{"id":92018,"date":"2021-09-01T09:59:44","date_gmt":"2021-09-01T09:59:44","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/kabbala-das-grose-und-das-kleine-gesicht-der-gottheit-teil-2\/"},"modified":"2025-03-04T12:56:11","modified_gmt":"2025-03-04T12:56:11","slug":"kabbala-das-grose-und-das-kleine-gesicht-der-gottheit-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/kabbala-das-grose-und-das-kleine-gesicht-der-gottheit-teil-2\/","title":{"rendered":"Kabbala: Das gro\u00dfe und das kleine Gesicht der Gottheit \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>(<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/kabbala-das-grosse-und-das-kleine-gesicht-der-gottheit-teil-2\">zur\u00fcck zu Teil 1<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Sephirothbaum<\/strong><\/p>\n<p>Aus <em>Kether <\/em>str\u00f6mt, wie aus einem \u00fcberflie\u00dfenden Brunnen, ununterbrochen Wasser nach unten. Es stammt von <em>Ain Soph Aur<\/em> und ergie\u00dft sich mit hohem Druck in die nachfolgenden Sephiroth, wie in Gef\u00e4\u00dfe, die sich f\u00fcllen und in das jeweils n\u00e4chstliegende Gef\u00e4\u00df ergie\u00dfen. So entstehen in einem dynamischen Prozess komplexe Verbindungen, Strukturen und immer neue Evolutionsformen. Die in den drei S\u00e4ulen aufgereihten Sephiroth formen auf diese Weise Triaden bzw. spezifische Funktionsdreiecke.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-65317\" title=\"\" src=\"http:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/11-Sibylle_Bild-2-sauber-Baum-Anna_0.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"728\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/11-Sibylle_Bild-2-sauber-Baum-Anna_0.jpg 640w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/11-Sibylle_Bild-2-sauber-Baum-Anna_0-264x300.jpg 264w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/11-Sibylle_Bild-2-sauber-Baum-Anna_0-21x24.jpg 21w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/11-Sibylle_Bild-2-sauber-Baum-Anna_0-32x36.jpg 32w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/11-Sibylle_Bild-2-sauber-Baum-Anna_0-42x48.jpg 42w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Das erste Funktionsdreieck: Kether (1), Chockmah (2) und Binah (3)<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Kether<\/em> symbolisiert das All und die Quelle allen Lebens. Ihre Entsprechung im menschlichen Mikrokosmos ist der g\u00f6ttliche Funke im Sch\u00e4del. Ihr Gottesname ist <em>Elohim.<\/em><\/p>\n<p><em>Chockmah <\/em>(rechts darunter) symbolisiert die Weisheit und die kinetische Kraft (den Zodiak) der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p><em>Binah <\/em>(links gegen\u00fcber) symbolisiert die heiligende Intelligenz (in mikrokosmischer Zuordnung ist sie die rechte Gesichtsh\u00e4lfte) und die formgebende Kraft der Sch\u00f6pfung (Saturn); auch sie wird <em>Elohim<\/em> genannt. <em>Chockmah<\/em> und <em>Binah<\/em> bilden zusammen ein Paar als h\u00f6chster Vater und h\u00f6chste Mutter der Sch\u00f6pfung. Der Name Gottes, das Tetragrammaton <em>JHWH<\/em> kommt vor allem dieser Manifestationsstufe zu.<\/p>\n<p>Diese Triade offenbart die in ihren Emanationen wirksame <em>g\u00f6ttliche sch\u00f6pferische Kraft.<a id=\"_ftnref1\" title=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><strong><em>Das zweite Funktionsdreieck: Chesed (4), Geburah (5) und Tiphereth (6)<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Dieses Dreieck stellt den in der Sch\u00f6pfung wirksam werdenden mentalen, ordnenden und <em>strukturgebenden Willen<\/em> dar.<\/p>\n<p><em>Chesed<\/em> symbolisiert die Barmherzigkeit (die zusammenhaltende Intelligenz, Jupiter), ihre mikrokosmische Entsprechung im Menschen ist der linke Arm.<\/p>\n<p>Ihr gegen\u00fcber steht <em>Geburah<\/em> \u2013 auch <em>Din<\/em> genannt. Sie symbolisiert St\u00e4rke, H\u00e4rte und Gerechtigkeit (Mars). Diese Sephira verf\u00fcgt \u00fcber eine Wurzelintelligenz, die sie mit Binah vereint. Mikrokosmisch entspricht sie dem rechten Arm.<\/p>\n<p>Auf dieser Ebene ereignet sich \u2013 trotz der harmonisierenden Kraft und der vermittelnden Intelligenz von <em>Tiphereth<\/em> (Sonne, Christusbewusstsein; die mikrokosmische Entsprechung ist die Brust) \u2013 das, was in der Kabbala <em>das Urb\u00f6se<\/em> genannt wird. <em>Tiphereth<\/em> steht in der mittleren S\u00e4ule.<\/p>\n<p>\u201eDer Hypertrophie der richtenden Gewalt von <em>Geburah\/Din<\/em>, die im Verband der Urpotenzen heilig ist, entsprang verselbst\u00e4ndigt, aus dem Verbande losgerissen, das Urb\u00f6se.\u201c<a id=\"_ftnref2\" title=\"\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Das B\u00f6se ist die St\u00f6rung der Harmonie der Sch\u00f6pfung, die Trennung dessen, was geeint sein sollte. Da alle Sephiroth wie Glieder in einer Kette miteinander verbunden sind, muss die Wurzel des B\u00f6sen in einer St\u00f6rung in ihrem Zusammenwirken liegen. In <em>Binah<\/em> (Saturn), der <em>Mutter<\/em> der Sch\u00f6pfung, ist m\u00f6glicherweise der Grund daf\u00fcr zu finden, dass <em>Geburah (Din)<\/em> ein \u00dcberma\u00df an Kr\u00e4ften empf\u00e4ngt und ihre F\u00e4higkeit der H\u00e4rte und St\u00e4rke \u00fcberzieht \u2013 und sich damit selbst in gewisser Weise aus der Sch\u00f6pfungsordnung ausgrenzt und damit zugleich alles, was aus ihrer Sicht dem \u201erechten Ma\u00df\u201c nicht entspricht. Eine noch tiefere Ursache f\u00fcr die St\u00f6rung der Harmonie und f\u00fcr die Schwierigkeit, das rechte Ma\u00df in der Sch\u00f6pfungsordnung zu finden, kann in Gott selbst liegen, und zwar in <em>dem<\/em> Element von ihm, das sich der Sch\u00f6pfung versagt; die Kabbalisten sehen es letztendlich im gestaltlosen <em>Ain Soph<\/em>, das auch im aktiv wirkenden Gott anwesend ist.<\/p>\n<p><strong><em>Das dritte Funktionsdreieck: Netzach (7), Hod (8) und Jesod (9) <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die beiden Sephiroth <em>Netzach<\/em>, die siegreiche Sch\u00f6nheit (Venus, verborgene Intelligenz) und <em>Hod<\/em>, die Herrlichkeit (vollkommene Intelligenz, Merkur) stehen einander gegen\u00fcber. Mikrokosmisch entsprechen sie der H\u00fcfte, den Lenden und den Beinen; sie offenbaren das Prinzip der <em>Bewegung.<\/em><\/p>\n<p><em>Jesod<\/em> auf der Mittels\u00e4ule (reine Intelligenz, Mond) sammelt die zu ihm von \u201eoben\u201c kommenden Emanationen und reinigt und harmonisiert sie. Er wird darum der Gerechte genannt. \u201eIst auch nur ein einziger Gerechter auf Erden, so erh\u00e4lt er die Welt\u201c hei\u00dft es im <em>Safer ha-Bahir<\/em>.<a id=\"_ftnref3\" title=\"\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Indem <em>Jesod<\/em> alle Kr\u00e4fte der Sephiroth konzentriert, str\u00f6men sie \u00fcber ihn in die Weltseele und in die menschlichen Seelen ein. Sie ergie\u00dfen sich dazu in die zehnte Sephira, in <em>Malkuth<\/em>, auch <em>Schechina <\/em>genannt. Die mikrokosmische Entsprechung von <em>Jesod<\/em> sind die\u00a0 Fortpflanzungsorgane. Er stellt die kosmische Potenz des wirkenden Sch\u00f6pfers dar; mit ihnen befruchtet er <em>Malkuth\/Schechina<\/em>. Sie findet ihren Ausdruck in der dichten <em>Form<\/em>. Mit ihrer gl\u00e4nzenden Intelligenz repr\u00e4sentiert sie das K\u00f6nigreich Gottes auf Erden, in das der Baum des Lebens gepflanzt wird.<\/p>\n<p><em>Malkuth<\/em>\/<em>Schechina<\/em> enth\u00e4lt in sich die 32 Wege der Weisheit und der Selbsterkenntnis, die auf der absteigenden Linie der Involution \u2013 den S\u00e4ulen der <em>Erkenntnis<\/em> \u2013 entstanden sind.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen nun auf einem Weg der Evolution nach oben mit Hilfe von <em>Tiphereth<\/em> (auf der S\u00e4ule des Gleichgewichts) in das neue Christusbewusstsein umgewandelt werden, um dann zur\u00fcckzuf\u00fchren bis zur Quelle des Lebens in <em>Kether.<\/em><\/p>\n<p><em>Malkuth\/Schechina<\/em> ist \u2013 au\u00dfer <em>Kether<\/em> und <em>Binah<\/em> \u2013 die dritte Sephira, die den Gottesnamen Elohim tr\u00e4gt. <em>Malkuth\/Schechina<\/em> ist der Inbegriff der Gegenwart (der Wohnstatt) Gottes in der Welt. Sie wird bildlich beschrieben als ein \u00fcbersinnlicher Lichtglanz oder als \u201eFl\u00fcgelschlag der <em>Schechina<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Die drei Triaden werden zusammen mit <em>Malkuth\/Schechina<\/em> das <em>Tetragrammaton<\/em> genannt, der Gottesname, der aus den vier Buchstaben <em>JHWH<\/em> besteht und Ausdruck seines vierfachen dynamischen Sch\u00f6pfungsprozesses ist: Von den vier Konsonanten ist <em>Yod<\/em> das Prinzip seiner <strong><em>Kraft<\/em><\/strong>, <em>Heh <\/em>das Prinzip der <strong><em>Struktur<\/em>,<\/strong> <em>Wav<\/em> das Prinzip der <strong><em>Bewegung<\/em> <\/strong>und nochmals <em>Heh<\/em> \u2013 nun als vierter Buchstabe \u2013 das Ergebnis der ersten drei Buchstaben, die Manifestation bzw. die <strong><em>Form<\/em><\/strong>.<a id=\"_ftnref4\" title=\"\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>In der gesamten Sch\u00f6pfung verbirgt sich die Problematik des gestaltlosen Nichts. Sie ist in jeder erschaffenen Gestalt zu finden. Das unendliche, verborgene Nichts, <em>Ain Soph<\/em>, enth\u00e4lt das <em>Ehyeh<\/em>: Ich werde sein. So gibt es also im Sein eine Art Freiraum, ein Nichts in jedem Gesch\u00f6pf.<\/p>\n<p>Liegt darin nicht die M\u00f6glichkeit zur selbstsch\u00f6pferischen Aktivit\u00e4t, zu einem freiheitlichen Mitwirken an der Sch\u00f6pfung \u2013 so dass diese sich nicht nur von oben, sondern auch von unten her von Herrlichkeit zu Herrlichkeit entfalten kann?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a id=\"_ftn1\" title=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Gershom Scholem, <em>Von der mystischen Gestalt der Gottheit<\/em>, S. 44<\/p>\n<p><a id=\"_ftn2\" title=\"\" href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Gershom Scholem, <em>Die Geheimnisse der Sch\u00f6pfung<\/em>, Frankfurt\/Main 2018, S. 40<\/p>\n<p><a id=\"_ftn3\" title=\"\" href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Gershom Scholem, <em>Sefer ha-Bahir, Das Buch Bahir<\/em>, Hamburg 2021, \u00a771<\/p>\n<p><a id=\"_ftn4\" title=\"\" href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Jeff Love, Ibid. S. 43<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":14581,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-92018","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/92018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14581"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92018"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=92018"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=92018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}