{"id":92230,"date":"2021-11-07T15:35:10","date_gmt":"2021-11-07T15:35:10","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/musik-und-seelenraum-seelenbezirk-seelenlandschaft-seelenkosmos-teil-2\/"},"modified":"2021-11-07T15:35:10","modified_gmt":"2021-11-07T15:35:10","slug":"musik-und-seelenraum-seelenbezirk-seelenlandschaft-seelenkosmos-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/musik-und-seelenraum-seelenbezirk-seelenlandschaft-seelenkosmos-teil-2\/","title":{"rendered":"Musik und Seelenraum, Seelenbezirk, Seelenlandschaft, Seelenkosmos \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p class=\"ListParagraph\">(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/musik-und-seelenraum-seelenbezirk-seelenlandschaft-seelenkosmos-teil-1\">Zur\u00fcck zu Teil 1<\/a>)<\/p>\n<p class=\"ListParagraph\">&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li class=\"ListParagraph\"><strong><em>Eine Urlaubsreise durch Aland, Helsinki, S\u00fcd- und Mittelfinnland<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Jedes Werk von <em>Jean (Janne) Sibelius<\/em> (1865-1957) ist originell. Nichts erinnert an einen Komponisten vor ihm. Noch nie gab es diesen Stil und die Freiheit, etwas so Eigenst\u00e4ndiges zu schaffen. Seine Kompositionstechniken sind nicht zu kritisieren. Oft kann nur von Genialit\u00e4t die Sprache sein. Nach seinen eigenen Aussagen f\u00e4ngt Musik dort an, wo das Wort aufh\u00f6rt. In gewisser Weise entsteht aus seiner Hand die Grundlage f\u00fcr die finnische Musik.<\/p>\n<p>Aus Sibelius\u00b4 Melodien und geheimnisvollen Werken spr\u00fcht das Finnische. Die Landschaft ist h\u00f6rbar: W\u00e4lder rauschen, Heidelbeeren prangen zwischen Birken und Nadelh\u00f6lzern; Wildwiesen, Heide, Moore, S\u00fcmpfe \u2013 die Weite der Landschaft entsteht im Herzen. G\u00e4nsescharen erheben sich mit kr\u00e4ftigen Fl\u00fcgelschl\u00e4gen aus dunklen Seen. Unergr\u00fcndliche Tiefen sind dem Blick des Meditierenden entzogen. Kalt, schwarz, geheimnisvoll reihen sich Seen, H\u00fcgel, W\u00e4lder aneinander. Wolken so hoch wechseln mit Nebel so dicht und Regen so sanft und das strahlende Blau des Himmels verwandelt Seen in blaue Oasen.<\/p>\n<p>Langsam kommt man voran, aber st\u00e4ndige Verwandlung, Vorbeigleiten der Natursch\u00f6nheiten bis hin zu un\u00fcberschaubaren Inselwelten, Sch\u00e4ren, Felsen, \u00dcberresten der Eiszeiten. In der Ostsee eine Sch\u00e4renlandschaft, die sich Jahr f\u00fcr Jahr messbar hebt. Inseln werden gr\u00f6\u00dfer und h\u00f6her. In wenigen Jahrtausenden wird es einen Fu\u00dfweg mitten durch die heutige Ostsee nach Schweden geben. Meteoritenkrater aus vergangenen Jahrmillionen, Labyrinth-Setzungen in Stein, Mythologien und Mysterien aus der Vergangenheit werden h\u00f6rbar und sichtbar. Das sinfonische Werk Sibelius\u00b4 l\u00e4sst diese Imaginationen zu. Das Herz wird erf\u00fcllt von der Einzigartigkeit des Landes, des Komponisten, von unerh\u00f6rten T\u00f6nen. Ein Klangrausch nach Heimat, Verbundenheit, \u00dcberwindung der Fremdbestimmtheit, ein Seelenschrei nach Freiheit. Sibelius\u2019 <em>Finlandia<\/em> ergl\u00e4nzt hymnisch, spirituell, auch politisch. Die \u201einnere Melodie\u201c von Finlandia hat schon viele Texte untermalt:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"ListParagraphCxSpErster\">Finnlandhymne: <em>Oi maamme, Suomi, synnyinmaa<\/em> (O Heimat, sieh des Morgens helle Schwingen)<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\"><em>So einen Sommer wird es nie geben <\/em>\u2026<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\">Englisches Kirchenlied: <em>Be still, my soul<\/em><\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\">Filmmusik zu <em>Stirb langsam 2<\/em> mir Bruce Willis<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpLetzter\"><em>Lobgesang des Hermes Trismegistos:<\/em> \u201eHeilig ist Gott, Vater des Universums. Heilig ist Gott, sein Wille f\u00fchrt das All. Heilig ist Gott, erkannt durch all die Seinen. Heilig ist Gott, sein Antlitz strahlt im All. Heilig bist Du, der\u00b4s All ins Leben rief, keine Natur Dich einst einmal erschuf [\u2026] M\u00f6gen wir heilig werden, Dir geweiht, so wie Du, Vater, ewig heilig bist.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer nach oder durch Finnland reist, sollte sich Sibelius\u00b4 Musik mitnehmen. So kann sich die Reise zu einer inneren und \u00e4u\u00dferen Seelenreise entwickeln. Wer noch eine dritte Dimension ben\u00f6tigt, suche nach den Bildern des finnischen Malers Akseli Gallen-Kallela, der die Mythologie Finnlands unvergleichlich einfing. Und die Musik von Jean Sibelius erklingt deutlich und einzigartig mit.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li class=\"ListParagraph\"><strong><em>Physik der Seele<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Starb Johann Sebastian Bach (1685-1750) \u00fcber der unvollendeten <em>Kunst der Fuge<\/em> oder liegt eine andere Legende n\u00e4her an der Wahrheit? Erblindet war der Meister durch falsche \u00e4rztliche Behandlung und eine fehlgeschlagene Augenoperation. Das Leid war f\u00fcr den unerm\u00fcdlichen Sch\u00f6pfer wunderbarster musikalischer Werke fast unertr\u00e4glich. Er konnte die Noten nicht mehr aufschreiben. Blind lauschte er seiner Umgebung im Lehnstuhl: Kinder jubelten und schrien in der nahen Schule, seine Frau und seine Tochter n\u00e4hten, ab und zu klapperte die Schere, Handwerkerger\u00e4usche durchzogen die Stra\u00dfe: H\u00e4mmern, S\u00e4gen, Axthiebe \u2026 Bach lehnte sich zur\u00fcck und horchte in die Morgenwelt hinein. Nur noch durch sein Geh\u00f6r fand das Leben den Weg zu seiner Seele.<\/p>\n<p>Sein Klaviersch\u00fcler schlug einen falschen Ton an. \u201ePfui, eine Quinte!\u201c Der Sch\u00fcler erschrak und erwartete Bachs Kritik. Langsam \u00f6ffnete der die Augen und erschrak ebenfalls: \u201eLicht! Licht! Ich sehe wieder!\u201c Ungl\u00e4ubig wurde er angestarrt, aber, er sah wieder. In seiner Seele hatten sich Tausende Melodien aufgestaut. Zum Bersten war sie voller Musik. Mit seiner Tochter ging er hinaus ins Freie. Dort erlitt er einen schweren Schlaganfall, und er musste zur\u00fcck ins Haus getragen werden. Die \u00c4rzte gaben ihn auf. Er redete wirre Worte. Seine Finger bewegten sich, als spiele er das Cembalo. Sein Schwiegersohn Altnikol schlug eher mechanisch einen Akkord am Fl\u00fcgel an, als Bach nochmal die alte Schaffenskraft durchstr\u00f6mte. Ihm war, als ob er \u00fcberirdische Musik h\u00f6re, einen Orgelchoral aus vergangenen Zeiten: <em>Wenn wir in h\u00f6chsten N\u00f6ten sind<\/em>. Das Leben lag hinter Bach. Aber noch einen Schritt! \u201eStreich die \u00dcberschrift und schreibe: <em>Vor deinen Thron tret\u00b4 ich hiermit<\/em>\u201c (BWV 668). Er diktierte Altnikol einen neuen Choral, der mit seiner alten Melodie zu Tr\u00e4nen r\u00fchrt:<\/p>\n<p><em>Vor deinen Thron tret\u2019 ich hiermit,<br \/>\nO Gott, und dich dem\u00fctig bitt:<br \/>\nWend dein gen\u00e4dig Angesicht<br \/>\nVon mir betr\u00fcbtem S\u00fcnder nicht.<\/em><\/p>\n<p>Die Orgel schrie in j\u00e4hem Schreck auf. Der \u201eTempelvorhang\u201c riss entzwei. Engel sangen <em>Gloria in excelsis Deo<\/em>. Der Himmel war von Jubel und Klang erf\u00fcllt. Weinend stand die Familie am Totenbett und wusste nichts von seinem letzten Gl\u00fcck. Tiefer Friede senkte sich herab.<\/p>\n<p>Bach kennt die Physik des Schalls, ihre Mathematik, ihre Zahlenstruktur und Zahlenmystik. Imaginativ formuliert er ihre innerste Sprache. Gottfried Wilhelm Leibniz schreibt zu Bachs Zeit: \u201eMusik ist eine verborgene Rechenkunst des seines Z\u00e4hlens unbewussten Geistes.\u201c Bach ist kein Komponist, der seine Musikst\u00fccke konstruiert. Nein, sein Geist ragt in hohe Seelenr\u00e4ume hinein. Er ist in der Lage, in nonverbale Regionen zu greifen, aus diesen h\u00f6chste G\u00fcter zu empfangen, um sie mit seinen Mitmenschen und seiner Nachwelt zu teilen. Er sieht die Welt als Einheit innerhalb der gottgeschaffenen Ewigkeit. Die seelischen Regionen dieser Ewigkeit sucht er auf und ist f\u00e4hig, Unbekanntes erlebbar zu machen. Er ergreift \u201eSteine der Weisen\u201c, macht sie h\u00f6rbar und schenkt uns einen Abglanz der Ewigkeit. Es sind nicht einfach Musiken, die man runterspielt \u201eund fertig \u2026\u201c .Nein, es handelt sich um eine einzigartige polyphone Kunst des Lebens.<\/p>\n<p>Aber Johann Sebastian Bach ist kein Workaholic, der ununterbrochen in tiefstem Ernst produziert und produziert. Nein, er ist ein ausgesprochen liebenswerter und humorvoller Familienmensch. Sieben Kinder stammen aus der Ehe mit Maria Barbara. Nach deren fr\u00fchem Tod heiratet er Anna Magdalena. Mit ihr hat er weitere 13 Kinder. Bachs Haus war ein Ort der Liebe und ausgelassener Lebensfreude sowie eines nicht enden wollenden Musikrausches. Sein Arbeitspensum ist bei alledem ungeheuer gro\u00df. Weit \u00fcber 1.000 \u00fcberwiegend gro\u00dfe Werke sind der Nachwelt erhalten. Allein 200 Kantaten sind bekannt. Hunderte sind verlorengegangen.<\/p>\n<p>Sollte doch die <em>Kunst der Fuge,<\/em> BWV 1080 sein letztes Werk gewesen sein, gibt es auch daf\u00fcr gute Argumente: Nach einer enormen Bandbreite seines Kompositionslebens, vom einfachen Lied (<em>Willst du dein Herz mir schenken, <\/em>BWV 518 \u2026) bis zu riesigen Oratorien und Messen, stehen wir vor einem Berg an Komplexit\u00e4t, an klingenden Weltenfragen:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"ListParagraphCxSpErster\">Urknall und schwarzes Loch gleichzeitig, eine unbegreifliche Sch\u00f6pfungsaktivit\u00e4t.<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\">Hinter musikalischer Materie steht die Antimaterie.<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\">Wurde Werner Heisenbergs Verschr\u00e4nkungstheorie bereits im 18. Jh. vorweggenommen?<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\">Form und Emotion<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\">Die Sch\u00f6nheit des Sch\u00f6pfungsger\u00e4usches<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\">Paradies und Vertreibung gleichzeitig<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpLetzter\">Auf h\u00f6chsten Seelenh\u00f6hen bricht das Werk unvollendet mit dem Thema B-A-C-H ab.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vielleicht verlangt die Seele noch nach einem sie beruhigenden St\u00fcck, zum Beispiel<\/p>\n<ul>\n<li class=\"ListParagraphCxSpErster\">Aria aus den <em>Goldbergvariationen, <\/em>BWV 988<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\">Pr\u00e4ludium des <em>Wohltemperierten Klaviers,<\/em> BWV 846<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpMittel\"><em>Jesus bleibet meine Freude, <\/em>BWV 147<\/li>\n<li class=\"ListParagraphCxSpLetzter\"><em>Wie soll ich dich empfangen <\/em>(<em>Weihnachtsoratorium<\/em>), BWV 248<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":15360,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062],"tags_english_":[],"class_list":["post-92230","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92230","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15360"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92230"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92230"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}