{"id":92678,"date":"2022-04-20T07:45:17","date_gmt":"2022-04-20T07:45:17","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/freiheit-ein-leerer-wahn\/"},"modified":"2023-01-22T16:10:26","modified_gmt":"2023-01-22T16:10:26","slug":"freiheit-ein-leerer-wahn","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/freiheit-ein-leerer-wahn\/","title":{"rendered":"Freiheit \u2013 ein leerer Wahn?"},"content":{"rendered":"<p>Wie werden wir mit Freiheiten aller Art beschenkt! Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird das Wort Freiheit 37mal erw\u00e4hnt. Gesetzlich garantierte Freiheit hat etliche Spielarten, zu denen insbesondere die Freiheit der Person, die Freiheit des Glaubens, die Pressefreiheit, die Freiheit der Lehre, die Freiheit der Gewissensentscheidung, die Versammlungsfreiheit, die Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung und die Vereinigungsfreiheit geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dieses Freiheitssystem ist eingebettet in eine freiheitlich-demokratische Grundordnung.<\/p>\n<p><strong>Eine Selbst-T\u00e4uschung?<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge der Pandemie-Bek\u00e4mpfung wurden die Freiheitsrechte in fast allen L\u00e4ndern der Welt mehr oder weniger massiv eingeschr\u00e4nkt. Tausende Menschen protestierten dagegen und viele gingen auch auf die Stra\u00dfe, um ihrem Unmut und ihrem Bed\u00fcrfnis nach \u201eWiederherstellung des freiheitlichen Status quo\u201c Ausdruck zu verleihen.<\/p>\n<p>Was bedeutet es konkret f\u00fcr uns, frei zu sein?<\/p>\n<p>Ein Verbot beispielsweise, Restaurants, Opern und Kinos nach Belieben besuchen zu d\u00fcrfen, schr\u00e4nkt unsere Handlungsoptionen und Wahlm\u00f6glichkeiten im Alltag ein. Dasselbe gilt f\u00fcr alle weiteren Verbote, denen wir unterworfen werden, wenn Gefahren drohen. Die uns einger\u00e4umte Freiheit ist also relativ und kann immer wieder Restriktionen unterworfen werden. K\u00f6nnten wir eventuell trotz aller Einschr\u00e4nkungen frei sein? Oder, andersherum gefragt: Kann es sein, dass wir gleichwohl unfrei sind, auch wenn es gar keine \u00e4u\u00dferen Einschr\u00e4nkungen gibt?<\/p>\n<p>Dass wir es also jetzt mit Surrogaten der Freiheit zu tun haben?<\/p>\n<p>Die Freiheit, wie sie in den Verfassungen vieler L\u00e4nder definiert ist, hat einen Gegenspieler: das Bed\u00fcrfnis nach Schutz und Sicherheit.<\/p>\n<p>In einem Land, in dem das Schutz- und Sicherheitsdenken den Vorrang hat, w\u00e4chst das Verlangen nach Freiheit. In einem Land mit weitreichendster individueller Freiheit, ohne Gesetze und Vereinbarungen, w\u00fcrde das Bed\u00fcrfnis nach Schutz und Sicherheit zunehmen. Immer geht es darum, unterschiedliche Werte gegeneinander abzuw\u00e4gen und dem Leben in einer Gesellschaft die bestm\u00f6glichen Bedingungen zu verschaffen.<\/p>\n<p><strong>Die zwei Schichten des Lebens und Erlebens<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Ringen um das rechte Ma\u00df wird, wie A.H. Almaas<a title=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> es beschreibt, in einer Lebenssph\u00e4re ausgetragen, die ausschlie\u00dflich durch Aktionen und Reaktionen bestimmt ist. Auf dieser Ebene des Lebens sind tiefgreifende Ver\u00e4nderungen unseres Innern kaum m\u00f6glich, weil unsere Egos st\u00e4ndig damit besch\u00e4ftigt sind, auf Aktionen anderer zu reagieren und dadurch selbst wieder Reaktionen anderer aufzurufen. So bleibt das Leben eine vom Ego und seinen Bed\u00fcrfnissen und \u00c4ngsten in Gang gehaltene Kettenreaktion ohne Ende.<\/p>\n<p>Es gibt auf dieser Ebene des Erlebens zwar eine Sehnsucht nach \u201ewirklichem Sein\u201c, nach wirklicher Freiheit, aber sie kann nicht realisiert werden. Alle sind damit besch\u00e4ftigt, das eigene Bild, wie die Welt sein sollte, in Gedanken, in Gef\u00fchlen und Taten, so weit es nur geht, zu manifestieren.<\/p>\n<p>Wir bleiben gefangen in einer Matrix der Selbstt\u00e4uschung, weil wir die Welt, so wie sie ist, nicht akzeptieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Almaas empfiehlt, \u201eeine mutige Verwundbarkeit zu entwickeln\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, also das Bed\u00fcrfnis und stetige Verlangen des Ego nach Schutz und Kontrolle zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p><strong>Gibt es denn \u201ewirkliche\u201c Freiheit?<\/strong><\/p>\n<p>In einem deutschen Volkslied hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eDie Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?<\/p>\n<p>Sie fliehen vorbei wie n\u00e4chtliche Schatten.<\/p>\n<p>Kein Mensch kann sie wissen, kein J\u00e4ger erschie\u00dfen,<\/p>\n<p>es bleibet dabei: die Gedanken sind frei\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Die Gedanken sind frei \u2013 damit fangen die Probleme an. Das Gedankenkarussell in unserem Kopf l\u00e4sst uns keine Sekunde in Ruhe: \u201eTu dies, tu das! Besch\u00e4ftige dich mit dem, was war, was morgen, n\u00e4chste Woche oder irgendwann kommen k\u00f6nnte! F\u00fchle dich schuldig, dass die Dinge so stattgefunden haben.\u201c<\/p>\n<p>Ego-Sein bedeutet die vollst\u00e4ndige Identifikation mit dem eigenen Denken und F\u00fchlen. Eckhart Tolle sagt demgegen\u00fcber: \u201eDu denkst nicht. Das Denken geschieht dir\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Ron Smothermon dr\u00e4ngt dazu, die fast alles Leben beherrschende Gedankenenergie, den \u201eHirngott\u201c, zu entthronen.<a title=\"\" href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Ein wichtiger Schritt besteht darin, nicht lediglich Akteur auf der B\u00fchne des Lebens zu sein, sondern dar\u00fcber hinaus zum Beobachter des Akteurs zu werden. Die M\u00f6glichkeit hierzu ist in uns angelegt. Eine Instanz kann in uns zur Entfaltung und zum Tragen kommen, die man als neue oder urspr\u00fcngliche Seele bezeichnen kann. Sie ist ganz anders als unser Ego, sie stammt nicht aus dem irdischen Lebenskampf. Ab dem Moment, wo es gelingt, das Leben zunehmend aus der Beobachterposition zu er-leben, schwindet die beherrschende Kraft unserer Selbstbehauptung. Das Ego wird dann sozusagen unter Beobachtung gestellt, inklusive seiner Gedanken und Gef\u00fchle. Sie werden als das wahrgenommen, was sie sind, n\u00e4mlich fl\u00fcchtige Reaktionsformen an der Peripherie des Lebens. Und interessanterweise l\u00e4sst uns die neue Ebene neue Handlungsm\u00f6glichkeiten erkennen.<\/p>\n<p>Dieser bedeutende Schritt, der einer Selbstrevolution gleichkommt und zu einem neuen Verst\u00e4ndnis des Lebens f\u00fchrt, gelingt nicht von heute auf morgen. Er ben\u00f6tigt Geduld und Ausdauer und einen Brennstoff, eine Triebkraft. Vielleicht kann man diese Triebkraft als Sehnsucht nach absoluter Freiheit, nach absoluter Liebe und absolutem Eins-Sein bezeichnen.<\/p>\n<p>Wenn wir auf diesem Weg ausharren, geschieht eines Tages das Wunder: Es gelingt unserem weitgehend von der Herrschaft des Ego befreiten Wesen, zu SEIN. In dem Ma\u00dfe, in dem wir einfach nur noch SIND, bringen wir durch unser ganzes Leben immer mehr zum Ausdruck, dass auch das Leben anderer sein darf, wie es ist.<\/p>\n<p>Aus diesem bewussten Sein tritt eine stark transformierende Kraft in die Welt hinaus, die alle und alles ver\u00e4ndert. Sie beendet \u201edie Bosheit der Unwissenheit\u201c, wie Jan van Rijckenborgh dies bezeichnet.<a title=\"\" href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Wir erleben dann etwas, was wir vorher f\u00fcr unm\u00f6glich hielten: Wir k\u00f6nnen jedem Augenblick des Lebens gestatten, so zu sein, wie er gerade ist. Jeder Widerstand ist verschwunden. Das Leben offenbart sich in seiner absoluten F\u00fclle, absoluten Freiheit und absoluten, unver\u00e4nderlichen Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> A. H. Almaas, <em>In die Tiefe des Seins<\/em>, 5. Auflage, 2016.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> a. a. O., S. 93 ff.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> https:\/\/www.volksliederarchiv.de\/die-gedanken-sind-frei\/<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Eckhart Tolle, <em>Die neue Erde<\/em>, 7. Auflage, 2005<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ron Smothermon, <em>Drehbuch f\u00fcr Meisterschaft im Leben<\/em>, Bd. 1, 7. Auflage, 1986<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Jan van Rijckenborgh, <em>Die \u00e4gyptische Urgnosis<\/em>, Band 2, S. 22 ff., 3. Auflage, 1997.<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":56301,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-92678","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56301"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92678"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92678"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}