{"id":90314,"date":"2020-02-29T08:58:14","date_gmt":"2020-02-29T08:58:14","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/katharisches-erbe-teil-3-auch-die-katharer-waren-christen\/"},"modified":"2020-02-29T08:58:14","modified_gmt":"2020-02-29T08:58:14","slug":"katharisches-erbe-teil-3-auch-die-katharer-waren-christen","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/katharisches-erbe-teil-3-auch-die-katharer-waren-christen\/","title":{"rendered":"Katharisches Erbe Teil 3: Auch die Katharer waren Christen"},"content":{"rendered":"<p>In der Rosenkreuzerschrift <em>Fama Fraternitatis<\/em> wird beschrieben, wie die Br\u00fcder des Rosenkreuzes auf eine verborgene T\u00fcr stie\u00dfen, nachdem sie einiges Mauerwerk beseitigt hatten. Sie fanden darauf die Inschrift:<\/p>\n<p><em>\u201eNach einhundertzwanzig Jahren werde ich offen sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Man sagt, dass Christian Rosenkreuz im Jahre 1684 gestorben ist und sich im Jahre 1604 f\u00fcr diejenigen, die dazu zubereitet waren, eine T\u00fcr zur geistig-seelischen Welt \u00f6ffnete. Die Zahl 120 kann aber auch symbolisch gedeutet werden als der immer wiederkehrende Zeitpunkt, in dem sich nach ausreichender Vorbereitung eine solche T\u00fcr \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Wie ein Abglanz davon geschah \u00c4hnliches am 16. Oktober 2016 im Ort Monts\u00e9gur in S\u00fcdfrankreich. Die katholische Kirche schrieb an diesem Tag Geschichte. Sie gelangte zu der Erkenntnis:<\/p>\n<p><strong><em>Auch die Katharer waren Christen<\/em><\/strong><em>.<\/em><\/p>\n<p>An jenem Sonntag in Monts\u00e9gur entschuldigte sich Jean-Marc Eychenne, der Bischof des Bistums Pamiers, im Namen der franz\u00f6sischen katholischen Kirche in Okzitanien \u00f6ffentlich f\u00fcr die Beteiligung an den Kreuzz\u00fcgen der Inquisition.<\/p>\n<p>Die von der Orthodoxie abweichenden Auslegung der christlichen Botschaft durch die Menschen in Okzitanien f\u00fchrte im 12. Jahrhundert zu dem grausamsten Glaubenskrieg der europ\u00e4ischen Geschichte. Die damaligen weltlichen und geistlichen Herrscher f\u00fchrten einen vernichtenden Kreuzzug gegen Katharer und Albigenser, die sogenannten Ketzer in S\u00fcdfrankreich. Allein in Beziers sollen 1209 n. Chr. mindestens 20.000 Menschen an einem Tag hingerichtet worden sein.<\/p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt der Vernichtung und Zerschlagung der Parfaits erfolgte mit der Verbrennung der letzten Katharer am Fu\u00df der Burg Monts\u00e9gur. Diese Burg z\u00e4hlte zum Hauptzentrum der Katharer (1204-1244). Hier konnten sie sich vor ihren Verfolgern eine Zeit lang in Sicherheit w\u00e4hnen. Nach der Belagerung von 1243 bis 1244 ergaben sich die ca. 225 Frauen und M\u00e4nner. Vor den Augen der Inquisition schritten sie am 16. M\u00e4rz 1244 den steilen Hang hinab, um den Scheiterhaufen (La Prada) am Fu\u00df der Burg Monts\u00e9gur zu betreten. Wie leicht h\u00e4tten sie ihr Leben retten k\u00f6nnen, h\u00e4tten sie nur ihrem Glauben abgeschworen. Stattdessen w\u00e4hlten sie den M\u00e4rtyrertod, so wie viele andere Katharer vor ihnen.<\/p>\n<p>Ein Troubadour, der Zeitzeuge dieses Geschehens war, schrie die Prophezeiung heraus:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Nach 700 Jahren wird der Lorbeer wieder bl\u00fchen!<\/em> <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Monts\u00e9gur<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>O, heiliger Ort unserer Streiter,<\/em><\/p>\n<p><em>du, erbaut von Esclarmonde, dem Himmel nah.<\/em><\/p>\n<p><em>O, Tabor der Troubadoure, Ritter und Verbannten,<\/em><\/p>\n<p><em>wie stehst du stolz auf hohem, steilen Felsen da!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>O, ruhmreiches Grab aus Okzitaniens Glorienzeit, <\/em><\/p>\n<p><em>rot rann das Blut der V\u00e4ter von deinen Mauern.<\/em><\/p>\n<p><em>Und nun eingest\u00fcrzt, vom Dach befreit,<\/em><\/p>\n<p><em>lehrst du, o Seele des Midi, uns das Bedauern-<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Doch nach 700 Jahren wird der Lorbeer wieder bl\u00fchen<\/em><\/p>\n<p><em>auf der Asche der M\u00e4rtyrer, die dunkles Vergessen<\/em><\/p>\n<p><em>brachte \u00fcber so viele gl\u00fcckliche Tage!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>So rage stets stolz auf deiner steilen H\u00f6he.<\/em><\/p>\n<p><em>Dem Wetter, dem Donner und dem Winter drohe:<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eMein Fels wird ewig ragen,<\/em><\/p>\n<p><em>kommt nur, wollt ihr es wagen?\u201c <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wahr wurde die Prophezeiung durch Antonin Gadal (1877-1962), den H\u00fcter des Katharer-Erbes in S\u00fcdfrankreich. Er \u00fcbertrug dieses Erbe an Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri, die geistigen Leiter des Lectorium Rosicrucianum. Zum Gedenken an den \u201eDreibund des Lichtes\u201c &#8211; Gral, Katharer, Rosenkreuz &#8211; errichteten Gadal, van Rijckenborgh und de Petri das Monument Galaad im Tal der Ari\u00e9ge und weihten es am 5. M\u00e4rz 1957 feierlich ein.<\/p>\n<p>An diesem Ort wurden ab 1986 alle f\u00fcnf Jahre internationale Konferenzen des Lectorium Rosicrucianum abgehalten (insgesamt sechs mal) mit jeweils ca. 2.000 Teilnehmern aus aller Welt.<\/p>\n<p>In Gedanken an all das sa\u00df ich am Sonntag, dem 16. Oktober 2016 auf dem Dorfplatz in Monts\u00e9gur. Die herbstliche Sonne \u00fcberzog den Ort mit einem goldenen Schleier und gab der Landschaft ein m\u00e4rchenhaftes Aussehen. Ich f\u00fchlte, wie Zeit und Raum ineinander flossen. Viele Menschen waren um mich herum, im Hier und Jetzt. Vielleicht hatten andere ebenfalls die Empfindung, als ber\u00fchre uns die Kette der gnostischen Bruderschaften, die alle Zeiten \u00fcberdauert. Katholiken, Katharer, Rosenkreuzer und viele andere f\u00fchlten sich ergriffen. Gro\u00dfartig und unbeschreiblich war dieses Erlebnis.<\/p>\n<p>Der Bischof des Bistums Pamiers, ein gro\u00dfer, schlanker Mann mit einem sympathischen Auftreten, hielt eine ergreifende Rede in der zum Bersten gef\u00fcllten Dorfkirche. Die \u00fcbrigen Besucher konnten die Feier auf dem Dorfplatz vor der Kirche \u00fcber die Lautsprecher miterleben.<\/p>\n<p>Es war keine Messe, sondern eine spezielle Liturgie mit verschiedenen Ansprachen. Der Bischof sprach die Bitte um Verzeihung im Namen der Kirche von Ari\u00e8ge aus. Die Bitte um Vergebung wurde an Gott gerichtet, ebenso das Bedauern \u00fcber die Machenschaften, welche damals zwischen der weltlichen und geistlichen Obrigkeit stattfanden.<\/p>\n<p>Hier ein Auszug aus der Ansprache des Bischofs:<\/p>\n<p><em>\u201eUnter der Asche ist die Glut noch hei\u00df. Das Feuer der Ungerechtigkeit brennt noch. Wir haben den Wunsch nach Gerechtigkeit und Frieden. Wir fordern die F\u00e4higkeit zu weinen, das Eis unserer Gleichg\u00fcltigkeit zu brechen, damit der Regen die Tr\u00e4nen und das Feuer l\u00f6schen kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der bisch\u00f6fliche Sprecher betonte: <em>\u201eDas war ein Fehler, sich mit der damaligen weltlichen Macht zu verb\u00fcnden.\u201c <\/em>In seiner Mitteilung an die Kirche von Ari\u00e8ge hei\u00dft es weiter:<\/p>\n<p><em>\u201eWir bitten den Herrn um Vergebung daf\u00fcr, dass wir gegen das Evangelium gehandelt haben, ein Evangelium, in dem uns Jesus der Herr gebietet, unseren N\u00e4chsten zu lieben und auf Gewalt niemals mit Gewalt zu antworten.\u201c <\/em>Hierzu ist anzumerken, dass niemals Gewalttaten von den Katharern ausgingen.<\/p>\n<p>Die Ansprachen wurden von mittelalterlichen Ges\u00e4ngen und Rhythmen begleitet.<\/p>\n<p>Einmalig war das katharische Vaterunser: Zum ersten Mal wurde es in der \u00d6ffentlichkeit vorgetragen, und zwar von der S\u00e4ngerin Muriel Batbie. Weit schallte es \u00fcber die Lautsprecher ins Tal, sodass ein heimischer Esel \u2013 von dem Gesang inspiriert \u2013 seine I-Ah\u00b4s hinzuf\u00fcgte.<\/p>\n<p>An der Veranstaltung nahmen ca. 600 Personen teil. Es war eine bunte Gesellschaft, einige waren in mittelalterliche Trachten geh\u00fcllt. \u00dcberall sah man rote Fahnen mit dem goldenen Katharerkreuz.<\/p>\n<p>Nach einst\u00fcndiger Feier in der Kirche gingen wir gemeinsam schweigend und mit Lorbeerzweigen in den H\u00e4nden auf die H\u00f6hen des Dorfes zu jenem Platz, wo vermutlich einst der Scheiterhaufen aufgerichtet war.<\/p>\n<p>Dort ert\u00f6nte Musik aus mittelalterlichen Instrumenten; die Tradition Okzitaniens wird auch heute noch gepflegt. Die \u201eHymne der Katharer\u201c wurde von uns allen mitgesungen.<\/p>\n<p>Gedankenverloren sa\u00dfen wir noch lange am Fu\u00df des Monts\u00e9gur und lauschten einem einsamen Fl\u00f6tenspieler, der sich auf einer naheliegenden Wiese befand. Erst als die Sonne am Horizont verschwand, traten wir den Heimweg an und lie\u00dfen beim gemeinsamen Abendessen in unserem romantischen Turmhaus in Tarascon diesen denkw\u00fcrdigen Tag ausschwingen.<\/p>\n<p>Es war der 120. Geburtstag Jan van Rijckenborghs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Videos:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=62_w9Z_ABY8%22%20%5Ct%20%22_blank\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=62_w9Z_ABY8<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=itU43GDtgzk%22%20%5Ct%20%22_blank\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=itU43GDtgzk<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8PIsKyAIc-k%22%20%5Ct%20%22_blank\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8PIsKyAIc-k<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HTb1vqxn5uA%22%20%5Ct%20%22_blank\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HTb1vqxn5uA<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A8vxXhrtsTE%22%20%5Ct%20%22_blank\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A8vxXhrtsTE<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Antonin Gadal <em>Der Triumph der Universellen Gnosis<\/em>, Amsterdam 2006, Seite 37<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> \u00dcbersetzung eines Gedichtes von H. Teuli\u00e9, 1893<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":8080,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-90314","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90314","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8080"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90314"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90314"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90314"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90314"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}