{"id":91545,"date":"2021-02-21T11:14:29","date_gmt":"2021-02-21T11:14:29","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/ins-offene-teil-1\/"},"modified":"2021-02-21T11:14:29","modified_gmt":"2021-02-21T11:14:29","slug":"ins-offene-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/ins-offene-teil-1\/","title":{"rendered":"Ins Offene &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n<p>Jahre ist es her \u2013 ja, fast zwei Generationen \u2013, dass mich die Suche nach der \u201eWelt hinter der Welt\u201c ergriff. Ich trug in meiner Kindheit eine Ahnung in mir, der ich keinen Ausdruck geben konnte. Ich wollte sie auch gar nicht ergreifen; sie zog einfach \u00fcber mich hinweg oder durch mich hindurch, so wie die Wolken am Himmelsgew\u00f6lbe, die mir wie lebende Wesen vorkamen.<\/p>\n<p>Oft lag ich im Gras und schaute nach oben. Die Wolken so nah und doch so fern. Die d\u00fcnne Schicht, in der unser Leben abl\u00e4uft, ist so schmal, so winzig, bevor sie in das Weltall \u00fcbergeht. So, oder so \u00e4hnlich f\u00fchlte ich es durch mich hindurchziehen, denn es war noch kein ausgepr\u00e4gter Gedanke, der mein Weltbild bestimmte.<\/p>\n<p><strong>B\u00fccher- und Bilderwelten<\/strong><\/p>\n<p>Doch dann erlebte ich \u2013 knapp 13 Jahre jung &#8211; eine tiefgehende Ersch\u00fctterung. Ich hatte eine gute Zeit in der Stadtb\u00fccherei unserer kleinen Stadt. War zum Buchfresser geworden; alle zwei bis drei Wochen acht, zehn oder auch 15 neue B\u00fccher mussten es schon sein. Ich tauchte in die unterschiedlichsten Welten ein. War Detektiv, Abenteurer, Held. Alles war aufregend f\u00fcr mich, bis ich das Buch <em>Momo<\/em> von Michael Ende erwischte. Es war ein ganz besonderes Buch: bezaubernd, heldenhaft und verst\u00f6rend zugleich.<\/p>\n<p>Das ist jetzt \u00fcber 46 Jahre her, aber dieser Moment ist mir heute noch sehr gegenw\u00e4rtig. Ich habe danach \u00fcber eineinhalb Jahre kein Buch mehr lesen k\u00f6nnen und habe dann auch nur sehr langsam wieder neue Buchwelten betreten. Ich kannte auch keinen Menschen um mich herum, mit dem ich die Eindr\u00fccke dieses Buches h\u00e4tte teilen k\u00f6nnen. Eine neue Wirklichkeit hatte mich ergriffen, aber sie blieb in mir verborgen. Ja, irgendwie eingeschlossen \u2013 und arbeitete doch weiter in mir, im Geheimen.<\/p>\n<p>Ich muss dazu noch anmerken: es gibt f\u00fcr mich fast keinen Unterschied zwischen der um mich herum erlebten Wirklichkeit und den Geschichten und Stories in B\u00fcchern und Filmen. Wenn ich einen Film anschaue, dann bin ich ganz und gar der Film. Wenn ich ein Buch lese, bin ich das Buch, lebe, leide und freue mich mit den Protagonisten. Ganz h\u00e4ufig tauche ich wie ein Apnoetaucher aus gro\u00dfer Tiefe wieder an die Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Ist das weltfremd? Vielleicht. Ich kenne diese krasse Trennung der Wirklichkeiten nicht, auch wenn man mir sie \u00fcber die Jahre hinweg immer wieder eingetrichtert hat.<\/p>\n<p>Obwohl ich in die Welt der Intellektualit\u00e4t und des wissenschaftlichen Arbeitens eingeladen und in ihr verankert wurde, hat sich in mir eine Art Bilderbewusstsein entwickelt. Bilder steigen in mir auf wie farbige Seifenblasen, die wieder zerplatzen und durch neue Bilderformen und Assoziationen ersetzt werden. Ein permanenter Reigen immer wieder neu gesch\u00f6pfter Bilder. Manchmal perlen sie wie Bl\u00e4schen in einem Wasserglas nach oben, dann wieder lassen sie sich Zeit und entstehen wie in Zeitlupe, entwickeln sich in aller Ruhe und erst, wenn sie fertig \u201egemalt\u201c sind, wagen sie es, sich vorsichtig und w\u00fcrdevoll zu zeigen. Ab und zu steigen aber auch Bilder auf, die wie in Nebel getaucht scheinen; ich kann mich nicht direkt auf sie fokussieren, sie bleiben im Unscharfen und sinken wieder hinab, so als ob sie sich nicht zu erkennen geben wollen. Ist ihre Zeit noch nicht gekommen?<\/p>\n<p><strong>Spiritueller Weg <\/strong><\/p>\n<p>\u201eNach einer nicht suchenden Suche\u201c bin ich bereits fr\u00fch mit spirituellen Lehren in Verbindung gekommen und dabei auch mit der Idee des Rosenkreuzes.<\/p>\n<p>Mir ist klar geworden, dass geistige Impulse einen Ausdruck in Menschen suchen, die sich dazu vorbereitet haben. H\u00f6her schwingende Sph\u00e4ren \u00fcbertragen sich in niedriger schwingende und strahlen in die Welt aus. So kommt es zu st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen im Innern wie im \u00c4u\u00dferen.<\/p>\n<p>Feinstoffliche Welten werden pr\u00e4pariert und bilden die Br\u00fccke, \u00fcber die das Oben das Unten erreicht. Dahinter schwingt die gro\u00dfe tiefgreifende Idee, dass die immer neue Wirklichkeit in uns lebendig zum Ausdruck kommen will.<\/p>\n<p>Eine Struktur, ein seelisches \u201eGeb\u00e4ude\u201c, ein Konzept hat nur dann seine Berechtigung, wenn wir es leben. Dazu war ich bereit, dazu bin ich eingetaucht in die Verkn\u00fcpfung mit der Essenz des Rosenkreuzes, mit Menschen, die ein gleiches oder \u00e4hnliches Ziel haben. Ich war bereit, mein ganzes Leben in diese von mir gef\u00fchlte und erkannte Wirklichkeit zu stellen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahre habe ich, wie so viele andere um mich herum, die Feststellung gemacht: es gibt ein inneres unsichtbares Geschehen \u2013 einen lebendigen Ausdruck des wahren Seins \u2013, und es gibt die feinstofflichen Strukturen, die als Formen errichtet sind, damit das Innere Gestalt annehmen und sich ausdr\u00fccken kann.<\/p>\n<p><strong>Ein Glasperlenspiel?<\/strong><\/p>\n<p>Eines Tages kam mir wie aus heiterem Himmel der Gedanke, dass ich, dass wir als Gruppe das \u201eGlasperlenspiel\u201c bis in alle Einzelheiten perfekt beherrschen. Ich war zutiefst erschrocken und konnte es anf\u00e4nglich kaum ertragen, diesen Gedanken weiter auszudeuten.<\/p>\n<p>Das Glasperlenspiel ist ein \u00e4u\u00dferst feinsinniger Roman von Herrmann Hesse. Der Protagonist dieser ergreifenden Erz\u00e4hlung ist Josef Knecht. Er trat in eine Lebensgemeinschaft ein, die sein Leben bis in alle Einzelheiten bestimmte. Der H\u00f6hepunkt eines jeden Jahres war das Glasperlenspiel. Josef Knecht erfasste das Spiel in seiner Vollst\u00e4ndigkeit. Er spielte mit den Glasperlen so raffiniert, so besonders und einmalig, dass alle um ihn herum fasziniert und begeistert waren.<\/p>\n<p>Das gelebte Glasperlenspiel umfasst Werte wie Gelassenheit durch Meditation, Engagement f\u00fcr Musik, Heiterkeit, achtsamen Umgang mit den Mitmenschen, das Loslassen von Amt und W\u00fcrde, die Einheit von Natur und Kunst.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Josef Knecht wurde gefeiert und bejubelt \u2013 nur er selber war nicht begeistert von seiner Meisterschaft. Sie bedeutete ihm nichts, obwohl er sich doch danach gesehnt hatte, das Spiel perfekt und mit gro\u00dfer Hingabe zu beherrschen. Denn es enth\u00e4lt ja die hohen Werte unseres Lebens. Josef Knecht aber erkannte: Das ist es nicht! Das reicht nicht aus!<\/p>\n<p><strong>Das wundervolle Mandala muss weggewischt werden<\/strong><\/p>\n<p>Dieses \u201eGruppengeb\u00e4ude\u201c kann man mit einem Mandala vergleichen. Einem unglaublich feinsinnigen Mandala, das mit viel Energie, Liebe, Freude und Hingabe durch die Teilhaber entstanden ist. Doch dann kommt der Punkt, an dem du feststellst: Dieses perfekte Mandala muss weggewischt werden. Es verdeckt die Wirklichkeit!<\/p>\n<p>Das ist einerseits ein Schock und doch wiederum nicht, denn alle in der Gruppe kennen das hermetische Axiom: \u201eAlles empfangen. Alles preisgeben. Um dadurch alles zu erneuern\u201c.<\/p>\n<p>Immer ist es das Feuerelement in uns, unser tiefes Suchen, das nach h\u00f6heren Dimensionen verlangt, als sie unsere jetzigen Gedankengeb\u00e4ude, Strukturen, Mechanismen und fixierten R\u00e4ume bieten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich stand pl\u00f6tzlich vor der Realit\u00e4t meiner pers\u00f6nlichen Strukturen und Konzepte und sah: Ja, ich habe die hohe Idee vor mich gestellt \u2013 und habe mich in ihr gesonnt, wie Jan van Rijckenborgh es einmal formulierte. Aber lebe ich sie auch? Findet sie wirklich Ausdruck in meinem Leben?<\/p>\n<p>Diese Wahrnehmung machte mich fortan wacher und ich beobachte mich und andere aufmerksamer. Da war einerseits die Gemeinschaft und die Hinwendung an ein neues Sein.<\/p>\n<p>Andererseits musste ich feststellen, dass entscheidende Entwicklungen in mir au\u00dferhalb der gemeinschaftlichen Strukturen stattfanden.<\/p>\n<p><strong>Ein Schritt ins Offene<\/strong><\/p>\n<p>Ich erkannte, dass ich meine inneren Entwicklungen in die Bereiche des gemeinsamen Seelenfeldes projiziert hatte, in denen ich mich w\u00e4hnte. Nun aber entdeckte ich mein inneres Feuer in neuen Dimensionen.<\/p>\n<p>Und jetzt stehen wir im Jahr 2021 bereits \u00fcber ein Jahr in der Corona-Krisenzeit. Die Masken hindern uns daran, frei zu atmen. Und doch sehe ich aktuell die Chance, in einen unerh\u00f6rt neuen Atmungsprozess einzutreten, der alte Begrenzungen aufrei\u00dft. Die Frage ist: Kann ich auf meinem inneren Weg bereits selber atmen oder brauche ich noch Sauerstoffflaschen? Bin ich gen\u00fcgend geweitet, ist mein inneres Ma\u00df gen\u00fcgend gest\u00e4rkt, um eine gr\u00f6\u00dfere Weite und Intensit\u00e4t des Wirklichen, des Universellen in mich aufzunehmen?<\/p>\n<p>Ein Schritt ins Offene hat sich in mir angebahnt. Wir stehen in der Eigenverantwortung \u2013 und in der Mitverantwortung. Jeder lebt f\u00fcr sich und f\u00fcr die gro\u00dfe Menschheitsfamilie.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt in <a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/ins-offene-teil-2\">Teil 2<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> siehe dazu<a href=\"http:\/\/https:\/\/www.hermann-hesse.de\/archiv\/2012\/11\/05\/das-glasperlenspiel\"> https:\/\/www.hermann-hesse.de\/archiv\/2012\/11\/05\/das-glasperlenspiel<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":12625,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-91545","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91545","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12625"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91545"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91545"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}