{"id":91910,"date":"2021-07-29T09:31:45","date_gmt":"2021-07-29T09:31:45","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/begegnung-mit-dem-gottlichen-teil-2\/"},"modified":"2021-07-29T09:31:45","modified_gmt":"2021-07-29T09:31:45","slug":"begegnung-mit-dem-gottlichen-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/begegnung-mit-dem-gottlichen-teil-2\/","title":{"rendered":"Begegnung mit dem G\u00f6ttlichen \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>(zur\u00fcck zu <a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/begegnung-mit-dem-goettlichen-teil-1\">Teil 1<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alles Sinnliche ist auch \u00fcbersinnlich<\/strong><\/p>\n<p>G.F. Alles, was wir mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen \u2013 ist es zugleich auch \u00fcbersinnlich?<\/p>\n<p>H.C.Z. Ja, wie gesagt: Letztlich ist alles geistiger Natur, auch das Sinnliche. Das Sinnliche ist der g\u00f6ttlich-geistige Erscheinungsgrund f\u00fcr ein darin sich offenbarendes, ebenso g\u00f6ttlich-geistiges Nicht- oder \u00dcbersinnliches. \u2013 Daher begegnet uns mit jedem Naturwesen, mit jeder sinnlichen Wirklichkeit auch schon ein G\u00f6ttlich-Geistiges!<\/p>\n<p>Auch in der irdischen Sinneswirklichkeit haben wir reale Wesensbegegnungen. Allerdings verschlafen wir diese Wesensbegegnungen dort im Alltag, weil wir die Sinneswirklichkeit naiv gegenst\u00e4ndlich, unhinterfragt, au\u00dferhalb von uns gegeben, vorstellen und handhaben. Sobald ich die Sinneswirklichkeit \u2013 wahrheitsgem\u00e4\u00dfer \u2013 aber als Erscheinung entgegenzunehmen lerne, als eine sinnliche Erscheinung von Geistig-Wesenhaftem, das sich darin kundtut, dann beginne ich, das, was wir unbewusst oder vorbewusst in die Gegenstandsauffassung gebannt und dort gefangen haben, wieder zu befreien, indem ich diesen Wesensanteil in meinem Inneren sich aussprechen lasse.<br \/>\nDann wird bereits die sinnliche Erscheinung Erfahrungsfeld f\u00fcr Imaginationen, Inspirationen und Intuitionen.<\/p>\n<p>G.F. K\u00f6nntest Du hierf\u00fcr ein Beispiel anf\u00fchren?<\/p>\n<p>H.C.Z. Ein Rotkehlchen betrachten wir in der naiv-gegenst\u00e4ndlichen Auffassungsweise als einen dreidimensionalen Vogelk\u00f6rper da drau\u00dfen, au\u00dferhalb von mir, der da drau\u00dfen einen Gesang hervorbringt. Wenn ich indes das Rotkehlchen als Erscheinung entgegennehme, dann wird es mir von Beginn an zu einem R\u00e4tsel einer mir gerade erscheinenden Wesenswelt. Rotkehlchen ist jetzt nicht mehr der Gegenstand da drau\u00dfen, sondern die ganze Welt, die ich in mir anhand der sinnlichen Darbietungen von Rotkehlchen <em>erlebe <\/em>&nbsp;\u2013 und die eine ganz andere innere Erlebniswelt ist als das Schwarz-Wei\u00df-Gelbe und H\u00fcpfende dessen, was wir gewohnt sind, mit Kohlmeise zu bezeichnen.<\/p>\n<p>Alle sinnliche Erscheinung kann so zu einer Beschreibung einer inneren Erlebniswelt werden. Diese Erlebniswelt selbst ist ein vorstellungsfreier seelisch-geistiger Raum, in dem ich mich befinde. Ein \u201eWeltinnenraum\u201c, um mit Rainer Maria Rilke zu sprechen. Dieser spezifische Weltinnenraum, den wir Rotkehlchen nennen, der spricht sich durch seine sinnlichen Erscheinungsweisen aus, macht so auf sich aufmerksam. Ich kann auf diese Weise daf\u00fcr erwachen, in welcher spezifischen Region des Weltinnenraumes ich mich gerade befinde.<\/p>\n<p>G.F. Was k\u00f6nnte man in diesem Zusammenhang als \u201eg\u00f6ttlich\u201c bezeichnen?<\/p>\n<p>H.C.Z. Das Prinzip der weisheitsvollen Sch\u00f6pfung, der Hervorbringung aus einem inneren Ganzen, das darf wohl als g\u00f6ttlich betrachtet werden. Und die erkennende Teilhabe an dieser inneren Weisheit der Sch\u00f6pfung, das kann wohl als eine Art Aufstieg zum G\u00f6ttlichen betrachtet werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Aufschwung gibt es Wegbereiter.<\/p>\n<p><strong>Michael<\/strong><\/p>\n<p>Man kann den Weg zu dieser Teilhabe an der g\u00f6ttlichen \u201eIntelligenz\u201c (im Sinne von Geistes-Tat) \u2013 in diese hinein \u2013 zum Beispiel mit dem Namen Michael bezeichnen. Michael ist eine hebr\u00e4ische Erzengelbezeichnung und bedeutet so viel wie \u201eWer ist wie Gott?\u201c. Michael wird auch als das Antlitz des Christus charakterisiert. Dass man sich gewisserma\u00dfen f\u00fcr Momente an diesem Ausgangspunkt der Sch\u00f6pfung erlebt, dass man wie mit dabei ist, wenn Gott, bildhaft gesprochen, mit einem Sch\u00f6pfungs-Motiv spielt, dass man das Erlebnis hat, dass Weltenweisheit in einem denkt, f\u00fchlt oder sogar will \u2013, das ist dann eine Erfahrung, in der man sich als von Michael getragen f\u00fchlen kann. Ein Weg dahin ist f\u00fcr mich die goetheanistische Naturbetrachtung.<\/p>\n<p>G.F. Ist alles \u00dcbersinnliche auch g\u00f6ttlich-geistig?<\/p>\n<p>H.C.Z. Unbedingt. G\u00f6ttlich-geistig hei\u00dft nicht \u201eParadies\u201c und \u201eFriede, Freude, Eierkuchen\u201c, wenn ich das so salopp sagen darf. Vielmehr lebt hier das ganze Spektrum von Gut bis B\u00f6se. Wir sind in jeder Begegnung gefragt, f\u00fcr <em>das<\/em> Geistige zu erwachen, das sich durch und mit mir gerade realisiert. Ich bin jedes Mal gefordert, mich zu fragen, ob ich das will oder nicht oder wie ich mich so dazu stelle, sodass es im Rahmen des Menschlichen bleibt.<\/p>\n<p>G.F. Muss etwas im eigenen Innern stattfinden, damit eine Impression des G\u00f6ttlichen als solche erkannt wird?<\/p>\n<p><strong>Das Du kann in mir anwesend sein <\/strong><\/p>\n<p>H.C.Z. Das eigene Innere muss empf\u00e4nglich werden f\u00fcr das Andere. Es muss insofern \u201eselbstlos\u201c werden. Alle Aufmerksamkeitsschulung dient ja dazu, dass sich das Andere, das \u201eDu\u201c in mir aussprechen kann, dass es in mir anwesend sein kann. Daf\u00fcr muss ich meine allzu allt\u00e4gliche Subjektivit\u00e4t aus dem Spiel lassen. Wenn ich zum Beispiel sage \u201eDas gef\u00e4llt mir\u201c, oder \u201elecker\u201c, dann sage ich damit etwas \u00fcber mich aus und nicht \u00fcber das andere Wesen. Ich muss also meine Erlebnisf\u00e4higkeit m\u00f6glichst frei von allzu pers\u00f6nlichen Urteilen der Erscheinung zur Verf\u00fcgung stellen. Das hei\u00dft aber im Beschreiben dessen, wessen ich angesichtig bin, Begriffe zu w\u00e4hlen, die m\u00f6glichst nah bei dem \u201eDu\u201c sind.<\/p>\n<p>Dabei gilt es auch, immer abzugleichen, ob mein Erleben noch bei der Sache ist. Auf welchen Eindruck im Erlebnis bezieht sich meine Aussage gerade? Wenn ich zum Beispiel sage, dass das Rotkehlchen mit gro\u00dfen Kinderaugen in die Welt blickt, dann kann es mir passieren, dass ich mich aus blo\u00dfer, unbemerkter Sympathie von dem Bild des Kinderauges davon tragen lasse und nicht mehr beim Rotkehlchen bin. Hier rettet die erneute Hinwendung zur sinnlichen Erscheinung. Was macht denn den Eindruck des Kinderauges aus? Das runde, vergleichsweise gro\u00dfe, weit ge\u00f6ffnete Auge. Und damit kann sich dann wieder das Innenerlebnis eines einerseits staunenden, andererseits halb z\u00f6gernden, halb vertrauenssuchenden Blickes verbinden.<\/p>\n<p>So korrigieren, vertiefen und verst\u00e4rken sich sinnliche (\u00e4u\u00dferliche) Beobachtung und \u00fcbersinnliches (inneres) Erlebnis gegenseitig. Ich gewinne dadurch neue Sinnesbeobachtungen und neue innere Erlebnisse. Ich wachse \u00fcber mich hinaus. Ich gewinne den Rotkehlchenblick mehr und mehr als einen Teil meines eigenen Wesens. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>G.F. Mit welcher Art von Augen, mit welcher Art von Bewusstsein erkennen wir das G\u00f6ttlich-Geistige?<\/p>\n<p><strong>Nicht mehr nur mit physischen Augen schauen<\/strong><\/p>\n<p>H.C.Z. Sobald wir beginnen, die seelisch-geistige Seite der Welt aufzusuchen, blicken wir nicht mehr (nur) mit physischen Augen, sondern wir schauen mit geistigen Augen. Unser Bewusstsein ist dann gesteigert gegen\u00fcber dem (im Verh\u00e4ltnis dazu schlafenden) Alltagsbewusstsein. Man kann das auch (mit Goethe und Steiner) \u201eschauendes Bewusstsein\u201c nennen.<\/p>\n<p>G.F. Wenn man von Gesichtern Gottes spricht, dann muss etwas in den Bereich der Wahrnehmung treten. Warum geschieht das \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>H.C.Z. Es scheint im (Eigen-)Interesse der Sch\u00f6pfung zu sein, durch die Wahrnehmung gewisserma\u00dfen ans Tageslicht zu kommen. Alles will <em>offenbar<\/em> werden, das hei\u00dft wahrgenommen werden. Das merken wir doch auch selbst, wie begl\u00fcckend es f\u00fcr uns ist, wenn uns endlich jemand in unserem innersten Kern wahrnimmt. Wir begegnen uns dort, wo wir eigentlich zuhause sind: im Seelisch-Geistigen.<\/p>\n<p>G.F. Muss man vorab etwas \u201ewissen\u201c, um tief wahrnehmen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Muss man sich vorab um eine bestimmte \u201eGrundeinstellung\u201c bem\u00fchen?<\/p>\n<p>H.C.Z. Es geht vielleicht weniger um ein Wissen, als um eine Art Grundhaltung. Zu dieser Gesinnung geh\u00f6rt sicher auch, dass man eine Art von innerem Reichtum ausbildet, in den hinein die Erfahrungen aufgenommen werden k\u00f6nnen \u2013 durch Kunst, durch Lekt\u00fcre, durch seelische \u00dcbungen. Und vielleicht geh\u00f6rt davor noch dazu, die Hindernisse aus dem Weg zu r\u00e4umen, die vom Wahrnehmen abhalten. Was hindert mich eigentlich immer wieder daran, mich auf das \u201eWagnis des Wahrnehmens\u201c einzulassen? Und ganz grundlegend geh\u00f6rt dazu \u2013 wovon in unserem Gespr\u00e4ch ja auch schon immer wieder die Rede gewesen ist \u2013, die sinnliche Wirklichkeit als eine \u201eErscheinung\u201c entgegenzunehmen. Damit ist nicht eine \u201enebul\u00f6se\u201c Erscheinung gemeint, die sich uns \u201egespenstergleich\u201c zus\u00e4tzlich zum Sinnlichen zeigt, sondern es ist damit die ganz konkrete sinnliche Wirklichkeit gemeint.<\/p>\n<p>Unsere Vorstellung von dieser sinnlichen Wirklichkeit ist heute in der Regel korrumpiert. Zum einen \u2013 wie auch schon vorhin erw\u00e4hnt \u2013 stellen wir uns die Wirklichkeit gegenst\u00e4ndlich, da drau\u00dfen im dreidimensionalen Raum gegeben vor. Zum anderen unterlegen wir dieser \u201eGegenstandswelt an sich\u201c auch noch eine aus Minibausteinen bestehende Materie an sich. Es gibt sowohl in der Quantenphysik als auch in der Sinnesphysiologie, in der Ph\u00e4nomenologie und in der Philosophie derweil gen\u00fcgend Argumente, die diese Vorstellung einer an sich gegebenen Materie- oder Gegenstandswelt in Frage stellen.<\/p>\n<p><strong>Wirklichkeit erscheint im aktuellen Moment<\/strong><\/p>\n<p>Man kann sich \u00fcbungsweise einmal fragen, wie sich f\u00fcr mich denn die sinnliche Wirklichkeit anf\u00fchlt, wie ich sie <em>dann<\/em> erlebe, wenn sie eine aktuelle Erscheinung \u2013 jetzt und im Moment \u2013 ist, die sich mir gerade ergibt, die f\u00fcr mich da ist, deren Realisierung durch mich auf dem Spiel steht? Realisierung im doppelten Wortsinn: Verwirklichung und Wahrnehmung zugleich. Wie f\u00fchlt sich das an, wie erlebt sich dann die Wirklichkeit um mich herum, wenn gerade sie diese aktuelle Erscheinung ist?<\/p>\n<p>Dieses Entgegennehmen der Wirklichkeit als eine aktuelle Erscheinung ist das eine Grunds\u00e4tzliche zu dieser Frage.<br \/>\nDas Zweite besteht darin, ernst zu nehmen, dass sich in den Erlebnissen des Menschen, in seinem Innern, auch das Wesen, die Natur der Sache ausspricht, mit der er es in der aktuellen sinnlichen Begegnung zu tun hat. Das Wesen, die Natur der Sache ist kein Ding da drau\u00dfen, sondern ein Erlebnis in mir \u2026 womit wir wieder ganz nah bei der anf\u00e4nglichen Fragestellung sind, was mit einer \u201eAntlitzbegegnung\u201c gemeint sein kann.<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":14077,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-91910","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91910","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14077"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91910"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91910"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91910"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91910"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}