{"id":92550,"date":"2022-02-03T16:19:25","date_gmt":"2022-02-03T16:19:25","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/sich-einlassen-auf-die-lebendige-natur-logon-petra-erxleben-interviewte-die-dusseldorfer-kunstlerin-barbara-meisner-teil-2\/"},"modified":"2022-02-03T16:19:25","modified_gmt":"2022-02-03T16:19:25","slug":"sich-einlassen-auf-die-lebendige-natur-logon-petra-erxleben-interviewte-die-dusseldorfer-kunstlerin-barbara-meisner-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/sich-einlassen-auf-die-lebendige-natur-logon-petra-erxleben-interviewte-die-dusseldorfer-kunstlerin-barbara-meisner-teil-2\/","title":{"rendered":"Sich einlassen auf die lebendige Natur. LOGON (Petra Erxleben) interviewte die D\u00fcsseldorfer K\u00fcnstlerin  Barbara Meisner &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/sich-einlassen-auf-die-lebendige-natur-logon-petra-erxleben-interviewte-die-duesseldorfer\">Zur\u00fcck zu Teil 1<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eBahnen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ganz anders wird der Betrachter von den gro\u00dfformatigen malerischen Bahnen, die im Raum h\u00e4ngen, angezogen und aufgenommen. Diese sind in der Wahrnehmungstradition von bildender Kunst viel gel\u00e4ufiger. Da ist etwas Gro\u00dfes gemacht worden, das kriegt jeder mit, das kannst du sozusagen im Vorbeischauen angucken.<\/p>\n<p>P.E. Sie h\u00e4ngen so frei im Raum, dass man zum Anfassen nah herankommen kann. Sie zeigen sehr detailreich auch kleinere Strukturen und Erz\u00e4hlungen im Bild.<\/p>\n<p>B.M. Im Detailreichtum schon \u00e4hnlich wie die Bildr\u00e4ume, die jedoch eher dunkel sind, so dass man in etwas Geheimnisvolles, Mysteri\u00f6ses hineinschaut. Die Bildr\u00e4ume sind intimer. Die Betrachter gehen da eher scheu und vorsichtig heran.<\/p>\n<p>Die malerischen Bahnen dagegen bieten sich an und laden ein, drum herum zu gehen. Bei den Bahnen kannst du kaum weggucken. Die Bahnen sind so wie B\u00e4ume. Die haben einfach die Aussage: \u201eHier bin ich.\u201c<\/p>\n<p>Die K\u00e4sten fl\u00fcstern eher. So wie die Pilze.<\/p>\n<p>P.E. Du verwendest f\u00fcr deine Werke unter anderem auch Naturfarben.<\/p>\n<p>B.M. Ich verwende Extrakte aus F\u00e4rberpflanzen. Fr\u00fcher, als es die chemischen Farben noch nicht gab, wurden ja alle Farben aus Pflanzen oder aus Mineralien gewonnen, teilweise auch aus Tieren, rot aus den Cochenille-L\u00e4usen zum Beispiel. Mein Interesse f\u00fcr Naturfarben hat sich vertieft, als ich einmal vor einer Hallimasch-Gruppe sa\u00df und den Pinsel in den r\u00f6tlichen Pilzsud tauchte. Diese Erfahrung brachte mich dazu, B\u00fccher zur Gewinnung von nat\u00fcrlichen Farben zu lesen und auf der Zeche Zollverein in Essen einen F\u00e4rberpflanzen-Kurs mitzumachen. Sp\u00e4ter habe ich F\u00e4rberpflanzen gekauft, die gibt es nur in Gelsenkirchen in einer speziellen G\u00e4rtnerei: F\u00e4rberkrapp und F\u00e4rberwaid.<\/p>\n<p>Oft benutze ich Zwiebelschalen-Sud, der wird sch\u00f6n gelb, manchmal gemischt mit Walnuss-Sud, so erh\u00e4lt man einen brauneren Ton oder schwarzen Tee und Kaffee. Ich f\u00e4rbe meine Papiere immer, bevor ich darauf zeichne, damit ein \u201eAnlass\u201c, ein erster Kontakt entsteht, der mich in die Kreativit\u00e4t f\u00fchrt. Danach, beim eigentlichen Zeichnen oder Malen, f\u00fchle ich mich angebunden an etwas H\u00f6heres, das mich durchstr\u00f6mt. Mit meinem Tun m\u00f6chte ich der Sch\u00f6pfung dienen.<\/p>\n<p>Hier in Birnbach, im Park der Rosenkreuzer, f\u00fchlte ich: diese B\u00e4ume sind stark, die stehen schon lange hier und sind wirkliche H\u00fcter. Darauf habe ich mich eingelassen. Die Kraftfelder von B\u00e4umen wurden mein Thema.<\/p>\n<p><strong>\u201eM\u00e4dchen w\u00e4chst in die Verbindung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>P.E. Schauen wir uns einmal diese gemalte Bahn an: mein derzeitiger Favorit von dir, ich nenne das Bild \u201eAlice im Wunderland\u201c.<\/p>\n<p>Der Blick des M\u00e4dchens zu der Sonnenblume zeigt so wunderbar den Prozess des Sehens, der mich an Goethes Ausspruch erinnert: \u201eW\u00e4r\u00b4 nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne k\u00f6nnt\u00b4 es nie erblicken. L\u00e4g\u00b4 nicht in uns des Gottes eigne Kraft, wie k\u00f6nnt uns G\u00f6ttliches entz\u00fccken?\u201c Es erinnert mich an das Auge Shivas oder an Meister Eckharts Ausspruch: \u201eDas Auge, in dem ich Gott sehe, das ist dasselbe Auge, darin mich Gott sieht; mein Auge und Gottes Auge, das ist ein Auge und ein Sehen und ein Erkennen und ein Lieben.\u201c Auch diese behutsame Geste mit der Hand r\u00fchrt mich an. Faszinierend finde ich, dass sie wie auf Kristallbergen steht.<\/p>\n<p>B.M. Die Malerei tr\u00e4gt den Titel: <em>\u201eM\u00e4dchen w\u00e4chst in die Verbindung\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-55482\" src=\"http:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/7-Madchen-wachst-in-die-Verbindung.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"751\" height=\"1126\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/7-Madchen-wachst-in-die-Verbindung.jpg 751w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/7-Madchen-wachst-in-die-Verbindung-200x300.jpg 200w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/7-Madchen-wachst-in-die-Verbindung-683x1024.jpg 683w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/7-Madchen-wachst-in-die-Verbindung-16x24.jpg 16w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/7-Madchen-wachst-in-die-Verbindung-24x36.jpg 24w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/7-Madchen-wachst-in-die-Verbindung-32x48.jpg 32w\" sizes=\"(max-width: 751px) 100vw, 751px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Bild 7<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Figur wurzelt in der Erde und die Wurzeln wurden zu Bergen oder Vulkanen. Man k\u00f6nnte das Gem\u00e4lde auch umdrehen, dann sind es Trichter, die in die F\u00fc\u00dfe hineinflie\u00dfen. Vom Kopf des M\u00e4dchens wachsen feine Fasern nach oben. Aus dem Kronenchakra entsteht eine Verbindung zum Himmel und zur\u00fcck.<\/p>\n<p>P.E. Wir wurzeln im G\u00f6ttlichen und erden uns auf der Erde. Laut Rudolf Steiner sind B\u00e4ume wie umgedrehte Menschen, da das Denken in den Mentalwelten \u201ewurzelt\u201c und die \u00c4ste wie unsere Extremit\u00e4ten ins Au\u00dfen hin t\u00e4tig sind.<\/p>\n<p><strong>Im Bauch von Mutter Erde<\/strong><\/p>\n<p>B.M. Zun\u00e4chst \u00fcberwogen die gr\u00fcnen Anteile und ich musste Blau hinzuf\u00fcgen, um ein Gleichgewicht zu schaffen, ebenso dieses sonnenhafte Gelb. Unten im Bau, Untertage, setzte ich ein Tier, den Fuchs, hinein. Auf jeder meiner Malereien findet man ein Tier. Ein kleiner Vogel steht stellvertretend f\u00fcr die L\u00fcfte.<\/p>\n<p>Das Unten-Oben hat mich schon immer interessiert, vielleicht auch, weil ich Bergmannstochter bin. Ganz klassisch, der Vater ist \u201eUntertage angefahren\u201c, da durfte man fr\u00fcher als Frau nicht hin. Man sagte, Frauen in der Grube bringen Ungl\u00fcck. Als ich\u2019s dann endlich durfte, bin ich viermal angefahren, zuletzt 2018 auf Zeche <em>Prosper Haniel<\/em> in Bottrop. Es ist eine richtig harte Welt gewesen da unten, wir sind Hunderte Meter runter in den Berg, dann in die Stollen, Fl\u00f6ze rein, dort teilweise geb\u00fcckt, mit diesen schweren Klamotten und der Grubenlampe plus der anderen Ausr\u00fcstung am G\u00fcrtel. Ich war schon groggy<em>,<\/em> ohne zu arbeiten. Unvorstellbar!<\/p>\n<p>Aber ich war \u201eim Bauch von Mutter Erde\u201c. Ich wollte das unbedingt erleben.<\/p>\n<p>Man bedenke, dass die B\u00e4ume und Farne, die quasi umgekippt und in Sumpfb\u00f6den versanken zu Torf geworden sind und durch mehrerer Millionen Jahre (das Erdzeitalter der Inkohlung nennt man Karbon) zu Braun- und Steinkohle und schlie\u00dflich zu Graphit. Und wenn Graphit verdichtet wird, entstehen Diamanten. Das hat mich so angesprochen, dass ich eine Arbeit gemacht habe, die \u201eTu\u0308r ins Unbewusste &gt; durch Diamant-Denken!\u201c hei\u00dft.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte man sagen, Kohle ist in die Erde gefallenes Himmelslicht und steht auch f\u00fcr etwas unglaublich Kristallines, Wertvolles und Lichtem. Diese Kreisl\u00e4ufe faszinieren mich: wenn Bodensch\u00e4tze (!) hochgeholt werden, um dem Menschen zu dienen, beispielsweise zum Heizen oder f\u00fcr die Stahlschmelze, wenn dann etwas von ihnen als Rauch wieder nach oben steigt und beim Regen wieder nach unten gelangt und unsere Pflanzen &gt; Lebensmittel w\u00e4ssert. Alles Wunder der Transformation, alles Sch\u00e4tze!<\/p>\n<p>P.E. Gehen wir noch zu der Bildbahn daneben. Dieses Kristalline haben wir ja auch um die H\u00f6hle mit den zwei Kindern, Hund und Pilzen. Da sind wir im Erdreich und du hast wieder dieses zart Durchscheinende gemalt. Ich habe einmal eine Kartoffelwurzel unter dem Lichtmikroskop gesehen. Man konnte zuschauen, wie sich die Zellen auf lebendigste Weise teilten. Wenn man denkt, unter der Erde sei nichts los \u2013 das Gegenteil ist der Fall!<\/p>\n<p>Erde ist etwas \u00e4u\u00dferst lebendig Vibrierendes, Licht in allen Regenbogenfarben. In deinen Bildern machst du das erlebbar. Sie passen gut zusammen zu Roberts Bildern, da er sogar in \u00e4hnlichen Farben mit dem Fluoreszierenden spielt.<\/p>\n<p>B.M. Sehr sch\u00f6n, das stimmt.<\/p>\n<p>Dieses Bild hei\u00dft <em>\u201eEnergienetze (Liebe)\u201c<\/em>, das Pilzmyzel dar\u00fcber ist ein Sinnbild, das alles durchdringt. Untertage durchdringt das Pilzmyzel die ganze Erde. Ich erkenne darin etwas wie ein Nervengeflecht von Mutter Erde, das uns alle verbindet. Und zwar durch was? Durch die Liebe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-55496\" src=\"http:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/8-Energienetze-Liebe.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"711\" height=\"1066\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/8-Energienetze-Liebe.jpg 711w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/8-Energienetze-Liebe-200x300.jpg 200w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/8-Energienetze-Liebe-683x1024.jpg 683w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/8-Energienetze-Liebe-16x24.jpg 16w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/8-Energienetze-Liebe-24x36.jpg 24w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/8-Energienetze-Liebe-32x48.jpg 32w\" sizes=\"(max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Bild 8<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Was durch mich durchkommt, das ist auch eine Vertrauenssache. Wenn man sich so mit dem G\u00f6ttlichen und der Sch\u00f6pfung verbindet, ist die Wahrnehmung auf diese liebende Vernetzung und Verbindung ausgerichtet. Man trifft dann auch auf Menschen und Umst\u00e4nde, die das f\u00f6rdern. Da flie\u00dft die Energie.<\/p>\n<p>P.E. Ja, es ist so. Es ist Resonanz. Wir haben uns im Gespr\u00e4ch miteinander ebenso in Resonanz befunden und daf\u00fcr danke ich dir sehr herzlich.<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":55472,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062],"tags_english_":[],"class_list":["post-92550","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92550","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/55472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92550"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92550"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92550"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92550"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}