{"id":92267,"date":"2021-11-15T16:37:25","date_gmt":"2021-11-15T16:37:25","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/britta-und-das-gespenst-der-sinnlosigkeit-teil-2\/"},"modified":"2021-11-15T16:37:25","modified_gmt":"2021-11-15T16:37:25","slug":"britta-und-das-gespenst-der-sinnlosigkeit-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/britta-und-das-gespenst-der-sinnlosigkeit-teil-2\/","title":{"rendered":"Britta und das Gespenst der Sinnlosigkeit \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/britta-und-das-gespenst-der-sinnlosigkeit-teil-1\">Zur\u00fcck zu Teil 1<\/a>)<\/p>\n<p><iframe style=\"border-radius:12px\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/4ULJ0NVLD6pmmu54nx2Xau?utm_source=generator\" width=\"100%\" height=\"232\" frameBorder=\"0\" allowfullscreen=\"\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\"><\/iframe><\/p>\n<p>Nun zur\u00fcck zu Britta: Sie berichtete, dass sie sich schon mit 13 Jahren \u201eanders\u201c gef\u00fchlt habe. Sie habe sich damals immer gewundert, wie andere Leute so selbstverst\u00e4ndlich leben, und sich auch noch auf die Zukunft freuen k\u00f6nnten. Sie k\u00f6nne zwar vieles sch\u00f6n finden und genie\u00dfen. So liebe sie den Geruch von frischem Gras oder den Sonnenuntergang. Die Freude dar\u00fcber halte aber nur solange an, bis ihr wieder einfalle, dass jeder, ohne Ausnahme, sterben werde. Das Ende, der Abschied, w\u00fcrde umso schlimmer werden, je mehr Freude oder Gl\u00fcck sie vorher erlebt habe. Warum sollte sie M\u00fchen auf sich zu nehmen, um Ziele zu erreichen, die angesichts des Todes keine Bedeutung h\u00e4tten?<\/p>\n<p>Diese junge Frau durchl\u00e4uft eine tiefgreifende Sinnkrise. Sie erkennt mit gro\u00dfer Klarheit das Offensichtliche, das im Leben so gerne verdr\u00e4ngt wird: dass hier auf dieser Welt alles, das Gute wie das Schlechte, ein Ende hat, sp\u00e4testens durch den Tod.<\/p>\n<p>Britta verweigert sich dem Leben, da sie keinen Ausweg sieht. Diese Erkenntnis raubt ihr jede Kraft. Sie konnte in den Gespr\u00e4chen keine Hilfe und auch keinen Trost annehmen. F\u00fcr sie ist klar, dass es kein h\u00f6heres, erschaffendes Wesen gibt, keinen Sinn im Geboren-Werden, Leben und Sterben.<\/p>\n<p><strong>Es fehlt nur ein kleiner Schritt<\/strong><\/p>\n<p>Es scheint, als w\u00fcrde nur ein kleiner Schritt fehlen vom Vermissen des Lebenssinns hier auf dieser Welt bis hin zum Beginn einer Suche nach eben diesem Sinn. K\u00f6nnen die Erwachsenen, die mit Britta sprechen, ihr helfen, diesen Schritt zu gehen? L\u00e4sst sich die Hoffnung auf einen Sinn verschenken? Bei diesem M\u00e4dchen offenbar nicht, denn alle Versuche, das Gespr\u00e4ch noch so vorsichtig in eine solche Richtung zu lenken, blockt Britta ab.<\/p>\n<p>Diese Situation hinterl\u00e4sst Hilflosigkeit bei den Therapeuten; sie m\u00fcssen erkennen, dass hier eine Grenze erreicht ist. Das Einzige, was ihr am Ende vermittelt werden und was sie auch annehmen kann, ist eine winzige Hoffnung auf das eigene \u00c4lterwerden; dass sie vielleicht sp\u00e4ter etwas finden wird, was ihr einen Lebenssinn gibt. Diese vage Aussicht auf eine Zukunft bewirkt zumindest, dass sie ihre Suizidgedanken offenbaren kann, dadurch einen gewissen Abstand von ihnen gewinnt und sich freiwillig und vor\u00fcbergehend in die Obhut einer sie vor sich selbst besch\u00fctzenden Einrichtung begeben kann.<\/p>\n<p>Warum bedeutet die Frage nach dem Sinn des Lebens f\u00fcr den einen den Beginn der Suche nach Erkenntnis und f\u00fcr den anderen den Absturz in die Verzweiflung?<\/p>\n<p>Die Erkenntnis von der Endlichkeit alles Irdischen ist die Voraussetzung f\u00fcr den Beginn einer spirituellen Suche. Aber viele finden sich mit der \u00dcberzeugung ab, dass mit dem Tod alles vorbei sei und es keinen h\u00f6heren Sinn gebe. Sie k\u00f6nnen damit gut leben und trotzdem Erf\u00fcllung in ihrem Leben finden. In gewisser Weise ist die konkrete Erfahrung des Verg\u00e4nglichen \u00fcberm\u00e4chtig, so \u00fcberm\u00e4chtig, dass es ihnen nur nat\u00fcrlich erscheint, sich darin zu ergeben.<\/p>\n<p><strong>Eine pl\u00f6tzliche Klarheit<\/strong><\/p>\n<p>Wie entsteht dann aber im Menschen die Erkenntnis des Ewigen? Sie kommt manchmal schlagartig, wie ein Lichtblitz, der die Umgebung erhellt und alles buchst\u00e4blich in einem anderen Licht erscheinen l\u00e4sst. Gerade in einem Menschen, der nicht mehr weiter wei\u00df, kann \u2013 v\u00f6llig unvermittelt \u2013 auf einmal, von einer Sekunde auf die andere, eine Klarheit entstehen, ein pl\u00f6tzliches Wissen, dass es noch etwas ganz anderes gibt, etwas \u00fcberw\u00e4ltigend anderes. Es entsteht in ihm die Ahnung, sogar das Bewusstsein von einer Kraft, einer Energie, die alles Verg\u00e4ngliche in sich aufnimmt, weil sie unendlich viel gr\u00f6\u00dfer ist. Diese pl\u00f6tzliche Erkenntnis, die manchmal gerade inmitten banaler Alltagst\u00e4tigkeiten auftreten kann, heilt die Sinnlosigkeit, die Endlichkeit dieser Welt, die Einsamkeit des Todes. Sie geschieht in Sekundenbruchteilen, und sie hinterl\u00e4sst Spuren.<\/p>\n<p>Eine Art Erleuchtung, ein Aufwachen hat in diesem Menschen stattgefunden, ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Erlebnis, das scheinbar alles \u00fcberdauern wird. Aber nein, es schw\u00e4cht sich doch nach und nach ab; die Erinnerung daran bleibt allerdings oft lebendig und glasklar, die Gewissheit der Unendlichkeit. Diese Gewissheit bewirkt die Suche nach einem Weg zum Ursprung. Es ist eine Art Heimweh nach einer verlorenen Heimat, eine Sehnsucht nach Best\u00e4ndigkeit, nach echter Liebe, die Sehnsucht nach der Antwort auf alle Fragen. Der Drang macht sich bemerkbar, nach Indizien f\u00fcr diese andere Welt zu suchen, in verschiedenen Weltreligionen, in der Philosophie, in der Musik oder der Kunst.<\/p>\n<p>Ein solcher Mensch kann die Natur pl\u00f6tzlich mit anderen Augen anzusehen und \u00fcber Zusammenh\u00e4nge staunen, die er auf einmal erkennt. Ein Dasein nach dem Tod, Wiedergeburt oder \u00e4hnliches erscheint ihm nicht mehr abwegig, sondern als wahrscheinlich. Die Beantwortung der Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem Ursprung des Heimwehs und die Suche nach einem Weg zur\u00fcck wird f\u00fcr ihn zum wichtigsten Ziel seines Lebens, dem er alles andere unterordnet.<\/p>\n<p><strong>Der Hoffnungsschimmer f\u00fcr Britta<\/strong><\/p>\n<p>Jeder Mensch tr\u00e4gt, meist unbewusst, ein Wissen \u00fcber den Lebenssinn in sich, alle Religionen beschreiben es, es gibt viele bildhafte Bezeichnungen f\u00fcr den Ursprung dieses Wissens: F\u00fcnkchen im Herzen, Juwel in der Lotusblume, Saatkorn Gottes, Schnittstelle zur Ewigkeit. Es ist ein Potential, das st\u00e4rker ist als der Tod, es bleibt bestehen, auch nach dem Tod; es klopft immer wieder geduldig an, vielleicht \u00fcber viele Leben hinweg. Und irgendwann wird es entdeckt.<\/p>\n<p>So ist auch f\u00fcr Britta, die 16-j\u00e4hrige Sch\u00fclerin, die Chance hoch, dass sie irgendwann in naher Zukunft einen gr\u00f6\u00dfer werdenden Hoffnungsschimmer erh\u00e4lt, der sie wieder aufrichtet. Dann wird sie den Mut haben, ihr Leben in Angriff zu nehmen, auch wenn ihr ein Sinn darin noch verborgen ist. Sie wird allm\u00e4hlich wieder Freundschaften, Zusammengeh\u00f6rigkeit erleben d\u00fcrfen, W\u00e4rme und Licht in sich sp\u00fcren, Sicherheit und Zuversicht, sodass sie trotz \u2013 oder sogar gerade wegen \u2013 der tief erkannten Endlichkeit des Daseins wieder Freude am Leben finden&nbsp; \u2013 und das Gespenst der Sinnlosigkeit vertreiben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":15490,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-92267","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92267","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92267"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92267"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}