{"id":92529,"date":"2022-01-29T17:06:18","date_gmt":"2022-01-29T17:06:18","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/wahrnehmung-wahrgebung-wahrschaffung\/"},"modified":"2025-06-02T17:47:31","modified_gmt":"2025-06-02T17:47:31","slug":"wahrnehmung-wahrgebung-wahrschaffung","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/wahrnehmung-wahrgebung-wahrschaffung\/","title":{"rendered":"Wahrnehmung \u2013 Wahrgebung \u2013 Wahrschaffung"},"content":{"rendered":"<p><iframe title=\"Spotify Embed: Wahrnehmung - Wahrgebung - Wahrschaffung\" style=\"border-radius: 12px\" width=\"100%\" height=\"152\" frameborder=\"0\" allowfullscreen allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/2YZDqRNWllkQLIghflZ5W2?si=KWJuTzLjSGi6_26ADVxUBg&amp;utm_source=oembed\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Wahrnehmung<\/strong><\/p>\n<p>Wahrnehmung wird heutzutage allgemein verstanden als der Prozess, bei dem das Gehirn sensorische Informationen organisiert und interpretiert.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Beim Autofahren kann ich viele kleine Details wahrnehmen: das Ger\u00e4usch beim Schlie\u00dfen der T\u00fcr, das Weiche oder Harte der Sitze, die Rundung des Lenkrads, die Anzeigen auf dem Armaturenbrett, die Beschleunigung der Fahrzeugs oder das Ger\u00e4usch des Motors beim Losfahren.<\/p>\n<p>Neben der Wahrnehmung der Au\u00dfenwelt gibt es auch eine Selbstwahrnehmung. Dazu geh\u00f6ren die Gedanken und inneren Erlebniszust\u00e4nde wie Freude, Trauer, Lust, Langeweile, \u00c4rger, Entspannung.<\/p>\n<p>Menschliche Wahrnehmung ist fast immer mit Interaktion verbunden \u2013 zum Beispiel der Interaktion zwischen Innen und Au\u00dfen mit Hilfe der Sinneseindr\u00fccke. Diese Interaktion hat mindestens zwei Seiten: einen Sender und einen Empf\u00e4nger. Insofern gibt es nicht nur Wahrnehmung, sondern auch <em>Wahrgebung.<\/em><\/p>\n<p>In diesem Sinne sind Wahrgebung und Wahrnehmung ein Austausch, ein Geben und Nehmen \u2013 der Wahrnehmende wird zum Objekt der Wahrnehmung. Die Grenzen auf der materiellen Ebene l\u00f6sen sich im wahrnehmenden Bewusstsein auf. Die Stille wahrzunehmen bedeutet, zur Stille zu werden, die Stille in sich einzulassen. Das All wahrzunehmen f\u00fchrt dazu, die Weite und Lebendigkeit im Kosmos zu erleben.<\/p>\n<p>Untrennbar mit der Wahrnehmung verbunden sind die Objekte der Wahrnehmung: H\u00e4nde, Laptop, Auto, Lenkrad. Sie sind sprachliche Benennungen f\u00fcr Wahrnehmungs-Ph\u00e4nomene. Die Sprache dient als zweite Schicht, aufgesetzt auf die sinnliche Wahrnehmung \u2013 eine Art Beta-Matrix neben der Alpha-Matrix. F\u00fcr die alten Griechen war die Sprache eine von Gott gegebene F\u00e4higkeit \u2013 auch dies ein Aspekt der <em>Wahrgebung<\/em>.<\/p>\n<p>Viele unserer Wahrnehmungs-, Gef\u00fchls- und Denkmuster haben wir im Laufe des Lebens erlernt. Wir laden diese Muster als eine Art \u201eSoftware\u201c aus den kollektiven, morphogenetischen Feldern f\u00fcr uns \u201eherunter\u201c. Wir \u00fcben und probieren sie aus, bis sie f\u00fcr uns ganz selbstverst\u00e4ndlich werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Forscher Rupert Sheldrake ist das bewusste Selbst \u00fcber diese Felder direkt mit der \u00e4u\u00dferen Umgebung und den Zust\u00e4nden des K\u00f6rpers verbunden \u2013 sowohl bei Wahrnehmungsprozessen als auch bei bewusst kontrollierter Aktivit\u00e4t.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Immer, wenn wir diese Strukturen anwenden, beleben wir sie neu. Wir k\u00f6nnen uns im gro\u00dfen Wahrnehmungsraum relativ frei bewegen und immer die neueste Software herunterladen, wobei die Spielregel, das hei\u00dft die Betriebssystemebene, f\u00fcr uns vorgegeben ist. Die Grundstrukturen der Matrix k\u00f6nnen wir nicht ver\u00e4ndern. Auch hier spielt <em>Wahrgebung<\/em> eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p><strong>Von der Wahrnehmung zur Wahrgebung<\/strong><\/p>\n<p>Vergleichbar mit Kindern, die im Sandkasten spielen und dabei bestimmte Figuren erzeugen, erschaffen wir individuell und kollektiv neue Formen im Wahrnehmungs- bzw. im Wahrgebungsraum der Welt. Die Naturgesetze und der Sand entsprechen dabei dem Betriebssystem (und der Hardware). Die Formen verschwinden nach einiger Zeit wieder, der Sand bleibt jedoch bestehen.<\/p>\n<p>Wir ben\u00f6tigen die Form, um Erfahrungen zu machen und etwas bewirken zu k\u00f6nnen. Die Formenwelt ist die Ausdrucksebene der Seele \u2013 eine Art Spielwiese, um Wahrnehmungen der verschiedensten Art erleben und erschaffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Unsere Wahrnehmung ist wie ein Interpretationsinstrument f\u00fcr ein komplexes, mehrdimensionales Universum. Die Energie projiziert sich in unser individuelles raum-zeitliches Wahrnehmungskonstrukt. Ohne eine bestimmte Intensit\u00e4t dieser Projektion k\u00f6nnen wir sie nicht als materielle Wirklichkeit erleben. Wir konstruieren unsere Realit\u00e4t, indem wir aus dem Energiespektrum <em>die<\/em> Anteile herausfiltern, die uns entsprechen, und wir ersetzen fehlende Teile, um ein stimmiges Bild zu erzeugen. Wir filtern die f\u00fcr uns bedeutsamen Anteile heraus, w\u00e4hrend wir das f\u00fcr uns Unbedeutende einfach ignorieren.<\/p>\n<p>Wenn zwei Menschen einen Film im Kino sehen, sind die sinnlichen Eindr\u00fccke im Prinzip sehr \u00e4hnlich. Die Wahrnehmung des Films kann jedoch komplett verschieden sein. Die Geschehnisse auf der Leinwand dienen als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die W\u00fcnsche, \u00c4ngste und Sehns\u00fcchte des Betrachters. Die Projektion macht die teilweise unbewusste, nebul\u00f6se Innenwelt erlebbar. Durch das Mitf\u00fchlen mit den Protagonisten wird die Illusion auf der Leinwand &#8222;real&#8220; \u2013 eine Art Feedback als Best\u00e4tigung.<\/p>\n<p><strong>Von der Wahrnehmung zur<\/strong> <strong>Wahrschaffung (projektives Erschaffen)<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Forscher, die sich intensiv mit dem Thema Wahrnehmung besch\u00e4ftigt haben, sind Karl Pribram und David Bohm. Karl Pribram sagt, dass unsere Wahrnehmung der Au\u00dfenwelt eine Art holographisches Bild ist, das vom Gehirn erzeugt wird.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Was au\u00dferhalb von uns passiert, ist vergleichbar mit den Funkwellen, die den Fernseher mit einem Bild versorgen. Dabei ist das, was wir f\u00fcr Realit\u00e4t halten, das Bild der \u00e4u\u00dferen Realit\u00e4t in unserem Kopf.<\/p>\n<p>Hierzu wurde ein Experiment gemacht <a title=\"\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>: Soldaten erhielten die Aufgabe, eine Wegstrecke von 25 Meilen zu laufen, wobei ihnen nicht die richtige L\u00e4nge gesagt wurde, sondern einem Teil von ihnen eine niedrigere und einem anderen Teil eine h\u00f6here Angabe gemacht wurde. In der darauf folgenden medizinischen Untersuchung entsprach der physiologische Stress im K\u00f6rper der mitgeteilten Angabe und nicht der realen Streckenbelastung. Das hei\u00dft, dass wir mehr auf das Modell in unserem Kopf reagieren als auf die Realit\u00e4t selbst.<\/p>\n<p>Dies kann als eine Art von <em>Wahrschaffung<\/em> gesehen werden. Wir geben den \u00e4u\u00dferen Dingen eine bestimmte Wahrheit in Abh\u00e4ngigkeit von unserem Bewusstsein. Das w\u00fcrde auch den Placebo-Effekt erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Der Quantenphysiker David Bohm geht noch einen Schritt weiter. Er sieht indirekte Beweise f\u00fcr die Existenz einer Realit\u00e4t jenseits unserer 3D-Realit\u00e4t: das Quantum-Energiefeld oder Quanten-Potenzial. In seinem Buch <em>Ganzheit und implizite Ordnung<\/em> sagt Bohm: \u201e<em>Wir haben gesehen, dass im Quanten-Kontext die Strukturen in allen unmittelbar wahrnehmbaren Aspekten der Welt aus einer umfassenderen impliziten Ordnung kommen, in der alle Aspekte am Ende verschmelzen in einer undefinierbaren und unermesslichen Holonbewegung.&#8220; <a title=\"\" href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p>Michael Talbot schreibt dazu in seinem Buch <em>Das holographische Universum <a title=\"\" href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><strong>[6]<\/strong><\/a><\/em>:<\/p>\n<p><em>\u201eFasst man die Theorien von Bohm und Pribram zusammen, so ergibt sich daraus ein v\u00f6llig neues Weltbild: Unser Gehirn konstruiert auf mathematischem Wege eine objektive Realit\u00e4t durch die Interpretation von Frequenzen, die letztlich Projektionen aus einer anderen Dimension sind, einer tieferen Seinsordnung, die sich jenseits von Raum und Zeit erstreckt. Das Gehirn ist ein Hologramm, das sich in einem holographischen Universum verh\u00fcllt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und an anderer Stelle:<\/p>\n<p>\u201e<em>Was sich \u201ada drau\u00dfen\u2019 befindet, ist ein unermesslicher Ozean von Wellen und Frequenzen, und die Wirklichkeit erscheint uns nur deshalb konkret, weil unser Gehirn imstande ist, diesen verschwommenen holographischen Eindruck aufzunehmen und in die vertrauten Objekte zu verwandeln, die unsere Welt ausmachen.&#8220; <a title=\"\" href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><strong>[7]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>Reine Wahrgebung \u2013 Reine Wahrnehmung<\/strong><\/p>\n<p>Die holographische, konstruktivistische Sicht deutet an, wie relativ und wie begrenzt die eigene nat\u00fcrliche Wahrnehmung ist. Das f\u00fchrt unweigerlich zur Frage: Wenn es hinter der Welt der Erscheinungen etwas Universelles, Zeitloses und Raumloses gibt \u2013 wie kann ich etwas davon unmittelbar und direkt erfahren?<\/p>\n<p>In dem Buch <em>Die Stimme der Stille<\/em> spricht H. P. Blavatsky von der \u00dcberwindung der sinnlichen Wahrnehmungskonstruktion <a title=\"\" href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>:<\/p>\n<p><em>\u201eErst wenn <\/em><em>ihm seine eigene Erscheinungsform so unwirklich vorkommt wie im Wachzustand alle Formen, die er im Traume sieht; wenn er aufgeh\u00f6rt hat, die vielen T\u00f6ne zu h\u00f6ren, vermag er den EINEN wahrzunehmen, den inneren Ton, der die \u00e4u\u00dferen zum Schweigen bringt. Dann erst, nicht fr\u00fcher, wird er <\/em>Asat<em>, der falschen Region entsagen, um in das Reich von <\/em>Sat<em>, zum Wahren, zu gelangen. Bevor die Seele sehen kann, muss die innere Harmonie erlangt und m\u00fcssen die irdischen Augen f\u00fcr jede Illusion blind geworden sein.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und weiter hei\u00dft es in der <em>Stimme der Stille<\/em>: \u201e<em>Verschmelze deine Sinne zu einem Sinn.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Diese Worte k\u00f6nnen als Hinweise verstanden werden, dass es m\u00f6glich ist, zu einer Art urspr\u00fcnglicher Wahrnehmung zur\u00fcckzukehren, die zugleich urspr\u00fcngliche Wahrgebung ist. Dann gibt es keine Trennung mehr. Der Wahrnehmende und das Objekt der Wahrnehmung verschmelzen zu einer Einheit. Die Welt des Werdens wird zur\u00fcckgelassen, und die Wahrnehmung \u00f6ffnet sich f\u00fcr das Sein.<\/p>\n<p>Das Sein offenbart sich als ungetrenntes Bewusstsein im aktuellen Moment \u2013 im Jetzt und im offenen Raum \u2013 im Hier.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <em>Online Lexikon f\u00fcr Psychologie und P\u00e4dagogik<\/em>, https:\/\/lexikon.stangl.eu\/4674\/wahrnehmung<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0 <cite>Rupert Sheldrake, <\/cite><cite>Das sch\u00f6pferische Universum<\/cite><cite>, S. 196<\/cite><\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0 <cite>Karl H. Pribram, <\/cite><cite>The form within my point of view<\/cite><cite>, S. 127<\/cite><\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0 Shlomo Breznitz &amp; Collins Hemingway, <em>Maximum Brainpower<\/em>, S. 165<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0 David Bohm, <em>Wholeness and the Implicate Order<\/em>, S. 197<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0 Michael Talbot, <em>Das holographische Universum<\/em>, S. 87<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0 A.a.O.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0 Helena Petrowna Blavatsy, <em>Die Stimme der Stille<\/em>, S. 16<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":55293,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-92529","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/55293"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92529"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92529"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}