{"id":92179,"date":"2021-11-03T16:19:31","date_gmt":"2021-11-03T16:19:31","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/ich-bin-dann-mal-da-wanderungen-und-erfahrungen-mit-der-landschaftsseele-teil-1\/"},"modified":"2021-11-03T16:19:31","modified_gmt":"2021-11-03T16:19:31","slug":"ich-bin-dann-mal-da-wanderungen-und-erfahrungen-mit-der-landschaftsseele-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/ich-bin-dann-mal-da-wanderungen-und-erfahrungen-mit-der-landschaftsseele-teil-1\/","title":{"rendered":"\u201eIch bin dann mal da!\u201c Wanderungen und Erfahrungen mit der Landschaftsseele \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Seit meiner Kindheit wandere ich leidenschaftlich gern. Schon als Jugendlicher habe ich immer wieder den Wald und die Wildnis aufgesucht \u2013 als Orte der Stille, als Orte der innigen Begegnung mit Steinen, B\u00e4umen, Wildpflanzen, Wildtieren, Fl\u00fcssen, Bergen, H\u00f6hlen, Sternen und Wetterph\u00e4nomenen.<\/p>\n<p>In den letzten drei Jahren habe ich jeweils im September f\u00fcr ca. vier Wochen Fernwanderungen gemacht. In drei Abschnitten bin ich allein von Dortmund nach Z\u00fcrich gewandert. \u00dcbernachtet habe ich fast immer im Wald, in einer H\u00e4ngematte zwischen zwei B\u00e4umen, in einem warmen Schlafsack.<\/p>\n<p>Dieses intensive Eintauchen in die Natur hat mich verwandelt. Meine Sinnesorgane sind wach geworden f\u00fcr das komplexe Zusammenspiel von Berg- und Tallandschaften, von D\u00fcften und Ger\u00fcchen, von Laub-, Nadel- und Mischw\u00e4ldern, von Flussauen, Heide- und Wiesenlandschaften, von Vegetation und Tierbestand, von d\u00f6rflichen Siedlungsformen und von den vielen Menschen, die mir auf meinen Wanderungen in einer bestimmten Region von Angesicht zu Angesicht begegneten \u2013 und dies in einem ganz eigenen Dialekt, einer eher zugewandten oder eher reservierten Haltung.<\/p>\n<p>Ich habe auf meinen Wanderungen die ganz unmittelbare Erfahrung gemacht, dass alle diese Elemente nicht einzeln f\u00fcr sich stehen. Sie sind auf vielf\u00e4ltigste Weise miteinander verwoben. Sie bilden ein in sich verschr\u00e4nktes, ganzheitliches Muster, ein Landschafts-Gewebe, eine Landschaftsseele.<\/p>\n<p><strong>Die Landschaftsseele<\/strong><\/p>\n<p>Im Sauerland, im Siegerland, im Taunus, im Odenwald, im Kraichgau, im Schwarzwald, auf der Schw\u00e4bischen Alb \u2013 dort begegneten mir ganz unterschiedliche Landschaftsseelen. Diese Landschaftsmosaike sind meiner Empfindung nach lebendige Wesenheiten, die wahrgenommen werden m\u00f6chten. Wahrgenommen in einer Weise, bei der ich versuche, mich achtsam in die Landschaftsseelen einzuf\u00fchlen, zu lauschen, zu staunen, kein Fremdk\u00f6rper, sondern ein mitempfindendes, ein sich einordnendes Gesch\u00f6pf zu sein.<\/p>\n<p>Daher gehe ich langsam, fast meditativ. Mir kommt es nicht darauf an, ein Wanderziel zu erreichen, eine bestimmte Wanderstrecke zu absolvieren. Ich mache viele Pausen. Ich m\u00f6chte in einen innigen Kontakt zur Seele der Landschaft kommen.<\/p>\n<p>Mit jedem Schritt kann ich mich tastend einf\u00fchlen in den mal felsigen, mal matschigen, mal sandigen Untergrund. Immer wieder kann ich innehalten und einem Bachpl\u00e4tschern, einem warnenden Vogelruf, dem Rauschen der Silberpappeln im Wind lauschen, die wunderbar weichen Moospolster auf Baumst\u00fcmpfen erf\u00fchlen, die im Sonnenlicht rot-golden schimmernden Ahornbl\u00e4tter betrachten oder eine Stunde lang einen Fuchs beim M\u00e4usefangen beobachten.<\/p>\n<p>I<strong>ch bin \u201eangekommen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Nach circa einer Woche Wanderung bin ich in diesem Landschaftsgewebe \u201eangekommen\u201c. Ich bewege mich flie\u00dfend-str\u00f6mend-organisch in der Landschaft und werde anscheinend immer weniger als Fremdk\u00f6rper wahrgenommen. Wildtiere wie F\u00fcchse oder Rehe trauen sich morgens und abends n\u00e4her an meine H\u00e4ngematte heran. Sie zeigen sich oft nur wenige Meter von meinem Schlafplatz entfernt. Mir kommt es so vor, als k\u00f6nnten sie riechen und sehen, wer dazugeh\u00f6rt und wer nicht. Wir begegnen uns als Lebewesen, die in inniger Verbindung zu einem gemeinsamen Organismus, zur Landschaftsseele, stehen.<\/p>\n<p>Dieses Ankommen im Landschaftsgewebe hat deutlich mit der mentalen Ausrichtung zu tun. Der Wald ist ein gewaltiger \u201eGedankenschredder\u201c. Das Atmen in der reinen Waldluft, das Lauschen auf das feine Rieseln oder Gluckern eines Baches, das Beobachten der schwankenden Korn\u00e4hren im Wind bringt auch meine festen Gedankenmuster zum Flie\u00dfen. Sie kommen und flie\u00dfen durch \u2013 und nach einiger Zeit sind sie \u201egeschreddert\u201c, sie verlieren ihren qu\u00e4lenden, aufdringlichen, zwingenden Charakter. Gedanken d\u00fcrfen aufsteigen, aber in der reinen \u00e4therischen Sph\u00e4re des Waldes k\u00f6nnen sie sich nicht lange halten, sie flie\u00dfen hindurch, sie vergehen. Der Wald bringt sie zur Aufl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Es ist ein Leer-Werden, eine Reinigung, ein Offen- und Neugierig-Werden f\u00fcr das Wesenhafte der Natur. Ich sehe mich in dieser Offenheit und Durchl\u00e4ssigkeit nicht mehr als \u201eMittelpunkt\u201c des Universums, sondern als kleines und trotzdem nicht unbedeutendes <em>Holon<\/em> im gro\u00dfen Ganzen. Das Offene, Absichtslose, Unschuldige meiner Wahrnehmung l\u00e4sst mich eine innige Verbundenheit zu den Steinen, Pflanzen, Tieren, Menschen, zu den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft sowie dem f\u00fcnften Element, der alles umh\u00fcllenden Weltseele und schlie\u00dflich zu den Gestirnen am Himmel, zum Kosmos empfinden.<\/p>\n<p><strong>Weltinnenraum<\/strong><\/p>\n<p>Es l\u00e4sst mich ganz unmittelbar den \u201eWeltinnenraum\u201c sp\u00fcren, der alle Gesch\u00f6pfe im Universum miteinander verbindet, aus dem sie atmen und Kraft sch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst mich die eigenen Seelenwurzeln erfahren, die aus diesem Weltinnenraum gewachsen sind. Durch diese Seelenwurzeln flie\u00dft ein Strom gnadenreicher, sch\u00f6pferischer Energie. Diese Wurzeln schenken ein fundamentales, unersch\u00fctterliches <em>Vertrauen ins Leben<\/em>.<\/p>\n<p>Wenn ich im Wald Menschen treffe, werde ich h\u00e4ufig gefragt, ob ich keine Angst h\u00e4tte, so ganz allein dort zu \u00fcbernachten. Ich versuche dann verst\u00e4ndlich zu machen, dass es keinen sichereren Ort im Universum gibt als den Wald. Unter den Baumwurzeln und -\u00e4sten, \u00fcber die ich meine H\u00e4ngematte aufspanne, sind die viel tiefer reichenden Lebenswurzeln sp\u00fcrbar, die in den Weltinnenraum reichen. Aus ihnen flie\u00dft eine sich st\u00e4ndig erneuernde Vitalit\u00e4t und Kreativit\u00e4t. Der Wald, die Bergwelt, die Natur insgesamt schenkt uns einen gro\u00dfen Reichtum an frischen Ideen, an kreativen L\u00f6sungen, an Bildern und Symbolen, die bis in unsere Traumwelt reichen. Nach jeder meiner Wanderperioden tr\u00e4ume ich noch wochenlang zu Hause auf intensivste Weise in diesen Bildern und Symbolwelten der Natur. Es ist \u2013 so empfinde ich es \u2013 ein Baden in der Atmosph\u00e4re des Weltinnenraums.<\/p>\n<p>In dieser Verwurzelung, in diesem <em>Vertrauen<\/em> ins Leben kann ich etwas \u201ehalten\u201c. Seele zeigt sich in einem Halten-K\u00f6nnen. Ich kann lernen, paradoxe, scheinbar widerspr\u00fcchliche Gegebenheiten und Haltungen auszuhalten, nebeneinander stehen zu lassen. Es ist ein schmaler Grat zwischen offenem sich Einlassen und einem gewissen Abstand zu den Dingen. Ich trete ein wenig zur\u00fcck, ich staune und lausche, ich nehme einfach wahr, was <em>ist<\/em>, in der Natur und auch in der Begegnung mit anderen Menschen.<\/p>\n<p>Ich sollte nicht zu stark identifiziert sein, sonst kann ich nicht mehr Mittler, Vermittler, Seelenbegleiter sein. Es braucht eine Balance zwischen k\u00f6rperlicher Pr\u00e4senz, Bodenhaftung und geistiger Intuition. Es braucht einen Ausgleich zwischen Einatmen und Ausatmen, zwischen vertiefender Einkehr und Stille (auch und gerade in der Natur) und selbstvergessener Hingabe und Aktivit\u00e4t mitten in der Gesellschaft. In diesem Halten-K\u00f6nnen, in diesem seelischen Mittelweg des sich Verbindens kann ich R\u00e4ume entdecken, Weltinnenr\u00e4ume. Aus diesen R\u00e4umen kann angstfrei und in h\u00f6chster Kreativit\u00e4t gesch\u00f6pft werden. Hier existieren Kraftpotentiale, die durch mich zum Ausdruck kommen m\u00f6chten: Ideen, Intuitionen, Zuh\u00f6rqualit\u00e4ten, integrierende Bewusstseinspotentiale, Bewusstseinsr\u00e4ume, die allen, die daf\u00fcr offen sind, zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/ich-bin-dann-mal-da-wanderungen-und-erfahrungen-mit-der-landschaftsseele-teil-2\">wird fortgesetzt in Teil 2<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":15159,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-92179","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92179"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92179"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}