{"id":90509,"date":"2020-04-30T06:47:09","date_gmt":"2020-04-30T06:47:09","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/kunst-und-wahrheit-teil-1\/"},"modified":"2020-04-30T06:47:09","modified_gmt":"2020-04-30T06:47:09","slug":"kunst-und-wahrheit-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/kunst-und-wahrheit-teil-1\/","title":{"rendered":"Kunst und Wahrheit &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Die Kunst ist die ewige Romanze zwischen der Sch\u00f6nen und dem Biest. Wer die Frage nach der Wahrheit stellt, landet notgedrungen bei der Kultur. In ihr spiegelt sich das Ringen, der Kampf um die Wahrheit in Kunst, Wissenschaft und Religion. Mit jeder neuen Epoche ver\u00e4ndert sich der kulturelle Spiegel, in dem sich die Wahrheit zeigt. Mal klar und eindeutig in seiner ganzen Sch\u00f6nheit, unverzerrt, dann wieder feuilletonistisch, wie in einem verzerrten Spiegel oberfl\u00e4chlich, angstvoll und gelangweilt nach Tiefe und Sinn suchend.<\/p>\n<p><strong>Das Wahre, das Gute und das Sch\u00f6ne<\/strong><\/p>\n<p>Platon war der erste Philosoph, der eine Staatsutopie entwickelte. Er suchte dabei nach einem idealen Staat, der den Menschen in die Lage versetzt, sein innerstes geistiges und utopisches Potenzial zu entwickeln. Optimale Entwicklungsbedingungen f\u00fcr K\u00f6rper, Geist und Seele sollten im Menschen das Wahre, Gute und Sch\u00f6ne \u201esichtbar\u201c werden lassen. In seinen Texten zu dieser Utopie beschreibt er die idealen Bedingungen f\u00fcr eine gesundende Entwicklung der Menschheit.&nbsp;<\/p>\n<p>Das Gute, Wahre und Sch\u00f6ne sind die Wurzeln der Grundwerte der heutigen Kulturentwicklung. Sie sind ihrem tiefsten Wesen nach gleichzeitig \u201eIdeen\u201c im Sinne Platons. Er suchte nach M\u00f6glichkeiten, ein Abbild dieser Ideen sichtbar werden zu lassen. An vielen Stellen seiner Ausf\u00fchrungen besch\u00e4ftigt er sich dabei mit dem Problem, dass der Mensch diese Ideen nicht direkt erfassen kann, sondern dass sie f\u00fcr ihn immer Ideale bleiben.<\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich, die Kultur als Ausdruck dieser drei platonischen Ideen zu betrachten. Das Wahre hat seinen Schwerpunkt in der Wissenschaft, das Gute im Sinne des \u201eAllein-Guten\u201c wurzelt in der Philosophie und in der Ethik, und das Sch\u00f6ne ist eng mit der Kunst verwandt. Paracelsus hat in seinem Werk an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, dass in dieser Welt etwas nie einseitig existiert. Alles ist zusammengesetzt. So ist in der Kunst der gr\u00f6\u00dfte Anteil zwar das \u201eSch\u00f6ne\u201c, aber das \u201eWahre\u201c und das \u201eGute\u201c geh\u00f6ren stets mit dazu.<\/p>\n<p>Platons utopischer Staat sollte den Menschen durch sein Leben in die Lage versetzen, diese Ideen in der Tiefe seines Wesens wahrzunehmen und umzusetzen. Platon beschreibt die Philosophie, die zu diesem Punkt und damit zu einer vollkommen neuen Wahrnehmung f\u00fchrt, indem er sagt: \u201eDie Umkehrung der Seele aus einer Art n\u00e4chtlichen Tags zum wahren Tag, das hei\u00dft zu jenem Aufstieg, der zum Seienden f\u00fchrt, erkl\u00e4ren wir f\u00fcr die wahre Philosophie.\u201c Mit diesem Satz beschreibt er zugleich sein heute noch ber\u00fchmtes H\u00f6hlengleichnis. Diese Philosophie ist in unterschiedlichem Gewand Bestandteil jedes kulturellen Bereiches.<\/p>\n<p><strong>Platon und das Sch\u00f6ne<\/strong><\/p>\n<p>Die \u201esch\u00f6nen K\u00fcnste\u201c spielen in Platons Staat eine besondere Rolle. Das \u201eSch\u00f6ne\u201c sah er als seelenbildend. Er hatte die Vorstellung: \u201ealles Musische muss enden in der in der Liebe zum Sch\u00f6nen\u201c. Die sch\u00f6nen K\u00fcnste haben dabei einen unterschiedlichen Einfluss auf die Formgebung und Entwicklung der Seele. In der Utopie war die Musik das m\u00e4chtigste Instrument, weil sie einen direkten Einfluss auf die Seele aus\u00fcbt. In der Musik erf\u00e4hrt die Seele die himmlischen und irdischen Welten als ineinander verwoben, ohne dass es eine Grenze g\u00e4be. Die bildende Kunst und die Literatur betrachtete Platon differenzierter. Ein Kunstwerk kann der Seele einen Eindruck von der absoluten Welt der Ideen vermitteln. In der Zeit der Renaissance schrieb der K\u00fcnstler Leonardo Da Vinci in seine Tageb\u00fccher: \u201eDas g\u00f6ttliche Wesen der Kunst des Malers bewirkt, dass sich sein Geist in ein Abbild g\u00f6ttlichen Geistes verwandelt.\u201c Entsteht das Kunstwerk in diesem Geist, entwickelt sich immer auch eine Wirkung jenseits der sinnesorganischen Wahrnehmung.<\/p>\n<p>Aber schon im Diskurs der griechischen Philosophie erf\u00e4hrt die Sicht auf \u201edas Sch\u00f6ne\u201c eine gewisse Polarisierung. W\u00e4hrend sich f\u00fcr Platon und den Philosophen Plotin (der etwa 600 Jahre nach Platon lebte) der ewige Geist, das \u201eEine\u201c, der sinnesorganischen Wahrnehmung im \u201eSch\u00f6nen\u201c zeigte, offenbarte es sich f\u00fcr die Pythagoreer in dem durch die Sinnesorgane vermittelten harmonischen Ma\u00df aller Dinge. Leonardo Da Vinci suchte in der Entwicklung seiner Kunstwerke nach dem harmonischen Zusammenspiel beider Sichtweisen.<\/p>\n<p>Nun ist das Sch\u00f6ne, wie es Platon verstand, mit dem normalen Empfinden nicht wahrnehmbar, und es ist auch nicht rational erfahrbar. Es ist ein Ideal, ein Glanz, den die Seele wahrnimmt. Dieser Glanz kann nicht mehr alleine der Kunst zugeordnet werden. Er bezieht sich auf ein unmittelbares Erkennen der Seele. Der Naturwissenschaftler erkennt das Sch\u00f6ne in mathematischen oder geometrischen Grundstrukturen. Der K\u00fcnstler in Farbe, Licht, Sprache und Musik.<\/p>\n<p>Will die Seele den Glanz des Absoluten wahrnehmen, so muss sie selber das Wesen des Absoluten angenommen haben. Sie kann nur den Geist begreifen, dem sie selbst \u00e4hnlich ist.&nbsp; Diese Seele ist ein vollkommen \u201eurspr\u00fcnglicher Spiegel, in dem sich die Welt der Ideen unverzerrt zeigt. Wenn wir nun nach dem Menschen fragen, der eine solche Seele besitzt, so l\u00e4sst er sich mit dem Satz charakterisieren: Das Einfache ist das Siegel des Wahren. Eine Einfachheit ist gefordert, die es zu erringen gilt.<\/p>\n<p><strong>Kunst und Abstraktion<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir die Kulturentwicklung in den letzten anderthalb Jahrhunderten genauer betrachten, so kann man sie f\u00fcr Wissenschaft und Kunst als eine Zeit der Abstraktion bezeichnen. Die Biologie erkannte die Aminos\u00e4uren als Grundbausteine allen Lebens und die Physik erkannte kleinste subatomare Einheiten, die als Welle oder Teilchen auftreten k\u00f6nnen, als vorl\u00e4ufige Grundstruktur. In der Kunst l\u00f6sten sich Formen in Farbtupfer auf wie im Impressionismus oder auch in geometrische Grundstrukturen wie im Kubismus. Schon Platon war die Suche nach dem \u201eEinfachen\u201c durch Abstraktion nicht fremd. Er definierte als Grundstrukturen des Kosmos geometrische K\u00f6rper, die wir heute noch als \u201ePlatonische K\u00f6rper\u201c kennen. Auch hier scheint sich zu bewahrheiten, dass das Einfache das Siegel des Wahren ist.<\/p>\n<p>Im Bereich der Technik erleben wir aktuell, dass die Menschen ihr Leben zunehmend digitalisieren und dabei mit einer Technik umgehen, die aus einer hohen mathematischen Abstraktion entstanden ist. Die wenigsten Nutzer k\u00f6nnen die Grundlagen dieser Technik nachvollziehen und beschr\u00e4nken sich darauf, sie anzuwenden. Die Seele lebt dabei mit einem dunklen Spiegel, in dem sie zwar nicht alles versteht, was sie sieht; aber sie lernt, mit wachsender Erfahrung darauf zu reagieren.<\/p>\n<p>Hier m\u00fcssen wir uns die Frage stellen, ob das, was sie sieht, nur das \u201eSch\u00f6ne\u201c in einem verzerrten Spiegel ist, oder ob das \u201eH\u00e4ssliche\u201c sich auch als etwas eigenst\u00e4ndig Lebendiges und Reales zeigen kann. Es w\u00fcrde den Rahmen dieses Artikels sprengen, hierauf ausf\u00fchrlich einzugehen. Man kann aber vielleicht die These wagen, dass sich das \u201eH\u00e4ssliche\u201c mit zunehmender Abstraktion bzw. Vereinfachung langsam aufl\u00f6st oder sich als Spielart des in der Tiefe vorhandenen \u201eSch\u00f6nen\u201c zeigt. Das Einfache ist das Siegel des Wahren.<\/p>\n<p>Das \u201eSch\u00f6ne\u201c ist ein Haus, in dem sich alles entwickeln kann: das Wahre und das \u201eGute\u201c. Durch das Gute wird, wie Platon sagt, das Wahre \u00fcberhaupt erst erkennbar.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt in <a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/kunst-und-wahrheit-teil-2\">Teil 2<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":8647,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110062],"tags_english_":[],"class_list":["post-90509","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-art-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8647"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90509"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90509"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}