{"id":91180,"date":"2020-11-12T19:54:41","date_gmt":"2020-11-12T19:54:41","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/zu-beginn-eine-begegnung-mit-meister-eckhart\/"},"modified":"2020-11-12T19:54:41","modified_gmt":"2020-11-12T19:54:41","slug":"zu-beginn-eine-begegnung-mit-meister-eckhart","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/zu-beginn-eine-begegnung-mit-meister-eckhart\/","title":{"rendered":"Zu Beginn: Eine Begegnung  mit Meister Eckhart"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe title=\"Zu Beginn: Eine Begegnung mit Meister Eckhart\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2yEiFqHcdnw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UC-toDAu4EhRHIdxuLazYfRQ\/videos?view_as=subscriber\">Hier finden Sie alle Videos zu diesem Projekt auf unserem You Tube Kanal.<\/a><\/p>\n<p>Jetzt richtet Meister Eckhart die Rede an mich:<\/p>\n<p>\u201eVielleicht \u00fcberrascht es Sie, dass Sie Meister Eckhart in solch einer Lage vorfinden.<br \/>\nDen Meister Eckart, Doktor der heiligen Theologie. Wie Ihnen bekannt sein d\u00fcrfte, predigte ich in den gr\u00f6\u00dften Gottesh\u00e4usern Europas: Stra\u00dfburger Dom, K\u00f6lner Dom, Notre Dame de Paris. In aller Bescheidenheit: Vor Hunderten mal Hunderten mal Hunderten von meiner Rede zutiefst ergriffenen Gl\u00e4ubigen.\u201c<\/p>\n<p>Da Meister Eckhart mich nun so direkt anspricht, ergreife ich die einmalige historische Gelegenheit, ihm einige Fragen zu stellen.<\/p>\n<p>\u201eMeister Eckhart, verzeihen Sie, dass ich Sie in einer so misslichen Situation bitte, Ihnen einige Fragen stellen zu d\u00fcrfen. Fragen, deren Beantwortung weit \u00fcber den heutigen Tag hinaus Bedeutung haben werden. Sie k\u00f6nnen&nbsp; es nicht wissen und auch kaum glauben, aber 750 Jahre nach Ihrem Wirken gelten Sie als ein moderner Theologe wie kaum ein anderer und sind sogar in anderen Religionen wir dem Buddhismus und Hinduismus hoch geachtet und beliebt. F\u00fcr&nbsp; Erkenntnissuchende aller Richtungen sind Ihre Predigten und andere Schriften oft ein gro\u00dfer Gewinn, denn viele bedeutenden Fragen des menschlichen Lebens werden von Ihnen behandelt. Sagen Sie, woher kommt diese beinahe universelle und zeitlose Bedeutung Ihrer Worte?\u201c<\/p>\n<p>Ein helles strahlendes Leuchten ist nun in den von dunklen R\u00e4ndern umgebenen&nbsp; Augen Meister Eckharts zu sehen.<\/p>\n<p>\u201eNun das freut mich sehr zu sehen, dass auch die Inquisition nicht vermochte, die Wahrheit aus den Herzen der Menschen zu verbannen.<br \/>\nIch habe immer gesagt: Gott ist nicht au\u00dferhalb von dir! Suche ihn in deinem Innersten! Und du sollst dir kein Bild von Gott machen. Du sollst Gott lieben wie er ist: ein Nichtgott,<br \/>\neine Nichtperson, ein Nichtbild. Vielleicht ist das die radikale Botschaft, die auch noch in eurer Zeit die bewussten Menschen ansprechen: Gott wird erst durch den Menschen &#8211; durch dich &#8211; zu einem Gott. Also hast du die gro\u00dfe Freiheit, ihn in deinem Herzen zu suchen und zu finden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa \u2013 Freiheit ist ein gro\u00dfer Begriff in der heutigen Zeit. Die zwanghaften Bindungen an kirchliche und gesellschaftliche Institutionen sind aufgebrochen und der moderne Mensch glaubt nicht mehr an Fremdbestimmung und Unterwerfung unter eine Hierarchie. Aber er hat gro\u00dfe Schwierigkeiten, mit seiner Freiheit etwas anzufangen. Es scheint fast so, als wenn er mit immer gr\u00f6\u00dferer Freiheit immer unfreier wird. Was w\u00fcrden Sie, Meister Eckhart, dem heutigen Menschen dazu sagen?\u201c<\/p>\n<p>Meister Eckhart wiegt seinen Kopf leicht zur Seite, als m\u00fcsse er erst einmal intensiv \u00fcber das Gesagte nachdenken, dann lacht er leise&nbsp; und sagt:<br \/>\n\u201eNun, die Zeiten \u00e4ndern sich und \u00e4ndern sich auch nicht. Warum ist das so?<br \/>\nWeil der Mensch in jeder Zeit&nbsp; seinen Urgrund, sein tiefstes wahres Wesen, wieder finden muss. In eurer modernen Zeit wird er sicher nicht so schnell angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wenn er mutig seinen Glauben vertritt, aber trotzdem f\u00e4llt es ihm doch schwer, wahrhaft zu denken und zu f\u00fchlen und seine vielen festen Vorstellungen und Gef\u00fchle zu lassen um zu einem Sein aus dem Geiste heraus zu gelangen. Siehst du \u2013 das f\u00e4llt allen Menschen zu allen Zeiten schwer. Und was rate ich ihnen deswegen?<br \/>\nErkenne! Erkenne dich und die Welt durch das Leben und den Geist!<br \/>\nEs ist nicht so wichtig, dass du Visionen hast, dass du dies und jenes glaubst.<br \/>\nWichtig ist, dass du erkennst. Nicht allein aus deinen Sinnen und einem Wissen der allt\u00e4glichen Dinge heraus, denn dies alles&nbsp; t\u00e4uscht uns,<br \/>\nsondern erlange Erkenntnis aus der Seele heraus, in der die Gottheit wohnt.<br \/>\nUnd dann lebe deine Erkenntnisse in einem t\u00e4tigen, praktischen und von Liebe geleiteten Leben.\u201c<\/p>\n<p>Diese letzten S\u00e4tze spricht Meister Eckhart wie in tiefer Meditation, dann richtet sich sein Blick wieder auf seine Unterlagen, in denen er Notizen f\u00fcr seinen bevorstehenden Prozess gemacht hat. Unvorstellbar, dass dieser au\u00dfergew\u00f6hnliche Mensch vielleicht bald wegen H\u00e4resie verurteilt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u201eWorauf wird der Schwerpunkt ihrer Verteidigungsrede liegen, Meister Eckhart?\u201c durchbreche ich die Stille.<\/p>\n<p>\u201eIch f\u00fcrchte, es geht dem Erzbischof von K\u00f6ln nicht um die Rede \u00fcber den Glauben, sondern um Macht. In aller Bescheidenheit kann ich sagen, dass ich hier in K\u00f6ln durch meine Predigten einen gro\u00dfen Bekanntheitsgrad in der Christengemeinde habe und da sieht der Erzbischof Heinrich II von Virneburg eine ernste Gefahr f\u00fcr seine Vormachtstellung in der Dioz\u00f6se heraufziehen. &nbsp;<br \/>\nJa, das Gespenst der H\u00e4resieverd\u00e4chtigung wird immer m\u00e4chtiger. Scheiterhaufen aller Orten. Man \u00fcbergibt missliebige B\u00fccher dem Feuer. Und wo man B\u00fccher verbrennt, verbrennt man bald auch Menschen, Christenmenschen. Gerade erst im letzten Jahr, 1325, ist ein gr\u00f6\u00dfere Anzahl der H\u00e4resie verd\u00e4chtiger Begarden verbrannt oder im Rhein ertr\u00e4nkt worden.<br \/>\nUnd nun hat man einzelne S\u00e4tze aus verschiedener meiner Texte und Predigten herausgenommen,&nbsp; Bruchst\u00fccke allenfalls, ohne Zusammenhang, teilweise noch durch eine schlechte R\u00fcck\u00fcbersetzung ins Lateinische verst\u00fcmmelt. Mit diesen Textfetzen versucht man zu beweisen, dass ich die Gem\u00fcter der gl\u00e4ubigen Gemeinde verwirre. Es ist ein Hohn, sehe ich doch Tag f\u00fcr Tag bei meinen Predigten, wie die Augen dieser Gl\u00e4ubigen bei meinen Worten in heller Klarheit und Freude leuchten.<br \/>\nIch habe gegen diese gezielte Verleumdung eine Rechtfertigungsschrift verfasst und an den in Avignon residierenden Papst Johannes XXII. geschickt. Ich habe auf die Unrechtm\u00e4\u00dfigkeit des gesamten Verfahrens hingewiesen und dass mein Leben und meine Lehre bislang im vollen Einklang mit der Kirche und meinen Orden der Dominikaner gestanden hat.<br \/>\nIch musste allerdings doch auch \u2013 entgegen meiner sonstigen Gepflogenheit \u2013 anmerken, dass meine Ankl\u00e4ger von Unverstand und Geistesbeschr\u00e4nktheit, ja von ausgesprochener Bosheit sind.<br \/>\nIch werden&nbsp; \u2013 sobald ich hier den Kerker verlassen kann \u2013 auch die Christengemeinde in der K\u00f6lner Dominikanerkirche \u00fcber den Stand der Dinge aufkl\u00e4ren und mich dann auf den Weg nach Avignon machen, um alle Anschuldigungen dem Papst gegen\u00fcber zu entkr\u00e4ften.\u201c<\/p>\n<p>Ersch\u00f6pft von diesen Worten sackt Meister Eckhart f\u00f6rmlich in sich zusammen und starrt wieder auf seine Aufzeichnungen.<\/p>\n<p>Wir wissen bis heute nicht, wie es Meister Eckhart auf dem Weg oder R\u00fcckweg nach Avignon ergangen sein mag. Denn als das Urteil zum p\u00e4pstlichen Prozess erfolgte und durch die Bulle \u201eIn agro dominico\u201c vom 27.M\u00e4rz 1329 publik gemacht wurde, lebte Eckhart schon nicht mehr.<br \/>\nDas Urteil selbst entsprach einer totalen Niederlage, denn mit 28 verurteilten S\u00e4tzen wurde Eckhart bescheinigt, er habe \u201emehr wissen wollen als n\u00f6tig war, er habe \u201esein Ohr von der Wahrheit abgekehrt und Erdichtungen zugewandt, mit einem Wort: Er sei \u201eein irregeleiteter Mensch\u201c.<\/p>\n<p>Die Schriften Eckharts wurden als nicht mit der Rechtgl\u00e4ubigkeit eines Christen zu vereinbaren beurteilt. Auf Jahrhunderte hinaus war ihnen dabei ein Schattendasein beschieden.<br \/>\nErst sechs Jahrhunderte nach Eckharts Tod wurden seine Texte wieder entdeckt.<\/p>\n<p>Ich lasse Meister Eckhart in seiner Zelle zur\u00fcck.<br \/>\nTrotz besseren Wissens verabschiede ich ihn mit den besten W\u00fcnschen f\u00fcr seine Reise zum Papst nach Avignon und seinen Prozess.<\/p>\n<p>\u201eDanke f\u00fcr die guten W\u00fcnsche!\u201c, erwidert Meister Eckhart und l\u00e4chelt sanft.<br \/>\n\u201eWenn du alles aus dem Grunde deiner Seele tust, ohne ein einziges Warum, so findet dich Gott und nimmt und empf\u00e4ngt dich als das, was du jetzt bist.<br \/>\nIch bin innerlich frei \u2013 Was soll mir geschehen?\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/2yEiFqHcdnw\">Hier finden Sie das You Tube Video.<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":921,"featured_media":11141,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110150],"tags_english_":[],"class_list":["post-91180","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-podcast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/921"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11141"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91180"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91180"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}