{"id":90937,"date":"2020-09-09T13:08:28","date_gmt":"2020-09-09T13:08:28","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/angst\/"},"modified":"2020-09-09T13:08:28","modified_gmt":"2020-09-09T13:08:28","slug":"angst","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/angst\/","title":{"rendered":"Angst"},"content":{"rendered":"<p>Krisen provozieren Angst. Und es ist sogar sinnvoll; Angst zu haben. Sie geh\u00f6rt zu den Reaktionen unseres Organismus auf eine Gefahr. Angst entsteht \u201eautomatisch\u201c, wird hervorgerufen durch das sog. limbische System, eine tief gelegene, alte Gehirnstruktur, die f\u00fcr unsere Gef\u00fchle und Triebe zust\u00e4ndig ist. Wie im Tierreich f\u00fchrt auch beim Menschen eine Gefahr entweder zu Erstarrung und L\u00e4hmung (dem \u201eTodstell-Reflex\u201c) oder zur Aktivierung des Organismus und damit der Kr\u00e4fte f\u00fcr Kampf oder Flucht.<\/p>\n<p>Im ersten Moment sind wir h\u00e4ufig gel\u00e4hmt, geschockt, wenn eine gro\u00dfe Gefahr auftritt oder ein schreckliches Ereignis stattgefunden hat. Dann folgt die Phase der Aktivierung, der Verzweiflung, der Ratlosigkeit, der Angst. Manchmal erleben wir die Angst nicht als solche, sondern wandeln sie um in Wut, Unruhe, Depression oder in k\u00f6rperliche Symptome. Das (meist unbewusste) Vermeiden oder Verdr\u00e4ngen der Angst verst\u00e4rkt sie noch und f\u00fchrt zur Angst vor der Angst.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Der ganze Mensch wird ergriffen<\/em><\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir sagen, dass sich die Angst auf verschiedenen Ebenen ausdr\u00fcckt: der k\u00f6rperlichen, der gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfigen und der gedanklichen \u2013 und schlie\u00dflich in unserem Verhalten.<\/p>\n<p>K\u00f6rperliche Symptome kennen wir als starkes Herzklopfen, Atemnot, Beklemmung, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Schw\u00e4chegef\u00fchle, \u00dcbelkeit und anderes. In Gef\u00fchlen und Gedanken zeigt sich die Angst als Verletzlichkeit, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, Verzweiflung. Sie hat mit Enge zu tun, sowohl k\u00f6rperlich, als auch im Empfinden und Denken. Unsere Gef\u00fchle und Gedanken k\u00f6nnen von ihr v\u00f6llig in Besitz genommen werden. Die Gedanken kreisen dann um die Katastrophe, die tats\u00e4chlich oder vermeintlich droht. Ein klares, strukturiertes Denken und Probleml\u00f6sen werden schwierig oder unm\u00f6glich. Angst ist ein schlechter Ratgeber, sagt man zu Recht.<\/p>\n<p><strong>Angst wahrnehmen und bew\u00e4ltigen<\/strong><\/p>\n<p>Sie ist<strong> <\/strong>f\u00fcr das \u00dcberleben wichtig, sie geh\u00f6rt zu uns. Die Art, mit der Angst umzugehen, ist je nach Veranlagung, Erziehung und sozialer Situation sehr verschieden.<\/p>\n<p>Ein seri\u00f6ser Therapeut kann nicht in Aussicht stellen, die Angst zu beseitigen. Aber er kann dabei helfen, irrationale \u00c4ngste in einer Therapie zu bew\u00e4ltigen. Ein psychisch gesunder Mensch lernt im Laufe seines Lebens selbst, mit der Angst umzugehen. Jeder bew\u00e4ltigt sie auf seine Weise.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Das Neue und Fremde<\/em><\/p>\n<p>Angst ausl\u00f6send sind Situationen, die uns unbekannt und neu sind, mit denen wir noch nicht umzugehen gelernt haben. Das Neue und Fremde empfinden wir als bedrohlich, vor allem dann, wenn es uns unvorbereitet trifft. Es kann aber auch Neugier und Interesse in uns hervorrufen. Und wenn es eine Notsituation ist, kann uns Angst hell wach machen. Mut und \u00dcberlebenswillen k\u00f6nnen aufflammen und ein kreatives Potenzial kann sich zeigen, das wir bislang noch gar nicht kannten.<\/p>\n<p>Auch mit den Entwicklungsschritten in unserem eigenen Leben sind \u00c4ngste verbunden. Lebensgeschichtliche Umbr\u00fcche k\u00f6nnen uns in Krisen st\u00fcrzen: zum Beispiel der Eintritt in den Kindergarten oder die Schule, die Pubert\u00e4t, der Beginn von Studium oder Berufst\u00e4tigkeit, die Begr\u00fcndung einer Partnerschaft, die Geburt eines Kindes, die Arbeitslosigkeit, die Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens, mit Krankheit, Sterben und Tod.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Der Blick auf uns selbst<\/em><\/p>\n<p>Angst konfrontiert uns mit unserer Verletzlichkeit, unserem fundamentalen Bedrohtsein in dieser Welt. Sie konfrontiert uns letztlich mit uns selbst. Dabei geht es nicht nur um das physische Leben, sondern auch um Zuneigung, Anerkennung, um die Gef\u00e4hrdung des eigenen Selbstbildes oder die Position in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Denkmuster spielen dabei stets eine wesentliche Rolle. Sie laufen automatisch (unbewusst) ab, engen uns ein, legen uns fest. Wir sind ihnen ausgeliefert, wenn es uns nicht gelingt, sie zu hinterfragen und zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>In der psychologischen Forschung hat sich ein Aspekt als bedeutsam herausgestellt, wenn es darum geht, \u00c4ngste zu mindern: das Gef\u00fchl, die Kontrolle \u00fcber eine Situation zu bekommen. Wenn wir wissen, was wir tun k\u00f6nnen, um ein Problem zu bew\u00e4ltigen, verringert sich die Angst. Es kann eine angemessene L\u00f6sung sein, aber oft ist es auch eine Vermeidungsstrategie.<\/p>\n<p>Wollen wir Angst vermeiden, nimmt sie zu. Das, wovor wir weglaufen, r\u00fcckt n\u00e4her. Es entsteht die Angst vor der Angst. Von Bedeutung ist es, hier einen Blick ins eigene Innere zu werfen, auf das, was dort stattfindet.<\/p>\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Pr\u00fcfungsangst<\/em><\/p>\n<p>Wohl jeder hat irgendwann in seinem Leben Pr\u00fcfungsangst gehabt. Sie ist sinnvoll; denn in v\u00f6llig entspanntem Zustand erbringen wir keine optimale Leistung. Wir ben\u00f6tigen ein gewisses Ma\u00df an k\u00f6rperlicher Erregung, an Aufregung oder Angst. Wenn sie \u00fcberhand nimmt, blockiert sie allerdings das Denken und Erinnern.<\/p>\n<p>Ein Teufelskreis entsteht, wenn man versucht, die Angst zu vermeiden, indem man sich erst gar nicht mit dem Lernstoff konfrontiert, also das Lernen und die Pr\u00fcfung immer weiter aufschiebt. Hilfreich ist es, die Aufmerksamkeit auf die Angst richten, sie gleichsam \u201ean die Hand\u201c nehmen und bewusst mit ihr zu leben. Dann verringert sie sich.<\/p>\n<p>Die meisten Menschen versuchen, sich Lebenssituationen zu schaffen, die Sicherheit vermitteln und in denen die Dinge weitgehend voraussehbar sind. Je st\u00e4rker eine solche Tendenz ist, umso gr\u00f6\u00dfer wird allerdings die Verunsicherung bei pl\u00f6tzlichen Krisen wie der Corona-Pandemie. Die \u00c4ngste wechseln dann zwischen Angst vor der Krankheit, Angst vor der beruflichen Existenz, Angst vor Vereinsamung \u2026<\/p>\n<p><strong>Spirituelle M\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p>Selbsterkenntnis ist der Anfang von Weisheit, die das Ende der Angst bedeutet. (Krishnamurti)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Denken wir etwa, dass ein spirituell strebender Mensch keine Angst haben darf? Dann erliegen wir einem tiefen Irrtum und verkennen unsere existentielle und organische Gebundenheit.<\/p>\n<p>Aber wie gehen wir als spirituell strebende Menschen mit unseren \u00c4ngsten um?<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Sich selbst erleben \u2013 mit allen \u00c4ngsten<\/em><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal erleben wir, dass, wenn wir in Kontemplation oder Meditation innerlich und \u00e4u\u00dferlich zur Ruhe kommen wollen, sich uns unsere inneren Bewegtheiten, also auch unsere \u00c4ngste, erst recht aufdr\u00e4ngen. Und dies ist gut so, sind wir doch hierdurch in der Lage, sowohl unsere h\u00f6chst pers\u00f6nlichen und als auch allgemein menschlichen Eigenheiten zu erkennen; wir lernen wahrzunehmen, wie wir uns mit unserem Bewusstsein in dieser Welt bewegen und behaupten, welche Mittel wir anwenden, um unseren Lebensweg zu gestalten. Je ernsthafter unser spirituelles Streben ist, umso tiefer werden die Einsichten in unser Wesen und auch in unsere \u00c4ngste.<\/p>\n<p>Wie sollen wir nun umgehen mit diesem starken, unangenehmen Gef\u00fchl, das wir am liebsten ganz schnell verschwinden lassen w\u00fcrden? Hier zeigt sich, dass eine spirituelle Entwicklung uns nicht in einen psychologischen Schonraum f\u00fchrt. Ein gewisses Ma\u00df an psychischer Gesundheit und Stabilit\u00e4t ist wichtig, um den Prozess durchleben zu k\u00f6nnen, auf dem die \u00c4ngste sich schlie\u00dflich aufl\u00f6sen: Wir wenden uns ihnen zu und erleben sie immer klarer und bewusster: da ist die Angst zu versagen, die Angst vor Ablehnung, die Angst um das eigene materielle und gesundheitliche Wohlergehen, um Menschen aus unserer Familie &#8230; All unsere \u00c4ngste sind mit spezifischen realistischen oder unrealistischen Gedanken, Vorstellungen und Phantasien verbunden. Wir erleben sie, wir sehen, wie diese Gef\u00fchle und Gedanken aufsteigen, lassen sie zu und richten uns gleichzeitig weiter auf den spirituellen Weg \u2013 die spirituelle \u201eSonne\u201c, den Geist. Wir k\u00f6nnen diese Phase des Weges das \u201eEndura\u201c nennen.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Die Hingabe an das Geistige<\/em><\/p>\n<p>Denn Endura bedeutet \u201eertragen\u201c. Halten wir die hochkommenden \u00c4ngste und die damit verbundenen k\u00f6rperlichen und gedanklichen Begleiterscheinungen aus, so werden wir sie durchschauen, und mit ihnen unsere Bindungen. Es geht nun darum, nicht auf sie zu reagieren, das \u201eNicht-Tun\u201c zu praktizieren und sich gleichzeitig in tiefer Sehnsucht der spirituellen Kraft, dem geistigen Feld anzuvertrauen, sich ihm zu \u00fcbergeben. Die Kraft dazu empfangen wir aus diesem Feld. Harren wir in dieser Zuwendung und Hingabe an die geistige Kraft aus, die gleichzeitig <em>die<\/em> Liebe ist, so geschieht ein Wunder: die \u00c4ngste l\u00f6sen sich auf. Wir haben sie bis an ihre Wurzel erkannt und zugelassen. Unser Bewusstsein erlebt in ihnen das Wirken der Kr\u00e4fte dieser Welt und kann es vom Wirken der spirituellen Kraft unterscheiden.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Wie ein Same aufbricht<\/em><\/p>\n<p>Es erf\u00e4hrt, wie im Herzen der Same einer g\u00f6ttlichen Offenbarung aufbricht, einer Existenz, die frei von Tod und Leid ist und damit auch frei von Angst. Unser pers\u00f6nliches Dasein gleicht einem St\u00fcck Erde, in das dieser Same gelegt ist. Um sich herum hat er eine Schale, so dass wir meist nichts von ihm wissen. Sie l\u00f6st sich auf durch Sehnsucht \u201enach dem ganz Anderen\u201c. Dann w\u00e4chst die M\u00f6glichkeit eines neuen Lebens heran \u2013 in der Kraft, die von diesem Samen ausgeht. &nbsp;<\/p>\n<p>Auch die \u00c4ngste, die mit dem spirituellen Weg selbst verbunden sind, l\u00f6sen sich auf. Auch hier kann uns Anerkennung wichtig sein, k\u00f6nnen wir Unannehmlichkeiten und Unbequemlichkeiten f\u00fcrchten. Angst kann auf dem Weg entstehen, wenn wir spirituell \u201evorankommen\u201c m\u00f6chten, wenn wir Zweifel an unserer Ernsthaftigkeit haben oder Zweifel an der Gemeinschaft, der wir uns angeschlossen haben.<\/p>\n<p>All dies verschwindet, wenn unser Bewusstsein \u2013 auf Grund seiner Beharrlichkeit \u2013 schlie\u00dflich die Neugr\u00fcndung aus der Tiefe des Herzens erf\u00e4hrt. Bis in die organischen Strukturen des Gehirns hinein entwickelt sich dann die Gewissheit, in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang, in den gro\u00dfen Plan des Lebens, den Plan Gottes mit dieser Welt und der Menschheit eingebunden zu sein. Wir erleben uns als darin \u201eaufgehoben\u201c, als dorthin zur\u00fcckkehrend.<\/p>\n<p>Der Schriftsteller Aldous Huxley sagte:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Wenn der Geist vollst\u00e4ndig <em>in irgendeiner Sache<\/em> aufgeht, wird er <em>einen Teil seiner<\/em> <em>Angst <\/em>verlieren. Nur, wenn er <em>in der Liebe und der Erkenntnis des g\u00f6ttlichen<\/em> <em>Ursprungs<\/em> aufgeht, wird er<em> jede Angst <\/em>verlieren.&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":10240,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-90937","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90937","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90937"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90937"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90937"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90937"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}