{"id":92424,"date":"2021-12-18T18:03:57","date_gmt":"2021-12-18T18:03:57","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/der-schmerz-der-weltseele-teil-1\/"},"modified":"2021-12-18T18:03:57","modified_gmt":"2021-12-18T18:03:57","slug":"der-schmerz-der-weltseele-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/der-schmerz-der-weltseele-teil-1\/","title":{"rendered":"Der Schmerz der Weltseele &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Sturzb\u00e4che prasselnden Regens ergie\u00dfen sich auf meine Windschutzscheibe. Der Scheibenwischer kann die Wasserfluten nicht fassen. Ich bin gezwungen, langsamer zu fahren. Durch einen Schleier str\u00f6mender Wassermassen ist die Fahrbahn nur noch ansatzweise zu erkennen. Der Scheibenwischer meines Autos k\u00e4mpft in einem hektischen Tempo gegen die Naturgewalten. Ich muss meine Geschwindigkeit noch einmal verlangsamen.<\/p>\n<p>Gedankenfetzen rasen durch meinen Kopf. Ich komme von einer Wanderwoche, die ich mit einer Gruppe von Freunden im Westerwald erlebt habe. In Gespr\u00e4chen und Besinnungen haben wir uns in diesen Tagen tief mit unserem Verh\u00e4ltnis zur Natur und zur Weltseele besch\u00e4ftigt. Bilder steigen auf von unseren Wanderungen. Oftmals stie\u00dfen wir mitten im Wald ganz unversehens auf Schneisen der Verw\u00fcstung. Dort, wo noch eine Woche zuvor moosbewachsene Wege durch \u00fcppiges Gr\u00fcn gef\u00fchrt hatten, fanden wir eine schlammige, von tiefen Reifenspuren durchpfl\u00fcgte Landschaft vor. \u00dcberall lagen Unmengen von nackten Fichtenst\u00e4mmen: gef\u00e4llt, entastet, gestapelt. Der Weg war kaum noch zu erkennen. Ein ganzes Waldareal war auf beinahe unertr\u00e4gliche Art gesch\u00e4ndet. Das verursacht in mir einen heftigen Schmerz.<\/p>\n<p>Auf der Autobahn kommt mir jetzt eine lange Reihe von Feuerwehrautos entgegen. Es sind mehrere Dutzend blau blinkender Mannschaftswagen \u2013 auf dem Weg zu ihren Einsatzorten im Sauerland, wo \u2013 wie in der Eifel, in S\u00fcdbayern und in der S\u00e4chsischen Schweiz \u2013 verheerende Starkregeng\u00fcsse die B\u00e4che und Fl\u00fcsse haben \u00fcber die Ufer treten lassen. Viele H\u00e4user wurden dabei weggerissen, D\u00f6rfer und St\u00e4dte mit Schlammmassen \u00fcberflutet, Tiere und Menschen mussten ihr Leben lassen. Die in einem langen Verbund hintereinander fahrenden Feuerwehrwagen lassen mich die Kette der Ereignisse in diesem Jahr aneinanderreihen:<\/p>\n<p>Corona-Pandemie \u2013 massives Waldsterben \u2013 h\u00e4ufige Starkregeng\u00fcsse \u2013 Perioden der Hitze und D\u00fcrre von bisher unbekanntem Ausma\u00df.<\/p>\n<p>Die Weltklimaerw\u00e4rmung mit ihren verheerenden Auswirkungen ist nicht mehr nur ein \u201eabstraktes\u201c Geschehen, von dem wir aus den Medien erfahren. Sie findet heute direkt vor unserer Haust\u00fcr statt. Eine prominente Politikerin sagte im Fernsehen: \u201eWir werden uns mit aller Macht den Naturgewalten entgegenstemmen!\u201c<\/p>\n<p>Damit wird genau der Denkweise Ausdruck verliehen, die dieses Ungleichgewicht erzeugt hat, n\u00e4mlich der \u00dcberzeugung, dass wir von der Welt, von der Natur getrennt seien, dass wir uns \u00fcber sie erheben, sie beherrschen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Wir sind Teil der Natur<\/strong><\/p>\n<p>Der kalifornische Sufi-Lehrer Llewellyn Vaughan-Lee stellt demgegen\u00fcber fest:<\/p>\n<p><em>Die Welt ist keineswegs ein Problem, das es zu l\u00f6sen gilt, sondern ein lebendes Wesen, zu dem auch wir geh\u00f6ren. Sie ist ein Teil unserer selbst, und wir sind ein Teil ihrer leidenden Ganzheit. Solange wir nicht unserer Vorstellung von der Abgetrenntheit auf den Grund gehen, kann es keine Heilung geben. Und der tiefste Teil unserer Abgetrenntheit von der Sch\u00f6pfung besteht darin, dass wir ihre heilige Natur vergessen haben, die auch unsere heilige Natur ist. <\/em><\/p>\n<p>Ich sehe mich vor einer gro\u00dfen Herausforderung. Wenn ich die Natur, den Wald nicht mehr als etwas von mir Getrenntes wahrnehmen will, muss ich mich ganz anders auf sie einlassen, muss ich versuchen, in eine innere Beziehung zu den Gesch\u00f6pfen der Natur einzutreten. Ich kann meine Sinnesantennen in beschaulicher Wahrnehmung weit ausfahren, in absichtslosem Schauen kann ich mich in die Geheimnisse der Steine, Pflanzen und Tiere vertiefen, ja mit ihnen eine innere Verbindung aufnehmen.<\/p>\n<p><strong>Neues Wahrnehmen<\/strong><\/p>\n<p>So kann ich an einer Pflanze etwas wahrnehmen, was mir nie zuvor aufgefallen ist. Ihre Farben leuchten viel intensiver, wenn ich sie tief in mich aufnehme, ihre H\u00e4rchen und Fasern gleichen feinen Lichtstrahlen. Es ist wie ein Eintauchen in eine \u201eAnderswelt\u201c, in eine nicht allt\u00e4gliche Welt.<\/p>\n<p>Und in mir kann die Empfindung entstehen, als schaue die Pflanze zur\u00fcck, als wolle sie wissen, wer sich mit ihr besch\u00e4ftigt, als wolle sie auch mit mir in eine intensive Verbindung eintreten.<\/p>\n<p>Beobachter und Beobachtetes flie\u00dfen ineinander. Ich befinde mich in einer feineren, \u00e4therischen Dimension, so dass ich die Pflanze nicht mehr nur mit den physiologischen Augen anblicke, sondern auch mit \u201e\u00e4therischen Augen\u201c schaue (wie es Rudolf Steiner ausdr\u00fcckt). Gleiches wirkt auf Gleiches. Mit den \u00e4therischen Sinnen wird der \u00c4therleib der Pflanze sichtbar.<strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Heilige in der Natur<\/strong><\/p>\n<p>Mir wird bewusst: Wir haben das Gesp\u00fcr f\u00fcr das Heilige in der Natur verloren \u2013 und auch f\u00fcr das Heilige im Menschen. Wissenschaft, Technologie und eine weltabgewandte Spiritualit\u00e4t haben uns der urspr\u00fcnglichen Verbindung mit der g\u00f6ttlichen Dimension des Lebens in unserer Welt beraubt \u2013 der Verbindung zwischen unserer Seele und der Seele der Welt. Wir haben vergessen, dass wir Teil eines einzigen lebendigen und spirituellen Wesens sind, der Weltseele.<\/p>\n<p>Marsilio Ficino (1433-1499) sah die Weltseele \u00fcberall wirken und umschrieb sie mit folgenden Worten:<\/p>\n<p><em>Die Seele ist alle Dinge zusammen [\u2026], <\/em><\/p>\n<p><em>und da sie im Zentrum aller Dinge ist, <\/em><\/p>\n<p><em>besitzt sie die Kr\u00e4fte all dieser Dinge. <\/em><\/p>\n<p><em>Und da sie die wahre Verbindung aller Dinge ist, <\/em><\/p>\n<p><em>geht sie in eines \u00fcber, ohne die anderen zu verlassen. [\u2026]<\/em><\/p>\n<p><em>Deshalb nennt man sie zu Recht die Mitte der Natur, <\/em><\/p>\n<p><em>den Angelpunkt aller Dinge, <\/em><\/p>\n<p><em>das Gesicht von allem und die Verkn\u00fcpfung <\/em><\/p>\n<p><em>und den Knotenpunkt des Universums.<\/em><\/p>\n<p>Jan van Rijckenborgh spricht in seinem Werk <em>Die Chinesische Gnosis<\/em> von der tr\u00f6stenden, heilenden Kraft der Weltseele.<\/p>\n<p><strong>Das Licht der Natur und das Licht des Geistes<\/strong><\/p>\n<p>Die wahren Alchemisten erkannten die sch\u00f6pferische Kraft im Innersten der Natur. Sie erkannten das Licht, das in der Materie und in den Kr\u00e4ften der Natur verborgen <strong>ist. Sie<\/strong> nannten es das <em>Lumen Naturae<\/em> (Licht der Natur), eine heilige Essenz im Gewebe der Sch\u00f6pfung, das sie durch Experimente und Imagination zu befreien suchten.<\/p>\n<p>Dieses in der Materie verborgene Licht geht von der Weltseele aus und verbindet sich mit dem <em>Lumen Dei,<\/em> dem g\u00f6ttlichen Licht, das aus den h\u00f6chsten Sph\u00e4ren des transzendenten Geistes strahlt.<\/p>\n<p>Die Weltseele, die <em>Anima Mundi<\/em>, ist der g\u00f6ttliche Funke in der Materie, das universell funkelnde Feuer im Licht der Natur, das den himmlischen Geist als h\u00f6chstes Bewusstseinspotenzial in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Unser nat\u00fcrliches Licht ist Teil des Lichtes der Weltseele. Wir k\u00f6nnen an dem alchemischen, seelischen Prozess der Erneuerung teilhaben. Wir k\u00f6nnen das Licht unseres inneren Funkens befreien. Es kann sich mit dem <em>Lumen Dei<\/em>, mit dem Licht des h\u00f6chsten Geistes, verbinden.<\/p>\n<p>Dann wird das \u201eBlei\u201c \u2013 das unseren aktuellen Zustand symbolisiert \u2013 in \u201eGold\u201c verwandelt, der immanente g\u00f6ttliche Funke und das transzendente g\u00f6ttliche Licht vereinigen sich und der g\u00f6ttliche Geist kann sich in uns Menschen offenbaren.<\/p>\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/der-schmerz-der-weltseele-teil-2\">wird fortgesetzt in Teil 2<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":16073,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-92424","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92424","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92424"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92424"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}