{"id":92572,"date":"2022-02-09T18:38:38","date_gmt":"2022-02-09T18:38:38","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/wahrnehmung-wird-aus-der-empfindung-geboren\/"},"modified":"2022-02-09T18:38:38","modified_gmt":"2022-02-09T18:38:38","slug":"wahrnehmung-wird-aus-der-empfindung-geboren","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/wahrnehmung-wird-aus-der-empfindung-geboren\/","title":{"rendered":"Wahrnehmung wird aus der Empfindung geboren"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWas ich Ihnen wiederzugeben versuche, ist unbegreiflicher, es ist mit den Wurzeln des Seins selbst verflochten, an der ungreifbaren Quelle des Empfindens.\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a>(Paul C\u00e9zanne)<\/p>\n<p>Die Quelle der Empfindung, von der C\u00e9zanne schreibt, ist immer in uns anwesend \u2013 in jedem Augenblick, der ganz der unsere ist.<\/p>\n<p>Es kann dann geschehen, dass ich, von einer Gem\u00e4ldeausstellung aus dem Museum kommend, pl\u00f6tzlich meine Umgebung und ihre Dinge in einer mir ungew\u00f6hnlichen Weise wahrnehme. Zun\u00e4chst erregen die Steine auf dem Boden meine Aufmerksamkeit: Ich sehe Farben und Farbnuancen auf den Steinen, die wohl Wetterverh\u00e4ltnisse und menschliche Abdr\u00fccke auf ihnen hinterlassen haben. Ich tauche ganz in das, was ich da wahrnehme, ein und bin in Einheit mit den Farben und den Konturen. Ich f\u00fchle mich aufgenommen in eine magische Welt von Farbschattierungen, Formen und D\u00fcften an der Wurzel meiner Empfindungen.<\/p>\n<p>Diesen Quellen unserer Empfindungen ging der franz\u00f6sische Ph\u00e4nomenologe Maurice Merleau-Ponty nach, indem er nach dem Wesen der menschlichen Wahrnehmung forschte.<\/p>\n<p>Maurice Merleau-Ponty (MP) war einer der bekanntesten Philosophen des 20. Jahrhunderts. \u201eWenn die Ph\u00e4nomenologie in Frankreich recht bald zu einer eigenen Statur gefunden hat, so ist dies in besonderem Ma\u00dfe Merleau-Ponty zu verdanken.\u201c <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a><\/p>\n<p><strong>\u201ePh\u00e4nomenologie, was ist das?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Frage beginnt MP das Vorwort zu seinem Hauptwerk <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\" title=\"\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Der Begriff \u201ePh\u00e4nomen\u201c leitet sich vom griechischen <em>Phainomenon<\/em> ab, das ein Erscheinendes bzw. ein sichtbares Ereignis meint.<\/p>\n<p>Platon unterschied zwischen ver\u00e4nderlichen Erscheinungen und ewigen Ideen. Die Ph\u00e4nomenologie ist eine philosophische Str\u00f6mung des 20. Jahrhunderts, begr\u00fcndet von E. Husserl und M. Heidegger, die zu den Ph\u00e4nomenen, zu \u201eden Sachen selbst\u201c und der Struktur der Erfahrungen der menschlichen Lebenswelt zur\u00fcckkehren wollten.<\/p>\n<p>Die Ph\u00e4nomenologie gr\u00fcndet auf einer Methode, die ein Ph\u00e4nomen, das hei\u00dft eine sinnliche Erfahrung, nicht empirisch, analytisch oder reflexiv intellektuell untersucht, sondern nach ihrem Wesen sucht und dessen Spuren beschreibt.<\/p>\n<p>\u201eZur\u00fcckzugehen auf die \u201aSachen selbst\u2019, hei\u00dft zur\u00fcckgehen auf diese aller Erkenntnis vorausliegende Welt, von der alle Erkenntnis spricht und bez\u00fcglich deren alle Bestimmung und Wissenschaft notwendig abstrakt, signitiv, sekund\u00e4r bleibt, so wie Geographie gegen\u00fcber der Landschaft, in der wir allererst lernten, was dergleichen wie Wald, Wiese und Fluss \u00fcberhaupt ist.\u201c <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\">[4]<\/a><\/p>\n<p><strong>Empirismus und Intellektualismus<\/strong><\/p>\n<p>Seine eigene ph\u00e4nomenologische Methode entwickelte MP, indem er sich prozessm\u00e4\u00dfig von den \u00fcberlieferten Denktraditionen des experimentellen Empirismus einerseits und dem Intellektualismus andererseits distanzierte.<\/p>\n<p>Die empirische Methode zw\u00e4ngt die Wahrnehmung in ein Kausaldenken und reduziert sie dabei auf ein sinnesphysiologisches Reiz-Reaktions-Schema.<\/p>\n<p>Der Intellektualismus dagegen geht von einem die Welt konstruierenden Subjektbewusstsein aus; dieses stellt wissenschaftliche Theorien auf und formt die Welt, wie sie es wahrnimmt, passend dazu. Descartes zum Beispiel gr\u00fcndet in seinem ber\u00fchmten Satz <em>Cogito ergo sum<\/em> seine Existenz auf das Selbstbewusstsein seines Denkens.<\/p>\n<p>MP sagt: \u201eNicht enth\u00e4lt das Ich-denke auf eminente Weise das Ich-Bin, nicht reduziert sich mein Dasein auf das Bewusstsein, das ich von ihm besitze, vielmehr findet umgekehrt das Ich-denke sich in [\u2026] dem Ich-bin seiner Existenz integriert: Das Ich-bin geht dem Denken voraus.\u201c<\/p>\n<p>Das wissenschaftliche Denken schafft sich somit eine eigene Wirklichkeit \u2013 in beiden Denkrichtungen findet eine Trennung zwischen dem Subjekt und dem Objekt der Wahrnehmung statt. Es ist eine Entschlossenheit, alles Sein als Ding schlechthin zu behandeln, als w\u00e4re es f\u00fcr unsere Manipulationen pr\u00e4destiniert. \u201eDie Wissenschaft experimentiert mit den Dingen und verzichtet darauf, ihnen beizuwohnen.\u201c <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\" title=\"\">[5]<\/a><\/p>\n<p>MP bezeichnet dieses Denken deshalb als ein \u201e\u00fcberfliegendes Denken\u201c, ein Denken im \u00dcberflug, das hei\u00dft ein Denken, das nicht in der Natur wurzelt, aus dem es stammt. <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\" title=\"\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Die empirische Methode und der Empirismus \u00fcberspringen die Tatsache, dass sich Wahrnehmung nur in einem \u201eLeib\u201c vollziehen kann.<\/p>\n<p><strong>Die zentrale Stellung des menschlichen Leibes<\/strong><\/p>\n<p>Der Leib des Menschen steht zentral in der Philosophie von MP. Er vermittelt zwischen K\u00f6rper, Seele und Geist und erm\u00f6glicht somit, dass der Mensch ein inkarniertes Wesen ist. Da der Leib als Faktum selbst nicht wahrnehmbar ist, stellt er das fehlende Glied in den Wahrnehmungsprozessen der besprochenen Denktraditionen dar.<\/p>\n<p>\u201eDie Wahrnehmung ist nicht zu beschreiben als eines unter den Fakten, die in der Welt vorkommen, da wir [\u2026] nie jene leere Stelle zu unterdr\u00fccken verm\u00f6gen, die wir selber sind [\u2026] und [\u2026] die Wahrnehmung der \u201aFehler\u2019 in diesem \u201agro\u00dfen Edelstein` ist.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\" title=\"\">[7]<\/a><\/p>\n<p>MP zufolge ist der Leib eine Textur aus einem Element, das er als \u00c4ther beschreibt, der allen Erscheinungen in unterschiedlichen Seinsmodalit\u00e4ten zugrundeliegt. Er sagt: \u201eDer eigene Leib ist in der Welt wie das Herz im Organismus: er ist es, der alles sichtbare Schauspiel unaufh\u00f6rlich am Leben erh\u00e4lt, es innerlich ern\u00e4hrt und beseelt, mit ihm ein einziges System bildend.\u201c <a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\" title=\"\">[8]<\/a> Er ist Ausdruck beseelten Lebens und raumerzeugender Bewegung; er \u00f6ffnet uns zur Welt hin und kommuniziert mit ihr in der Empfindung, in der unsere Wahrnehmung wurzelt. <a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\" title=\"\">[9]<\/a> Der Leib ist auch die Synthesis aller K\u00f6rperteile, deren Sinne in ihm wurzeln; er ist sozusagen ein \u201enat\u00fcrliches Ich\u201c. <a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\" title=\"\">[10]<\/a><\/p>\n<p>\u201eDie Theorie des K\u00f6rperschemas ist <em>implicite <\/em>schon eine Theorie der Wahrnehmung\u201c <a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\" title=\"\">[11]<\/a>, sagt er abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p><strong>Die Geburt der Wahrnehmung aus der Empfindung <\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Kunst und namentlich die Malerei sch\u00f6pfen aus jenem Meer rohen Sinnes, von dem das produzierende Denken nichts wissen will. Sie sind sogar die einzigen, die dies in aller Unschuld tun. [&#8230;] Nur der Maler hat das Recht, seinen Blick auf alle Dinge zu werfen, ohne zu ihrer Beurteilung verpflichtet zu sein. Vor ihm, k\u00f6nnte man sagen, verlieren die Ordnungsbegriffe der Erkenntnis und der Tat ihre Wirkkraft.\u201c <a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\" title=\"\">[12]<\/a><\/p>\n<p>MP hat einen langen inneren Dialog mit dem Maler Paul C\u00e9zanne \u00fcber dessen Wahrnehmungsprozess gef\u00fchrt, den wir hier in einzelnen Aspekten nachvollziehen wollen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\" title=\"\">[13]<\/a><\/p>\n<p>C\u00e9zanne litt st\u00e4ndig unter Selbstzweifeln; er wurde erst sp\u00e4t anerkannt und wurde dann allerdings zum Vorbild f\u00fcr nachfolgende K\u00fcnstlergenerationen, da in jedem einzelnen seiner Gem\u00e4lde das ganze Geheimnis der modernen Malerei geborgen liege. Matisse nannte ihn gar \u201eeine Art lieber Gott der Malerei\u201c.<\/p>\n<p>C\u00e9zanne liebte es, in der freien Natur zu malen, weil er sich in ihr frei bewegen konnte.<\/p>\n<p>MP: \u201eEr bringt also seinen Leib ein\u201c, und indem er \u201eder Welt seinen Leib leiht, verwandelt er die Welt in Malerei [&#8230;], und um dies zu verstehen, muss man den [&#8230;] gegenw\u00e4rtigen Leib wiederfinden, [&#8230;] der ein Geflecht aus Sehen und Bewegung ist.\u201c <a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\" title=\"\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Inmitten der Landschaft schaffte C\u00e9zanne sich seine Optik, aber \u201eunter Optik verstehe ich ein logisches Sehen, also nicht irgend etwas Vernunftwidriges\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Er sah das ganze Wahrnehmungsfeld vor sich, das hei\u00dft den gro\u00dfen Horizont der Landschaft, die Totalit\u00e4t ihrer ganzen F\u00fclle, und indem er sich zun\u00e4chst Klarheit \u00fcber ihre geologischen Strukturen verschaffte, erarbeitete er sich sein Sehfeld. Er lie\u00df die Landschaft in sich aufkeimen und fand sein Motiv, eine noch unsichtbare Gestalt. Dann bewegte er sich nicht mehr von der Stelle und schaute nur noch, \u201ebis ihm die Augen\u201c, wie Madame C\u00e9zanne sagte, \u201eaus dem Kopf heraustraten\u201c.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\" title=\"\">[15]<\/a><\/p>\n<p>MP erl\u00e4utert, dass C\u00e9zanne uns teilnehmen l\u00e4sst \u201ean einem Wahrnehmungsprozess, der uns einen \u201a<em>logos in statu nascendi<\/em>\u2019 an die Hand gibt jenseits von jedem Dogmatismus unter wirklichen Bedingungen von Objektivit\u00e4t \u2026\u201c <a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\" title=\"\">[16]<\/a> C\u00e9zanne malte seine Perspektiven nicht nach den Lehrb\u00fcchern. So wirken sie zun\u00e4chst auf der Leinwand etwas starr; wenn man jedoch genauer hinschaut, so sieht man, dass unser Auge ihre spontane Bewegung erg\u00e4nzt. C\u00e9zanne malte nur nach Ma\u00dfgabe des erlebten Sichtbaren. MP erkl\u00e4rt, dass die Psychologie erst sp\u00e4t entdeckte, dass die Perspektive, die wir erleben, nicht die der geometrischen Perspektive ist.<\/p>\n<p>Aus diesem Grunde malte C\u00e9zanne auch keine festen Konturen um Gegenst\u00e4nde. Seine ber\u00fchmten \u00c4pfel finden ihre Form nicht durch begrenzende Linien. Er folgte ihren sich w\u00f6lbenden R\u00e4ndern durch Farbmodulationen, die sie rund und prall erscheinen lassen, ganz so wie unser Auge, das kein photographisches ist, sie wahrnimmt.<strong> <\/strong>Es geht nicht darum, das menschliche Wissen auf Empfindungen zu reduzieren, sondern der Geburt dieses Wissens beizuwohnen. MP sieht in der primordialen Wahrnehmung noch keinerlei Unterschied zwischen den Sinnen. \u201eErst die Wissenschaft vom menschlichen K\u00f6rper bringt uns sp\u00e4ter bei, zwischen unseren Sinnen zu unterscheiden.\u201c <a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\" title=\"\">[17]<\/a><\/p>\n<p>C\u00e9zanne erlebte vielmehr sein Motiv als ein Zentrum, von dem die Sinnesdaten ausstrahlen.<\/p>\n<p>\u201eDie Welt ist das, was wir wahrnehmen\u201c, sagt MP.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\" title=\"\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Unsere Wahrnehmung der Welt basiert auf einem Grundverh\u00e4ltnis von K\u00f6rper, Seelenleib und Geist. \u201eDiese Wahrnehmung liegt f\u00fcr mich in der Empfindung\u201c, erkl\u00e4rte C\u00e9zanne. Empfindung vollzieht sich wiederum im Leib und durch ihn, denn er versammelt in sich alle Sinne, die nach Ausdruck ihrer zugrundeliegenden \u201elogischen\u201c Einheit streben. \u201eDie sensorischen Eigenschaften eines Dings konstituieren vielmehr in eins und zusammengenommen ein selbes Ding, so wie mein Blick, mein Gef\u00fchl und meine s\u00e4mtlichen Verm\u00f6gen ein und dasselbe, den in seinem einheitlichen Handeln integrierten Leib, bilden.\u201c <a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\" title=\"\">[19]<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Unsichtbarkeit in der Sichtbarkeit<\/strong><\/p>\n<p>Der Mensch steht auf einem doppelb\u00f6digen Grund, denn einerseits steht er in einer sichtbaren und andererseits in einer unsichtbaren Welt.<\/p>\n<p>Er hat einen sichtbaren physischen K\u00f6rper, der durch einen unsichtbaren Leib belebt und beseelt wird.<\/p>\n<p>In dem objektiven Denken des Verstandes und der Wissenschaft, das sich der primordialen Erfahrung entzieht, bildet sich ein Bewusstsein, das ein Ph\u00e4nomen, wie zum Beispiel unseren K\u00f6rper, objektiv setzt. Indessen \u201e[&#8230;] ist schon die Setzung eines einzigen Gegenstandes der Tod des Bewusstseins, da sie, wie eine L\u00f6sung durch die Einf\u00fchrung eines einzigen Kristalls sich g\u00e4nzlich kristallisiert, alle Erfahrung erstarren l\u00e4sst [&#8230;].<\/p>\n<p>Gelingt es uns, dieses Denken zu durchsto\u00dfen, [.,.] d\u00fcrfte dies der entscheidende Wendepunkt sein. Wir werden sehen, wie der Eigenleib sich in der Wissenschaft selbst der Behandlung entzieht, der sie ihn unterwerfen will.\u201c <a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\" title=\"\">[20]<\/a><\/p>\n<p><strong>Es ist die Kunst, die uns das R\u00e4tsel und die Tiefe der Wahrnehmung lehrt<\/strong><\/p>\n<p>Ein gemaltes Bild ist selbst unsichtbar, aber es macht sichtbar.<\/p>\n<p>C\u00e9zanne malt bisweilen Menschen mit Gesichtern wie Gegenst\u00e4nde und bildet die \u00e4u\u00dfere anonyme Wirklichkeit seiner Zeit nach, Indessen, wenn man genauer hinsieht, wird \u201eder Geist sichtbar und ablesbar an den Blicken, die doch selbst nichts anderes sind, als Farbkomplexe. [&#8230;] Der Maler, der denkt und unmittelbar auf den Ausdruck zusteuert, verfehlt das Geheimnis des pl\u00f6tzlichen Erscheinens eines Menschen in der Natur, das sich stets erneuert, sobald wir einen Menschen erblicken.\u201c <a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\" title=\"\">[21]<\/a> Das gemalte Bild selbst zeigt uns ein undurchdringliches Gesicht, jedoch, wenn wir uns in das stumme Gesicht vertiefen, enth\u00fcllt es uns sein Geheimnis in seinem Ausdruck.<\/p>\n<p>\u201eEs ist, als w\u00fcsste jede Stelle von allen\u201c, sagte Rilke \u00fcber die Bilder von C\u00e9zanne.<\/p>\n<p>Das gleiche gilt f\u00fcr das gesprochene Wort: sein Hintergrund ist das Schweigen, das seinen stummen Sinn ausdr\u00fccken kann.<\/p>\n<p>Es ist wiederum der Leib, der hier als verborgene Ausdruckseinheit sinnstiftend wirkt, denn Kunst ist eine Ausdruckshandlung.<\/p>\n<p>MP regt an, dass auch der Philosoph, und wir k\u00f6nnen hinzuf\u00fcgen: auch der Wissenschaftler, sich \u201eauf die stumme vorgegebene Welt einlassen soll, um ihr aus der Tiefe des Schweigens zum Ausdruck zu verhelfen\u201c.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\" title=\"\">[22]<\/a><\/p>\n<p>In dieser Durchl\u00e4ssigkeit der Ebenen, die alles mit allem verbindet, in welcher der Leib selbst einer unsichtbaren weltumspannenden Matrix zugeh\u00f6rt, sieht MP ein zuk\u00fcnftiges Denken und ein neues Sein des Menschen.<\/p>\n<p>\u201eDas, was existiert, ist eine unendliche Aufgabe.\u201c (Maurice Merleau Ponty)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Das Auge und der Geist<\/em>, Philosophische Essays, Hamburg 2003, S. 275<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> Bernhard Waldenfels, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung in Frankreich<\/em>, Frankfurt 1987, S. 142<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\">[3]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, Berlin, 1966, S. 3<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\">[4]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, a.a.O., S. 5<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\" title=\"\">[5]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, a.a.O., S. 437<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\" title=\"\">[6]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Das Auge und der Geist<\/em>, a.a.O., S. 27<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\" title=\"\">[7]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Das Auge und der Geist<\/em>, a.a.O., S. 277<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\" title=\"\">[8]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Das Auge und der Geist<\/em>, a.a.O., S. XIV (Einleitung)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\" title=\"\">[9]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, a.a.O., S. 239<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\" title=\"\">[10]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, a.a.O., S. 243<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\" title=\"\">[11]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, a.a.O., S. 242<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\" title=\"\">[12]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Das Auge und der Geist<\/em>, a.a.O., S. 277<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\" title=\"\">[13]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Der Zweifel C\u00e9zannes<\/em>, Frankfurt 1987, S. 11-33<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\" title=\"\">[14]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Das Auge und der Geist<\/em>, a.a.O., S. 278<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\" title=\"\">[15]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Der Zweifel C\u00e9zannes<\/em>, a.a.O., S. 16-22<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\" title=\"\">[16]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, Das Primat der Wahrnehmung, Frankfurt 2003, S. 50<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\" title=\"\">[17]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Der Zweifel C\u00e9zannes<\/em>, a.a.O., S. 19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\" title=\"\">[18]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, a.a.O., S. 13<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\" title=\"\">[19]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, a.a.O., S. 368<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\" title=\"\">[20]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Ph\u00e4nomenologie der Wahrnehmung<\/em>, a.a.O., S. 96<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\" title=\"\">[21]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Der Zweifel C\u00e9zannes<\/em>, a.a.O., S. 20<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\" title=\"\">[22]<\/a> Maurice Merleau-Ponty, <em>Das Sichtbare und das Unsichtbare<\/em>. <em>Philosophische Essays<\/em>, Hamburg 2003, S. 56<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":55602,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-92572","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92572","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/55602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92572"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92572"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92572"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92572"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}