{"id":92536,"date":"2022-01-31T15:49:14","date_gmt":"2022-01-31T15:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/epiphanie-ein-erlebnis-im-hier-und-jetzt\/"},"modified":"2022-01-31T15:49:14","modified_gmt":"2022-01-31T15:49:14","slug":"epiphanie-ein-erlebnis-im-hier-und-jetzt","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/epiphanie-ein-erlebnis-im-hier-und-jetzt\/","title":{"rendered":"Epiphanie \u2013 ein Erlebnis im Hier und Jetzt?"},"content":{"rendered":"<p><iframe allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\" height=\"232\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/5st6qbQ9ymc3r9dNJ74MeD?utm_source=generator\" style=\"border-radius:12px\" width=\"100%\"><br \/>\n<\/iframe><\/p>\n<p>Dies soll keine religionsgeschichtliche Abhandlung \u00fcber durch weltliche Machthaber oder kirchliche W\u00fcrdentr\u00e4ger mehr oder weniger willk\u00fcrlich festgelegte Kalenderdaten und Feiertage (&gt; <em>Epiphanias<\/em>) werden. Oder \u00fcber Thomas von Aquin, der den Begriff <em>Epiphanie<\/em> (altgriech. f\u00fcr \u201eErscheinung\u201c) weithin bekannt gemacht hat.<\/p>\n<p>Ohnehin findet man nicht allzu Erhellendes, wenn man den Begriff googelt. Das <em>Wiktionary<\/em> erw\u00e4hnt folgende Bedeutungen:<\/p>\n<ol>\n<li class=\"NoSpacing\">Religion: unvermutete Erscheinung oder Selbstoffenbarung einer Gottheit unter den Menschen<\/li>\n<li class=\"NoSpacing\">allgemein: pl\u00f6tzliche, unerwartet auftretende Erkenntnis oder Offenbarung.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Immerhin. Soviel vorab.<\/p>\n<p>Zweifelsohne w\u00e4re es faszinierend, \u00fcber die Feier der Geburt des Sonnengottes <em>Aion<\/em> im hellenistischen \u00c4gypten nachzuforschen, oder \u00fcber Formen des vorchristlichen Epiphaniaskultes oder des Kultes der gnostischen Sekte der Basilidianer. Das mag an anderer Stelle durchaus Interessantes zu Tage f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Hier soll der Frage nachgegangen werden, ob und inwieweit Epiphanie etwas ist, das wir im eigenen t\u00e4glichen Leben erfahren k\u00f6nnen. Epiphanie als ein Erlebnis aus erster Hand \u2013 ohne gelehrten oder ideologischen \u00dcberbau, ohne Drittinstanzen als Vermittler oder Interpreten. Etwas, das JEDERZEIT erlebbar ist, nicht nur zu bestimmten, besonderen Sternenkonstellationen wie den Jupiter\/Neptun-Konjunktionen, die sich im Jahr 2022 ereignen sollen, oder unter dem geheimnisvollen Einfluss von <em>Cygnus<\/em> und <em>Serpentarius<\/em>, auf den die klassischen Rosenkreuzer (in ihrem Manifest <em>Confessio<\/em> <em>Fraternitatis<\/em>) verwiesen.<\/p>\n<p>W\u00fcrden wir es \u00fcberhaupt bemerken, wenn sich das Geheimnisvolle, das \u00dcberirdische, in unserem Leben offenbaren wollte?<\/p>\n<p><strong>Das Erlebnis des Christian Rosenkreuz<\/strong><\/p>\n<p>Wie beeindruckend ist es, in einer altehrw\u00fcrdigen Schrift wie <em>Die alchimische Hochzeit des Christian<\/em> <em>Rosenkreuz<\/em> \u00fcber das Erweckungserlebnis des Christian Rosenkreuz am Abend vor Ostern zu lesen:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 erhob sich pl\u00f6tzlich ein solch entsetzlicher Wind, dass ich nicht anders dachte, als dass der Berg, in dem mein H\u00e4uschen eingegraben lag, durch die gro\u00dfe Gewalt auseinanderbersten w\u00fcrde.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als Christian Rosenkreuz, der sich von einer fremden Pr\u00e4senz ber\u00fchrt f\u00fchlt, sich einigerma\u00dfen von seinem Schrecken erholt hat, wird er einer herrlichen, weiblichen Gestalt in einem mit goldenen Sternen \u00fcbers\u00e4ten blauen Kleid und mit Fl\u00fcgeln ausgestattet gewahr, die ihm eine Briefbotschaft \u00fcberbringt und verschwindet, <em>\u201eohne ein einziges Wort zu sagen. Doch w\u00e4hrend sie aufstieg, brachte sie auf ihrer sch\u00f6nen Posaune einen so kr\u00e4ftigen Ton hervor, dass der ganze Berg von diesem Klang widerhallte und ich beinahe eine Viertelstunde danach noch kaum mein eigenes Wort verstehen konnte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bemerkenswerterweise ist Christian Rosenkreuz keineswegs erfreut oder gar geschmeichelt, denn als er die f\u00fcr ihn bestimmte Nachricht gelesen hat, <em>\u201eglaubte ich, ohnm\u00e4chtig zu werden. Die Haare standen mir zu Berge, und der kalte Schwei\u00df brach mir aus allen Poren. Denn obschon ich wohl wusste, dass dies die in Aussicht gestellte Hochzeit war, die mir vor sieben Jahren in einer Vision angek\u00fcndigt wurde und auf die ich so lange mit gro\u00dfer Sehnsucht gewartet hatte und die ich schlie\u00dflich durch eifriges Ausrechnen und Nachrechnen meiner Planetenstellungen gefunden hatte, h\u00e4tte ich doch niemals damit gerechnet, dass sie mit so schweren und gef\u00e4hrlichen Bedingungen verbunden sein w\u00fcrde.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Christian Rosenkreuz wird sich seiner v\u00f6lligen Unzul\u00e4nglichkeit und Schwachheit bewusst: <em>\u201eSo entdeckte ich [\u2026] bei mir selbst, je mehr ich mich erforschte, dass in meinem Kopf nichts als gro\u00dfer Unverstand und Blindheit in geheimen Dingen herrschten und dass ich auch nicht imstande war, die Dinge zu verstehen, die greifbar nahe lagen und mit denen ich doch t\u00e4glich zu schaffen hatte.\u201c <\/em>Nach einem sehr bedeutsamen Traum noch in derselben Nacht gr\u00e4bt sich die Bedeutung des von ihm erlebten Geschehens tief in sein Bewusstsein ein und Christian Rosenkreuz macht sich bereit, um zu seiner schicksalswendenden spirituellen Reise aufzubrechen.<\/p>\n<p><strong>Epiphanie heute?<\/strong><\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, wie eine derartige \u201eErscheinung\u201c in unser modernes Leben passt. Anders als Christian Rosenkreuz, der, als sie auftrat, seinen Abend in meditatives Gebet vertieft verbrachte, sehen sich viele Menschen heutzutage gezwungen, noch Arbeit in ihren \u201eFeierabend\u201c mitzunehmen, eine Flut von Nachrichtensendungen zur Kenntnis zu nehmen (um dabei oft genug mit kollektiven Wellen der Beunruhigung und der Angst mitzuschwingen) und sodann bei den vielf\u00e4ltigen Erzeugnissen der Konsum- und Unterhaltungsindustrie, vielleicht bei einem den restlichen Abend f\u00fcllenden Programm mit Netflix-Serien, Erbauung und Zerstreuung zu suchen.<\/p>\n<p>Und \u2013 mal ganz ehrlich \u2013 wer will schon, starr vor Schreck, einer hehren Lichtgestalt ins furchteinfl\u00f6\u00dfende Antlitz schauen und sich dann wom\u00f6glich noch klar machen m\u00fcssen, dass man bei dem ganzen \u201eZauber\u201c eine recht kl\u00e4gliche Figur abgibt? Schlimmer noch: dass man <em>danach<\/em> sein sorgf\u00e4ltig geplantes und organisiertes Leben, mit all seinen \u00f6den, aber eben auch beruhigenden Routinen, nicht mehr einfach fortsetzen k\u00f6nnte, sondern dass sich unwiderruflich etwas \u00e4ndern m\u00fcsste und w\u00fcrde!<\/p>\n<p>W\u00fcrde der normale und vern\u00fcnftige Mensch, wenn er vor die Wahl gestellt w\u00fcrde, \u00e4hnlich wie in dem Film <em>Matrix<\/em>, nicht lieber die blaue, statt die rote Pille schlucken und \u2013 statt anzuerkennen, dass er Zugang zu einer ganz anderen, h\u00f6heren Wirklichkeit hat \u2013 lieber in die alte, vertraute Realit\u00e4t zur\u00fcckkehren?<\/p>\n<p>Ganz ohne Zweifel bietet die Identifikation mit materialistisch ausgerichteten Deutungssystemen und damit einhergehenden Ersatzbefriedigungen eine gewisse Sicherheit, den Komfort des Gew\u00f6hnlichen und Gewohnten, etwas, das wir gerade in unserer heutigen krisengesch\u00fcttelten Welt mit ihren alarmierenden Zukunftsprognosen keineswegs missen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>M\u00f6chten wir tats\u00e4chlich wie Johannes in der biblischen \u00dcberlieferung \u201ewie tot\u201c vor dem Engel der Apokalypse niederfallen? Wollen wir als aufgekl\u00e4rte und n\u00fcchterne (ern\u00fcchterte?) moderne Menschen etwa Zuflucht suchen in weltfremder Abgehobenheit, in der eskapistischen Neigung zu Mystifikationen und mystischer Schw\u00e4rmerei? Wir, die wir gelernt haben, jeglicher Form von heuchlerischer Fr\u00f6mmelei und esoterischer Spinnerei gleicherma\u00dfen zu misstrauen?<\/p>\n<p>Eine g\u00f6ttliche Offenbarung? In unserem Leben? Echt jetzt?<\/p>\n<p>Sind solche Manifestationen in der heutigen Zeit (noch) m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Sicher bed\u00fcrfte es zun\u00e4chst mal einer intelligenten und wirklichkeitsbejahenden Einstellung sowie ausreichender Erdung, um nicht irgendwelchen Manipulationen und T\u00e4uschungen zum Opfer zu fallen. Und, wie bei Christian Rosenkreuz erkennbar, einer dem\u00fctigen und bescheidenen Grundhaltung (heutzutage eher unpopul\u00e4r). G\u00fcnstige Voraussetzungen w\u00e4ren dar\u00fcber hinaus: Wahrnehmungsf\u00e4higkeit und aufgeschlossene Offenheit f\u00fcr Schwingungen, die h\u00f6her und feiner sind als diejenigen, die omnipr\u00e4sent durch den \u00c4ther des weltweiten Netzes zirkulieren, Empf\u00e4nglichkeit nicht nur f\u00fcr das Unsichtbare, sondern eben auch f\u00fcr das \u00dcber-Sinnliche. Last not least: Mitten in L\u00e4rm, Aufregung und Get\u00f6se sich hineingleiten lassen in die Stille, lauschen, geschehen lassen \u2026<\/p>\n<p><strong>Was w\u00e4re zu erwarten?<\/strong><\/p>\n<p>Was steht denn zu erwarten?<\/p>\n<p>NICHTS. Wirklich nichts.<\/p>\n<p>Jegliche Erwartungshaltung, jegliches absichtliche Herbeif\u00fchren-Wollen, jegliche Berechnung von Erfolgsaussichten und Gewinnertr\u00e4gen ist einer derartigen Erfahrung unbedingt abtr\u00e4glich. \u201eGottes Geist weht, wann und wo er will.\u201c Flow stellt sich ein, wann und wo er will.<\/p>\n<p>Wir vertrauen darauf, dass etwas geschehen kann und geschehen wird, das wir nur im tiefsten inneren Wesen erahnen, aber weder sehen noch greifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch sollten wir lieber nicht darauf warten, dass uns ein Engel mit Posaune oder Buddha oder Shiva oder irgendeine andere Wunderwesenheit erscheint. Und doch ist das Wunderbare, dass wir Epiphanie immer und \u00fcberall erleben k\u00f6nnen \u2013 auch und gerade in der Begegnung mit anderen Menschen.<\/p>\n<p>Als ich vor vielen Jahren in den nordindischen Bergen unterwegs war, kamen mir oft Einheimische mit Lasten auf dem R\u00fccken entgegen. Mit freundlichem L\u00e4cheln und vor der Brust aneinandergelegten Handfl\u00e4chen gr\u00fc\u00dften sie mich: <em>\u201eNamaste!\u201c<\/em> (\u201eIch gr\u00fc\u00dfe den Gott in dir!\u201c Eine Gru\u00dfform, die im heute eher un\u00fcblich gewordenen s\u00fcddeutschen \u201eGr\u00fc\u00df Gott!\u201c immerhin noch angedeutet ist.) Wie selten machen wir uns bewusst, dass so manche Begegnung mit einem anderen Menschen das volle Potenzial f\u00fcr Epiphanie beinhaltet!<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sind wir es gewohnt, uns als Einzelne zu begreifen, wir definieren uns \u00fcber das, was das Besondere an uns ausmacht, was uns aber auch von anderen unterscheidet und trennt. Wir sind Einsame, die oft genug unsere Mitmenschen als potenzielle Rivalen be\u00e4ugen oder nach dem N\u00fctzlichkeitsprinzip beurteilen.<\/p>\n<p>Schaffen wir es, unsere Aufmerksamkeit einmal nicht ablenken zu lassen von der Frage, ob unser Gegen\u00fcber entsprechend der neuesten Designerkollektion gekleidet ist, ob er\/sie einer f\u00fcr uns interessanten Alterskategorie zugeh\u00f6rt, ob er oder sie m\u00e4nnlich\/weiblich\/divers, imposant oder eher unscheinbar daherkommt, dann er\u00f6ffnen sich uns v\u00f6llig andere und neue M\u00f6glichkeiten der Wahrnehmung.<\/p>\n<p><em>F\u00fcr einen Augen-Blick begegnest du einem Menschen in dessen Seelenwesen. Es offenbart sich dir der g\u00f6ttliche Funke, der jedem Menschen innewohnt. Blitzartig durchf\u00e4hrt dich die Erkenntnis: <\/em>Tat tvam asi<em>. Das bist du SELBST.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ein kurzer Moment \u2013 eine Ersch\u00fctterung unseres Seins <\/strong><\/p>\n<p>Solche Erlebnisse k\u00f6nnen wir nicht willentlich herbeif\u00fchren. Sie sind auch nicht beliebig wiederholbar. Sie dauern wohl meist tats\u00e4chlich nur einen kurzen Moment und werden schnell wieder \u00fcberlagert von unseren gewohnten Modi der Wahrnehmung und der Welt-anschauung. Auch sind sie g\u00e4nzlich unromantisch. So ganz und gar nicht wie eine schw\u00e4rmerische Wunschvorstellung. Im Gegenteil: Ein solches Offenbarwerden kann uns in den Grundfesten unseres Seins ersch\u00fcttern, unsere \u00dcberzeugungen und unser Bild von uns selbst durcheinanderwirbeln.<\/p>\n<p>Epiphanie findet auch andere Wege zu uns als durch andere Menschen. Wie Christian Rosenkreuz am Abend vor Ostern k\u00f6nnen wir einfach nur still dasitzen. Die Epiphanie kann zart an die T\u00fcr unseres Herzens klopfen oder uns \u00fcberfallen wie ein brausender Sturmwind. Vielleicht sind wir v\u00f6llig \u00fcberrascht, wenn wir sie erleben. Vielleicht ist uns gerade gar nicht bewusst, dass wir sie zuvor eingeladen, unser Seelenwesen darauf eingestimmt, uns lange danach gesehnt haben.<\/p>\n<p>Kommt die Epiphanie von au\u00dfen zu mir? Steigt sie aus meinem tiefsten Inneren auf? Finden und vereinigen sich Au\u00dfen und Innen in diesem so besonderen Moment?<\/p>\n<p>Stellt sich die Frage: Bin ich bereit?<\/p>\n<p><em>Was geschieht JETZT?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":55328,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-92536","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92536","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/55328"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92536"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92536"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}