{"id":91966,"date":"2021-08-11T09:53:14","date_gmt":"2021-08-11T09:53:14","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/gottes-augen-augen-des-menschen\/"},"modified":"2021-08-11T09:53:14","modified_gmt":"2021-08-11T09:53:14","slug":"gottes-augen-augen-des-menschen","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/gottes-augen-augen-des-menschen\/","title":{"rendered":"Gottes Augen \u2013 Augen des Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Im Blick des Menschen liegt eine besondere Kraft. Manchmal scheint es, als w\u00fcrde der uns Anblickende aus seinen Augen hervortreten.<\/p>\n<p>Wenn wir einem Menschen, den wir lieben, in die Augen schauen, scheint die Welt um uns herum zu lachen. Wir verlieren uns in dem anderen. Wir sp\u00fcren eine Kraft, die uns anzieht. Ist sie eins mit der Basiskraft des Universums? Ist es dieselbe Kraft, die die Schwerkraft erzeugt und alle Dinge miteinander verbindet, die Kraft der kosmischen Liebe?<\/p>\n<p>.Johann Wolfgang Goethe schrieb:<\/p>\n<p><em>W\u00e4r nicht das Auge sonnenhaft,<\/em><\/p>\n<p><em>die Sonne k\u00f6nnt es nie erblicken; <\/em><\/p>\n<p><em>l\u00e4g nicht in uns des Gottes eigne Kraft,<\/em><\/p>\n<p><em>wie k\u00f6nnt uns G\u00f6ttliches entz\u00fccken?<\/em><\/p>\n<p>Goethe \u00fcbernahm diesen Gedanken von Plotin. Im menschlichen Blick kann Transzendentes, G\u00f6ttliches erfahrbar werden.<\/p>\n<p>Das Auge ist das Fenster zur Seele. Die ganze Welt und alles, was hinter ihr steht, kann wie durch ein Nadel\u00f6hr durch das Auge hindurchscheinen. Ein Blick kann uns ahnen lassen, dass es eine \u201everborgene H\u00e4lfte der Welt\u201c gibt. Im antiken Griechenland sagte man, dass durch das Auge Licht in die Welt strahlt, ja dass Erleuchtung und Kenntnis durch den Blick eines Menschen vermittelt werden k\u00f6nnen. Das Wort f\u00fcr \u201esehen&#8220; bedeutet im Griechischen auch \u201ewissen&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Mikrokosmische Begegnungen<\/strong><\/p>\n<p>Ein Pilger auf dem spirituellen Weg hat einen anderen Blick auf die Welt. Er beginnt zu erkennen, dass die Menschen, denen er begegnet, neben allem \u00c4u\u00dferen auch unsterbliche Seelen sind, Welten im Kleinen, \u201eMikrokosmen\u201c. Begegnungen k\u00f6nnen zu Begegnungen unsterblicher Seelen werden. Jeder Mensch ist ein kleines Universum, in jedem steckt eine Essenz von allem, auch G\u00f6ttlichem. Ein Mensch ist nicht nur \u201eer selbst\u201c im herk\u00f6mmlichen Sinn, sondern auch ein Antlitz Gottes, die Manifestation einer g\u00f6ttlichen Potenz, einer verborgenen g\u00f6ttlichen Energie. Wenn wir von Menschenw\u00fcrde sprechen, dann hat sie hierin ihre eigentliche Grundlage.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen den verborgenen g\u00f6ttlichen Keim in uns erwecken. Dann treten bei unseren Begegnungen im t\u00e4glichen Leben Sympathie und Antipathie in den Hintergrund. Neben alles, was wir am anderen erkennen, tritt die Empfindung, dass uns in der Begegnung mit ihm auch Unsterbliches gegen\u00fcbertritt. Und wir k\u00f6nnen von der Ahnung ergriffen werden, dass sch\u00f6pferische Kr\u00e4fte, g\u00f6ttliche Liebe und g\u00f6ttliche Weisheit es m\u00f6glich gemacht haben, dass es zu dieser Begegnung kommt.<\/p>\n<p><strong>Das erwachende Auge<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt viele Religionen und Philosophien. In der Gestalt des Christian Rosenkreuz, so sagt die Legende, haben sie sich zu einer Synthese vereinigt. Das kann auch in uns geschehen. Wenn wir in die eigene Tiefe schauen, verlieren wir den Anreiz, gegen andere zu k\u00e4mpfen. Der Blickwinkel \u00e4ndert sich, wenn wir auf eine Ber\u00fchrung durch das Urspr\u00fcngliche, den sch\u00f6pferischen Urgrund in uns gerichtet sind. Aus ihm heraus kann das Bewusstsein neu \u201egeboren werden\u201c. Wir k\u00f6nnen daran gehen, mehr und mehr von dem loszulassen, was wir charakterlich geworden sind. Das Bisherige wandelt sich zu einem Humus, einem Boden, in dem Neues heranwachsen kann. Das Neue ist das Uralte, das Universelle und Unsterbliche, die Wahrheit, die von Zeit und Raum unabh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p>Das Wissen um die g\u00f6ttlichen Dinge steht uns als verborgener Schatz zur Verf\u00fcgung. Es zeigt sich in der Vielfalt der Religionen und Lehren. Alle Kulturen zeugen von dem Streben der Menschheit, das innere Potenzial zu entfalten, zu sich selbst zu gelangen, zum Dauerhaften, zum wahrhaft Lebendigen, das nicht mehr vom Tod ergriffen werden kann.<\/p>\n<p>Die unsterbliche Seele erwacht eines Tages aus ihrem langen Schlaf. Dann betrachten wir die Welt und uns selbst mit den Augen eines spirituellen Bewusstseins. In ihm liegt das einzige Heilmittel f\u00fcr unsere Probleme. Wir erleben den Ruf der Weltseele und sp\u00fcren etwas vom Fluss der g\u00f6ttlichen Weisheit und der g\u00f6ttlichen Liebe. Wir erfahren die geistige Einheit von allem. Das G\u00f6ttliche tritt sich in uns und in unseren Begegnungen mit anderen selbst gegen\u00fcber. Es erringt sich selbst \u2013 durch den Menschen, der sich \u201eauf den Weg\u201c begibt..<\/p>\n<p>Das Ziel des menschlichen Zusammenlebens wird in einem Text der Katharer, der im 12. Jahrhundert entstand, folgenderma\u00dfen dargestellt:<\/p>\n<p><em>Die Kirche der Liebe<\/em><\/p>\n<p><em>Diese Kirche lebt nicht als feste Form, nur im Einvernehmen der Menschen untereinander.<br \/>\nSie hat keine Mitglieder, au\u00dfer jenen, die sich zugeh\u00f6rig f\u00fchlen.<br \/>\nSie hat keine Konkurrenz, denn sie wetteifert nicht.<br \/>\nSie hat keinen Ehrgeiz, denn sie w\u00fcnscht nur zu dienen.<br \/>\nSie zieht keine Landesgrenzen, denn das Staaten-Denken entbehrt der Liebe.<br \/>\nSie kapselt sich nicht ab, denn sie sucht alle Gruppen und Religionen zu bereichern.<br \/>\nSie achtet alle gro\u00dfen Lehrer aller Zeiten, welche die Wahrheit der Liebe offenbarten.<br \/>\nWer ihr angeh\u00f6rt, \u00fcbt die Wahrheit der Liebe mit seinem ganzen Sein.<br \/>\nWeder gesellschaftliche Schicht noch Volkszugeh\u00f6rigkeit bedeuten f\u00fcr sie eine Schranke.<br \/>\nWer dazugeh\u00f6rt, wei\u00df es.<br \/>\nSie trachtet nicht, andere zu belehren; sie trachtet nur, zu sein und durch ihr Sein zu geben.<br \/>\nSie lebt in der Erkenntnis, dass die Art, wie wir sind, auch die Art sein mag von denen, die um uns sind, weil sie um die Einheit wei\u00df.<br \/>\nSie macht sich nicht mit lauter Stimme bekannt, sondern wirkt in den feinen Bereichen des liebenden Seins.<br \/>\nSie verneigt sich vor allen, die den Weg der Liebe aufleuchten lie\u00dfen und daf\u00fcr ihr Leben gaben.<br \/>\nSie l\u00e4sst in ihren Reihen keine Rangfolge zu und keine feste Struktur, denn der eine ist nicht gr\u00f6\u00dfer als der andere.<br \/>\nIhre Mitglieder erkennen einander an der Art zu handeln, an der Art zu sein und an den Augen,<br \/>\nund an keiner anderen \u00e4u\u00dferen Geste als der geschwisterlichen Umarmung.<br \/>\nJeder einzelne weiht sein Leben dem stillen und liebevollen Umgang mit dem N\u00e4chsten und seiner Umwelt w\u00e4hrend er seine t\u00e4glichen Pflichten erf\u00fcllt, wie anspruchsvoll oder wie bescheiden sie auch sein m\u00f6gen.<br \/>\nSie wei\u00df um die absolute G\u00fcltigkeit der Gro\u00dfen Wahrheit, die nur dann verwirklicht wird, wenn die Menschheit aus dem obersten Gebot der Liebe handelt.<br \/>\nSie verspricht keinen Lohn, weder in diesem noch in jenem Leben, nur unsagbare Freude des Seins und des Liebens.<br \/>\nJeder trachtet danach, der Verbreitung des Wissens zu dienen, in aller Stille Gutes zu wirken und nur durch eigenes Beispiel zu lehren.<br \/>\nDie zur Kirche der Liebe geh\u00f6ren, kennen weder Furcht noch Scham, und ihr Zeugnis wird immer, in guten wie in schlechten Zeiten, g\u00fcltig sein.<br \/>\nDie Kirche der Liebe hat kein Geheimnis, kein Mysterium und keine Einweihung, au\u00dfer dem tiefen Wissen um die Macht der Liebe und um die Tatsache, dass die Welt sich \u00e4ndern wird, wenn wir Menschen dies wollen; aber nur, indem wir uns zuerst \u00e4ndern.<br \/>\nAlle, die sich dazugeh\u00f6rig f\u00fchlen, geh\u00f6ren dazu.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":917,"featured_media":14361,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-91966","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91966","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91966"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91966"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91966"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91966"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}