{"id":91907,"date":"2021-07-29T09:24:39","date_gmt":"2021-07-29T09:24:39","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/begegnung-mit-dem-gottlichen-teil-1\/"},"modified":"2021-07-29T09:24:39","modified_gmt":"2021-07-29T09:24:39","slug":"begegnung-mit-dem-gottlichen-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/begegnung-mit-dem-gottlichen-teil-1\/","title":{"rendered":"Begegnung mit dem G\u00f6ttlichen &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>G.F. Gern m\u00f6chte ich Dich zu dem Thema \u201eDie Gesichter Gottes\u201c interviewen, dem Thema dieser Ausgabe von LOGON. Wenn man von Gesichtern Gottes spricht, dann ist damit auch eine Begegnung gemeint. Man tritt einem Gesicht gegen\u00fcber, man sieht es und man wird von ihm gesehen.<\/p>\n<p><strong>Ich werde angeblickt<\/strong><\/p>\n<p>H.C.Z. Im Zusammenhang mit diesem Interview verstehe ich unter \u201eGesicht\u201c ein Erlebnis. Das Erlebnis des Angeblicktseins. Insofern ist vielleicht der Begriff \u201eAntlitz\u201c treffender, der urspr\u00fcnglich genau dies meint: \u201edas Entgegenblickende\u201c, ja sogar noch mehr: \u201edas \u00fcber die Gestalt Hinausgehende\u201c \u2013 so seine Bedeutungsherkunft.<\/p>\n<p>Wird man von einem Menschen angeblickt, dann ger\u00e4t man in den Bann des Blickes, in den Bann dessen, was vom Anderen \u00fcber sich hinauszugehen vermag. Ein anderes Wesen dringt regelrecht in mich ein. Ich bin dabei ganz eingenommen von dessen Anwesenheit, sodass ich anschlie\u00dfend noch nicht einmal mehr wei\u00df, welche Farbe die Augen des Anderen hatten. Es kann sogar sein, dass ich dem \u201eBlick\u201c des anderen nicht standzuhalten vermag \u2026 Kurzum: Das Erlebnis des Antlitzes, des Angeblicktwerdens, ist seelisch-geistig betrachtet ein solches, in dem eine andere Wesenheit in mich einwohnt, sodass ich aus meiner isoliert-individuellen Ich-Realit\u00e4t in eine Du-Realit\u00e4t hin\u00fcberschreite. Ich schreite \u00fcber mich hinaus, transzendiere also. Genauso, wie das andere Wesen in diesem Moment auch \u00fcber sich hinausschreitet: Es blickt ja <em>mich<\/em> an. \u2013 Zwei Blicke treffen sich also. Die Trennung von Subjekt und Objekt ist aufgehoben. Beide Wesen sind in solchen \u201eGesichts\u201c-Erfahrungen in eins, geistig-seelisch vereint. Diesen Moment nicht zu verschlafen, ihn auszuhalten, dabei wach zu bleiben \u2013 dazu braucht es Mut, Kraft, es ist daher auch \u00dcbung und ist w\u00f6rtlich: Geistes-Gegenwart.<\/p>\n<p>G.F. Dieses Eintreten in mich hinein, das kann ja von innen oder von au\u00dfen geschehen.<\/p>\n<p>H.C.Z. Es gibt innere, meditative Momente, in denen etwas in mich eintritt: Das kann ein Bild (etwa eine Madonna), das kann ein Wort (\u201eWei\u00dfdorn\u201c), das kann aber auch ein unmittelbarer Willensimpuls sein (z.B. etwas niederzuschreiben). Aber auch jede \u00e4u\u00dfere, sinnliche Begegnung ist letztlich eine M\u00f6glichkeit einer solchen meditativen Begegnung.<\/p>\n<p>Man kann dabei grunds\u00e4tzlich drei unterschiedliche Arten des Einwohnens bemerken: Es gibt Momente, da merkt man, dass es einen umtreibt. Etwas will in einem werden, man kann es noch nicht fassen. Etwas entwickelt sich, w\u00e4chst heran. \u2013 Eine andere Situation ist, dass man seelisch ber\u00fchrt sein kann. Man ist ganz erf\u00fcllt von einem Gedanken, vom Zauber einer Melodie, der Stimmung einer Landschaft oder von einem Kunstwerk. \u2013 Und schlie\u00dflich gibt es Situationen, in denen mich etwas so unmittelbar anspricht, mich so \u201eerwischt\u201c, ber\u00fchrt, anschaut, dass sich ab jetzt mein Leben ver\u00e4ndert. Drei Arten des Einwohnens, wenn man will auch Anblickens, die man in \u00e4hnlicher Form aus Begegnungen mit dem Pflanzlichen, mit der Welt des Tieres oder mit Menschenbegegnungen kennt.<\/p>\n<p>G.F. Machst Du Erfahrungen, bei denen Du von Begegnungen mit Gesichtern Gottes sprechen kannst?<\/p>\n<p>H.C.Z. Den Begriff \u201eGott\u201c verstehe ich hier als Synonym zu \u201eG\u00f6ttliches\u201c oder \u201eGeistiges\u201c, \u201e\u00dcbersinnliches\u201c. \u2013 Habe ich das so richtig verstanden?<\/p>\n<p>G.F. Ja.<\/p>\n<p><strong>Wie ich Gesichter Gottes erlebe<\/strong><\/p>\n<p>H.C.Z. Hierauf zu antworten ist f\u00fcr mich immer ein wenig heikel. Zum einen kann es einem mit einem gewissen Recht als unbescheiden ausgelegt werden, wenn man einfach so sagen w\u00fcrde: \u201eJa sicher habe ich solche Erfahrungen.\u201c Zum anderen gibt es da auch sehr verschiedene Niveaus der Begegnungen. Und schlie\u00dflich: Ich merke bei dieser Frage auch, dass ich gegen\u00fcber der geistigen Welt in einer Verpflichtung bin: Stelle ich mir vor, ich w\u00fcrde \u2013 aus Bescheidenheit \u2013 \u201enein\u201c sagen, so h\u00f6re ich innerlich sofort einen Widerspruch: \u201eWir haben uns schon so oft mit dir in Verbindung gesetzt \u2013 und jetzt sagst du so etwas\u201c. Stelle ich mir vor, \u201eja\u201c zu sagen, dann kommt ein anderes Votum in mir auf: \u201eSei vorsichtig vor \u201aHochstapelei\u2019, bem\u00fche dich um Authentizit\u00e4t und Exaktheit in der Beschreibung, damit Du nicht etwas sagst, was nicht zutreffend ist, was diese innere Begegnung nicht wirklich trifft und sie dadurch auch gef\u00e4hrdet.\u201c Und schlie\u00dflich: Diese Fragerichtung kann auch leicht von der Tatsache ablenken, dass wir ja in jedem Moment in der Sinneswirklichkeit geistige Begegnungen haben. Nicht nur jeder Mensch ist ein geistiges Wesen, alles um uns herum ist geistiger Natur!<\/p>\n<p>Daher will ich so versuchen zu antworten: Das \u00dcbersinnliche sucht verschiedene Kleider, um in Erscheinung treten zu k\u00f6nnen. Wie gesagt ist jede sinnliche Erscheinung bereits eine solche Einkleidung. Manchmal sind es aber auch innere Bild- oder Geb\u00e4rden-Einkleidungen. Man kann an den Bergen in Norwegen das Trollhafte unmittelbar miterleben, an den Bergen im Schwarzwald kann man so etwas wie \u201eRiese\u201c erleben und an den alpinen Bergen des Berner Oberlandes eher so etwas wie \u201eGottessitze\u201c. Oft sind die Erlebnisse beispielsweise stimmungsm\u00e4\u00dfiger oder atmosph\u00e4rischer Natur (um mit Gernot B\u00f6hme zu sprechen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a>), die sich bei weiterer Besinnung zu einer klaren Ansprache verdichten: \u201eDieses Leichte, Durchlichtete, von aufmerksamer Stille Durchwobene unter den Kronen, aber \u00fcber dem Boden Befindliche eines frisch gr\u00fcnenden L\u00e4rchenwaldes hat Feenstimmung.\u201c Manchmal sind es auch nur fl\u00fcchtige, aber doch eindeutige Momente, von denen man wei\u00df, dass man sie festhalten, nachbesinnen muss; auch gibt es immer wieder musikalische oder wortartige Anmutungen oder Einkleidungen durch andere Sinnesfeld-Erfahrungen: geruchsartig zum Beispiel (man denke an Goethes Gretchen, die riecht, dass Mephisto in ihre Kammer eingedrungen war), oder man merkt, dass es einem kalt wird, man beginnt vielleicht auch zu schw\u00e4cheln. Oder man f\u00fchlt sich mit einem mal viel sicherer, gr\u00f6\u00dfer als sonst \u2026 und und und.<\/p>\n<p>G.F. Man kann doch sagen, dass die Erfahrungen des \u00dcbersinnlichen auf verschiedenen Ebenen stattfinden k\u00f6nnen. &nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es gibt Stufen der Begegnung<\/strong><\/p>\n<p>H.C.Z. Man kann (mit Rudolf Steiner) verschiedene Stufen solcher Begegnungen unterscheiden: Die Imagination, die Inspiration und die Intuition. Die Imagination ist eine bildhafte Erfahrung, streng f\u00fcr sich genommen noch ohne eine inhaltliche Bedeutung. Die Inspiration ist eine (dem H\u00f6ren nahestehende) Erfahrung \u2013 man spricht ja auch davon, dass man eine Art Eingebung hatte. Hierbei gesellt sich zur bildhaften Erfahrung eine Bedeutung, ein Sinn. Und in der dritten Stufe ist die Identifikation mit dem anderen Wesen so weit vorgeschritten, dass man sich wesenseins empfinden kann.<\/p>\n<p>G.F. Gibt es ein Selbst des Menschen, das g\u00f6ttlich ist?<\/p>\n<p>Ja, unbedingt. Wir erleben es, wenn wir unser \u201eSelbst\u201c oder \u201eIch\u201c realisieren. Dann erleben wir etwas, was uns immer die Identifikation schenkt, die uns \u201eIch\u201c zu uns sagen l\u00e4sst. Ich kann nur selbst zu mir Ich sagen. Interessanter Weise, sagt der andere Mensch auch zu sich \u201eIch\u201c. Ich f\u00fchle mich also wesenseins mit dem Wesen, das auch im anderen Menschen zu sich \u201eIch\u201c sagt. Unser Ich ist eine uns durch und durch durchdringende Intuition desjenigen Wesens, das sich in der Bibel als \u201eIch bin der Ich-Bin\u201c beschreibt.<\/p>\n<p>Eigentlich ist alles, was sich im Bereich der Imagination und Inspiration abspielt, eben noch Bild oder Wortgestaltung von etwas, das sich darin kundgibt. Es ist noch nicht \u201edie Sache\u201c selbst. Imaginationen und Inspirationen verweisen noch auf etwas, das selbst eigentlich nicht mehr vorstellbar ist. Intuitionen sind reine Erfahrungen, die zugleich Erkenntnischarakter tragen: Ich bin und erkenne mich im Ich-bin-Vollzug als ein von einem Ich-Wesen begnadeter bzw. aufgenommener Mensch und bin es in diesem Moment auch selbst. \u2013 Ein h\u00f6heres Moment in der Selbsterfahrung.<\/p>\n<p>Letztlich ist es dieses geistige Wesen in uns, das es uns m\u00f6glich macht, dass wir auch das Geistige in den anderen Naturwesen um uns herum erkennen k\u00f6nnen. Nur Geistiges kann auch Geistiges erkennen.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt in <a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/begegnung-mit-dem-goettlichen-teil-2\">Teil 2<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Anm.: vgl. z. B. Gernot B\u00f6hme,<em> Atmosph\u00e4re: Essays zur neuen \u00c4sthetik<\/em>, edition suhrkamp, 2013<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":14060,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-91907","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91907","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91907"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91907"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}