{"id":91924,"date":"2021-08-01T07:08:24","date_gmt":"2021-08-01T07:08:24","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/durch-den-tunnel-der-subjektivitat\/"},"modified":"2021-08-01T07:08:24","modified_gmt":"2021-08-01T07:08:24","slug":"durch-den-tunnel-der-subjektivitat","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/durch-den-tunnel-der-subjektivitat\/","title":{"rendered":"Durch den Tunnel der Subjektivit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Der Wunsch nach Erkenntnis hat viele Gesichter. Da ist unsere physische (Um-) Welt, die fundamentale unbeantwortete Fragen aufwirft, trotz der Alltagsrealit\u00e4t, die die Dinge bekannt und beherrschbar aussehen l\u00e4sst. Unser eigener K\u00f6rper ist uns bei genauerer Betrachtung viel weniger bekannt und bewusst, als wir normalerweise meinen. Im Innen und im Au\u00dfen begegnen uns die gleichen Fragen nach Essenz und Sinn; wir k\u00f6nnten auch sagen: Der Mikrokosmos ist uns genauso wenig bekannt wie der Makrokosmos. Seit der Mensch seine intuitive Erkenntnis verlor, die ihn mit allen Dingen und Wesen verband und die ihn in der Welt verortete, ist er zum Forscher geworden.<\/p>\n<p><strong>Suchen und Forschen<\/strong><\/p>\n<p>Wer die Natur der Materie zu erforschen beginnt, der findet, dass das, was er f\u00fcr stofflich halten m\u00f6chte, sich in den Tiefen des Subatomaren scheinbar aufzul\u00f6sen beginnt \u2013 ins Feinstoffliche, in unbekannte Zusatzdimensionen? Die Physik hat noch keine allgemein anerkannte Antwort darauf. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich, wenn man in die Weiten des Weltalls schaut. Das All dehnt sich seit ca. 14 Milliarden Jahren gleichm\u00e4\u00dfig in alle Richtungen aus. Dabei verl\u00e4uft diese Ausdehnung so schnell, dass wir bestimmte entlegene Gegenden des Universums nie zu Gesicht bekommen werden, da sie sich mit \u00dcberlichtgeschwindigkeit von uns entfernen. Da sich nach der Speziellen Relativit\u00e4tstheorie nichts<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a> schneller als das Licht bewegen darf, behelfen sich die Physiker hier mit der Grundannahme, dass diese Geschwindigkeit sich auf den Raum selbst bezieht, der sich ausdehnt. Bei solchen Gedanken k\u00f6nnte man sich verloren vorkommen und sich spontan w\u00fcnschen, das All w\u00e4re kleiner und direkter wahrnehmbar. Paradoxerweise ist die Unerforschlichkeit seiner Tiefen genauso unangenehm wie die Annahme, dass eines Tages das Universum so bekannt und kartiert sein k\u00f6nnte wie heute unser \u201eglobales Dorf\u201c. Unser Denken ger\u00e4t hier an eine besondere Grenze: Es ist der Horizont, den wir immer weiter verschieben wollen, die Reise, die niemals enden soll. F\u00fcr dieses Denken ist beides unbefriedigend: seine eigene Begrenztheit ebenso wie der Gedanke, dass in einem begrenzten physikalischen All eines Tages nichts mehr zu erforschen \u00fcbrig bleiben k\u00f6nnte. Hier tut sich eine grunds\u00e4tzliche Frage auf: Ob nicht hinter unserem rastlosen Dr\u00e4ngen nach immer weiterer Erkenntnis ein Impuls aus einer Sph\u00e4re wirkt, in der es eine bewusste und ewige Entwicklung in Verbundenheit gibt.<\/p>\n<p><em>Unser Forschen erstreckt sich auf alle Ebenen des Seins<\/em><\/p>\n<p>Hinter dem Stofflichen liegen die feinstofflichen Sph\u00e4ren von Wille (\u00c4ther, die <em>prima materia<\/em> unseres Kosmos), Gef\u00fchlen (Astralwelt), Gedanken (Mentalwelt). Sie geh\u00f6ren zu unserem menschlichen Wesen wie auch zum \u201eK\u00f6rper\u201c der Welt als Ganzem. Den meisten Menschen erscheinen diese Bereiche ephemer, fl\u00fcchtig, nicht substanziell. Wer hellsichtig oder hellf\u00fchlig ist, kann diese Sph\u00e4ren deutlich wahrnehmen, wird jedoch durch die eigene Subjektivit\u00e4t daran gehindert, sie klar und ohne T\u00e4uschung zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Was treibt uns an?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir wissen wollen, was andere Menschen antreibt und wer sie wirklich sind, sind wir gr\u00f6\u00dftenteils auf Vermutungen angewiesen. Von uns selbst wissen wir aber genauso wenig. Denn nehmen wir wahr, wie unsere Gedanken, Gef\u00fchle und Tatabsichten zustande kommen? Nein \u2013 weil wir uns mit ihnen identifizieren. Sie sind einfach da. Es gilt nicht nur: Ich denke, also bin ich (ich). Sondern auch: Ich f\u00fchle so, deshalb reagiere ich so, anders kann es nicht sein. Wer einmal versucht hat, gegen ein starkes Gef\u00fchl anzugehen und es zum Schweigen zu bringen, wei\u00df, dass dies beinah unm\u00f6glich ist. Es erwacht immer wieder aufs Neue. Wie Gedanken, Gef\u00fchle und Wille aber in uns entstehen, fragen sich nur die wenigsten Menschen. Man kann diese Fragen unter anderem mit dem Hinweis auf das Karma beantworten, das uns auf unserem Lebensweg mit bestimmten Menschen und Situationen zusammenbringt und das uns auch auf die Dinge so reagieren l\u00e4sst, wie wir es eben tun. Hinter diesen Begegnungen stehen Lernaufgaben, denen wir nicht auf Dauer ausweichen k\u00f6nnen. Eine andere Aufgabe liegt in der Beschr\u00e4nktheit unseres Erkenntnisverm\u00f6gens. Wir k\u00f6nnen ihr nicht entkommen, sondern m\u00fcssen zuerst von innen heraus verstehen, wie sehr unsere Selbstbezogenheit mit dieser Enge korrespondiert.<\/p>\n<p>Selbst wenn wir in B\u00fcchern Antworten finden, die uns eine umfassendere Sicht auf unser Leben oder das Weltgeschehen n\u00e4herbringen, bleibt diese so lange theoretisch, bis wir uns die Erkenntnis konkret und praktisch erobern. F\u00fcr diesen Feldzug braucht es keine entschlossene Ausweitung des eigenen Wissens, sondern etwas ganz anderes: Die sukzessive <em>R\u00fcckkehr des Menschen in die Einheit<\/em> mit seinem Mikrokosmos, mit dem Makrokosmos und mit seinem g\u00f6ttlichen Urgrund. Man k\u00f6nnte diese Reise ebenso beschreiben als <em>Bewusstwerdung der Einheit<\/em> mit dem eigenen wahren Wesen, dem g\u00f6ttlichen Lebensfeld und schlie\u00dflich mit seinem Sch\u00f6pfer.<\/p>\n<p><em>Der Schleier ist die Schicht, auf die sich die Wirklichkeit projiziert<\/em><\/p>\n<p>Oft m\u00f6chten wir den Schleier der Subjektivit\u00e4t beiseite schieben, um DIE WIRKLICHKEIT zu sehen. Doch der Schleier ist zugleich auch die Schicht, auf die sich derjenige Teil der Realit\u00e4t projiziert, den wir jetzt sehen sollen. Was wir jetzt denken, f\u00fchlen, vor uns sehen, wie subjektiv auch immer: Es ist unsere Gegenwart. Es ist die Aufgabe, die vor uns liegt. Es ist der Schleier, der wir selbst sind und in dem die Welt uns begegnet. Diese Begegnungen k\u00f6nnen wir annehmen, was auch immer sie bringen. Wir sind ohnehin eins mit allem, was uns begegnet.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a> Denn was da ist, k\u00f6nnen wir zwar zun\u00e4chst leugnen oder verdr\u00e4ngen, es l\u00e4sst sich aber nicht auf Dauer wegschieben.<\/p>\n<p><strong>Schritte der Transformation <\/strong><\/p>\n<p>Wer sich dem Jetzt \u00f6ffnet, stellt fest, dass sich die Dinge durch Akzeptanz wandeln. Dabei \u00f6ffnen wir unser Denken, F\u00fchlen und Wollen. Unser Sein kommt zur Stille. Unser Ich h\u00f6rt auf, Grenzen zu ziehen. Durch Annehmen, wirkliches Annehmen, entsteht Verstehen. Denn womit wir eins werden, das lernen wir kennen; es kann nicht anders sein. Die meisten Schritte auf diesem Weg des Einswerdens sind wahrscheinlich Herausforderungen, denn sie bringen Korrekturen, Konfrontation, Krankheit, Verlust. Wir gehen durchs Feuer der Verschiedenheit und der Konflikte. Darin entsteht eine Reinigung, aber auch eine Ver\u00e4nderung des Standpunkts, die einer sukzessiven Preisgabe des Ichs gleichkommt. Vielleicht wollen wir zun\u00e4chst die Grenzen unseres Ichs enger ziehen, um uns abzusichern und die vermeintlichen Gegner drau\u00dfen zu halten. Es wird auf diesem Weg aber immer deutlicher sp\u00fcrbar, dass wir zu einer Transformation aufgefordert sind, gleichsam zu einer Umw\u00e4lzung im eigenen Wesen, durch die das wahre Selbst zum Vorschein kommen wird.<\/p>\n<p><em>Der Weg der Akzeptanz ist ein Weg der Einweihung und Erleuchtung <\/em><\/p>\n<p>Man muss sich buchst\u00e4blich mit Haut und Haar dem weihen, was die Wirklichkeit bereith\u00e4lt. <em>Die Wirklichkeit wirken lassen<\/em>. Auf die wesentlichen Ereignisse des Lebens angewendet hei\u00dft das: Das Karma wirkt nicht auf uns ein, um uns zu belohnen oder zu bestrafen: Es schenkt uns M\u00f6glichkeiten zur Bewusstwerdung. Das ist ein Einweihungsweg im t\u00e4glichen Leben, der ohne religi\u00f6ses Konzept gegangen werden kann. Spirituelle Lehren stellen uns hierzu Landkarten zur Verf\u00fcgung. Beim Gehen erkennen wir die Landschaft wieder, entdecken aber au\u00dferdem ihre F\u00fclle und Tiefe.<\/p>\n<p>Der Gedanke, dass unser Ich nicht das ewige Selbst ist, ist ein solcher Wegweiser. Dass das wahre Selbst universell, also allumfassend ist, ist ein anderer. Dieser Gedanke kann einen Punkt in uns ber\u00fchren, in dem wir uns zu diesem innereigenen Universellen \u00f6ffnen k\u00f6nnen. Vertrauen kann entstehen. Dieses Vertrauen ist dann der feste Grund, auf dem wir gehen k\u00f6nnen \u2013 und das universelle Selbst nach und nach in uns entdecken und zur Wirksamkeit bringen.<\/p>\n<p><em>Wir sind die Projektion eines universellen Selbstes<\/em><\/p>\n<p>Der Tunnel unserer Subjektivit\u00e4t mag auch dann (und vielleicht vor allem dann) immer wieder eng und dunkel erscheinen. Doch gerade diese Enge und Dunkelheit k\u00f6nnen auch zu Antrieben werden, die Schale des Ichs preiszugeben. Wir sind selbst dieser Tunnel; wir sind die Projektion eines universellen Selbstes in ein Einzelwesen und in Raum und Zeit. In dem Menschen, der dies erkennt, findet ein paradoxer Kampf statt. Der Wunsch nach Erleuchtung und nach dem Universellen steht gegen den Wunsch, als Einzelwesen im Konkreten und Fassbaren zu verbleiben. Er steht gegen die Angst, sich im Universellen zu verlieren. Diesen Gegensatz kann man letztlich nur annehmen und im Reifungsprozess ausharren. Der Mensch der sich diesem Weg weiht, erlebt, wie er in der Akzeptanz innereigene Kenntnis erringt.<\/p>\n<p><strong>Wie im Kleinen, so im Gro\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>Wie verh\u00e4lt es sich damit in Bezug auf die gro\u00dfen Linien des Weltgeschehens? Der Weg zur Erkenntnis des h\u00f6heren Plans der Dinge f\u00fchrt \u00fcber die Kl\u00e4rung im eigenen Innern. Er f\u00fchrt durch die Selbsterkenntnis zur Erkenntnis der Welt. Das hei\u00dft: Meine Motive zum Handeln werden auch in allen anderen Menschen erkennbar. Jeder hat (potenziell) alles Gute und alles B\u00f6se in sich. Jeder steckt in seinem eigenen Tunnel, mit seinen eigenen \u00c4ngsten, W\u00fcnschen und Zielen. Geltungsdrang und die Suche nach Liebe und Anerkennung, das Verlangen nach Macht und Sicherheit wirken in allen Menschen \u2013 bevor sie sich auf einen spirituellen Weg begeben, und auch noch lange danach. Der Blick in die Welt ist auch immer ein Blick ins eigene Innere. Wie im eigenen Leben, so wirken auch in globalen Krisen karmische Kr\u00e4fte, die die Menschheit mit ihren Lernaufgaben konfrontieren.<\/p>\n<p><em>In die Tiefe des innereigenen Universellen tauchen<\/em><\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen und im Kleinen gibt es auf das Selbst bezogene Ziele, spirituelle Entwicklungen und Ausweichbewegungen. Es gibt den Weg des Ichs und den Weg zur Befreiung des universellen Selbstes. Krisen sind vor allem Wendepunkte. Wenn wir sie als solche erkennen k\u00f6nnen und die Risse in der Oberfl\u00e4che dazu gebrauchen, in die Tiefe des innereigenen Universellen zu tauchen, tun wir das Wesentliche. Diese Umwendung f\u00fchrt in die Freiheit. Erst in dieser Freiheit entsteht ein Bewusstsein, das alles Irdische erkennt und durchdringt. So wie im Innern jedes Menschen der Kampf zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen dem Ich und dem wahren Selbst ausgefochten wird, so ringt auch die Welt in Geburtswehen eines neuen Bewusstseins und Seins, das aus dem ewigen Urgrund hervorkommt. Die meisten Menschen werden durch diese Ver\u00e4nderung verunsichert, viele klammern sich an abgelebte Anschauungen und einfache Wahrheiten, die es im \u00c4u\u00dferen nicht geben kann. Wer den Weg in die Freiheit wagt, wirft mit dem \u201ealten Selbst\u201c \u00c4ngste, W\u00fcnsche, Trennendes und Feindbilder ab. Langsam entsteht Klarheit. Ihren Kern wird man nie in Worte fassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer diesen Weg annimmt, wird von der Freiheit ber\u00fchrt. Der Weg f\u00fchrt durch den Tunnel der Subjektivit\u00e4t und der Zeitlichkeit, und er liegt zugleich im allumfassenden Licht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> zumindest nichts, was eine Ruhemasse besitzt<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> Dieses \u201eEinssein\u201c widerspricht dem Denken, das von Ich und Du, von \u201eInnenwelt\u201c und \u201eAu\u00dfenwelt\u201c ausgeht. Das seelische Erleben ist imstande, in den Begegnungen und Ereignissen die Einheit wahrzunehmen und zu erkennen, in welcher Weise Ich und Welt transformativ miteinander verwoben sind.<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":14141,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-91924","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91924","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14141"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91924"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91924"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91924"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91924"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}