{"id":97012,"date":"2023-08-16T11:12:57","date_gmt":"2023-08-16T11:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/?post_type=logon_article&#038;p=97012"},"modified":"2025-06-02T17:04:50","modified_gmt":"2025-06-02T17:04:50","slug":"wir-sind-intersubjektive-wesen-die-bedeutung-der-verbundenheit","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/wir-sind-intersubjektive-wesen-die-bedeutung-der-verbundenheit\/","title":{"rendered":"Wir sind intersubjektive Wesen \u2013 Die Bedeutung der Verbundenheit"},"content":{"rendered":"<p><iframe title=\"Spotify Embed: Wir sind intersubjektive Wesen - die Bedeutung der Verbundenheit\" style=\"border-radius: 12px\" width=\"100%\" height=\"152\" frameborder=\"0\" allowfullscreen allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/365fJ6vLBrG4KOD1K6HksC?si=dYKWL6B_QV-I-SKoQlIkPg&amp;utm_source=oembed\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Die Bedeutung der Verbundenheit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir uns die Frage der Verbundenheit stellen, m\u00fcssen wir auch fragen, wie diese Verbundenheit funktioniert. Wie entsteht sie, und wie sieht sie aus?<\/p>\n<p>Im landl\u00e4ufigen Sinn stellen wir uns die Verbindung zwischen zwei Menschen als eine Art mechanische Wirkung vor. Demgem\u00e4\u00df gibt es einen Sender und einen Empf\u00e4nger, sowie ein Mittel der \u00dcbermittlung, im Allgemeinen die Sprache oder Zeichen in jeder Form. Die moderne Sprachtheorie geht davon aus, dass wir in Zeichensystemen kommunizieren. Analog dazu stellt man sich gem\u00e4\u00df der abendl\u00e4ndischen Ontologie, z.B. Heideggers, eigenst\u00e4ndige Entit\u00e4ten vor, die aus ihrer Abgeschlossenheit heraus ihre Botschaften dem anderen zu vermitteln versuchen.<\/p>\n<p>Bei diesen Konzepten ist es allerdings kaum verwunderlich, dass die entsprechenden Philosophien h\u00e4ufig zu dem Ergebnis kommen, dass Kommunikation Probleme aufwirft. Mit den neuzeitlichen philosophischen Systemen des Poststrukturalismus und Konstruktivismus beispielsweise finden wir uns oft in einer Welt des Zufalls und der Entfremdung wieder \u2013 einer Welt, in der der Einzelne isoliert ist und Sinnbez\u00fcge sich aufl\u00f6sen. Gibt es eine andere M\u00f6glichkeit?<\/p>\n<p><strong>Hinweise aus der Quantenwelt<\/strong><\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen der Quantenverschr\u00e4nkung weist auf ein anderes Wirkungsprinzip hin, in dem zwischen zwei Akteuren keine Kraft wirkt, sondern eine \u201ePhasenkorrelation\u201c stattfindet, eine \u201eKoh\u00e4renz\u201c. Der italienische Quantenphysiker Giuseppe Vitiello, der sich auch mit Fragen des Bewusstseins besch\u00e4ftigt, spricht hier von einer Art von Syntonie, wie zwei Musiker, die in einem Orchester im Gleichklang spielen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen beschreibt das sogenannte Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon. Nehmen wir an, ein Elementarteilchen zerf\u00e4llt in zwei Photonen. Diese &#8222;Zwillingsphotonen&#8220; zeigen dann das Ph\u00e4nomen der Verschr\u00e4nkung (engl.: entanglement), d.h. sie bleiben auch \u00fcber sehr gro\u00dfe Entfernungen miteinander verbunden, und wenn der Zustand des einen Photons durch eine Aktion eines Beobachters ver\u00e4ndert wird, wirkt sich dies augenblicklich auf den Zustand des anderen Photons aus. W\u00fcrde die \u00c4nderung durch einen Boten \u00fcbertragen, so w\u00fcrde dieser Bote sich schneller als mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen.<\/p>\n<p>Eine Geschwindigkeit, die schneller als die Lichtgeschwindigkeit ist, ist jedoch nach den Gesetzen der klassischen Physik unm\u00f6glich. Einstein nannte dieses Ph\u00e4nomen der Verschr\u00e4nkung deshalb &#8222;spukhafte Fernwirkung&#8220;. Diese Art der Verbindung kann mit der Speziellen Relativit\u00e4tstheorie nicht beschrieben werden. Deshalb gibt es in der Quantenphysik Begriffe wie &#8222;nicht-lokal&#8220; und &#8222;nicht-kausal&#8220;, um diese Effekte zu beschreiben. Das bedeutet, dass zwischen zwei Teilchen keine Kraft wirkt, sondern sie in eine Resonanz gehen. Es gibt keinen materiellen, raum-zeitlichen Einfluss, und trotzdem geschieht eine Wirkung.<\/p>\n<p>Vitiello weist dar\u00fcber hinaus darauf hin, dass es in der Quantenwelt keine isolierten Entit\u00e4ten gibt, weil diese eine ontologische Isolation suggerieren, die auf dieser Realit\u00e4tsebene nicht beobachtet werden kann. Quantenphysikalisch gibt es nur offene Systeme. Sinnvoller ist die Annahme von Feldern, die die Entit\u00e4ten, ihre Umgebung und den gegenseitigen Austausch von Energie in ihren verschiedenen Formen einschlie\u00dft. In der Quantenphysik gibt es also offene Systeme, die ohne eine vermittelnde Kraft nicht-lokal und nicht-kausal miteinander verbunden sind.<\/p>\n<p><strong>Unmittelbare Resonanz<\/strong><\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegung kann auf philosophische Fragen \u00fcbertragen werden: Was ist ein Lebewesen? Wie geschieht Kommunikation und Verbindung zwischen Lebewesen? K\u00f6nnten nach diesem Paradigma zwei Menschen ohne Austausch von Botenstoffen, nicht-lokal und nicht-kausal, miteinander in Beziehung stehen, wie im Fall der Zwillingsphotonen? Und was w\u00fcrde das bedeuten?<\/p>\n<p>Der Philosoph Walter Benjamin entwickelte eine Kommunikationstheorie, die sich von der \u00fcblichen Vorstellung \u00fcber Sprache abgrenzt und in \u00e4hnlicher Weise wie die Quantentheorie arbeitet. In seinem Aufsatz \u00fcber Sprache hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Das Mediale, das ist die <em>Unmittel<\/em>barkeit aller geistigen Mitteilung, ist das Grundproblem der Sprachtheorie, und wenn man diese Unmittelbarkeit magisch nennen will, so ist das Urproblem der Sprache ihre Magie. (Hervorhg. v. Benjamin)<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Benjamin erkl\u00e4rt in seinem Aufsatz, dass die Vorstellung der Sprache als Mittel falsch ist. Es gibt nicht zwei isolierte Entit\u00e4ten, die die Sprache als Mittel benutzen, um sich zu verst\u00e4ndigen. Nach Benjamin ist die echte Kommunikation und Verbundenheit unmittelbar, gleichsam magisch. Dies kann man wie eine nicht-materielle, nicht-lokale Wirkung verstehen, die jenseits von Raum und Zeit wirkt, \u00e4hnlich der Verschr\u00e4nkung der Photonen.<\/p>\n<p>Das bedeutet, wir benutzen nicht nur Sprache, sondern wir sind Sprache, wenn man Sprache in einem erweiterten Verst\u00e4ndnis begreift, in dem auch Form, Farbe und Bewegung als Sprache gelten. Sprache ist kein Mittel, sondern eine Unmittelbarkeit, eine Art Magie, ein Aspekt unseres eigenen geistigen Wesens. Das Wissen um den Anderen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> und die Verbundenheit mit ihm ist unmittelbar, nicht-lokal, nicht-kausal, nicht mechanistisch beschreibbar. Wir zeigen uns unmittelbar in der Sprache, und ohne Sprache w\u00fcrden wir nicht existieren.<\/p>\n<blockquote><p>Das Dasein der Sprache erstreckt sich aber nicht nur \u00fcber alle Gebiete menschlicher Geistes\u00e4u\u00dferung, der in irgendeinem Sinn immer Sprache innewohnt, sondern es erstreckt sich auf schlechthin alles. Es gibt kein Geschehen oder Ding weder in der belebten noch in der unbelebten Natur, das nicht in gewisser Weise an der Sprache teilh\u00e4tte, denn es ist jedem wesentlich, seinen Inhalt mitzuteilen. (ebd., S. 140f.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies ist ein erweitertes Verst\u00e4ndnis von Sprache, das aber das Wesen des Menschen deutlicher zu erfassen erlaubt als das konventionelle Verst\u00e4ndnis. Die wichtigste Konsequenz daraus ist, dass der Mensch kein isoliertes Wesen ist, das f\u00fcr sich allein existieren k\u00f6nnte. Die Sprache zwischen den Menschen ist nicht nur ein willk\u00fcrliches Mittel, um eine Information zu \u00fcbermitteln. Vielmehr <em>sind<\/em> wir Sprache und Bedeutung. Benjamin sagt, \u201eda\u00df dieses geistige Wesen sich <em>in<\/em> der Sprache mitteilt und nicht <em>durch<\/em> die Sprache\u201c (ebd., S. 142). Wir werden erst dann zu Individuen, wenn wir uns mitteilen und mit dem anderen in Koh\u00e4renz gehen.<\/p>\n<p><strong>Wir sind Sprache<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind keine isolierten Systeme und werden tats\u00e4chlich \u00fcberhaupt erst zu einem vollst\u00e4ndigen Wesen, wenn wir uns zeigen und vom anderen wahrgenommen werden. Jeder Mensch ist ein Bewusstsein, das sich selbst erkennt. Wir sind zugleich Subjekt und Objekt der Erkenntnis. Wir sind \u201eIch-Michs\u201c: Ich erkenne mich, ich f\u00fchle mich. Dies ist doppelt reflexiv. Diese Selbsterkenntnis ist aber erst vollst\u00e4ndig, wenn ich mich damit zeige, wenn n\u00e4mlich mein Inneres mit meinem \u00c4u\u00dferen \u00fcbereinstimmt: ich zeige mich. Sobald ich nach au\u00dfen etwas anderes zeige, als ich im Inneren bin, verleugne ich mich selbst und existiere nicht wirklich. Die \u00dcbereinstimmung von Innen und Au\u00dfen ist deshalb essenziell, und das bedeutet, auch das Au\u00dfen und der Andere sind konstitutiv f\u00fcr das Selbst. Das Au\u00dfen verbindet uns im Idealfall mit dem Anderen, es ist die Kommunikation und das Wahrgenommenwerden im Anderen, im Du. Das Gegenmittel gegen die Unverbundenheit ist deshalb die Ehrlichkeit. Wir zeigen uns ehrlich. Dadurch entstehen Ber\u00fchrung und Verbundenheit.<\/p>\n<p>Das bedeutet es zu sagen: wir sind Sprache. Sprache ist eben kein Mittel, mit dem sich isolierte Entit\u00e4ten \u00fcber Botenstoffe austauschen, sondern es ist eine Resonanz, ein Schwingungsph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Wenn die Saiten gestimmt sind, dann sind sie stimmig. Das l\u00e4uft bei uns Menschen im Wesentlichen \u00fcber die Stimme, also \u00fcber die Sprache, aber auch \u00fcber Gestik, Mimik, Farbe und Form. Sprache wird in diesem Verst\u00e4ndnis zu einem essenziellen und wesentlichen Bestandteil unserer selbst.<\/p>\n<p>Das Wahrste wiederum ist, wie Benjamin feststellt, das Ausgesprochenste. Wir sehen hier eine besondere Form der Mystik. Im innersten Kern unseres Wesens gibt es etwas Unausgesprochenes. Das will ausgesprochen werden und findet seine Vollendung in dieser \u00c4u\u00dferung des Inneren. Die innerste Wahrheit ist hier nicht etwas, wof\u00fcr es keine Worte gibt. \u201eJe tiefer, d. h. je existenter und wirklicher der Geist, desto aussprechlicher und ausgesprochener\u201c (ebd., S. 146) ist er, sodass \u201edas Ausgesprochenste zugleich das reine Geistige ist\u201c (ebd.). Dies f\u00fchrt zu dem f\u00fcr die Religionen so zentralen Begriff der Offenbarung, worin Benjamin eine \u201ehinreichende Bedingung und Kennzeichnung der G\u00f6ttlichkeit des geistigen Wesens, das sich in ihm [dem Wort, R.E.] ausspricht\u201c (ebd.), sieht, denn ein solches Wort sei unantastbar.<\/p>\n<p><strong>Das wahre Selbst<\/strong><\/p>\n<p>Aus diesem Prozess des Sich-Zeigens, in der Verbundenheit mit dem Anderen, entsteht erst die Individualit\u00e4t, als Selbsterkenntnis und authentisches Sein. Diese Individualit\u00e4t ist dynamisch und nicht statisch. Sie ver\u00e4ndert sich in Abh\u00e4ngigkeit vom Gegen\u00fcber und dem kulturellen Rahmen, in dem wir uns bewegen. Wir sind also in unterschiedlichen Beziehungen immer anders. Ich bin in Beziehung zu meinen Eltern anders als in Beziehung zu meiner Partnerin, meinen Freunden, Kindern, Kollegen, Fremden usw.<\/p>\n<p>Wenn wir in diesen relativen Verbindungen je anders sind, stellt sich die Frage, wer wir wirklich sind. Was ist der wahre und feststehende Kern unseres Selbst? Sind wir ein Durchschnittswert aus allen diese Beziehungen? Oder gibt es vielleicht doch einen essentiellen Kern, der unabh\u00e4ngig von anderen f\u00fcr sich existiert? Wenn wir aber offene Systeme sind und erst ganz werden, wenn Au\u00dfen und Innen \u00fcbereinstimmen und dieses Au\u00dfen unsere Kommunikation mit anderen ist, dann brauchen wir diese Kommunikation und die Verbundenheit. Welche Beziehung, welche Verschr\u00e4nkung, w\u00e4re dann diejenige, die unsere wahre Identit\u00e4t offenbaren w\u00fcrde? Dies f\u00fchrt uns auf die Idee Gottes. Neben diesen relativen Identit\u00e4ten gibt es eine wahre, absolute Identit\u00e4t eines jeden Individuums. Diese zeigt sich in seiner Beziehung zu Gott, der hier als der absolute Ort verstanden wird. Die Verbundenheit mit Gott ist also das letztliche Ziel jedes Wesens, in der es sich selbst erkennt.<\/p>\n<p><strong>Einheit und Verschiedenheit<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt aber noch andere wichtige philosophische Implikationen, die aus diesen Zusammenh\u00e4ngen hervorgehen. Wenn wir Wesen mit einer Innen- und einer Au\u00dfenseite sind, die sich in der Verbundenheit erkennen, bedeutet das, dass diese Individuen verschieden sein m\u00fcssen, um eine \u00c4u\u00dferung und eine Innerung zu erhalten. W\u00e4ren wir nicht verschieden, g\u00e4be es keine Verbundenheit und wir br\u00e4uchten keine Sprache und keine Form. Das ganze Ph\u00e4nomen des Lebens ergibt sich also aus der Vielfalt der einzelnen Wesen und Dinge. Diese Vielfalt ist nicht reduzierbar. Die letzte Wahrheit ist keine unterschiedslose Einheit, sondern eine Einheit in Verschiedenheit. Wir bleiben individuelle Wesen in unserer Verbundenheit mit Gott und den anderen Wesen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Pr\u00e4missen zeigt sich, dass kulturelle Koh\u00e4renz zwischen Menschen oder Gruppen nicht durch Mittel entsteht, mit denen man auf andere einwirkt \u2013 was ein imperialistischer, patriarchaler Ansatz ist \u2013, sondern durch die Entwicklung von Resonanz. Kultur entsteht durch das Teilen eines gemeinsamen Gedankens, der eine Gemeinschaft von Menschen miteinander verbindet. Die Bedeutung der Entwicklung eines gemeinsamen kulturellen Umfelds liegt darin, dass jeder Akteur seine eigene Schwingung, seine eigene Phasenfrequenz hat, es aber in diesen offenen Systemen immer ein Dazwischen und einen Unterschied der Akteure gibt. Spirituell gesehen sind wir alle ewige Personen, und Gott ist die h\u00f6chste ewige Person.<\/p>\n<p>Interessanterweise ist nun quantentheoretisch betrachtet vollst\u00e4ndige Phasengleichheit oder vollst\u00e4ndige Koh\u00e4renz als niederster Energiezustand der geringste Ordnungsgrad und bringt keine Ver\u00e4nderung oder Bewegung hervor. Deswegen ist nicht nur die Ordnung ein wichtiger Bestandteil von Lebendigkeit, sondern auch das Chaos. Leben ist genau betrachtet ein Ph\u00e4nomen der Asymmetrie. Verbundenheit ist somit eine Wechselwirkung von Verbindung und Trennung, von Einheit und Verschiedenheit. Erst dann entsteht das Spiel, das Bewegung, Freude und Anziehung erzeugt.<\/p>\n<p><strong>Anziehung<\/strong><\/p>\n<p>In der Quantenphysik entsteht Koh\u00e4renz durch Anziehung. In der Tat ist die Kategorie der Anziehung auch f\u00fcr die Philosophie eine h\u00f6chst fruchtbare Kategorie, die in unserem technologiegetriebenen Szientismus, der meist auf Profit und Herrschaftsinteressen ausgerichtet ist, sehr oft vergessen wurde. Normalerweise sind Wissenschaft und Technik ausschlie\u00dflich darauf ausgerichtet, das Prinzip des Drucks durchzusetzen, das mechanische Effekte erm\u00f6glicht. Diese mechanistische Vorstellung wurde auch in die Philosophie \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Die Wirkung der Koh\u00e4renz erzeugenden Anziehung hingegen k\u00f6nnte zu einem neuen Verst\u00e4ndnis der Wirklichkeit beitragen, das viel lebensn\u00e4her ist und die Bed\u00fcrfnisse der Lebewesen viel genauer beschreiben kann. Anziehung ist eine unmittelbare Wirkung, da sie im Wesen selbst liegt. Sie stellt sich von selbst her, wenn man sie l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Mit dieser Sichtweise k\u00f6nnte es gelingen, ein v\u00f6llig neues Paradigma zu etablieren, sowohl in den Geistes- als auch in den Naturwissenschaften. Demzufolge sind wir Menschen offene Systeme, die den anderen brauchen, um sich selbst zu werden. Wir verwenden keine materiellen Kr\u00e4fte, um auf andere einzuwirken, sondern schwingen in der gleichen Phase, um Koh\u00e4renz herzustellen. Hauptantrieb ist Anziehung, nicht Druck. Dies w\u00e4re ein herrschaftsfreies Paradigma, das die Individuen in ihrer Souver\u00e4nit\u00e4t ehrt sowie den intersubjektiven Prozess als unverzichtbar f\u00fcr die Konstitution der Wirklichkeit respektiert. Kommunikation und Verbundenheit beruhen auf unmittelbarer, gleichsam magischer Phasengleichheit. Der Prozess der Anziehung ist eine achtsame, z\u00e4rtliche Ann\u00e4herung an den Anderen in einer Stimmung der Zuneigung und Liebe, bis man gemeinsam schwingt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Zum Autor:<\/h3>\n<p>Ronald Engert, geb. 1961. 1982\u201388 Studium der Germanistik, Romanistik und Philosophie, 1994\u201396 Indologie und Religionswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt\/M. 1994 Mitgr\u00fcndung der Zeitschrift Tattva Viveka, seit 1996 Herausgeber und Chefredakteur. 2015\u201322 Studium der Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin. 2022 Masterarbeit zum Thema \u00bbMystik der Sprache\u00ab. Autor von \u00bbGut, dass es mich gibt. Tagebuch einer Genesung\u00ab und \u00bbDer absolute Ort. Philosophie des Subjekts\u00ab. Blog: <a href=\"https:\/\/www.ronaldengert.com\/\">Ronald Engerts Logbuch \u2013 Suche nach Wahrheit<\/a> \/ Zeitschrift: <a href=\"https:\/\/www.tattva.de\/\">Wissenschaft und Spiritualit\u00e4t | Zeitschrift Tattva Viveka<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Giuseppe Vitiello: <em>My Double Unveiled \u2013 The dissipative quantum model of brain.<\/em> John Benjamins Publ. Co., Amsterdam 2001<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Walter Benjamin: <em>\u00dcber die Sprache des Menschen und Sprache \u00fcberhaupt<\/em> [1916], in: ders., Gesammelte Schriften, Band II, S. 140\u2013157, Frankfurt M. 1972\u20131989, hier S. 142f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Der \u201eAndere\u201c wird hier bewusst gro\u00dfgeschrieben, entgegen der grammatikalischen Regel, um den Subjektstatus des anderen Subjekts zu betonen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":97471,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-97012","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/97012","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97471"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=97012"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=97012"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=97012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}