{"id":90497,"date":"2020-04-29T07:50:51","date_gmt":"2020-04-29T07:50:51","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/die-kunst-des-lernens\/"},"modified":"2020-04-29T07:50:51","modified_gmt":"2020-04-29T07:50:51","slug":"die-kunst-des-lernens","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/die-kunst-des-lernens\/","title":{"rendered":"Die Kunst des Lernens"},"content":{"rendered":"<p>Was bedeutet es zu lernen? Die meisten Menschen w\u00fcrden auf diese Frage wohl antworten: \u201eLernen ist die Aneignung von Wissen.\u201c Denn das scheint die Aufgabe zu sein, die Institutionen des Lernens in unsere Gesellschaft eingenommen haben: Schulen, Universit\u00e4ten oder Akademien sind Institutionen, die Sch\u00fclern und Studenten Wissen vermitteln. Dieses Wissen reicht von fachlichen Inhalten zu der Aneignung von Methoden und dem Training bestimmter Verhaltensweisen. Meistens dient der Prozess der Wissensvermittlung dabei einem bestimmten Ziel, das sich in Ansehen, Einfluss, Geld oder Karriere auszahlen soll. Wir m\u00f6chten zu dieser Auffassung einen Gegenentwurf zeichnen und sagen: Lernen ist im Eigentlichen ein Prozess der Ausbildung geistiger Strukturen \u2013 im Menschen so wie in der gesamten Natur \u2013 und ist nur f\u00f6rderlich, wenn er frei von Absicht geschieht. Die Kunst des Lernens erschlie\u00dft sich letztlich in der \u00d6ffnung des Geistes f\u00fcr die ungehinderte Entfaltung sch\u00f6pferischer, geistiger Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p><strong>Eine flie\u00dfende Kommunikation mit der Umwelt<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir kleine Kinder beobachten, wie sie ihren Alltag verbringen, so werden wir schnell feststellen, dass im Wesentlichen alles, was sie tun, darin besteht, auf spielerische Weise mit ihrer Umwelt in Beziehung zu treten und mit ihr auf verschiedenste Art zu kommunizieren. Sie fassen die Signale ihrer Umgebung auf und antworten auf diese Signale, sei es, indem sie lachen, schreien, einen Klotz auf den anderen stellen, irgendwo hinaufklettern oder sich auf den Boden legen. All diese Verhaltensweisen sind Arten einer flie\u00dfenden Kommunikation mit der Umwelt, mit dem, was ist. Doch dieser \u00e4u\u00dferlich wahrnehmbare Akt ist nur ein Aspekt eines ganzheitlichen Prozesses. Denn das, was durch den K\u00f6rper agiert und kommuniziert, ist der Geist des Kindes \u2013 und er kommuniziert mit dem Geist der Umwelt. Die nat\u00fcrliche Umwelt hat dabei eine unverr\u00fcckbare nat\u00fcrliche Ordnung, die sich in ihrer offensichtlichsten Form als Naturgesetz darstellt. Jedoch auch das Wesen der Mitmenschen ist Teil dieser \u201eOrdnung\u201c der Umwelt, die das Kind pr\u00e4gt; der Geist des Kindes erbaut sich an dieser Ordnung. Und dieser Prozess hei\u00dft \u201elernen\u201c. Das kleine Kind agiert dabei vollkommen aus sich selbst heraus, ohne geplante Absichten und ohne \u00e4u\u00dfere Zw\u00e4nge, innerhalb des Rahmens, den die Eltern aufspannen. Die Wissensaneignung ist dabei sekund\u00e4r, sie ist Teil des Prozesses des Lernens, aber erh\u00e4lt keine besondere Aufmerksamkeit. Belohnung und Bestrafung mit Hinblick auf ein Ziel haben keinen Platz. Was aber eigentlich geschieht, ist die kontinuierliche Ausbildung geistiger Strukturen im Kind, die Ausbildung einer Struktur und Ordnung im Geist, die durch Eindr\u00fccke entsteht, die sich diesem Kindesgeist aus dem, \u201ewas ist\u201c, einpr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Wie ist es nun in der Natur? Der gesamte Prozess der Evolution kann als ein Prozess des Lernens aufgefasst werden. Es ist die fortw\u00e4hrende Verfeinerung geistiger Strukturen, die allem Ausdruck zu Grunde liegen und sich in dem Reich der Minerale, Pflanzen und Tiere in der Ausgliederung immer komplexerer Formen widerspiegeln. Die gesamte Erde kann dabei tats\u00e4chlich als <em>ein<\/em> K\u00f6rper angesehen werden, der auf immer vollkommenere Art versucht, einer alles durchdringenden sch\u00f6pferischen Kraft Ausdruck zu verleihen. So verstehen wir, dass Sch\u00f6pfung nicht abgeschlossen ist, sondern sich fortw\u00e4hrend vollzieht.<\/p>\n<p><strong>Institutionen des Lernens<\/strong><\/p>\n<p>Wie ist es nun in den Schulen und Institutionen des Lernens? In den meisten Universit\u00e4ten und Schulen lernen Studenten und Sch\u00fcler nicht, indem sie einem inneren, unbestimmten Drang der Neugier oder einem spielerischen Ergr\u00fcnden folgen. Diese intrinsische Motivation hat in vielen F\u00e4llen kaum Platz. Sie lernen vielmehr zumeist, weil sie das angeeignete Wissen f\u00fcr den einen oder anderen Nutzen gebrauchen sollen oder wollen, um eine gewisse Sache in der Zukunft zu erreichen. Im Mittelpunkt steht also nicht der Akt des Lernens selbst, sondern das erwartete, zuk\u00fcnftige und selbst projizierte Ziel. Der Impuls kommt von den Inhalten, die dem Denken von au\u00dfen aufgepr\u00e4gt werden und dem darauf gerichteten Verlangen, und nicht aus einer wortlosen Spontanit\u00e4t des Fragens. Das gilt auf gleiche Weise f\u00fcr das Aneignen von Wissen f\u00fcr eine gesellschaftliche Karriere, und es gilt sogar auch f\u00fcr das oft besser verschleierte Ziel einer spirituellen Karriere. Oft zwingen sich Menschen dabei dazu, gewisse Informationen auswendig zu lernen, fremdgesteuerte Inhalte zu konsumieren oder gewisse Verhaltensweisen aufrecht zu halten. Das darin enthaltene \u201eSollen\u201c oder \u201eM\u00fcssen\u201c ist stets ein Hinweis darauf, dass die grundlegende Atmosph\u00e4re und Geisteshaltung der vermeintlich Lernenden von fundamentaler Tr\u00e4gheit ist, die jede Aktivit\u00e4t zu einer Anstrengung und einer Form der Kontrolle werden l\u00e4sst. Dies deutet darauf hin, dass sich der jeweilige Mensch dieser Tr\u00e4gheit nie in liebender Aufmerksamkeit zugewendet hat, um sie im spielerischen Lernen zu verstehen und zu durchdringen.<\/p>\n<p>Der Prozess der Ausbildung geistiger Strukturen scheint bei vielen Erwachsenen oft fast zum Erliegen gekommen zu sein. Stattdessen werden die vorhandenen geistigen Strukturen aus Eigeninteresse mit weiterer Information aufgeladen. Dies ist, wenn man es genau betrachtet, ein selbstzerst\u00f6rerischer Prozess, denn Stagnation bedeutet Tod. Die Abwesenheit des wahren Lernens ist Stagnation.<\/p>\n<p><strong>Offen f\u00fcr das Unbekannte<\/strong><\/p>\n<p>Ein fundamentaler Teil der Ausbildung neuer, geistiger Strukturen \u2013 des Lernens \u2013 ist Neuheit. Das hei\u00dft, dass Handeln im Lernen, trotz einer vielleicht augenscheinlichen Wiederholung im \u00c4u\u00dferen, immer etwas Neues in sich tr\u00e4gt. Etwas, das nicht durch das Bekannte hervorgebracht wird, sondern das in einer gewissen Weise kreativ oder sch\u00f6pferisch ist. In diesem Zusammenhang k\u00f6nnen wir erkennen, dass der menschliche Geist im Wesentlichen zwei Arten der Aktivit\u00e4t kennt. Die erste ist eine Aktivit\u00e4t aus dem Bekannten heraus. Sie umfasst das Analysieren, das Interpretieren, das Vergleichen, das Wiedererkennen, das Spekulieren, das Bewerten oder das Projizieren und Imaginieren. All diese Aktivit\u00e4ten werden aus dem Fundus des Bekannten heraus getan. Die zweite Art der Aktivit\u00e4t beruht auf einer Offenheit f\u00fcr das Unbekannte \u2013 die manchmal auch als das Tun durch Nicht-tun bezeichnet wird. Zu dieser Offenheit geh\u00f6ren: sich wundern, fragen, still sein, ergr\u00fcnden, beobachten und die Wahrnehmung dessen, was ist, aus einem Geist heraus, der an keiner Schlussfolgerung oder Erinnerung festh\u00e4lt. Interessanterweise kann man diese zweite Form der Aktivit\u00e4t, wenn sie wahrhaftig ist, nicht beabsichtigen oder trainieren, sondern sie erschlie\u00dft sich immer wieder spontan von innen heraus, wie es bei kleinen Kindern der Fall ist.<\/p>\n<p>Man kann die Kunst des Lernens also als jene Kunst verstehen, die die \u00d6ffnung f\u00fcr das Sch\u00f6pferische erm\u00f6glicht. Im Prozess dieses Lernens, dieses Erkennens, welche stets eine Ber\u00fchrung mit der Harmonie der Ganzheit ist, bilden sich im menschlichen Geist und Wesen kontinuierlich neue Strukturen aus. Es geht dabei nicht um die Information des Erkannten, sondern um die Ausbildung geistiger Strukturen durch wahrhaftiges Erkennen. Der formulierte Inhalt der Information des Erkannten ist immer nur ein verg\u00e4nglicher Schatten des Erkennens und jegliche Wiederholung ist hierbei leblos. Die Ausbildung geistiger Struktur durch Erkenntnis hingegen ist Teil der Ewigkeit. Denn diese geistige Struktur entsteht nicht in einem getrennten Individuum, sondern in einem Teil der Ganzheit. Dieses Erkennen, das frei ist vom Bekannten und frei von Worten, ist unmittelbare Handlung. Sie negiert das Disharmonische und erm\u00f6glicht der Harmonie heiliger Sch\u00f6pfung immer vollkommenere Ausdrucksm\u00f6glichkeiten. So gebiert Nicht-Tun wahrhaftige Handlung frei von der Absicht eines Handelnden.<\/p>\n<p>Die Kunst des Lernens erschlie\u00dft sich also nicht durch den Willen, der eine Absicht verfolgt, sondern dort, wo das Verfolgen von Absicht in seiner dumpf klingenden Art erkannt wird und daher spontan verworfen wird. Aus der Kunst des Lernens er\u00f6ffnet sich eine Beziehung zur Ganzheit, deren fundamentales Wesen Liebe ist.<\/p>\n<p>Nun wollen wir zum Schluss noch einmal zu der Frage zur\u00fcckkehren: Was ist die Bewegung des Lernens? Ist es nicht so, dass Lernen da ist, wo das festhaltende Ich nicht ist? Doch wie kann da Verstehen stattfinden, wenn es keinen gibt, der erkl\u00e4rt? In urteilsloser Aufmerksamkeit erschlie\u00dft sich vollumf\u00e4ngliche Beziehung mit der Ganzheit, die ihre eigene Ordnung und Harmonie hat. Und an dieser heiligen Ordnung erbaut sich das Geistige, erbaut sich alles Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":8602,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-90497","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90497"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90497"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}