{"id":91185,"date":"2020-11-14T11:48:18","date_gmt":"2020-11-14T11:48:18","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/selbstrevolution-und-selbstverwirklichung-am-beispiel-jiddu-krishnamurtis-und-der-rosenkreuzer-jan-van-rijckenborgh-und-catharose-de-petri-teil-1\/"},"modified":"2020-11-14T11:48:18","modified_gmt":"2020-11-14T11:48:18","slug":"selbstrevolution-und-selbstverwirklichung-am-beispiel-jiddu-krishnamurtis-und-der-rosenkreuzer-jan-van-rijckenborgh-und-catharose-de-petri-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/selbstrevolution-und-selbstverwirklichung-am-beispiel-jiddu-krishnamurtis-und-der-rosenkreuzer-jan-van-rijckenborgh-und-catharose-de-petri-teil-1\/","title":{"rendered":"Selbstrevolution und Selbstverwirklichung am Beispiel Jiddu Krishnamurtis und der Rosenkreuzer Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Gerade, die nach oben weist<\/strong><\/p>\n<p>Wir alle kennen das innere Bild, das seit Anbruch der Neuzeit das menschliche Denken und Trachten (zumindest in der sogenannten <em>ersten Welt<\/em>) dominiert. Es ist eine Gerade, die ungebrochen nach oben weist, ein \u201eSchneller-H\u00f6her-Weiter\u201c. Sie bedeutet Entwicklung auf allen Gebieten des Lebens, und selbstverst\u00e4ndlich auch in uns Menschen. Diese Entwicklung dr\u00fcckt sich vor allem im Streben nach wissenschaftlich-technischem Fortschritt und Komfort sowie nach einem \u201eMehr\u201c in allen Lebensbereichen aus. In diesem Weltbild haben weder R\u00fcckzug noch Bescheidenheit Platz. In ihm kollidiert der allgemeine Hunger nach mehr mit der Begrenztheit der Ressourcen und mit den Expansions- oder Abgrenzungsbestrebungen unseres jeweiligen N\u00e4chsten. Die Zust\u00e4nde auf unserer Erde zeigen uns seit geraumer Zeit, dass in dieser Haltung ein Webfehler steckt. Es scheint jedoch fast unm\u00f6glich, von ihr abzulassen oder eine andere plausible Haltung zu sich selbst und den Dingen zu finden, die unser Selbstverst\u00e4ndnis berichtigen und dabei weiterentwickeln k\u00f6nnte. Zur\u00fcck ins Mittelalter will vermutlich niemand. Dem derzeit g\u00fcltigen Paradigma vom Menschsein scheint eine akzeptable Alternative zu fehlen.<\/p>\n<p><strong>Ein Menschenbild<\/strong><\/p>\n<p>Dabei ist das \u201eSchneller-H\u00f6her-Weiter\u201c, von dem wir uns kaum trennen k\u00f6nnen, nur ein Aspekt eines umfassenderen Bildes vom Menschen. Es ist ein Teil des Wissens vom Menschen als Mikrokosmos, welcher seine ewige W\u00fcrde erkennen und verwirklichen soll. Dieses Bild des Menschen ist mit den hermetischen Lehren verbunden, die wesentlich zur Renaissance (und somit zum Beginn der Neuzeit) beitrugen, als Neuorientierung in Kunst, Kultur und Philosophie. Die Lehre vom Menschen als sterblichem Gott \u2013 und (dem inneren) Gott als unsterblichem Menschen \u2013 l\u00f6ste die Jenseitsorientierung des Mittelalters ab und forderte den Menschen auf, sich im Hier und Jetzt zu erkennen und zu verwirklichen. Durch die folgenden Jahrhunderte hin durchdrang dieser Impuls alle Lebensbereiche, doch zugleich gingen wesentliche Aspekte verloren. Die totale Umwandlung, die der Mensch durchl\u00e4uft, wenn er sein g\u00f6ttliches Wesen verwirklicht, geriet dabei in Vergessenheit. Das <em>Corpus Hermeticum <\/em>spricht noch davon, dass der Mensch die Materie seines K\u00f6rpers den Elementen zur\u00fcckgeben muss, um neu zu erstehen. Es spricht auch davon, dass es die Seele ist, die sich nach einem Reifungsprozess zwischen Geist und Materie, zwischen Ewigkeit und Zeitlichkeit entscheidet und so die Selbstrevolution einleitet.<\/p>\n<p><strong>Wie das Bild komplett wird<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit wurde das Wissen um eine m\u00f6gliche unendliche Entwicklung im G\u00f6ttlichen zum blo\u00dfen diesseitigen Schneller-H\u00f6her-Weiter. Die gro\u00dfe Kraft, die mit dem Ursprungsimpuls verbunden war, wirkt jedoch weiter, auch im Nicht-Verstehen, im gro\u00dfen Supermarkt der Selbstfindung. Der Gedanke von der Neuerschaffung des Menschen aus dem g\u00f6ttlichen Geist war die Initialz\u00fcndung zu einem Selbstverst\u00e4ndnis des stofflichen Menschen als Sch\u00f6pfer und Gestalter der Welt und seiner selbst. Wenn der Mensch nun den Gedanken der vollst\u00e4ndigen Selbstrevolution dazugewinnt, wird das Bild komplett. Die Bestrebungen nach Gr\u00f6\u00dfe und F\u00fclle, die bisher immer in den Stoff projiziert wurden, k\u00f6nnen sich dann auf ihr urspr\u00fcngliches Feld richten. Es \u00f6ffnet sich der Weg des \u201eWer andere bezwingt, ist kraftvoll. Wer sich selbst \u00fcberwindet, ist un\u00fcberwindlich\u201c (Tao Te King, Kap. 33). In dieser gleichsam unersch\u00f6pflichen Kraft der Selbst\u00fcberwindung findet das Schneller-H\u00f6her-Weiter seine Richtung. Und es zeigt sich: Das <em>Schneller<\/em> geht in der Verbindung mit dem ewigen Jetzt auf. Das <em>H\u00f6her<\/em> wird zur Geburt des G\u00f6ttlichen in uns. Das <em>Weiter<\/em> beschreibt die Einheit der Geistseelen, alldurchdringend, zusammenwirkend, und dennoch eigenverantwortliche bewusste Individuen. Aber auch die in der Selbstverblendung gemachten Erfahrungen erweisen sich als&nbsp; kostbar. Sie werden zur Triebfeder, das rechte Ma\u00df und damit \u00fcberhaupt erst die eigene Identit\u00e4t zu entdecken.<\/p>\n<p>Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gab es Pioniere, die den Gedanken der Selbstrevolution mit Kraft formulierten und eigene Bewegungen auf dieser Grundlage formten. Dabei kam es darauf an, das in den Vordergrund zu r\u00fccken, was im Selbstverst\u00e4ndnis der Menschen fehlte \u2013 und es zu verwirklichen. Unter den Pionieren sind Rosenkreuzer des zwanzigsten Jahrhunderts, namentlich die Br\u00fcder Z.W. und Jan Leene (1892-1938 und 1896-1968) sowie Hennie Stok-Huijzer (1902-1990), und Jiddu Krishnamurti (1895-1986). Jan Leene und Hennie Stok-Huijzer ver\u00f6ffentlichten ihre Werke unter den Autorennamen Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri.<\/p>\n<p><strong>Jan van Rijckenborg und Catharose de Petri<\/strong><\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnder des Goldenen Rosenkreuzes wuchsen in einer christlich orientierten Umgebung auf. Ihr erster Ansatz zu einem Weg der Transformation war der Kerngedanke: \u201eDu bist der Wendepunkt\u201c, den sie schon fr\u00fch formulierten. Sie suchten und fanden innerhalb des Christentums eine universelle Weisheit, die den Menschen zu einer wirklichen Wiedergeburt f\u00fchren konnte. Dabei stellten sie eine grundlegende Zweifachheit im Menschen heraus, die nicht in \u201esterblicher K\u00f6rper \u2013 unsterbliche Seele\u201c aufgeht, sondern den Menschen auffordert, au\u00dferhalb des Ego sein wahres, ewiges Selbst zu finden. Dabei geht es nicht um Evolution des Ego, nicht um das Bewusstmachen feinstofflicher Wesensteile, sondern um den \u201eg\u00f6ttlichen Anderen\u201c, der nur dann im Menschen wirken kann, wenn das zeitliche und vorl\u00e4ufige \u201eSelbst\u201c sich \u00f6ffnet, zur\u00fccktritt, hingibt. Daf\u00fcr ist eine unvoreingenommene Selbstbetrachtung des Ego notwendig, die den inneren Raum f\u00fcr unmittelbare innere Kenntnis schafft. Wer diesen Weg geht, l\u00f6st alle Illusionen des Ego auf und erkennt alles Leiden, das damit verbunden ist. So \u00f6ffnet sich die T\u00fcr zum wahren Selbst. Im Verlauf dieser inneren Revolution l\u00f6sen sich mit dem zeitlichen Selbst auch alle Bindungen und Konflikte in der Materie, gleichsam als Nebeneffekt. An die Stelle des Ego tritt schlie\u00dflich die Geistseele, die mit allen anderen Geistseelen eine Einheit bildet. Das Goldene Rosenkreuz<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a> verstand und versteht sich vor allem als Zusammenschluss von Menschen, die das Ziel im eigenen Innern erkannt haben und es in Eigenverantwortung und wachsender Seeleneinheit verwirklichen.<\/p>\n<p><strong>Jiddu Krishnamurti<\/strong><\/p>\n<p>Jiddu Krishnamurti, in eine Brahmanenfamilie in S\u00fcdindien hineingeboren, wurde von dem f\u00fchrenden Theosophen C.W. Leadbeater entdeckt und als geeignetes \u201eFahrzeug\u201c f\u00fcr den wiederkehrenden Buddha Maitreya, den kommenden \u201eWeltlehrer\u201c, ausersehen. Die Theosophische Gesellschaft erzog ihn, gr\u00fcndete f\u00fcr ihn den \u201eOrder of The Star in The East\u201c und schickte ihn zur universit\u00e4ren Ausbildung nach England, in der Hoffnung, er w\u00fcrde sich dereinst als w\u00fcrdiges Werkzeug erweisen. Offenbar vollzog sich die \u201eWiederkunft\u201c aber anders als erwartet. Krishnamurti befreite sich von allen Autorit\u00e4ten und l\u00f6ste 1929 den Orden auf. Er appellierte an alle Menschen, die es begreifen konnten, in Eigenverantwortung einen inneren Weg zu gehen, sich von allen vorgegebenen Konzepten und Autorit\u00e4ten zu befreien und in der Gegenwart zu erwachen. Alle, die diesen Weg gingen, w\u00fcrden unausweichlich eine Einheit bilden. Krishnamurti gr\u00fcndete daher keine \u00e4u\u00dfere Organisation mehr. Er stellte das Gebundensein des Menschen an die Zeit, vor allem an die eigene Vergangenheit, heraus \u2013 mit all dem Leid, das entsteht, weil wir an unserem \u201eSelbst\u201c von gestern sowie dessen W\u00fcnschen und Erfahrungen h\u00e4ngen. Solange dies der Fall ist, sind wir nicht imstande, unser Ego in der Gegenwart untergehen zu lassen und ein neues Bewusstsein (und Sein!) im Hier und Jetzt zur Geburt zu bringen. Krishnamurtis Erfahrungen nach existiert des Ego nur in der Zeit, und es geht demnach darum, f\u00fcr sich selbst \u201edie Zeit enden zu lassen\u201c. \u00dcber seine Erlebnisse in der Meditation schrieb er als einer Begegnung mit dem \u201eAnderen\u201c, mit \u201eOtherness\u201c.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt in Teil 2)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a>[1] Dabei ist das goldene Kreuz mit der Rose im Schnittpunkt ein konkretes Bild f\u00fcr den Weg: Das Sterbliche und das Unsterbliche im Menschen begegnen sich in der Rose \u2013 dem Geburtsfeld einer neuen Beseelung. Wenn diese erwacht, k\u00f6nnen die Kr\u00e4fte des Ewigen (der vertikale Balken) in das Zeitliche (der horizontale Balken) verwandelnd hineinwirken. Dieser Prozess von Transformation formt das Sterbliche um, so dass es zu einem geeigneten und harmonischen Gef\u00e4\u00df f\u00fcr das Unsterbliche und Ewige wird.<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":11177,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-91185","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11177"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91185"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91185"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}