{"id":92669,"date":"2022-04-14T15:11:01","date_gmt":"2022-04-14T15:11:01","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/klang-eine-verkorperung-geistiger-erkenntnis-teil-2\/"},"modified":"2022-04-14T15:11:01","modified_gmt":"2022-04-14T15:11:01","slug":"klang-eine-verkorperung-geistiger-erkenntnis-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/klang-eine-verkorperung-geistiger-erkenntnis-teil-2\/","title":{"rendered":"Klang &#8211; Eine Verk\u00f6rperung geistiger Erkenntnis &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/klang-eine-verkoerperung-geistiger-erkenntnis-teil-1\">Zur\u00fcck zu Teil 1<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Quellen des H\u00f6rsinns<\/strong><\/p>\n<p>Das Musikalische hat wahrscheinlich seine wahren Wurzeln im alten Atlantis. Quellen, die u.a. der Akasha-Chronik zuzurechnen sind, verdeutlichen vage, dass Sprache nicht in der Lage war, Sehns\u00fcchte, das Verlangen nach H\u00f6herem zu beschreiben und noch weniger, diese auf eine religi\u00f6se Instanz zu projizieren. Rudiment\u00e4re Kl\u00e4nge (Musik) d\u00fcrften die Vorstellung gen\u00e4hrt haben, dass im fr\u00fchzeitlichen Menschen geistige Kommunikation denkbar ist.: Gebet, Religion, Schutz und Trost der gro\u00dfen Mutter.<\/p>\n<p>Im alten Indien entwickelt sich f\u00fcr westliche Ohren eine unverst\u00e4ndliche Tonleiter und eine rhythmische Gestalt, der bis heute nur schwer zu folgen ist. Die westliche Musik hat erst Ende des 20. Jahrhunderts versucht, Ann\u00e4herungen und Kombinationen zu erm\u00f6glichen. Es sei auf George Harrison, Ravi Shankar und Yehudi Menuhin verwiesen. Jahrtausende ist indische Musik mit Meditation, Mantras und Versenkungsprozessen verbunden, sodass indische Menschen \u00fcber lange Zeiten kontemplative Naturen ausbilden.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Musik im alten \u00c4gypten, l\u00e4sst sich eine Bewegung vom Feinstofflichen zum Grobstofflichen feststellen. Parallel ist eine Entwicklung vom Mentalen zum Gef\u00fchlsorganismus, der weniger feinstofflich ist, sp\u00fcrbar. In den spirituellen Schulen der \u00c4gypter, den Mysterien, ist u.a. die Musik das Mittel, die einzuweihenden Kandidaten in einem Tempelschlaf in Trance zu versetzen. In diesem Zustand wurde und wird dem Menschen bewusst, dass sich der Astralk\u00f6rper\/ das Gef\u00fchlswesen vom physischen K\u00f6rper trennen kann und er gelangt zu der Erfahrung, dass er unsterblich ist. Paradiesische und satanische R\u00e4ume k\u00f6nnen durchschritten werden und der Aufstieg in himmlische Regionen entspricht dem Erlebnis der Auferstehung. Diese Prozesse werden kurzerhand in die christliche Liturgie \u00fcbernommen und so basiert die Christenlehre auf der \u00e4gyptischen Magie: \u201eAus \u00c4gypten habe ich meinen Sohn gerufen.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es bei dem indischen Mystiker um Gl\u00fcckseligkeit und Ekstase geht, beabsichtigt der \u00c4gypter, das Wissen zu erwerben, unter welchen Bedingungen experimentiert werden kann. Das sog. christliche Abendland verdankt der \u00e4gyptischen Kultur, Zeremonien und rituelles Handeln gezielt einzusetzen. In \u00c4gypten sind es die Adepten und Eingeweihten, die diese magischen Mittel nutzen, w\u00e4hrend das \u00e4gyptische Volk in Unwissenheit verharrt. Nicht viel anders ist es im heutigen Christentum. Viele Religionssysteme entwickeln Aberglauben und verlieren ihren reinen und hochstehenden Ursprung.<\/p>\n<p>In Griechenland entsteht die europ\u00e4ische auf Halbt\u00f6nen basierende Musik. Platon und Aristoteles ordnen den bereits in Griechenland entwickelten 3 urspr\u00fcnglichen Tonarten (dorisch, lydisch und phrygisch) differenzierte Wesenszust\u00e4nde zu. So soll die dorische Tonart Selbstachtung und Achtung vor dem Staat bewirken, die lydische Tonart die Sinnlichkeit bef\u00f6rdern und die phrygische Selbstbeherrschung und W\u00fcrde verursachen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend lassen sich vielleicht die Menschen der drei musikalischen Ursprungsgebiete grob aufgrund der unterschiedlichen Klangbedeutungen und -Wirkungen unterscheiden:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"NoSpacing\">Der Hindu suchte tr\u00e4umerische Kontemplation.<\/li>\n<li class=\"NoSpacing\">Der \u00c4gypter wollte die Magie entwickeln, wissenschaftlich die Vorstellungsgrenzen zu \u00fcberwinden.<\/li>\n<li class=\"NoSpacing\">Der hellenische Mensch bevorzugte die Qualit\u00e4t des K\u00f6rperlichen, was auch die idealisierende Kunst der Griechen unterstreicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>W\u00e4hrend einerseits hohe Reinheit, Kunstfertigkeit und Weisheit zu beobachten ist, entwickeln sich andererseits Moralvorstellungen, Scheinheiligkeit, Dogmen und Aberglauben, so dass Spiritualit\u00e4t und Sch\u00f6nheit auseinanderdividiert und die Empfindung der Einheit, des Einklanges zerst\u00f6rt wird. Ein Prozess, der bis zum heutigen Tag fortdauert.<\/p>\n<p><strong>Die Degeneration des Geh\u00f6rs in der Moderne<\/strong><\/p>\n<p>Theodor W. Adorno besch\u00e4ftigt sich intensiv mit dem Verfall des musikalischen Geschmackes im 20. Jahrhundert und der Regression des H\u00f6rens. Hierbei betrachtet er soziologische, musikalische und \u00e4sthetische Aspekte, die er kr\u00e4ftig vermischt. Hier soll nur die Degressionstendenz n\u00e4her beleuchtet werden und nicht der wissenschaftliche Gesamtzusammenhang und die Details. Interessant ist vielleicht die Aktualit\u00e4t des Themas in der aktuellen Covid 19-Situation. Adorno macht seine Beobachtung u.a. an dem Vorkriegsschlager \u201ePuppchen, du bist mein Augenstern, Puppchen hab dich zum Fressen gern\u201c, fest. Nach Zeiten der Depression und der Fixierung auf Gr\u00f6\u00dfenwahn, Mord und Todschlag und durchlittener unertr\u00e4glicher Leidphasen, ben\u00f6tigt der Mensch ein Ventil, Frust und Versteinerung abzusch\u00fctteln, zu tanzen und zu feiern, ohne den hohen Anspruch. Dies scheint auch z.Z. beobachtbar: Mit der Sehnsucht nach Party und Vergn\u00fcgen will der Mensch die allgegenw\u00e4rtige Verpanzerung und empfundene G\u00e4ngelung abwerfen. Aus diesem Grund scheint mir das Beispiel Adornos als eher nicht gerechtfertigt. Aber zum Prinzipiellen: Die explosionsartige Verflachung des Musikgeschmacks und der H\u00f6rgewohnheiten vieler Zeitgenossen f\u00fchrt, so Adorno, zu einem Verlust der H\u00f6rf\u00e4higkeit. Folge ist eine Fixierung des Bewusstseins auf einer infantilen Stufe mit dem Verlust der F\u00e4higkeit, Erkenntnisse aus der Sprache der Musik zu ziehen. Er beschreibt es als Krankheit mit konservierender Bedeutung. Die Allgegenwart von Jazzmusik und Schlager f\u00f6rdere die Dekonzentration und f\u00fchre zu dem, was das Wort \u201eUnterhaltungsmusik\u201c aussagt: Das Untenhalten des Menschen auf niedrigem fast unbewussten Niveau. Das H\u00f6ren degeneriert auf eine niedrige Stufe und eine H\u00f6herentwicklung vom allt\u00e4glichen Gedudel zur Rezeption einer Wagneroper scheint auf Dauer sehr unwahrscheinlich.<\/p>\n<p><strong>Die Pr\u00e4gung des Geh\u00f6rs in der Mutter<\/strong><\/p>\n<p>Alfred A. Tomatis, Arzt und Hochschullehrer, besch\u00e4ftigt sich Jahrzehnte wissenschaftlich und medizinisch mit dem Geh\u00f6r des Menschen. Er postuliert, dass die seelische Pr\u00e4gung bereits sehr fr\u00fch im Mutterleib beginnt. Im Uterus werden das Mental- und Gef\u00fchlswesen sowie die Sprachf\u00e4higkeit ma\u00dfgeblich entfaltet und gef\u00f6rdert. Das H\u00f6r- und Gleichgewichtssystem wird bereits im Anfangsstadium der menschlichen Entwicklung perfektioniert. Die Stimme der Mutter hat dabei eine ganz wesentliche Funktion. Sie vermittelt im fr\u00fchesten Stadium der Existenz den Klang des Lebens. Und vielleicht l\u00e4sst dies die Schlussfolgerung zu, dass ein wesentlicher Teil der Sinnfrage beantwortbar ist: Es geht in der Evolution u.a. um die Vervollst\u00e4ndigung des Horchens. Derjenige, der in der Lage ist, zu h\u00f6ren, bef\u00e4higt sich, das Wort des Anfangs wieder zu erfassen \u2026<\/p>\n<p><strong>Das Sehen pr\u00e4judiziert das Geh\u00f6rte<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube nur, was ich sehe! Das muss ich erst sehen, bevor ich das als Wahrheit anerkenne\u2026 Eine Lawine von Bildern schl\u00e4gt \u00fcber uns zusammen: Fernsehen, Internet, Smartphone, und die Einfachheit alles per Foto und Selfie festzuhalten dominieren die Wahrnehmung unbeschreiblich intensiv.<\/p>\n<p>In einem Theater sitzen drei Schauspieler auf St\u00fchlen und lesen ihre Texte vor. Sie spielen nicht Othello oder Romeo und Julia. In der Vorstellung des H\u00f6rers setzt sich ein kreativer Prozess in Gang. Das Geh\u00f6rte verwandelt sich in Bilder, in einen eigenen Film. Am Ende hat jeder sein eigenes Erlebnis empfunden, schlechtestenfalls nimmt er nur die Vortragsqualit\u00e4t der Lesenden wahr. Der das Gehirn anregende Vorteil des H\u00f6rspiels gegen\u00fcber dem Schauspiel scheint eklatant zu sein. Kann unser Bewusstsein angesichts der Bilderflut noch frei feststellen, ob es Informationen aus erster Hand erh\u00e4lt oder manipuliert wird? Bin ich mit dem H\u00f6ren n\u00e4her an der Realit\u00e4t? Ich h\u00f6re am liebsten, was ich schon kenne \u2013 auch so ein die Wahrnehmung verf\u00e4lschender Filter.<\/p>\n<p><strong>Das Unerh\u00f6rte: Die Kreutzersonate<\/strong><\/p>\n<p>Zwischen dem Oratorium \u201eChristus auf dem \u00d6lberge\u201c und der \u201eEroica\u201c schreibt Ludwig van Beethoven eine Sonate f\u00fcr Violine und Klavier op. 47, die sogenannte Kreutzersonate. S\u00e4mtliche bisherigen Konventionen werden \u00fcberwunden und das Begleitinstrument Violine wird endg\u00fcltig aus dem Schattendasein gerissen und \u00fcbernimmt die Initiative, Gef\u00fchle auszul\u00f6sen, die vorher unbekannt waren: Eine Wende, Unbegreifliches, Verdr\u00e4ngtes, Verborgenes ins Licht des Tages zu zerren. Keine Hausmusik, nur Spitzengeiger k\u00f6nnen das interpretieren. Musiker und H\u00f6rer werden hilflos zur\u00fcckgelassen. Denken und Emotionen werden aus dem Allt\u00e4glichen gerissen, das Patriarchale fliegt in die Tonne, das Weibliche entfaltet seine bet\u00f6rende und harmonisierende Kraft. Tolstoi beschreibt in seiner Erz\u00e4hlung \u201eDie Kreutzersonate\u201c die Gef\u00e4hrlichkeit der Musik, erotische Gef\u00fchle hervorzurufen, ein Anschlag, der das russische Selbstverst\u00e4ndnis m\u00e4nnlicher Dominanz in Frage stellt. Eine russische Revolution! Beethoven rei\u00dft mit dieser Sonate unerh\u00f6rter Radikalit\u00e4t Grenzen des Ausdrucks ein, formt eine neue Dialektik oder ist es gar die Formulierung des neuen Menschheitsweges? Ein Menschheitsweg der Zusammenarbeit der Solidarit\u00e4t? Musiker und H\u00f6rer werden unmittelbar mit der Gef\u00fchlswelt des Sch\u00f6pfers verbunden. Die alten Kr\u00e4fte widersetzen sich bis heute \u2013 aber auf Dauer? Was ist dem Nichts noch entgegenzusetzen?<\/p>\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/klang-die-verkoerperung-geistiger-erkenntnis-teil-3\">wird fortgesetzt in Teil 3<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":56236,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-92669","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56236"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92669"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92669"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92669"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}