{"id":92286,"date":"2021-11-17T11:09:38","date_gmt":"2021-11-17T11:09:38","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/wissenschaft-aus-dem-mysterium-der-seele-geboren-carl-gustav-jungs-transformation-teil-1\/"},"modified":"2025-06-02T17:21:10","modified_gmt":"2025-06-02T17:21:10","slug":"wissenschaft-aus-dem-mysterium-der-seele-geboren-carl-gustav-jungs-transformation-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/wissenschaft-aus-dem-mysterium-der-seele-geboren-carl-gustav-jungs-transformation-teil-1\/","title":{"rendered":"Wissenschaft aus dem Mysterium der Seele geboren. Carl Gustav Jungs Transformation \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><iframe title=\"Spotify Embed: Wissenschaft aus dem Mysterium der Seele geboren - Carl Gustav Jungs Transformation\" style=\"border-radius: 12px\" width=\"100%\" height=\"152\" frameborder=\"0\" allowfullscreen allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/1TWRMBgUkh2vbI0mIkgSXz?si=21Odl2WGTVW39ZMX7dXlRg&amp;utm_source=oembed\"><\/iframe><\/p>\n<p>Die Schrift <em>Sieben Reden an die Toten<\/em> ist eine Art gnostischer Mythos, in einer \u201eeigent\u00fcmlichen Sprache\u201c formuliert, wie Jung in sp\u00e4teren Jahren selbst sagte. Er habe sich \u201evon innen her gezwungen [gef\u00fchlt], das zu formulieren und auszusprechen [\u2026] Dann fing es an, aus mir herauszuflie\u00dfen, und in drei Abenden war die Sache geschrieben\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Im R\u00fcckblick sah er in dieser Lebensphase \u201eQuelle und Ursprung\u201c seines sp\u00e4teren Werkes.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>C.G. Jung suchte nach dem Licht in den Mysterien der Seele. Er befasste sich mit der Alchemie und gelangte \u00fcber sie zu einer Auseinandersetzung mit den Werken der fr\u00fchchristlichen Gnostiker.<\/p>\n<p>Das relativ kurze Traktat <a title=\"\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> tr\u00e4gt den Untertitel <em>Die Sieben Belehrungen der Toten. Geschrieben von Basilides in Alexandria, der Stadt, wo der Osten den Westen ber\u00fchrt<\/em>.<a title=\"\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>In sieben Reden wendet sich Jung in Gestalt des Basilides an die \u201eToten\u201c. Basilides war ein ber\u00fchmter Gnostiker des 2. Jh.. Er vertrat ein Weltbild, nach dem die g\u00f6ttliche Seinsf\u00fclle (das <em>Pleroma<\/em>) ihr Wesen in einem siebenfachen Prozess offenbart \u2013 durch gegens\u00e4tzlich polar aufeinander gerichtete Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Die \u201eToten\u201c, um die es in der Schrift geht, sind keine wirklich toten Wesen, sondern Menschen, die sich tot f\u00fchlen, weil es ihren Seelen an wahrer Kenntnis mangelt.<\/p>\n<p><em>Sie kamen zur\u00fcck von Jerusalem, wo sie nicht fanden, was sie suchten. Sie begehrten bei mir Einlass und verlangten bei mir Lehre, und so lehrte ich sie. <\/em>Jung vertrat \u2013 wie einst Basilides \u2013 eine <em>\u201eGnosis Kardias\u201c<\/em>, das hei\u00dft eine Kenntnis, die im Herzen des Menschen ihren Ursprung hat.<\/p>\n<p>Der Aufbau der <em>Sermones<\/em> ist in sieben Belehrungen gegliedert, die den sieben Stufen eines seelischen Entwicklungsprozesses entsprechen. Dieser entfaltet sich in einem Panorama von Seelenr\u00e4umen, in denen Bilder auftauchen und Geschehnisse der Transformation stattfinden.<\/p>\n<p>In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf vier wesentliche Belehrungen.<\/p>\n<p><strong>\u201eIn uns ist das Pleroma zerrissen\u201c (Sermo I) <\/strong><\/p>\n<p>Basilidis lehrt die Toten:<\/p>\n<p><em>H\u00f6ret: ich beginne beim Nichts. Das Nichts ist dasselbe wie die F\u00fclle. In der Unendlichkeit ist voll so gut wie leer. Das Nichts ist leer und voll. [\u2026] Das Nichts oder die F\u00fclle nennen wir das PLEROMA. Dort drin h\u00f6rt denken und sein auf, denn das Ewige und Unendliche hat keine Eigenschaften.<\/em> <em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Das Pleroma ist ein grenzenloser, unpers\u00f6nlicher Raum am Wurzelgrund der menschlichen Seele; er umfasst ihr bewusstes und unbewusstes Leben. Die Seele ist nach Jung die intrapsychische Definition dieser F\u00fclle.<\/p>\n<p><em>Wir sind aber das Pleroma selber, denn wir sind ein Teil des Ewigen und Unendlichen. Wir haben aber nicht teil daran, sondern sind vom Pleroma unendlich weit entfernt, nicht r\u00e4umlich oder zeitlich, sondern WESENTLICH, indem wir uns im Wesen vom Pleroma unterscheiden als Kreatur, die in Zeit und Raum beschr\u00e4nkt ist.<\/em><\/p>\n<p>Die Eigenschaften des Pleroma offenbaren sich in Gegensatzpaaren, als:<\/p>\n<ul>\n<li><em>das Wirksame und das Unwirksame<\/em><\/li>\n<li><em>die F\u00fclle und die Leere<\/em><\/li>\n<li><em>das Lebendige und das Tote [\u2026]<\/em><\/li>\n<li><em>das Helle und das Dunkle [\u2026]<\/em><\/li>\n<li><em>das Gute und das B\u00f6se [\u2026]<\/em><\/li>\n<li><em>das Eine und das Viele usw.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Die Gegensatzpaare sind die Eigenschaften des Pleroma, die nicht sind, weil sie sich aufheben.<\/em><\/p>\n<p>Das Pleroma ist alles, Unterschiedenheit und Ununterschiedenheit. <em>Die Unterschiedenheit ist die Creatur. Sie ist unterschieden. Darum unterscheidet der Mensch, denn sein Wesen ist Unterschiedenheit<\/em>.<\/p>\n<p>Die Eigenschaften, die sich im Pleroma aufheben, sind im Menschen unterschieden.<\/p>\n<p><em>In uns ist das Pleroma zerrissen.<\/em><\/p>\n<p>In diesem Satz liegt das wesentliche geistige Wissen, das Basilides den Toten vermitteln m\u00f6chte. Die Seele des Menschen befindet sich nicht in der urspr\u00fcnglichen F\u00fclle ihres Wesens. Sie unterscheidet die Eigenschaften des Pleroma in Gegens\u00e4tze, die sich in ihr nicht aufheben, sondern einzeln in Erscheinung treten.<\/p>\n<p>Der Mensch ist sich der kompensatorischen Reaktion seines Unbewussten nicht mehr bewusst, wenn er sich zum Beispiel das Sch\u00f6ne und Gute w\u00fcnscht und das H\u00e4ssliche und B\u00f6se erh\u00e4lt. Es ist die Ganzheit, die sich hierbei meldet.<\/p>\n<p>Die Gefahr besteht nun, dass ein Mensch, indem er sich nach der urspr\u00fcnglichen Ganzheit zur\u00fccksehnt, in <em>Gedanken<\/em> dem Pleroma verf\u00e4llt und sich sein Bewusstsein in dessen leeren F\u00fclle aufl\u00f6st.<\/p>\n<p>Basilidis sagt:<em> Nicht euer Denken, sondern euer Wesen ist Unterschiedenheit.<\/em> <em>Darum sollt ihr nicht nach Verschiedenheit, wie ihr sie denkt, streben, sondern nach EUERM WESEN.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>Die Ganzheit des Menschen nach seinem einzigartigen Wesen will sich in seinem urspr\u00fcnglichen Selbst offenbaren. Jung nennt das Streben danach das <em>Principium Individuationis<\/em>: die inh\u00e4rente Tendenz der menschlichen Psyche, ihr Licht des Bewusstseins nicht aufzugeben, um nicht in den inneren Abgrund des uranf\u00e4nglichen Nichts zur\u00fcckzufallen.\u201c <a title=\"\" href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/wissenschaft-aus-dem-mysterium-der-seele-geboren-carl-gustav-jungs-transformation-teil-2\">wird fortgesetzt in Teil 2<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Aniela Jaff\u00e9, <em>Erinnerungen, Tr\u00e4ume, Gedanken von C.G. Jung,<\/em> Olten, 3. Auflage, 1985, S. 193 f.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Stephan A. Hoeller, <em>Der gnostische Jung und die sieben Reden an die Toten<\/em>, Calw 1987<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Es ist ver\u00f6ffentlicht u.a. als Anhang zu <em>Erinnerungen, Tr\u00e4ume, Gedanken von C.G. Jung, a.a.O.<\/em><\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Die kursiv geschriebenen Textstellen sind w\u00f6rtliche Zitate aus den <em>Sieben Reden an die Toten<\/em>.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Stephan Hoeller, a.a.O., S. 81<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":15557,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-92286","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15557"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92286"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92286"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}