{"id":90322,"date":"2020-03-12T13:42:34","date_gmt":"2020-03-12T13:42:34","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/bob-dylan-interpret-des-zeitgeistes\/"},"modified":"2020-03-12T13:42:34","modified_gmt":"2020-03-12T13:42:34","slug":"bob-dylan-interpret-des-zeitgeistes","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/bob-dylan-interpret-des-zeitgeistes\/","title":{"rendered":"Bob Dylan \u2013 Interpret des Zeitgeistes"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Lehren der Esoterik wird das, was wir &#8222;Zeitgeist&#8220; nennen, durch interkosmische Strahlen verursacht, die auf die Menschheit einwirken und Impulse f\u00fcr ihre Entwicklung geben. Nur wenige besitzen die F\u00e4higkeit, diese Strahlen direkt wahrzunehmen und in ihrer Eigenart zu erkennen, aber die Mehrzahl der Menschen reagiert auf sie, und so sind die Zeichen eines sich entwickelnden Zeitgeistes kaum zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Ein markantes Beispiel f\u00fcr diese Zeichen sind die Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts: Die damaligen Teenager und die Zwanzigj\u00e4hrigen \u2013 die Generation also, die heute \u201edie Babyboomer&#8220; genannt wird \u2013 hielten die etablierte Ordnung f\u00fcr \u00fcberholt. Vor allem in den Studentenbewegungen wurde Partizipation und Demokratisierung gefordert. Die Lust am Protest ging Hand in Hand mit einem gro\u00dfen Optimismus f\u00fcr die Zukunft, der sich in der Flower-Power-Bewegung und in einem Lied aus dem Musical Hair (1967) widerspiegelte, das zum Nummer-Eins-Hit wurde: <em>Aquarius\/Let the sunshine in<\/em>.<\/p>\n<p>Es gab eine regelrechte Explosion jugendorientierter Musik \u2013 der Popmusik. Die Beatles, die 1962 mit <em>Love me do<\/em> den Durchbruch schafften, sind das unbestrittene Aush\u00e4ngeschild dieser neuen Musik. Auch die musikalische Karriere von Bob Dylan begann 1962. Am 2. Juli 1962 spielte der damals einundzwanzigj\u00e4hrige Dylan sein <em>Let me die in my footsteps<\/em> (<em>Ich will aufrecht sterben<\/em>):<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Vom Krieg wird geredet, die Vergangenheit beschworen,<\/em><\/p>\n<p><em>Und das Leben habe jeden Sinn verloren,<\/em><\/p>\n<p><em>Und manche sehen schon alles in Scherben,<\/em><\/p>\n<p><em>Statt leben zu lernen, lernen sie sterben,<\/em><\/p>\n<p><em>Ich will aufrecht sterben,<\/em><\/p>\n<p><em>Bevor ich unter der Erde verschwinde.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In denselben Jahren wiesen die Rosenkreuzer (Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri) auf ein neues interkosmisches Strahlungsfeld hin, das unsere Welt umfasst und eine ausreichende Intensit\u00e4t und Spannung erreicht hat, um wahrnehmbare, sichtbare, nachweisbare Wirkungen zu erzeugen; Wirkungen, die in ihrem Kontext eine vollst\u00e4ndige Umwandlung der Welt und der Menschheit ausl\u00f6sen werden, und dies in einem Zeitraum von relativ wenig Jahren.<\/p>\n<p>Sie strebten danach, eine Seelengemeinschaft vieler Gleichgesinnter herbeizuf\u00fchren. Das Lied <em>The Times They Are A-Changing<\/em> <em>(Es kommen ander<\/em>e <em>Zeiten)<\/em>, das Bob Dylan am 26. Oktober 1963 zum ersten Mal spielte (siehe Ausz\u00fcge im Kasten), klingt fast wie ein w\u00f6rtliches Echo des Rufs, der einige Monate zuvor im Rosenkreuzer-Konferenzzentrum Renova in den Niederlanden erklang. Bis zum 14. August 2009 spielte Dylan dieses Lied 633 Mal live. Es wurde als Single ver\u00f6ffentlicht und ist auch auf 18 LPs von Dylan zu finden und wurde millionenfach in der Welt verbreitet. Millionen Menschen haben zumindest Teile dieses Textes im Kopf.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend ist der Titel des Liedes eindeutig prophetisch: die Zeiten haben sich schnell und drastisch ge\u00e4ndert. Das Anbrechen \u201eeines neuen Tages&#8220; sch\u00fcrte Aufruhr, r\u00fcttelte das Sozialsystem auf und vermittelte das Gef\u00fchl, dass die gro\u00dfe M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein neues Miteinander vorhanden sind: Ja, k\u00f6nnen wir es! Die Sonne des Idealismus und Optimismus vertrieb dunkle Wolken des konservativen und materialistischen Denkens auf.<\/p>\n<p>Dylan besingt in seinem umfangreichen das Verg\u00e4ngliche und Relative des Lebens. In <em>Like a Rolling Stone<\/em> <em>(Wie ein rollender Stein)<\/em> aus dem Jahr 1965 skizziert er das Schicksal einer stolzen Dame aus wohlhabenden Kreisen, die nicht mehr weiter wei\u00df. Hoffnungslose Einsamkeit und Trostlosigkeit erklingen im Refrain:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Wie findest du das,<\/em><\/p>\n<p><em>So vollkommen allein,<\/em><\/p>\n<p><em>So anonym zu sein<\/em><\/p>\n<p><em>Wie ein rollender Stein?<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Im Jahr 1964 finden wir in <em>It&#8217;s Alright, Ma (Ist schon gut, Ma)<\/em> als eine Art Variante zum Buch Prediger (Altes Testament) die Zeilen:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Ich geh in Handschellen, geh fast daran ein,<\/em><\/p>\n<p><em>Strample und trete, um mich zu befrei\u2019n,<\/em><\/p>\n<p><em>Sag: na gut, ich geb auf, lass sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Was kannst du mir sonst noch geben?<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Lied <em>All Along the Watchtower (Oben auf dem Wachturm) <\/em>von 1965 beginnt mit dem Herzensschrei<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Hier muss es doch einen Ausweg geben<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>und sagt dann<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Es sitzt hier unter uns gar mancher, der meint,<\/em><\/p>\n<p><em>das Leben sei nur ein Witz.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch du und ich, wir kennen das, und unser Schicksal ist das nicht.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Song <em>Queen Jane Approximately (Queen Jane, ungef\u00e4hr)<\/em> von 1987 spricht davon, wie sich die Dinge st\u00e4ndig wiederholen und vom \u00dcberdruss:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Wenn <em>du deiner selbst und deiner Kreationen leid bist<\/em>, \u2026<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Und er spricht von der Verg\u00e4nglichkeit:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Der Duft ihrer Rosen stellt sich nicht mehr ein, <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>und davon,<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>dass du drastischere Schritt unternehmen sollst.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es gibt definitiv einen \u201eAusweg&#8220;, ein Hinwegkommen \u00fcber Wiederholung, Langeweile und Verfall. Aber es erfordert eine drastische Entscheidung, von innen heraus, eine klare Hinwendung zu einem neuen Schwerpunkt, wie Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri es 1963 formulierten.<\/p>\n<p>Dylan geh\u00f6rte zu denen, die sp\u00fcrten: \u201eEs kommen andere Zeiten\u201c. Seine Botschaft und seine Vision eines neuen Miteinander kamen aus der Mitte der Bewegung, die sich damals erhob. Sie kamen \u201evon innen&#8220;. Diese Generation ist inzwischen ergraut. Aber auch heute noch, und auch wieder neu, gilt die Vision:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Kommt n\u00e4her, ihr Leute,<\/em><\/p>\n<p><em>Wo immer ihr seid<\/em><\/p>\n<p><em>Und gesteht, dass rings um euch<\/em><\/p>\n<p><em>Die Flut h\u00f6her steigt<\/em><\/p>\n<p><em>Und findet euch damit ab,<\/em><\/p>\n<p><em>Bald klatschnass zu sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenns euch drum geht,<\/em><\/p>\n<p><em>Nochmal davon zu kommen,<\/em><\/p>\n<p><em>Dann fangt besser an zu schwimmen,<\/em><\/p>\n<p><em>Oder ihr sinkt wie ein Stein,<\/em><\/p>\n<p><em>Denn es kommen andere Zeiten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Denn noch dreht sich das Rad,<\/em><\/p>\n<p><em>Und wer wei\u00df, auf wessen Namen<\/em><\/p>\n<p><em>Es am Ende wird zeigen.<\/em><\/p>\n<p><em>Denn der Verlierer von heute<\/em><\/p>\n<p><em>Wird der Gewinner von morgen sein,<\/em><\/p>\n<p><em>Denn es kommen andere Zeiten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Kommt, M\u00fctter und V\u00e4ter<\/em><\/p>\n<p><em>Im ganzen Land<\/em><\/p>\n<p><em>Und kritisiert nicht, was<\/em><\/p>\n<p><em>Euch geht \u00fcber den Verstand.<\/em><\/p>\n<p><em>Eure S\u00f6hne und T\u00f6chter<\/em><\/p>\n<p><em>Sind euch davongerannt.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit eurem alten Weg<\/em><\/p>\n<p><em>K\u00f6nnt ihr nur scheitern.<\/em><\/p>\n<p><em>Bitte versperrt nicht den neuen,<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn ihr nicht mit anpacken k\u00f6nnt,<\/em><\/p>\n<p><em>Denn es kommen andere Zeiten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Linie ist gezogen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Fluch ist gesprochen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wer heut noch gekrochen,<\/em><\/p>\n<p><em>Der kommt morgen geflogen.<\/em><\/p>\n<p><em>Was heute noch gilt,<\/em><\/p>\n<p><em>Das hat morgen verspielt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Reihenfolge \u00e4ndert sich<\/em><\/p>\n<p><em>Und kommt rasch ins Gleiten.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Erste von heute<\/em><\/p>\n<p><em>Wird einmal der Letzte sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Denn es kommen andere Zeiten.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>(The Times They Are A-Changin&#8216;)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die deutschen Nachdichtungen stammen von Carl Weissner und Walter Hartmann in: Bob Dylan Songtexte 1962-1985, Verlag Zweitausendeins, 1987<\/p>\n","protected":false},"author":923,"featured_media":8098,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-90322","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90322","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/923"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90322"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90322"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90322"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90322"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}