{"id":97349,"date":"2022-06-07T17:55:29","date_gmt":"2022-06-07T17:55:29","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=97349"},"modified":"2022-11-08T08:24:47","modified_gmt":"2022-11-08T08:24:47","slug":"kunst-ist-medium-der-begegnung-und-verwandlung-rr-1988-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/kunst-ist-medium-der-begegnung-und-verwandlung-rr-1988-teil-1\/","title":{"rendered":"Kunst ist Medium der Begegnung und Verwandlung\u201c (RR 1988) \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Robert, du hast zusammen mit Barbara Meisner im April 2021 ein Atelier im Hermessaal des Konferenzzentrums Christianopolis in Birnbach\/Ww. eingerichtet, und ihr seid f\u00fcr sieben Monate an den Wochenenden in eine Malklausur gegangen. Es war ein gemeinsamer Prozess, in dem ihr Bildwerke schuft, die sowohl zueinander als auch zum Raum in Beziehung traten. Die Vernissage fand am 13. November 2021 statt. Ihr habt beide nebeneinander auf jeweils eure unverwechselbar-einzigartige Weise gearbeitet, doch in der Ausstellung ergab sich daraus eine gemeinsame Gestalt, bei der sich eure Arbeiten in Farbe, malerischem Gestus und Atmosph\u00e4re aufeinander beziehen und zusammen ein Schwingungsfeld kreieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gern m\u00f6chte ich dich auf die Frage der Freiheit ansprechen. Was denkst du \u00fcber Freiheit in Bezug auf Kunst und deine Malerei?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Dazu m\u00f6chte ich ein Zitat aus dem <em>I Ging<\/em> voranstellen: <em>Wenn das Begehren schweigt, der Wille zur Ruhe kommt, dann tritt die Welt als Vorstellung in die Erscheinung und als solche ist sie sch\u00f6n und dem Kampf des Daseins entronnen. Das ist die Welt der Kunst.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler ist vogelfrei, er enthebt sich immer wieder den einschr\u00e4nkenden Bedingungen, den normierten Erwartungen und eingeschliffenen Qualit\u00e4tsstandards, wenn er seinen eigenen Weg finden m\u00f6chte und immer wieder antritt, origin\u00e4re und ausdrucksstarke Gestaltungsformen zu entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es sind innere Vorg\u00e4nge wie bei einer Meditation<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dabei muss er st\u00e4ndig auf der Hut sein, nicht abzust\u00fcrzen oder in selbstverliebte Egofallen zu geraten. Es ist ein st\u00e4ndiges inneres Ringen um Selbstausdruck und um eine gelingende bildnerische Gestalt. In diesem Prozess bin ich sowohl mit inneren Zw\u00e4ngen, vergangenen traumatischen Erfahrungen, meinen inneren Schattenanteilen und Sehns\u00fcchten als auch mit meinen Ohnmacht- und Allmacht-Phantasien konfrontiert.<\/p>\n<p>Ich versuche erst gar nicht, all diese psychischen Dynamiken und miteinander ringenden Pers\u00f6nlichkeitsanteile auszublenden, vielmehr besteht meine innere Freiheit darin, dass ich sie als Akteure beobachte und mich dabei ganz dem Malprozess hingebe, dort entladen sich solche inneren Anteile und manifestieren sich im Werden der Bildgestalt, ohne dass ich mich mit einem dieser inneren Wirkungselemente identifiziere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich stelle gewisserma\u00dfen den inneren Leerraum als B\u00fchne zur Verf\u00fcgung und halte dabei Pr\u00e4senz und Energie. Im Grunde genommen sind es innere Vorg\u00e4nge wie bei einer Meditation, in der ich den inneren Beobachter st\u00e4rke, mit dem Unterschied, dass der gesamte kontemplative Malprozess samt seiner ambivalenten Dynamiken sich letzten Endes zu einer komplexe Bildgestalt verdichtet.<\/p>\n<p>Daher spreche ich von \u201eMalklausur\u201c und einem kontemplativen Malprozess. Meine Bilder k\u00f6nnen dann wiederum gleich einem Mantra als ein Kontemplationsobjekt benutzt werden, das quasi eine Br\u00fccke zu inneren Seelenlandschaften schl\u00e4gt und eingefrorene Energien zu befreien vermag. So kann man in der \u201ereinen Anschauung\u201c und einem Pendeln zwischen bildnerischem Geschehen und inneren Assoziationen wieder in den eigenen vitalen Lebensfluss kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Kunst und spirituelle und auch therapeutische Vorg\u00e4nge siehst du also miteinander verbunden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>RR\u00a0 <\/strong>Ja, es kommt zu Momenten befreiender Selbsterkenntnis, Momenten einer befreiend heilsamen Katharsis und der gleichzeitigen Erfahrung von begl\u00fcckenden und unterhaltsamen Dimensionen des inneren Geschehens, sodass wir schmunzelnd Abstand zu gewinnen verm\u00f6gen von den inneren und \u00e4u\u00dferen Dramen unserer Existenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf solcherart \u00e4sthetisch-kontemplative Kunsterfahrung ziele ich ab, genau darin offenbaren sich f\u00fcr mich eine spirituelle Dimension und Akte von Selbst-Befreiung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>K\u00f6nntest du auf dieses Befreiende noch n\u00e4her eingehen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RR<\/strong>\u00a0 Kunstanschauung und k\u00fcnstlerisches Schaffen er\u00f6ffnen Freir\u00e4ume, in denen wir unsere begrenzenden Vorstellungen von der Welt und \u00fcber uns selbst erweitern und \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Wenn wir uns k\u00fcnstlerisch-sch\u00f6pferischen Prozessen, respektive einer \u00e4sthetischen Rezeption vorbehaltlos ganz und gar hingeben, k\u00f6nnen wir im Prozess der Anschauung aufgehen und selbstvergessen \u00fcber uns selbst hinauswachsen und unsere bewussten und einengenden Intentionen und Ambitionen \u00fcberwinden. In diesem inneren, \u00e4sthetischen Geschehen dr\u00fcckt sich Nicht-Gesagtes, Verdr\u00e4ngtes, Traumatisches durch die k\u00fcnstlerische Form aus, durch die es gebannt wird und zeitigt eine befreiend heilsame Wirkung, wie sie auch unsere Tr\u00e4ume bewerkstelligen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn all das Unausgedr\u00fcckte und Tabuisierte hat Macht \u00fcber uns und blockiert Energie. K\u00fcnstlerische Praxis, \u00e4sthetische Rezeption und Anverwandlung verm\u00f6gen unsere inneren vitalen Str\u00f6me wieder ins Flie\u00dfen zu bringen, neu auszurichten und dabei durch die \u00e4sthetische Gestalt zu kanalisieren. Kunst kann das Dunkle und Lichte in Einklang bringen und durch die k\u00fcnstlerische Form transformieren und vers\u00f6hnen. Sie kann uns aus \u00c4ngsten befreien und uns aus dem Bann des \u00dcberm\u00e4chtigen erl\u00f6sen. Hierin liegt wohl auch der kultische Ursprung k\u00fcnstlerisch-\u00e4sthetischer Praktiken, der zehntausende von Jahren alt ist.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Mysterium des Sch\u00f6pferischen wird offenbar<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Solcherart \u00e4sthetischer Transzendierung erlebe ich als einen Befreiungsakt. So ger\u00e4t f\u00fcr mich der sch\u00f6pferische Prozess zu einem \u201ehimmlischen Ritual\u201c und \u00fcberwindet die Gravitation existenziell-kruder Unbilden, jenseits eitler Verkl\u00e4rung und Sch\u00f6nf\u00e4rberei. Es hat nichts mit Bekehrung zu tun, vielmehr er\u00f6ffnet Kunst mit intuitiver Intelligenz ein Erlebnisfeld und katapultiert uns sinnlich-sinnf\u00e4llig in geistige Sph\u00e4ren und Schwingungsfelder jenseits einer intellektuell-analytischen Vernunft, so dass das Mysterium des Sch\u00f6pferischen offenbar wird und unsere Essenz und innere Kraft freigesetzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Wenn deine Bilder mich in ihren Bann ziehen, befreien sie mich also gleichzeitig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RR<\/strong>\u00a0 Das ist eine sch\u00f6ne Beobachtung. Kunst vermag uns zu befreien, indem sie uns fesselt. Und Kunst f\u00fchrt zu Kunst. Und wie kommen wir zur Kunst? Sehr oft f\u00fchrt gerade unsere innere oder \u00e4u\u00dfere Unfreiheit zur Kunst, da wir die geistigen, sozialen, \u00f6konomischen und politischen Begrenzungen mit Hilfe der Kunst zu \u00fcberwinden verm\u00f6gen.<br \/>\nDie Kunst f\u00fchrt nicht zur Freiheit im Denken; Kunst ist eine Form von befreitem Denken, das nicht durch Begriffe begrenzt wird. Kunst findet immer wieder Formen, das Schreckliche und den Schmerz auf eine Weise zum Ausdruck zu bringen, so dass die Seele sich vers\u00f6hnt mit sich selbst und die Klarheit des Geistes nicht vernebelt wird. Kunst lichtet die Abgr\u00fcnde unserer Existenz auf eine heilsame Weise.<\/p>\n<p><strong>PE\u00a0 <\/strong>Ich finde, das sind gute und starke Wegbereiter, um sich deinen Werken zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/kunst-ist-medium-der-begegnung-und-verwandlung-rr-1988-teil-2\/\">(wird fortgesetzt in Teil 2)<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":97350,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062],"tags_english_":[],"class_list":["post-97349","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/97349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97350"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=97349"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=97349"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=97349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}