{"id":91600,"date":"2021-03-17T14:50:51","date_gmt":"2021-03-17T14:50:51","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/der-vegetarismus-und-seine-ursprunge-teil-2-von-den-pythagoreern-bis-heute\/"},"modified":"2021-03-17T14:50:51","modified_gmt":"2021-03-17T14:50:51","slug":"der-vegetarismus-und-seine-ursprunge-teil-2-von-den-pythagoreern-bis-heute","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/der-vegetarismus-und-seine-ursprunge-teil-2-von-den-pythagoreern-bis-heute\/","title":{"rendered":"Der Vegetarismus und seine Urspr\u00fcnge &#8211; Teil 2: Von den Pythagoreern bis heute"},"content":{"rendered":"<p>Nach <a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/der-vegetarismus-und-seine-urspruenge-teil-1-die-orphiker\">Teil 1<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pythagoreer waren f\u00fcr ihre besondere, strikt eingehaltene Lebensweise bekannt, zu deren Merkmalen insbesondere Ern\u00e4hrungsregeln und ethische Grunds\u00e4tze geh\u00f6rten. Platon bezeugt, dass es bei ihnen auch orphische Lebensregeln gab; er erw\u00e4hnt eine Vergangenheit, in der diese Regeln allgemein befolgt worden seien.<\/p>\n<p>Zu den Normen geh\u00f6rte, \u2013 zumindest bei denen, die dem engeren Kreis der Pythagoreer angeh\u00f6rten \u2013 ein <em>ethisch<\/em> <em>motivierter Vegetarismus<\/em>, der mit <em>der Seelenwanderungslehre <\/em>zusammenhing und einer dadurch bedingten <em>h\u00f6heren Einsch\u00e4tzung des Wertes des Lebens, auch des tierischen. <\/em>Viele Argumente f\u00fcr eine fleischlose Ern\u00e4hrung, die heute noch G\u00fcltigkeit haben, existierten bereits damals. Zun\u00e4chst hatte die vegetarische Ern\u00e4hrung aber vorrangig religi\u00f6se Gr\u00fcnde. Pythagoras griff den Vegetarismus der Orphiker auf und entwickelte ihn zu einem ethischen Vegetarismus.<\/p>\n<p>Viele Jahrhunderte lang nannte man die Menschen, die kein Fleisch verzehrten, nicht Vegetarier, sondern &#8222;Pythagoreer&#8220;. Sie wurden als &nbsp;suspekt angesehen, verfolgt und auch get\u00f6tet, bis ins Mittelalter hinein.<\/p>\n<p><strong>N\u00e4heres \u00fcber die Pythagoreer<\/strong><\/p>\n<p>Als Pythagoreer (auch Pythagor\u00e4er, altgriechisch \u03a0\u03c5\u03b8\u03b1\u03b3\u03cc\u03c1\u03b5\u03b9\u03bf\u03b9 Pythag\u00f3reioi oder \u03a0\u03c5\u03b8\u03b1\u03b3\u03bf\u03c1\u03b9\u03ba\u03bf\u03af Pythagoriko\u00ed) bezeichnet man die Angeh\u00f6rigen einer religi\u00f6s-philosophischen, auch politisch aktiven Schule, die Pythagoras von Samos im 6. Jahrhundert v. Chr. in S\u00fcditalien gr\u00fcndete und die nach seinem Tod noch einige Jahrzehnte fortbestand. Im weiteren Sinn sind damit alle gemeint, die seither Ideen des Pythagoras oder ihm zugeschriebene Ideen aufgegriffen und zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Weltbildes gemacht haben.<\/p>\n<p>Sicher ist, dass in einer Reihe von griechischen St\u00e4dten S\u00fcditaliens Gemeinschaften von Pythagoreern bestanden, die sich als soziale und politische Reformbewegung betrachteten und mit Berufung auf die Lehren des Schulgr\u00fcnders massiv in die Politik eingriffen. Dabei kam es zu schweren, gewaltsamen Auseinandersetzungen, die im 6. Jahrhundert v. Chr. mit wechselndem Erfolg ausgetragen wurden und schlie\u00dflich mit Niederlagen der Pythagoreer endeten. In den meisten St\u00e4dten wurden sie get\u00f6tet oder vertrieben.<\/p>\n<p><strong><em>Der Kosmos bildet eine harmonische Einheit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Pythagoreer charakteristisch ist die \u00dcberzeugung, dass der Kosmos eine nach bestimmten Zahlenverh\u00e4ltnissen aufgebaute, harmonische Einheit bildet, deren einzelne Bestandteile ebenfalls harmonisch strukturiert sind, oder, soweit es sich um menschliche Lebensverh\u00e4ltnisse handelt, harmonisch gestaltet werden k\u00f6nnen. Sie nahmen an, dass in allen Bereichen \u2013 in der Natur, im Staat, in der Familie und im einzelnen Menschen \u2013 dieselben zahlenm\u00e4\u00dfig ausdr\u00fcckbaren Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten gelten, dass \u00fcberall Ausgewogenheit und harmonischer Einklang anzustreben sind und dass die Kenntnis der ma\u00dfgeblichen Zahlenverh\u00e4ltnisse eine weise, naturgem\u00e4\u00dfe Lebensf\u00fchrung erm\u00f6glicht. Das Streben nach Eintracht beschr\u00e4nkten sie nicht auf die menschliche Gesellschaft, sondern dehnten es auf die Gesamtheit der Lebewesen aus, was sich in der Forderung nach R\u00fccksichtnahme auf die Tierwelt zeigte.<\/p>\n<p><strong><em>Die Seele ist unsterblich<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele geh\u00f6rt zum \u00e4ltesten Bestand der fr\u00fchpythagoreischen Philosophie. Sie ist eine der wichtigsten Gemeinsamkeiten von Pythagoreismus und Platonismus, die sich im Lauf ihrer Entwicklung gegenseitig beeinflussten und bei manchen Philosophen miteinander verschmolzen. Die Pythagoreer waren ebenso wie die Platoniker von der Seelenwanderung \u00fcberzeugt. Dabei nahmen sie keinen Wesensunterschied zwischen menschlichen und tierischen Seelen an.<\/p>\n<p>Ebenso wie viele andere philosophische Richtungen traten die Pythagoreer f\u00fcr die Beherrschung der Begierden und damit auch f\u00fcr eine einfache Lebensweise und frugale Ern\u00e4hrung ein. Dass sie jeden Luxus \u2013 insbesondere den Kleiderluxus \u2013 verwarfen, ergab sich aus ihrer allgemeinen Forderung, das rechte Ma\u00df zu wahren und so die Harmonie zu verwirklichen.<\/p>\n<p>Zu den &nbsp;Kernbestandteilen des urspr\u00fcnglichen Pythagoreismus geh\u00f6rte der Vegetarismus. Er wurde als \u201eEnthaltung vom Beseelten\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Die \u201epythagoreische Di\u00e4t\u201c bestand aus Brot, Honig, Getreide, Fr\u00fcchten und Gem\u00fcse. Man trachtete nach k\u00f6rperlicher Ert\u00fcchtigung, wobei auch das Musische eine gro\u00dfe Rolle spielte. &nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vegetarismus bei den Urchristen<\/strong><\/p>\n<p>Aus der fr\u00fchen Geschichtsschreibung geht hervor, dass viele der<strong> <\/strong>Urchristen fleischlos lebten. Bis ins 4. Jahrhundert wurden alkoholische Getr\u00e4nke und Fleisch weitgehend abgelehnt. Tertullian, der \u00e4lteste lateinische Kirchenschriftsteller, erkl\u00e4rte um das Jahr 200, die \u201cwahren Christen\u201d lebten vegetarisch. Paulus hingegen a\u00df gern Fleisch und thematisierte die Frage in seinen Briefen. Zu einer folgenschweren Wende kam es, als der r\u00f6mische Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert das Christentum im r\u00f6mischen Imperium zur Staatsrelgion machte. Er selbst wollte nicht auf Fleisch und Wein verzichten. Im Jahre 325 berief er das Konzil von Nic\u00e4a ein und beauftragte die Gelehrten, die vielen fr\u00fchchristlichen Dokumente \u00fcber das Leben und die Lehren Jesu zu \u201csortieren\u201d und zu \u201ckorrigieren\u201d. Dem fielen neben vielen Aussagen auch diejenigen zum Opfer, die sich gegen das Fleischessen richteten. In der weiteren Entwicklung kam es dann dazu, dass der gro\u00dfe Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225-1274) erkl\u00e4rte, dass das T\u00f6ten von Tieren durch die Vorsehung erlaubt sei, da Tiere keine Seele h\u00e4tten.&nbsp; <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<p><strong>Eine Renaissance im 19. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert erlebte die alternative und fleischlose Ern\u00e4hrung eine Art Renaissance und der Begriff der &#8222;Pythagoreer&#8220; ging zum Begriff&nbsp; &#8222;Vegetarier&#8220; \u00fcber. August Bebel (Autor und Mitbegr\u00fcnder der deutschen Sozialdemokratie) erkl\u00e4rte: &#8222;Offenbar tritt in dem Ma\u00dfe, wie die Kultur sich hebt, an die Stelle der Fleischkost die Pflanzenkost.&#8220;<\/p>\n<p>Die vegetarische Lebensweise konnte sich in Europa \u00fcber die sog. Lebensreformbewegung etablieren. Der zunehmende Wohlstand und die mit der wachsenden Industrialisierung auftretenden negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt brachten ein neues Bewusstsein hervor, das viele Menschen in unserer Zeit dazu gef\u00fchrt hat, sogar eine v\u00f6llig tierfreie (vegane) Ern\u00e4hrung zu bevorzugen.<\/p>\n<p>Der inzwischen modern gewordene fleischlose Ess- und Lifestyle, der mit gesunder Ern\u00e4hrung in Zusammenhang gebracht wird, bedeutet oft auch, aktiv ein Zeichen gegen Massentierhaltung, Klimawandel, Umweltskandale oder auch gegen Schadstoffe im Tierfutter zu setzen. Unsere krisenhafte Situation kann dazu beitragen, den Wert des Lebens neu zu erkennen und vielleicht sogar die Einheit allen Lebens.<\/p>\n<p><strong>Anhang:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bekannte Anh\u00e4nger einer vegetarischen Lebensweise<\/strong><\/p>\n<p>Ber\u00fchmte Anh\u00e4nger oder Unterst\u00fctzer des Vegetarismus von der Antike bis heute waren und sind u.a.:<\/p>\n<p>Zarathustra \/ Zoroaster, Pythagoras, Buddha Shakyamuni \/ Siddhartha Gautama, Sokrates, Diogenes von Sinope, Aschoka, Horaz, die christlichen Apostel Petrus, Johannes und&nbsp; Matth\u00e4us, Seneca der J\u00fcngere \/ Lucius Annaeus, Plutarch, der Prophet Mohammed, Leonardo da Vinci, Sir Isaac Newton, Francois de Voltaire, Alexander von Humboldt, George Sand, Wilhelm Busch, Dr. med. Max Oskar Bircher-Benner, Mahatma Gandhi, Albert Einstein (gegen Ende seines Lebens), Yehudi Menuhin, der Dalai Lama.<\/p>\n<p>Berufssportler wie Carl Lewis, Edwin Moses, Martina Navratilova, Bill Pearl (Bodybuilder), Carlso Roa (Torwart Argentinien), Dennis Rodman (Profi-Basketballer), Sean Yates (Radrennfahrer), Abele Ridgely (Gewinner Karateweltmeisterschaft), Andreas Cahling (schwed. Body-Builder), Roy Hinnen (Triathlet), Nurmo Paavo (22 Weltrekorde Langstreckenl\u00e4ufe und 9 olympische Medaillen)<\/p>\n<p>Schauspieler wie Richard Gere, Jean-Claude Van Damme,<\/p>\n<p>die Ex-Beatles Sir Paul McCartney und Sir Ringo Starr &#8230; .<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> N\u00e4heres bei Armin Risi und Ronald Z\u00fcrrer, a.a.O,, S. 116 ff.<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":12848,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-91600","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91600"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91600"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}