{"id":91152,"date":"2020-11-02T18:26:53","date_gmt":"2020-11-02T18:26:53","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/was-will-werden-was-wird-was-ist\/"},"modified":"2020-11-02T18:26:53","modified_gmt":"2020-11-02T18:26:53","slug":"was-will-werden-was-wird-was-ist","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/was-will-werden-was-wird-was-ist\/","title":{"rendered":"Was will werden? Was wird. Was ist"},"content":{"rendered":"<p>Ein Mensch, der die Reise zum Mittelpunkt seines Wesens beginnt, durchl\u00e4uft verschiedene Aspekte der Zeit. Betrachtet er das Leben, indem er dar\u00fcber nachdenkt, dann fragt er: \u201eWas will werden?\u201c. Betrachtet er es mit dem Herzen, dann erf\u00e4hrt er: \u201eWas wird\u201c. Und durch sein zeitloses Wesen sieht er: \u201eWas ist\u201c.<\/p>\n<p>Wer w\u00fcrde nicht gern in die Zukunft schauen, um unangenehmen \u00dcberraschungen aus dem Wege zu gehen? Die Wettervorhersage warnt vor Unwettern. Viele Unternehmer nutzen statistische Methoden, um den Erfolg ihrer Angebote in der Zukunft abzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>In dem Moment, in dem wir uns mit der Frage besch\u00e4ftigen: \u201eWas will werden?\u201c, bewegen wir uns physikalisch gesehen in der 4. Dimension, der Zeit. Jeder Werde- oder Entwicklungsprozess ist zeitgebunden.<\/p>\n<p><strong>Zeit hat verschiedene Aspekte<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00d6konom betrachtet die Zeit als etwas Quantitatives: Wie kann ich Produktionsabl\u00e4ufe so strukturieren, dass ich immer mehr in immer k\u00fcrzerer Zeit produzieren und in Geld umsetzen kann? Er sucht heute nach den optimalen Produktions- und Vertriebsabl\u00e4ufen von morgen, um in immer k\u00fcrzerer Zeit immer mehr zu verdienen. Die B\u00f6rsen honorieren das mit steigenden Aktienkursen. Hier ist Zeit eine rein quantitative Variable, an der unsere Wohlstandsgesellschaft ihren Erfolg misst und mit der sich im Rahmen des Wettbewerbs feststellen l\u00e4sst, wie schnell und nachhaltig eine \u00d6konomie w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Eine wichtige S\u00e4ule dieses Erfolgs ist die hohe Verf\u00fcgbarkeit von Wissen. Wir sind im Informationszeitalter angekommen. Und der erfolgreichste Informationskanal ist das Glasfaserkabel, in dem Licht zur Weiterleitung von Information verwendet wird. Licht ist das schnellste Medium im Universum. Wissen breitet sich heute mit Lichtgeschwindigkeit aus.<\/p>\n<p><strong><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wir komprimieren die Zeit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In fr\u00fcheren Zeiten wurden komplexere Fragen, die mit entfernt lebenden Mitwirkenden gel\u00f6st werden mussten, auf dem Postweg verschickt. War der Brief an die Post \u00fcbergeben, dann trat eine Phase des Wartens oder weiteren Nachdenkens ein, da die Antwort vielleicht, wenn es schnell ging, nach einer Woche zu erwarten war. Wird heute die Frage \u00fcber das Internet versendet, dann ist sie in wenigen Sekunden beim Empf\u00e4nger. In wenigen Minuten ist dann vielleicht die Antwort da. Auf diese Weise steigert sich die Anzahl der Handlungen, die in einem Zeitabschnitt m\u00f6glich sind. Wir haben gelernt, die Zeit zu komprimieren, indem wir die Handlungsgeschwindigkeit erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Diese Quantit\u00e4t von Information und Handlung in der Zeit ist letztlich ein Fundament unserer westlichen Gesellschaft. Sie lebt in vielen Bereichen nach der Pr\u00e4misse \u201eQuantit\u00e4t statt Qualit\u00e4t\u201c. Die Quantit\u00e4t erzeugt eine gewisse Oberfl\u00e4chlichkeit im Erleben und einen undefinierbaren Hunger, der sich nicht s\u00e4ttigen l\u00e4sst. Mit diesem Hunger jagt der moderne Mensch nach immer gr\u00f6\u00dferen und exklusiveren Konsumerlebnissen. In seinem Inneren verschwinden die Erlebnisse wie in einem gro\u00dfen Schwarzen Loch, in das alles ohne S\u00e4ttigungsgef\u00fchl hineinf\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das Schwarze Loch<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Alle Zeitstrukturen \u201eWas will werden?\u201c, \u201eWas wird\u201c und \u201eWas ist\u201c sind bereits in uns vorhanden und erfahrbar. Je nachdem, wo ein Mensch mit seiner inneren Achtsamkeit steht, kann er eine von ihnen erleben. Betrachten wir den Menschen wie einen Kreisel, dann stabilisiert er sich in seinem Leben, indem er sich mit hoher Geschwindigkeit dreht. Entsprechend der Dynamik in einem Kreisel hat sein Leben am \u00e4u\u00dferen Rand eine hohe Geschwindigkeit \u2013 w\u00e4hrend in der Mitte die Zeit vollkommen stillsteht. Leichter zu erkennen ist diese Kreiselform im Universum. Die Milchstra\u00dfe ist ein Spiralnebel, in dem sich unsere Erde mitbewegt und dessen Form an einen Kreisel erinnert. Ihr Zentrum besteht nach den Erkenntnissen der Wissenschaft aus einem Schwarzen Loch. Schwarze L\u00f6cher sind hochgradig verdichtete Materie und Quellen enormer Gravitationskr\u00e4fte. Sie wirken strukturierend im Raum, kr\u00fcmmen ihn und verlangsamen die Zeit. Letztlich verleiht das Schwarze Loch der Galaxie Form und Bewegung. Es verschlingt gro\u00dfe Mengen an Materie und presst sie auf kleinstem Raum zusammen. In seinem innersten Punkt steht die Zeit still und wird zur \u201eNicht-Zeit\u201c, und der Raum ist so stark komprimiert, dass er zum \u201eNicht-Ort\u201c wird.<\/p>\n<p>Der Mensch ist ein \u201eMikrokosmos&#8220;, wie die hermetische Philosophie sagt, symbolisch eine Miniatur des gesamten Universums und, wenn man es aus geistiger und spiritueller Sicht betrachtet, kann man in mancher Hinsicht das Bild des Spiralnebels auf ihn anwenden. Entsprechend dessen Dynamik erf\u00e4hrt der Mensch, wenn er sich mit seiner inneren Achtsamkeit vom Zentrum entfernt, dass die Geschwindigkeit seines Lebens zunimmt. Viele Menschen laufen heute auf dieser \u00e4u\u00dfersten Umlaufbahn, die ihnen die Erfahrung jener schnell brennenden Lebensbahn vermittelt, wie wir sie t\u00e4glich erleben, immer danach suchend, was werden will. Irgendwann haben sich die Erfahrungen ihres Geschwindigkeitsrausches so verdichtet und komprimiert, dass Kr\u00e4fte wirksam werden, die an die Gravitationskr\u00e4fte in einem Schwarzen Loch erinnern.<\/p>\n<p><strong><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vom Zentrum gehen Kr\u00e4fte aus<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich den Gravitationskr\u00e4ften eines Schwarzen Loches im Universum gehen vom Zentrum des Menschen Kr\u00e4fte aus, die das Erleben von Raum und Zeit ver\u00e4ndern. Auf diese Weise erlebten Mystiker wie Jakob B\u00f6hme, Rumi oder Meister Eckhart eine Dynamik, die die eigene Welt aus den Angeln hob.<\/p>\n<p>Es gibt heute einige Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass die Raumzeit in einem Schwarzen Loch auseinanderf\u00e4llt. Das w\u00fcrde zugleich bedeuten, dass es eine tiefere physikalische Struktur mit anderen Gesetzen gibt, in der das Schwarze Loch seine Wurzeln hat. Auch in der Geistesgeschichte der Menschheit gibt es die Ideen verschiedener Philosophen und Menschheitslehrer, die davon ausgehen, dass der Mensch in seinem tiefsten Inneren, in seinem \u201eSchwarzen Loch\u201c in einer anderen Natur wurzelt.<\/p>\n<p><strong>Der qualitative Aspekt der Zeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Verdichtung der Erfahrungen zieht die Achtsamkeit von der Au\u00dfenkante des Spiralnebels langsam hin zum Zentrum. Hermann Hesse l\u00e4sst Siddharta in seiner gleichnamigen indischen Erz\u00e4hlung feststellen, was dann passiert. Der Mensch kann in der tiefen Meditation die Zeit aufheben. Ihr qualitativer Aspekt r\u00fcckt in den Vordergrund. Aus dem \u201eWieviel kann ich erleben?\u201c wird ein \u201eWas erlebe ich?\u201c Der Mensch wird also mit der Dimension der Tiefe verbunden. In den westlichen Gesellschaften werden sich zurzeit viele Menschen des Mangels an Tiefe bewusst. Durch die pandemische Situation ist die Erlebnisgeschwindigkeit abgebremst. Im spirituellen Bereich wird eine solche \u201eErlebnisbremse\u201c durch Meditation erzeugt. Der Mensch verschlie\u00dft seine Sinnesorgane zeitweilig vor der Au\u00dfenwelt, l\u00e4sst sich nach innen ziehen und wird sich seiner Tiefe bewusst.<\/p>\n<p><strong><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die T\u00fcr zur Tiefe<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Beginnt man, sein Leben zu reflektieren und zu hinterfragen, dann werden die unterschiedlichen Qualit\u00e4ten der Zeit erfahrbar. Zeit bedeutet Einmaligkeit. Jeder Zeitpunkt vergeht, und es ist unm\u00f6glich, zu ihm zur\u00fcckzukehren. Jeder Zeitpunkt ist einmalig und nur zu erfassen, wenn die Frage \u201eWas will werden?\u201c \u2013 das Credo der dynamischen quantitativen Zeit \u2013 zu einem \u201eWas wird\u201c als dem Ausdruck einer bewusst reflektierten, qualitativen Zeit wird. Allein im \u201eJetzt\u201c \u00f6ffnet sich eine T\u00fcr zu einem ganz neuen Verst\u00e4ndnis von Raum und Zeit.<\/p>\n<p>Die qualitative Zeit besitzt eine T\u00fcr zur Dimension der Tiefe. Viele Mystiker haben versucht, den Menschen diese Dimension vor Augen zu f\u00fchren. Sie \u00f6ffnet sich zu einem Raum, der nicht begrenzt ist. Sein Mittelpunkt ist ein \u201eNicht Ort \u201c, die \u201eZeit\u201c dort eine \u201eNicht Zeit\u201c. Jedes \u201eWas will werden?\u201c kommt dort zum Stillstand, wird in einer stillen Betrachtung zu einem \u201eWas wird\u201c.<\/p>\n<p><strong>Das allgegenw\u00e4rtige Sein<\/strong><\/p>\n<p>Dieses \u201eWas wird\u201c ist mit einer totalen Pr\u00e4senz im absoluten Moment der Gegenwart verbunden. Das Leben offenbart sich von Moment zu Moment. Herman Hesse beschreibt dar\u00fcber hinaus noch einen Zustand, der am Ende seiner Erz\u00e4hlung <em>Siddharta<\/em> zum Tragen kommt. In der gro\u00dfen Schau, die Siddharta seinem Freund Govinda zuteilwerden l\u00e4sst, kommt es zu einem \u201eWas ist\u201c, das die Erfahrung beinhaltet, dass alles bereits <em>ist<\/em>, dass alles gleichzeitig besteht als ein Aspekt der Einheit. Aus dieser Erfahrung verabschiedet sich Govinda mit einem brennenden Herzen.<\/p>\n<p>Schwarze L\u00f6cher sind nicht dunkel, weil sie kein Licht enthalten, sondern weil ihnen nichts Wahrnehmbares zu entkommen scheint. Und doch strahlen sie Energie in Form quantenverschr\u00e4nkter Information aus. Diese Information scheint nicht den Gesetzen der Raumzeit zu unterliegen, sondern hat etwas \u201eAllgegenw\u00e4rtiges\u201c. Die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten sind hoch abstrakt mathematisch. Aber es gibt in der Geschichte der Menschheit Philosophen und Mystiker mit Erfahrungen, die eine Entsprechung hierzu haben. Herman Hesse schreibt davon in seinem <em>Siddharta<\/em>.<\/p>\n<p>Wenn im Menschen der Aspekt erwacht, in dem er \u201eBuddha\u201c ist und das Leiden sein Ende findet, die Tiefe also, aus der heraus er mit geschlossenen Augen alles sieht, dann ist er in dem \u201eWas ist\u201c angekommen. Er ist wie eine Galaxie, aus dessen Mittelpunkt die Kr\u00e4fte des \u201eSchwarzen Loches\u201c die gesamte \u201eGalaxie\u201c in eine neue Ordnung bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><em>Hermann Hesse, Siddharta, eBook, Suhrkamp 2011<\/em><\/p>\n<p><em>Marianne Oesterreicher (Hrsg), Hans-Peter D\u00fcrr, Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen, Herder 2004<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.quantamagazine.org\/the-black-hole-information-paradox-comes-to-an-end-20201029\/?s=08\">https:\/\/www.quantamagazine.org\/the-black-hole-information-paradox-comes-to-an-end-20201029\/?s=08<\/a><\/em><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":11044,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-91152","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/91152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91152"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=91152"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=91152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}