrsein defokussiere und \u00f6ffne ich mich sowohl zu einer Art Weitwinkel-Linse, die Muster erfasst, als auch zu einer Sp\u00fcrsonde, die tiefer eindringt und in innerer Schau die Mikro und Makrostrukturen durchleuchtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Prozess des Gewahrseins, dem ich mich hingebe und darin selbstvergessen aufgehe, offenbart sich mir etwas wesenhaft Wahrhaftiges. Im gesamten Malprozess durchdringen sich Gewahrsein und \u201eGewahrgebung\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein allumfassendes, vibrierendes Feld<\/strong><\/p>\n<p>In meinen voranschreitenden malerischen Prozessen dr\u00e4ngt etwas Essenzielles immer mehr zur Erscheinung. In der werdenden \u201cBildgestalt\u201d lichtet sich eine offenbarende Schau in das Wesen des Sch\u00f6pfungswunders und in die universelle Energie, die durch mich durch und \u00fcber mich hinausgeht. Solcherart von k\u00fcnstlerischem Schauen und Schaffen kommt f\u00fcr mich einer mystischen Erfahrung gleich, in der ich der Verbundenheit, Durchdringung und Erf\u00fcllung in einem allumfassenden, vibrierenden Feld teilhaftig werde. Kunst ist f\u00fcr mich auf meinem existenziellen Weg zu einem Medium der Begegnung und Verwandlung geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Kommen wir nun zu deinen Bildern, die du f\u00fcr den Hermessaal gemalt hast.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Meine Bilder sind eigentlich nicht abstrakt, sondern konkret. Allerdings bilde ich keine Gegenst\u00e4nde ab, sondern Qualit\u00e4ten, die sich aus meiner Welt- und Naturerfahrung gerade auch hier im Westerwald und dem wunderbaren Park eures Zentrums in Birnbach n\u00e4hren. Es sind Anmutungen, die von den Bildern beim Betrachter ausgel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir assoziieren sofort eine sinnliche Erfahrung von Pflanzlichem, von Holzartigem, von Fleischlichem. Farben erfahren unabh\u00e4ngig von ihren farbpsychologischen Effekten eine starke Symbolkraft, die kulturell gepr\u00e4gt wird. Das Violett beispielsweise hat f\u00fcr mich eine spirituelle Qualit\u00e4t. Es ist die Verm\u00e4hlung von Rot und Blau \u2013 Rot, das Fleischliche und Blau, das Himmlische kommen im Violett zusammen; Violett erlebe ich in seiner Wirkung auf mich als magisch.<\/p>\n<p>Sehr starke Kontraste sind, unabh\u00e4ngig von den Buntkontrasten der Prim\u00e4rfarben (Rot, Blau, Gelb), die Komplement\u00e4rkontraste (Rot\/Gr\u00fcn, Blau\/Orange, Gelb\/violett), sie bewirken Dynamik und Lebendigkeit im Bild. Kontraste von warm und kalt, von silbriger und goldener Farbqualit\u00e4t sind sinnliche Stimmungskr\u00e4fte, die Atmosph\u00e4ren und Stimmungen schaffen. Das sind die Mittel, mit denen ich meine Bilder orchestriere, wenn ich Farben entweder hart kontrastiere oder nuanciert und sanft ineinander \u00fcbergehen lasse. N\u00e4he und Durchl\u00e4ssigkeit, Abgrenzung und Distanz, Durchdringung und Verschmelzung, Ann\u00e4herung und Entfernung, Aufl\u00f6sung und Verdichtung, Anverwandlung und Transformation sind Gestaltungsmittel und Formationen, die in der erlebenden Anschauung beim Betrachter sozialpsychologische und innerpsychische Bez\u00fcge zu triggern verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>K\u00f6nntest du dies mal auf deine Bilder im Hermessaal anwenden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RR <\/strong>\u00a0Ich bin kein Bildermacher, sondern Erzeuger von Gebilden. Diese sind Fahrzeuge zu unserer inneren Seelenlandschaft, sowohl zu archetypischen Bildprozessen unseres kollektiven Unbewussten, von denen C.G. Jung spricht, als auch zu transpersonalen und nondualen\u00a0 Bewusstseinszust\u00e4nden, wie sie von Ken Wilber und auch von David R. Hawkins beschrieben werden. Meine Bilder sind keine autonomen Kunstwerke im Sinne einer <em>l\u2019art pour l\u2019art<\/em>, sondern \u201eAndachtsbilder\u201c und Instrumente f\u00fcr kontemplative Prozesse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese sechs \u201eGebilde\u201c habe ich im Hermessaal zu einem Environment\u00a0 arrangiert, so dass die beiden Triptychen an der jeweiligen linken und rechten L\u00e4ngswand mit dem Diptychon an der Kopfwand r\u00e4umlich ein Kruzifix figurieren, das den Betrachter umschlie\u00dft und ein energetisches Feld generiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Du meinst, es entsteht ein gemeinsames Schwingungsfeld?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Ja, du kannst im Feld ganz unterschiedliche bildnerische Korrespondenzen, Echos und Resonanzen erleben. Die Schwingungen k\u00f6nnen disharmonisch oder harmonisch sein. Bildnerische Schwingungsfelder haben unterschiedliche stofflich-sinnliche Qualit\u00e4ten, die wir als das Feste, das Geronnene, das Weiche, als das Eckige, das Scharfe oder auch Geschmeidige, Dumpfe oder Spr\u00f6de erleben. Und wir erleben unterschiedliche Geschwindigkeiten und Bewegungsqualit\u00e4ten, es gibt Beschleunigungen, Verlangsamungen und Stillstand, flie\u00dfende Bewegungen, fl\u00fcssige Passagen, Pulsationen. Wir sind nie jenseits unserer Leiblichkeit und sinnlichen Welterfahrung, derer wir allerdings durchaus als etwas Geistigem und essenziell Spirituellem gewahr werden k\u00f6nnen. Und da vermag Kunst als Steigb\u00fcgelhalter behilflich zu sein. Allerdings muss sich der Betrachter dem Schwingungsfeld beharrlich aussetzen und selber in den Sattel schwingen. Denn weder meditiert noch betet es sich von alleine, noch offenbart sich der \u00e4sthetisch-geistige und spirituelle Gehalt einer Bildgestalt ohne teilnehmende Hingabe eines Betrachters.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Ganz herzlichen Dank, Robert, f\u00fcr dieses Interview.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/kunst-ist-medium-der-begegnung-und-verwandlung-rr-1988-teil-1\/\">zur\u00fcck zu Teil 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reschkowski.de\">www.reschkowski.de<\/a><\/p>\n<p>info@reschkowski.de<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Begriff \u201eJaponismus\u201c wurde 1872 von dem franz\u00f6sischen Kunstkritiker Philippe Burty gepr\u00e4gt. Zu den K\u00fcnstlern, die in Frankreich von der japanischen Kunst beeinflusst wurden, geh\u00f6rten z. B. \u00c9douard Manet, Camille Pissarro, Edgar Degas, Paul Gauguin und Vincent van Gogh und vor allem auch Claude Monet.<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":97368,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062],"tags_english_":[],"class_list":["post-97366","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/97366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97368"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=97366"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=97366"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=97366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}