{"id":90946,"date":"2020-09-09T13:26:11","date_gmt":"2020-09-09T13:26:11","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/angst-corona-und-ich\/"},"modified":"2020-09-09T13:26:11","modified_gmt":"2020-09-09T13:26:11","slug":"angst-corona-und-ich","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/angst-corona-und-ich\/","title":{"rendered":"Angst, Corona und ich"},"content":{"rendered":"<p>Alles reibt sich aneinander, spiegelt sich ineinander und geh\u00f6rt zusammen. Vom Menschen sagt man, er sei die Synthese von allem. Praktisch alles kann sich in ihm spiegeln, kann Resonanzen in ihm hervorrufen.<\/p>\n<p>Corona trifft einen Nerv. Das kleinste aller Lebewesen zeigt dem Menschen, wer er ist. Da ist vor allem die Angst. Was ist das \u2013 Angst? Sie ist unsere Reaktion auf Bedrohliches. Der Angreifer ist diesmal unsichtbar. Corona wirkt aus dem Hintergrund heraus. Das sind wir ebenfalls, der Hintergrund.<\/p>\n<p>Immer reagieren wir als der, der wir sind. Jetzt setzen wir Masken auf. Auch das passt zu uns, denn wir sind Personen. Das Wort Person leitet sich ab von <em>personare<\/em> (lat.) = hindurcht\u00f6nen. Durch Masken t\u00f6nt etwas hindurch, etwas aus dem Hintergrund, unser Lebenszustand. Wir spielen uns vor, f\u00fchren uns vor Augen, was wir eigentlich immer tun. Die kunstvollste aller Masken ist unser K\u00f6rper samt seiner Psyche. Unendlich viel kann er zum Ausdruck bringen, eine Riesenskala von Kr\u00e4ften, aus der Welt des Sichtbaren und Unsichtbaren, kollektiv und individuell. &nbsp;<\/p>\n<p><strong>Corona zeigt uns unser Schattenhaftes, Schemenhaftes. <\/strong><\/p>\n<p>In einer Zeitung las ich den Satz: \u201eDie Vergangenheit hat gezeigt: In jeder Epidemie haben kriminelle Organisationen triumphiert.\u201c Auch das sind wir. Nur wenige verhalten sich kriminell, in jedem jedoch lebt das Dunkle. Unser Bewusstsein kann von ihm verschluckt werden, von dem, was uns nicht bewusst war. Die Angst kommt aus uns selbst, und sie kann uns die Kehle zuschn\u00fcren. Wir sind die Bedrohung und wir sind auch die Angst davor. Nicht umsonst gibt es die vielen Gesetze, die uns voreinander in Schranken halten. Die allergr\u00f6\u00dfte Bedrohung aber ist jeder f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n<p><strong>Der Abgrund, der in uns ist, wirft sich ab und zu nach au\u00dfen. <\/strong><\/p>\n<p>Dann stehen wir einander gegen\u00fcber. Abstand ist geboten. In jedem von uns gibt es allerdings auch eine Ebene, in der wir mit allen Menschen, ja allem Lebendigen \u00fcberhaupt eins sind. Sie ist eine Art seelisches \u201eGrundwasser\u201c \u2013 sie ist die Tragkraft des Lebens, des <em>einen<\/em> Lebens. Wenn sie wirkt, sind wir Liebe, Zusammengeh\u00f6rigkeit, dann sprudeln die Quellen des Vertrauens, der Loyalit\u00e4t, der Opferbereitschaft. Wir k\u00f6nnen dieses Grundwasser anbohren, doch wir k\u00f6nnen den Zugang zu ihm auch versch\u00fctten. Das tun wir mit der Angst und unserer Dunkelheit. Dann kommen nur Rinnsale aus der Quelle, es tr\u00f6pfelt Wasser, das durch Angst und Dunkelheit hindurch geht und bitter wird und sich zu Feindseligkeit, Misstrauen und anderem wandelt, vergiftetes Wasser der Liebe. Wie das stattfindet, das spielen wir uns ebenfalls gerade vor. Die Angst hat bei dem Schauspiel die Hauptrolle \u00fcbernommen. Wir sind Opfer und zugleich Zuschauer.<\/p>\n<p>Doch es wird etwas erkennbar, Dunkles tritt ins Licht, wir k\u00f6nnen es wahrnehmen. Es will zwar unser Bewusstsein \u00fcberw\u00e4ltigen, aber wir haben die M\u00f6glichkeit, es gleichwohl anzuschauen. Was machen wir mit dem, was uns ergreifen will oder uns vielleicht schon ergriffen hat? Wie nutzen wir unsere Handlungsspielr\u00e4ume?<\/p>\n<p><strong>Die Chance der Transformation<\/strong><\/p>\n<p>Ein befreiendes Licht leuchtet auf, eine Erkenntnis. In all dem, was gerade stattfindet, liegt ja eine Chance, die Chance unserer Transformation!<\/p>\n<p>Die Angst, das Abgr\u00fcndige, das Unheimliche \u2013 ich nehme sie mit, nehme sie in meine H\u00e4nde, erkenne sie an als meine Substanz, als mich selbst.<\/p>\n<p>Ich bin ja nicht nur sie, ich bin Bewusstsein, das weiter und tiefer reicht. Bewusstsein ist ebenfalls eine Spiegelung, wie alles an mir. Es ist eine Facette, eine Ableitung aus dem Allbewusstsein. Es ist abgezweigt aus dem gro\u00dfen Meer, den Wassern des Ursprungs. Allzu leicht wird es zum T\u00fcmpel, doch es kann sich reinigen, kann etwas von dem erleben, <em>was<\/em> sich in ihm spiegelt, kann sich seinem Ursprung \u00f6ffnen. Ich tue einen Schritt in diese Richtung, nutze die Chance und nehme das mit, was ich von mir erkannt habe.<\/p>\n<p>Der Durchlass \u00f6ffnet sich, er war fast versch\u00fcttet. Lebendiges Wasser str\u00f6mt in mich ein. Es schwemmt vieles hinweg, was sich aufget\u00fcrmt hatte. Der Damm wird niedriger. Das ist schmerzhaft, sehr sogar. Mehr und mehr muss ich loslassen von dem, was ich bin, auch die Angst, die doch so sehr zu mir geh\u00f6rt. Ich muss mitgestalten, einverstanden sein mit dem, der ich werden soll.<\/p>\n<p>Corona gab einen Ansto\u00df dazu. Danke. Ich erlebe neuen Wellenschlag. Wellenkronen, <em>coronas<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em>, Freude. Das kleine Virus kann den Ansto\u00df geben f\u00fcr ein neues Miteinander. Dann hat es einen Sinn gehabt, all das Leid, das es \u00fcber viele gebracht hat, genauer gesagt: das <em>wir<\/em> \u00fcber uns gebracht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Corona bedeutet im Lateinischen, Spanischen und Italienischen &#8222;Krone&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":10262,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-90946","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90946","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10262"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90946"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90946"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}