{"id":92260,"date":"2021-11-15T09:59:36","date_gmt":"2021-11-15T09:59:36","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/seele-heute\/"},"modified":"2021-11-15T09:59:36","modified_gmt":"2021-11-15T09:59:36","slug":"seele-heute","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/seele-heute\/","title":{"rendered":"Seele heute"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Seele \u00fcberlebt in einer unbewussten Welt<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Seele nachzudenken, bedeutet immer auch, sich in das Namenlose zu begeben. Das Namenlose ist in der modernen Welt eine abstrakte Kraft, die sich in das Bewusstsein der Menschen dr\u00e4ngt. Es war einmal eine intuitive magische Welt, die mit Beginn der Neuzeit langsam zu einer vergessenen und unbewussten Welt wurde.<\/p>\n<p>In den letzten Jahrhunderten entwickelte sich eine wissenschaftlich rationale Sicht auf das Leben, in der das rational Greifbare, das intellektuell Begreifbare zum Standard f\u00fcr die Wahrheit wurde. Die Seele \u00fcberlebte im Reich der Fabeln und M\u00e4rchen, deren Seelenwelten Grundlage f\u00fcr die moderne Jugendliteratur wurden. In der deutschen Jugendliteratur hat sich in den letzten Jahrzehnten mit einer Mischung aus Fantasy, M\u00e4rchen und Mythen eine besondere Form entwickelt, die auch gerne von Erwachsenen gelesen wird.<\/p>\n<p>Zu Beginn des letzten Jahrhunderts bekam das bis dahin festgef\u00fcgte, rationale, wissenschaftlich fundierte, mechanistische Weltbild immer deutlicher werdende Risse. Die Quantenphysik drang mit ihrem Konzept der Quantenmechanik in Bereiche vor, in denen die mechanistischen physikalischen Grunds\u00e4tze nicht mehr zu gelten schienen. Die Natur der Quanten erwies sich nach der bisherigen wissenschaftlichen Erforschung als widerspr\u00fcchlich. Die Forschung musste das \u201eSowohl-als auch\u201c lernen.&nbsp; Es gab mehre Forschungsergebnisse zum gleichen Sachverhalt, die, obwohl widerspr\u00fcchlich, nebeneinander als richtig anerkannt werden mussten.<\/p>\n<p>Eine sich neu entwickelnde Psychologie drang in die seelischen Bereiche des Menschen vor und suchte nach wissenschaftlichen Methoden, um sich den bewussten und unbewussten Bereichen jenseits der k\u00f6rperlichen Anatomie zu n\u00e4hern. Mit der Entwicklung der Psychologie bekam die Diskussion um die Realit\u00e4t der Seele neue Impulse. Sie verschob die Frage nach der grunds\u00e4tzlichen Existenz der Seele zugunsten einer Diskussion \u00fcber die Methoden einer objektiven Ann\u00e4herung an Gestalt und Wirken des Seelischen.<\/p>\n<p><strong>Die Seelenfluide sind \u201eelektrisch\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Theosophin Alice Bailey prophezeite am Anfang des letzten Jahrhunderts <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a>, dass mit der Entdeckung der Elektrizit\u00e4t die Diskussion um die Seele und ihre Funktion in eine neue Phase eintreten werde. Vorsichtig ausgedr\u00fcckt kann man sagen, dass Elektrizit\u00e4t dem \u201eFluidum\u201c der Seele zumindest \u00e4hnlich ist. Elektrizit\u00e4t ist eine zentrale Kraft unserer modernen Welt. Wir erleben sie an ihren Wirkungen, sie selbst aber ist f\u00fcr uns etwas Neues, Abstraktes und wenig Greifbares. Sie ist auch die Grundlage einer virtuellen Realit\u00e4t, die \u00fcber die moderne digitale Technik auf vielf\u00e4ltige Weise erfahrbar wird. Sie wirkt aufbauend und im n\u00e4chsten Moment wieder zerst\u00f6rerisch auf die verschiedenen Gesellschaftssysteme und Lebensgemeinschaften ein.<\/p>\n<p>Der Umgang mit diesen elektrischen Kr\u00e4ften, diesem digitalen Universum macht die Menschheit immer empfindsamer. Durch die wachsende Empfindsamkeit kann dem Menschen die verloren gegangene Welt der Seele wieder bewusster werden.<\/p>\n<p><strong>Eine neue alte Welt<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe der Entwicklung hat sich der Mensch best\u00e4ndig immer wieder neue R\u00e4ume geschaffen. Heute sind das in erster Linie virtuelle R\u00e4ume, in denen sich das Raum-Zeit-Gef\u00fchl vollkommen ver\u00e4ndert. Die Erfahrungen entspringen eher Dynamiken, die denen der Seelenwelten \u00e4hnlich sind, wie wir sie aus Traumerfahrungen kennen. Besonders eindrucksvoll erleben wir durch die sozialen Medien das Hereinwirken dieser Welt in unsere materielle Realit\u00e4t, wobei aus einer virtuell erzeugten Gruppendynamik Gleichgesinnter pl\u00f6tzlich \u2013 wie es bei dem sogenannten \u201eArabischen Fr\u00fchling\u201c geschah \u2013 ganze Staaten in starke Ver\u00e4nderungsprozesse gezogen werden oder auch einzelne Menschen Anfeindungen bzw. \u2013 in pers\u00f6nlichen Katastrophensituationen \u2013 gro\u00dfe Unterst\u00fctzung erfahren.<\/p>\n<p><strong>Eine moderne Allgegenw\u00e4rtigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Infolge einer sehr einseitigen materiellen Ausrichtung entwickelt sich im Menschen eine eingeschr\u00e4nkte Wahrnehmung. Zugleich erlebt er die virtuelle Welt wie eine moderne Allgegenw\u00e4rtigkeit. Durch die Besch\u00e4ftigung mit den neuen virtuellen R\u00e4umen schwindet das Gef\u00fchl f\u00fcr die einengenden materiellen Grenzen und weitet sich die Wahrnehmung. Die begrenzte Perspektive, verst\u00e4rkt durch ein mechanistisches Weltbild, in dem die Wissenschaft keinen Unterschied zwischen dem R\u00e4derwerk einer Uhr und der Anatomie eines Menschen sah, scheint langsam einer neuen Sicht auf das Leben zu weichen. Mit der Entwicklung der neuen digitalen Elektrotechnik wird diese Tendenz verst\u00e4rkt. Waren virtuelle R\u00e4ume fr\u00fcher nur besonders sensitiven und seelenvollen Menschen zug\u00e4nglich, so kann sich heute jeder Mensch, der ein Smartphone oder einen Computer bedienen kann, Zugang zu dieser Welt verschaffen. Auf irgendeine Weise muss er sich mit ihren Gesetzen auseinandersetzen, auch wenn er vielleicht bewusstseinsm\u00e4\u00dfig dazu nicht in der Lage ist.<\/p>\n<p>Im Moment erscheint die virtuelle Welt dem Menschen durch den Mangel an Tiefe in der Wahrnehmung noch wie entgrenzt, ja fast ewig. Erst eine vertiefte Wahrnehmung wird die Grenzen dieser feinstofflichen Welt sichtbar machen. Diesem Mangel unterliegt auch die Diskussion um den sogenannten Transhumanismus. Er versucht die Sterblichkeit der Menschheit zu \u00fcberwinden, indem er technisch-biologische Mischwesen schafft, oder das Bewusstsein isoliert, um es nach einem Upload in eine Cloud ewig weiterleben zu lassen.<\/p>\n<p>In einer Sendung des Bayerischen Rundfunks ist im Online-Archiv folgendes Zitat zu finden:<em> Der Mensch, der sich evolution\u00e4r entwickelt hat, ist ein M\u00e4ngelwesen. Er wird krank, gebrechlich, alt und stirbt. Diese Defizite m\u00fcssen mithilfe von Wissenschaft und technologischem Fortschritt \u00fcberwunden werden. Das scheint der Kerngedanke des Transhumanismus zu sein. <\/em>Georg Gasser, Universit\u00e4t Augsburg (Bayerischer Rundfunk, 02.11.2020, 17:27 Uhr Mind-Upload: <em>Der Traum von der Unsterblichkeit<\/em>).<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte von einer \u201edigitalen Seele\u201c sprechen, die man ins Ewige heben m\u00f6chte. Aber diese virtuelle Welt ist elektrisch, ist das Produkt elektrisch erzeugter Felder. Und vielleicht ist diese Ewigkeit ganz schnell zu Ende, wenn jemand auf die Idee kommt, den Stecker zu ziehen und die \u201eCloud\u201c stromlos zu machen.<\/p>\n<p><strong>Der Mensch erlangt Weisheit durch Differenzierung<\/strong><\/p>\n<p>Kehren wir zur\u00fcck zur menschlichen Seele. Die oben geschilderte Welt ist inzwischen eine Wirklichkeit geworden, die sich der Menschheit neu erschlie\u00dfen muss. Sie muss durch Erfahrung und Erkenntnis zu einer bewohnten Realit\u00e4t werden. In vielerlei Hinsicht ist sie nicht neu, viele Dynamiken kennen die Menschen aus ihrem Inneren. Es sind die Seelenlandschaften, die jeder Mensch mehr oder weniger bewusst erf\u00e4hrt. Sie sind Bestandteil seiner Seele und tragen ihn durch sein Leben.<\/p>\n<p>Das erste g\u00f6ttliche Fiat vieler Sch\u00f6pfungsgeschichten, das den Beginn der Geschichte der Menschheit markiert, brachte einen Spiegel hervor, in dem die Gedanken des \u201eUnnennbaren\u201c sichtbar werden k\u00f6nnen. Die Kraft dieses besonderen Spiegels liegt darin, die Gedanken aufzunehmen und immer weiter zu differenzieren und so die ganze Diversit\u00e4t der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfung sichtbar werden zu lassen. Bewusste und unbewusste Seelenlandschaften, die aus der Dynamik der Seele entstehen, bringen es mit sich, dass sie ihren Ursprung vergessen kann. Damit gibt sie sich ihrer eigenen Sch\u00f6pfung gefangen. Auch wenn das Licht, aus dem sie urspr\u00fcnglich hervorgegangen ist, weiter scheint, hat sie den direkten Zugang dazu verloren.<\/p>\n<p>Die Mythen zeigen, dass die Seele in ihrem Wesen nicht leicht zu erkennen ist. Sie ist eher mit einem Cham\u00e4leon zu vergleichen, das immer die Farbe seiner Umgebung annimmt. Der Mantel, in den die Seele geh\u00fcllt ist, wird sichtbar. Die Dynamik zur Verwirklichung, Differenzierung und Entwicklung, der Geist hinter den Seelenwelten, bleibt hingegen unsichtbar.<\/p>\n<p><strong>Die Dynamik in der Zeitenwende<\/strong><\/p>\n<p>Was wir gerade, in einer Zeit gro\u00dfer Umbr\u00fcche, erleben, ist, dass die Seele nicht nur verschiedene M\u00e4ntel oder Gew\u00e4nder tr\u00e4gt, sondern diese auch an ihr zu kleben scheinen. Es f\u00e4llt ihr nicht leicht, die Gew\u00e4nder abzulegen. Es ist oft ein schmerzhafter Prozess. Gerade jetzt erlebt die Menschheit, wie sie unter der starken Ver\u00e4nderung unseres Planeten leidet. Sie ist nicht in der Lage, bewusst auf diese Ver\u00e4nderungen zu reagieren, um das ganze Geschehen harmonisch zu begleiten. Vielmehr versucht sie, die Entwicklung gleichsam anzuhalten, da sie den gewohnten Mantel nicht ablegen kann. So bleibt der Seele nichts anderes \u00fcbrig, als in einem best\u00e4ndigen Scheitern zu wachsen. Das Scheitern bringt zunehmende Erfahrung und Differenzierung des Bewusstseins und eine Verfeinerung der Wahrnehmung mit sich. Dabei werden die Grenzen einer Welt, die jetzt grenzenlos und ewig erscheint, wieder sichtbar.<\/p>\n<p>All die Kreisl\u00e4ufe, die zu einer best\u00e4ndigen Entwicklung f\u00fchren, k\u00f6nnen nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die Seele noch eine zweite Natur besitzt. Als urspr\u00fcngliche Sch\u00f6pfung Gottes ist sie als Geistwesen in ihrem Kern ewig. Dadurch entsteht gerade in Zeiten gro\u00dfer Ver\u00e4nderungen eine schmerzhafte Spannung.<\/p>\n<p>Das entstehende Leiden kann sie nur durch Erfahrung und Differenzierung \u00fcberwinden. So vermag sie sich nach einer Zeit intensiven Erlebens aus jener Welt zu l\u00f6sen, in der sie gerade noch gefangen war. Oft sind es schmerzhafte Prozesse des Scheiterns, die ihr ein neues Wachstum erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>Die Seele w\u00e4chst in Ihrem Scheitern<\/strong><\/p>\n<p>Im L\u00f6sungsprozess durchl\u00e4uft die Seele verschiedene Phasen. Sie entwickeln sich vor dem Hintergrund, auf dem alle Entwicklung stattfindet. Letztlich ist es ein Streben, die urspr\u00fcngliche unfassbare Gestalt wieder zu erlangen, ein Ruf nach dem Geist, sie zu befreien. Dabei kann die Seele immer nur ganz das sein, was sie gerade ist. Sie erlebt zurzeit, in den Mantel der Materie geh\u00fcllt, die Welt in ihrer Polarit\u00e4t. Und sie muss sich st\u00e4ndig entscheiden. Immer wieder steht sie vor einem \u201eEntweder-Oder\u201c. Nach einer tiefen Erfahrung vieler, oft paradoxer Erlebnisse kommt sie zu einem \u201eSowohl-Als auch\u201c und l\u00f6st sich aus der Materie. In einem neu errungenen Zustand erlebt sie ein \u201eWeder-Noch\u201c. Sie erh\u00e4lt die M\u00f6glichkeit, sich ganz mit dem Namenlosen zu verbinden und so die urspr\u00fcngliche Freiheit wieder zu erlangen. Wenn sie auch das \u201eWeder-Noch\u201c \u00fcberwindet, wird sie eins mit dem Namenlosen \u2013 nennen wir es \u201eGeist\u201c \u2013, dem Kern ihres Wesens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Alice Bailey, <em>Eine Abhandlung \u00fcber sieben Strahlen<\/em>, Association Lucis Trust, Genf 1993, S. 101 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/mind-upload-der-traum-von-der-unsterblichkeit,SFAykPl<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":15456,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-92260","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92260","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92260"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92260"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92260"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}