{"id":90670,"date":"2020-06-16T07:58:24","date_gmt":"2020-06-16T07:58:24","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/religiose-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1\/"},"modified":"2020-06-16T07:58:24","modified_gmt":"2020-06-16T07:58:24","slug":"religiose-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/religiose-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1\/","title":{"rendered":"Religi\u00f6se Kunst im Vishnu Tempel Changu Narayan, Nepal &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Nepalesische Kunst ist eine religi\u00f6se Kunst. Ihr Hauptzweck ist nicht \u00e4sthetisch, sondern inspirierend. Das Kunstwerk ist ein Mittel zur Verwirklichung eines bestimmten Bewusstseinszustands und soll weder eine Darstellung der Realit\u00e4t noch eine angenehme Dekoration sein<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/religioese-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1#_ftn1\" id=\"_ftnref1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\"><strong>[1]<\/strong><\/a>. <\/em><\/p>\n<p>An Hand von zwei Beispielen aus dem wahrscheinlich \u00e4ltesten Tempel in Nepal, dem Changu Narayan Tempel und Tempelbezirk, soll diese Aussage einer fr\u00fcheren renommierten Professorin f\u00fcr nepalesische Kunst und Religion, Prof. Lydia Aran, dargestellt und mit pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccken verbunden werden.&nbsp;<\/p>\n<p>Nepals g\u00fcnstige wirtschaftliche, politische und soziale Rahmenbedingungen brachten vor allem unter der Malla Dynastie (1201 \u2013 1779) Architektur, Bildhauerei, Malerei und Metallarbeiten (Kupfer und Messing), sowie St\u00e4dtebau und Literatur<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/religioese-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1#_ftn2\" id=\"_ftnref2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a> zu einer Bl\u00fcte. Nepal war damals identisch mit dem Kathmandutal, das sich zu einem mit Tempeln und Schreinen reich geschm\u00fcckten Tal entwickelte. Bereits seit dem 5. Jahrhundert (oder einige Jahrhunderte fr\u00fcher, wie manche Autoren annehmen<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/religioese-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1#_ftn3\" id=\"_ftnref3\" name=\"_ftnref3\" title=\"\">[3]<\/a>) gibt es Berichte und Funde \u00fcber die weitentwickelte Kunst im Kathmandutal. Einer der \u00e4ltesten Tempelbezirke ist Changu Narayan, der dem g\u00f6ttlichen Prinzip Vishnu geweiht ist. Zusammen mit Brama und Shiva bildet Vishnu die hinduistische Trinit\u00e4t.&nbsp; Vishnu wird als der Erbauer und Erhalter des Universums angesehen und als Sonnengott verehrt. Der Tempelbezirk Changu Narayan liegt auf einem H\u00fcgel nahe der Stadt Bhaktapur, was die Stadt der Gl\u00e4ubigen bedeutet.&nbsp;<\/p>\n<p>Der Haupttempel ist eine zweist\u00f6ckige Pagode. Sie hat eine lange Geschichte, die von verschiedenen Zerst\u00f6rungen, Br\u00e4nden und immer wieder Neuaufbauten und Renovierungen erz\u00e4hlt<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/religioese-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1#_ftn4\" id=\"_ftnref4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\">[4]<\/a>. Urkundlich erw\u00e4hnt wurde der Tempel bereits auf einer Inschrift im Tempelhof aus dem Jahr 464, mit der Bemerkung, dass der Tempel in diesem Jahr erneuert und erweitert wurde. Daraus kann geschlossen werden, dass Changu Narayan bereits im 1. oder 2 Jahrhundert errichtet wurde. Der Tempelbezirk wird mythologisch eng mit der Entstehung und Geschichte des Kathmandutals in Verbindung gebracht<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/religioese-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1#_ftn5\" id=\"_ftnref5\" name=\"_ftnref5\" title=\"\">[5]<\/a>. Der Tempel selbst wird durch verschiedene Geb\u00e4ude eingerahmt. In dem so entstandenen quadratischen Innenhof finden sich Skulpturen, kleinere Tempel und Schreine, die die lange Geschichte des Tempels widerspiegeln. Nach Eintritt durch das \u00f6stliche Tor findet sich der Besucher in einer anderen Welt, einer Welt der Ruhe und Serenit\u00e4t, \u00fcberw\u00e4ltigt von der Sch\u00f6nheit des Tempels und einer Anlage, die w\u00e4hrend des schweren Erdbebens 2015 stark besch\u00e4digt wurde, aber nun langsam wiederaufgebaut wird. Die Serenit\u00e4t ist trotz des gesch\u00e4ftigen Treibens des Wiederaufbaus deutlich zu sp\u00fcren.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Beschreibung des Tempels und seiner mythologischen Bedeutung f\u00fcr das Entstehen des Kathmandutals gehen weit \u00fcber den Rahmen dieses Beitrags hinaus, deshalb soll hier nur die Bedeutung zweier Skulpturen, die der Inkarnationen Vishnus in der Form von Vamana und Krishna, und mit den damit verbundenen Geschichten, eingegangen werden<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/religioese-kunst-im-vishnu-tempel-changu-narayan-nepal-teil-1#_ftn6\" id=\"_ftnref6\" name=\"_ftnref6\" title=\"\">[6]<\/a>.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-63253\" src=\"http:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Photo-2-Vishnu-with-the-three-steps-by-Horst-Matthaus-HD1.jpg\" alt=\"Vishnu with the three steps\" title=\"\" width=\"400\" height=\"457\" srcset=\"https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Photo-2-Vishnu-with-the-three-steps-by-Horst-Matthaus-HD1.jpg 400w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Photo-2-Vishnu-with-the-three-steps-by-Horst-Matthaus-HD1-263x300.jpg 263w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Photo-2-Vishnu-with-the-three-steps-by-Horst-Matthaus-HD1-21x24.jpg 21w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Photo-2-Vishnu-with-the-three-steps-by-Horst-Matthaus-HD1-32x36.jpg 32w, https:\/\/logon.media\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Photo-2-Vishnu-with-the-three-steps-by-Horst-Matthaus-HD1-42x48.jpg 42w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vishnu Trivikranta<\/strong>, Vishnu mit den drei Schritten, Changu Narayan, Nepal<\/p>\n<p>Die Skulptur mit dem Namen <strong>Vishnu Trivikranta<\/strong> (Vishnu mit drei Schritten) wird der Inkarnation Vamana, der 4. Inkarnation Vishnus zugeschrieben.&nbsp; Die Originalskulptur aus dem Jahr 464 wird im National Art Museum aufbewahrt. Eine Kopie (aus dem 8. Jahrhundert!) befindet sich im Tempelbezirk Changu Narayan. Diese Skulptur ist leicht zu \u00fcbersehen, sie sind nicht gr\u00f6sser als ca. 80 cm hoch, eingemauert in einen unscheinbaren Ziegelsteinrahmen, der sie vor Diebstahl und Zerst\u00f6rung sch\u00fctzen soll. Die religi\u00f6se und mystische Bedeutung der Skulptur ist noch heute lebendig, wie die t\u00e4glichen Opfer der Gl\u00e4ubigen beweisen.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie die D\u00e4monen verbannt wurden<\/strong><\/p>\n<p>Das fein ziselierte Relief zeigt Vishnu (in der Form von Vamana), wie er mit einem Schritt die ganze Welt umspannt. Unterhalb des gro\u00dfen Schritts ist unsere Welt dargestellt, oberhalb des Schritts die Welt der G\u00f6tter. Zu dieser Skulptur wird die folgende Geschichte erz\u00e4hlt: Ein K\u00f6nig der D\u00e4monen, Boni, hatte seine Macht so weit ausgedehnt, dass er unsere ganze Welt beherrschte. Er f\u00fchlte sich eines Tages so stark, dass er die G\u00f6tterwelt unter seine Herrschaft zu bringen versuchte. Als die G\u00f6tter dies merkten, gingen sie zu Vishnu, dem Erhalter der Welt und des Universums, und baten um Hilfe. Vishnu versprach, Boni von diesem Vorhaben abzubringen. Er nahm die Gestalt eines Zwerges (Vamana) an und ging zu ihm. Unterw\u00fcrfig bat er um einen Gefallen. Boni der gro\u00dfe Herrscher \u00fcber die Welt, sagte dem Zwerg die Erf\u00fcllung seines Wunsches zu. Der Zwerg bat ihn darum, ihm ein St\u00fcck Land, das er mit dreien seiner Schritte umgrenzen konnte, zu schenken. Boni lachte \u00fcber diese einf\u00e4ltige Bitte und gew\u00e4hrte sie. Kaum, dass die Bitte dem Vishnu in Gestalt des Zwerges gew\u00e4hrt war, nahm er seine g\u00f6ttliche Gestalt wieder an. Er wuchs und wuchs, so dass er mit dem ersten Schritt die ganze Welt umspannte. Mit dem zweiten bezog er die ganze G\u00f6tterwelt ein. Mit dem dritten dr\u00fcckte Vishnu den D\u00e4monenk\u00f6nig Boni in die Unterwelt. Damit befreite Vishnu die Welt und sch\u00fctzte den Wohnort der G\u00f6tter vor dem Angriff der D\u00e4monen. Die Welt wurde dadurch wieder friedlich und gl\u00fccklich und auch die G\u00f6tterwelt kehrte wieder zu ihrer Harmonie zur\u00fcck.&nbsp;<\/p>\n<p>Ohne diese Geschichte zu kennen, wurde ich bei meinem ersten Besuch von dem unscheinbaren Ziegelsteinrahmen und der darin eingemauerten Skulptur angezogen. Vishnu, der Erhalter der Welt, umspannt das ganze sichtbare und unsichtbare Universum mit einem Schritt, aus der Tiefe der verg\u00e4nglichen Welt hinauf zur G\u00f6tterwelt. Zeigt uns die Darstellung den Weg&nbsp; zur \u00dcberwindung dieser Welt der Begrenztheiten und Gegens\u00e4tze, den wir so oft suchen? Als mir die Geschichte des D\u00e4monenk\u00f6nigs erz\u00e4hlt wurde, musste ich unwillk\u00fcrlich an das Alte Testament und den Kampf zwischen Luzifer und dem Erzengel Michael denken (Jesaja 14, 12-14). Ist die Figur nicht ein Hinweis auf die \u00dcberwindung von Getrenntheit und Tod dieser Welt? Im Hinduismus ist Vishnu immer gegenw\u00e4rtig als Helfer und als Besieger der verg\u00e4nglichen Welt! In der Figur schwingt Vishnu seine magischen Attribute (Wurfscheibe, Muschelhorn, Lotusbl\u00fcte und eine Keule) hoch \u00fcber sich hinaus, als Zeichen des Sieges \u00fcber die D\u00e4monen. Die Figur strahlt damit Trost, Sicherheit und Freude aus. Die Ver\u00e4nderung von einem Zwerg zum Erhalter der physischen und spirituellen Welt will andeuten, dass jeder Mensch ein Zwerg ist, der aber durch und in Vishnu die D\u00e4monen in sich und in der Welt \u00fcberwinden kann.&nbsp;<\/p>\n<p>Noch heute beten viele Nepalesen und Inder zu Vishnu, wenn sie sich verfolgt sehen von Ungl\u00fcck und Schicksalsschl\u00e4gen. Sie bitten ihn, die hinter diesen Ereignissen stehenden D\u00e4monen in die Unterwelt zu schicken und sie dadurch vor weiterem Ungl\u00fcck zu bewahren.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt in Teil 2)<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Lydia Aran: <em>Art and Religion in Nepal<\/em>; http:\/\/users.skynet.be\/ragini_art\/Symbolic_essay\/art_and_religion_in_nepal.htm<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> Malla dynasty: https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Malla_(Kathmandu_Valley)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\" name=\"_ftn3\" title=\"\">[3]<\/a> Jeff Lidke: <em>Vishvarupa Mandir, A study of Changu Narayan, Nepal\u2019s most ancient temple<\/em>; Nirala Publications, New Delhi, 1996<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\" name=\"_ftn4\" title=\"\">[4]<\/a> Ibid., pp. 87-88<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\" name=\"_ftn5\" title=\"\">[5]<\/a> Ibid., pp. 51\u201362<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\" name=\"_ftn6\" title=\"\">[6]<\/a> Hinduism knows of 10 incarnations of Vishnu. These incarnations take place always at the beginning of a new cosmic period (<em>Yuga<\/em>). Among the incarnations are Rama, Krishna, and Gautama Buddha. The 10. or last embodiment of Vishna, called Kalki, is still to come. (see also Ibid., pp. 114 -124)<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":9182,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062],"tags_english_":[],"class_list":["post-90670","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90670"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90670"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}