{"id":90213,"date":"2020-01-29T17:11:44","date_gmt":"2020-01-29T17:11:44","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/europa-ein-abenteuer\/"},"modified":"2020-01-29T17:11:44","modified_gmt":"2020-01-29T17:11:44","slug":"europa-ein-abenteuer","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/europa-ein-abenteuer\/","title":{"rendered":"Europa \u2013 ein Abenteuer"},"content":{"rendered":"<p>Europa ist ein Ort vereinter Nationen. Und es ist viel mehr. Hinter der Europahymne verbirgt sich die Vorstellung eines Menschen, der durch den \u201eSternenhimmel&#8220; wandert und dabei mit seiner Sehnsucht nach einer g\u00f6ttlichen Identit\u00e4t konfrontiert wird. Mit dieser Sehnsucht strebt er nach einer Quelle, die alles von au\u00dferhalb des Sternenhimmels tr\u00e4gt. Ein solches alchemistisch-hermetisches Menschenbild durch die Europahymne inmitten einer Staatengemeinschaft zu etablieren, ist ein spannendes Abenteuer.<\/p>\n<p>Diesen Menschen beschreibt Friedrich Schiller in seinem Gedicht <em>Ode an die Freude<\/em>. Teile davon wurden sp\u00e4ter von Ludwig van Beethoven im letzten Satz der 9. Sinfonie vertont. Das Hauptthema dieses Satzes hat die europ\u00e4ische Staatengemeinschaft 1972 zur Europahymne erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Eine Hymne ist ein Lobgesang. Die Europahymne richtet ihren Lobgesang an den Menschen und erkl\u00e4rt ihn zu einem besonderen Helden. Es w\u00e4re interessant, sich vorzustellen, wie ein Europa voll solcher Helden aussehen w\u00fcrde. Sie w\u00fcrden vielleicht die Welt aus den Angeln heben, die darauf beruht, dass Idealit\u00e4t und Realit\u00e4t nicht nebeneinander bestehen k\u00f6nnen. Denn gerade die Tatsache, dass in unserer Welt Realit\u00e4t und Idealit\u00e4t nicht deckungsgleich sind, treibt die Entwicklung voran. Unz\u00e4hlige kulturelle Ans\u00e4tze setzen sich mit dieser Herausforderung in der menschlichen Entwicklung auseinander. Einer von ihnen ist die Alchemie. Obwohl heute fast vergessen, hat sie die Menschheit Jahrtausende lang mit ihrer universellen Weisheit begleitet.<\/p>\n<p>Wer sich intensiver mit der Alchemie besch\u00e4ftigt und mit der ihr zugrunde liegenden hermetischen Denktradition vertraut ist, erkennt in ihr eine starke geistige Str\u00f6mung, die fester Bestandteil der europ\u00e4ischen Kulturtradition ist. F\u00fcr den heutigen rational und manchmal oberfl\u00e4chlich denkenden Menschen w\u00fcrde eine Geschichte \u00fcber Alchemie wahrscheinlich wie folgt beginnen:<\/p>\n<p><strong>Alchemie und Goldmachen<\/strong><\/p>\n<p>In einem dunklen Haus am Ende der Stra\u00dfe wohnte der Alchimist. Keiner kannte ihn richtig und selten traf man ihn. Er war \u00f6fters nachts unterwegs, wenn er bei Vollmond Pflanzen oder Kiesel sammelte. Man sagte, er w\u00fcrde f\u00fcr den K\u00f6nig arbeiten. Denn Labor und Haus, in dem er arbeitete, geh\u00f6rten zum Palast. Der Alchemist hatte dem K\u00f6nig versprochen, Gold herzustellen. Die Leute bel\u00e4chelten ihn, hatte man doch schon oft von derlei K\u00fcnsten geh\u00f6rt, aber geschafft hatte es noch keiner. Dennoch schlich so mancher nachts mit gierigen Augen um das Haus herum &#8230;<\/p>\n<p>Auch heute l\u00e4cheln noch viele, wenn sie von der Alchemie h\u00f6ren. Es gab im Mittelalter und in der Renaissance viele von diesen \u201eGoldmachern\u201c. Sie suchten fieberhaft nach dem Stein der Weisen, um reich zu werden.<\/p>\n<p>Heute haben wir die gro\u00dfen globalen Finanzsysteme, und t\u00e4glich wird in den Medien der Goldpreis genannt. Die Goldreserven spielen eine entscheidende Rolle im System des modernen \u201eGoldmachens\u201c. Das Finanzsystem ist Teil des Herzens Europas. Der Mensch ist heute n\u00fcchterner geworden, aber ist ihm damit auch die alchemistische Gier nach Gold fremd geworden?<\/p>\n<p>Die Finanzsysteme mit ihren Skandalen zeigen uns, dass die Goldgier heute nur einen anderen Mantel tr\u00e4gt. Mehr Menschen als je zuvor besch\u00e4ftigen sich mit dem Erzeugen \u201eniederen Goldes\u201c. Und so mancher von ihnen hat mit dem alchemistischen Scharlatan von einst vieles gemeinsam.<\/p>\n<p><strong>Die geistige Essenz<\/strong><\/p>\n<p>Der ernsthafte hermetisch denkende Alchemist verfluchte das \u201eniedere Goldmachen\u201c. Denn es brachte eine universelle Wissenschaft in Misskredit. Die Hermetik vereinigte Astronomie, Astrologie, Kunst, Wissenschaft, Philosophie und Religion zu einem System mit praktischer Anwendung. F\u00fcr sie war \u201eder Stein der Weisen\u201c ein spezieller Zustand der Seele, in dem geistiges bzw. h\u00f6heres Gold entstehen konnte. Besonders C.G. Jung hat im letzten Jahrhundert den seelisch-geistigen Aspekt der Alchemie hervorgehoben. Er betonte, dass die alchemistischen Schriften voll von Bildern und Symbolen sind.<\/p>\n<p>\u201eNimm den Drachen und lass ihn Sonne und Mond vertilgen.\u201c \u2013 Wer das in einer alten alchemistischen Schrift liest, muss dieses Bild erst einmal auf sich wirken lassen und dann entscheiden, ob er nach einer chemischen oder einer seelischen L\u00f6sung sucht. Er kann in dem Drachen die S\u00e4ure erkennen, die Gold und Silber aufl\u00f6st. Er kann ihn aber auch als m\u00e4chtiges menschliches Seelenwesen begreifen. In diesem Fall bekommt der Drache als Symbol eine Doppeldeutigkeit. Es kann mit ihm sowohl die goldgierige Seele des Materialisten gemeint sein, der dunkle, b\u00f6se Drache, der Gold und Silber verschlingt, als auch der verwandelte, goldene Drache, der diese Welt aus den Angeln hebt, indem er die Sonne und den Mond verschlingt.<\/p>\n<p>Zuerst sehen wir den gefallenen, b\u00f6sen Drachen und dann den erl\u00f6sten, goldenen Drachen. Dieser ist das Symbol f\u00fcr den Menschen, der in den Frieden eintaucht. Er betritt das himmlische Heiligtum, das die ganze Welt des \u201eb\u00f6sen oder dunklen Drachens\u201c bewacht. Der Drache ist also das Symbol sowohl f\u00fcr den irdischen als auch f\u00fcr den himmlischen Menschen. Auch in Beethovens neunter Sinfonie, die auf Friedrich Schillers Gedicht &#8222;Ode an die Freude&#8220; basiert, begegnen wir dem himmlischen Menschen. Dem irdischen oder materiellen Aspekt des Alchemisten begegnen wir t\u00e4glich in unseren Finanzsystemen. Beide Welten spiegeln sich in der Natur des Menschen, denn er ist zweifach.<\/p>\n<p><strong>Das Wesen der Alchemie<\/strong><\/p>\n<p>Das Wesen der Alchemie ist ebenfalls zweifach, wie die Seele des Menschen, symbolisiert durch die beiden Drachen. Den zwei unterschiedlichen Seelenbereichen entsprechen zwei Arten der Wahrnehmung. Der himmlische Mensch sieht die Welt anders:<\/p>\n<p><strong>\u201e<\/strong><em>Wir k\u00f6nnen die Welt als aus einer einzigen Ursubstanz bestehend betrachten, die sich in verschiedenen Schwingungen befindet. Die Verschiedenartigkeit dieser Schwingungen ist die Grundlage aller sichtbaren und unsichtbaren Formenbildung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mit dieser kurzen Aussage fasst der Theosoph Dr. Franz Hartmann das Wesen der Alchemie zusammen. In dieser Sicht zeigt sich nicht nur eine Wissenschaft, ein Instrument, um Gold aus unedlen Metallen herzustellen. Sie ist vor allem eine bestimmte Haltung dem Leben gegen\u00fcber und eine Sicht auf die Welt, in der das ewige Werden durch die Formenbildung sichtbar wird. Diese Art der Alchemie er\u00f6ffnet dem Menschen die M\u00f6glichkeit zu erfassen, \u201ewas die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt\u201c. Sinnbildlich ist dies der Goldenen Drache, der den dunklen Drachen bewacht. Es ist der Goldene Drache, der den Menschen verwandelt und in das himmlische Heiligtum <s>zu<\/s> tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Diese zweifache Sicht der Alchemie hat ihre Wurzeln im hermetischen Denken. Der erste Alchemist und gleichzeitig Vater von ihnen allen ist Hermes Trismegistos, der \u201eDreimal Gro\u00dfe Hermes\u201c. Die moderne Forschung geht davon aus, das der Name lediglich ein Pseudonym ist, unter dem Generationen von Philosophen ihre Gedanken ver\u00f6ffentlicht haben.<\/p>\n<p>Das h\u00f6chste Ziel der Alchemie ist die Herstellung des Steins der Weisen. Im Innersten des Menschen hergestellt, konzentriert sich in ihm die h\u00f6chste Weisheit des himmlischen Menschen. Die Alchemie ist eine Br\u00fccke zwischen zwei Welten. Der Stein der Weisen macht die Kr\u00e4fte des himmlischen Menschen in unserer Welt als Gedanke, Wort und Symbol fassbar. Mit dem Stein der Weisen beginnt die Transformation unseres irdischen Wesens und neben dem \u201ehorizontalen\u201c Denken wird das \u201evertikale\u201c Denken erfahrbar. In diesem Moment steht der Mensch an einer Schwelle, an der er die tiefen grundlegenden Fragen seiner Existenz nicht mehr ignorieren kann.<\/p>\n<p><strong>Vertikales und horizontales Denken<\/strong><\/p>\n<p>Der ungarische Schriftsteller S\u00e1ndor M\u00e1rai beschreibt in seinen Betrachtungen \u00fcber Himmel und Erde den zweifachen Menschen:<\/p>\n<p><em>Der Durchschnittsmensch, der schmalspurige und bequeme Denker, sieht und empfindet die Welt horizontal. Ein Mensch, der Mut genug hat, die Wirklichkeit zu begreifen \u2013 er sieht die kleine und die gro\u00dfe Welt vertikal. Die zwei Betrachtungsweisen sind nie deckungsgleich, aber irgendwo an einem einzigen Schnittpunkt sto\u00dfen sie aufeinander. Dieser Schnittpunkt ist manchmal das Kreuz und manchmal der Scheiterhaufen.<\/em><\/p>\n<p>(S\u00e1ndor M\u00e1rai, <em>Himmel und Erde<\/em>, M\u00fcnchen 2001)<\/p>\n<p>Der Alchemist, der dem materiellen Gold nachjagt, hat vieles mit dem horizontal denkenden Menschen gemeinsam. Er glaubt allein an das, was er sinnlich erfassen kann. Alles andere gibt er schnell der L\u00e4cherlichkeit preis. Er sucht nach Anerkennung, Macht, Ruhm, Reichtum und nach einem unbeschwerten Leben. Den vertikal denkenden Menschen besch\u00e4ftigen die fundamentalen Fragen des Lebens. Er untersucht in unserer Welt nicht nur die quantitative Struktur der Materie, wie wir es heute von unseren Naturwissenschaften gewohnt sind. F\u00fcr ihn sind auch die Zusammenh\u00e4nge, die wir Leben nennen, ihre Qualit\u00e4t und ihre Wandlungsmuster interessant.<\/p>\n<p><strong>Das moderne Gesicht Europas<\/strong><\/p>\n<p>Die Sicht des vertikal denkenden Alchemisten spielt im heutigen Europa keine erkennbare Rolle. Das Herz Europas besteht aus konkurrierenden Wirtschafts- und Finanzsystemen. Fachbegriffe wie Handelskrieg, feindliche \u00dcbernahme etc. zeigen den Charakter dieses Herzens. Die Gier nach Geld bzw. nach Gold und das niedere \u201eGoldmachen\u201c herrschen vor. Sie sind die Folgen einer materialistischen Sicht auf die Wirklichkeit.<\/p>\n<p><strong>Die Europahymne und die geistige Alchemie <\/strong><\/p>\n<p>Diese Sicht ist indes nicht die einzige. Nach Paracelsus gibt es in der Laborarbeit die untere und \u2013 auf der Grundlage der hermetischen Philosophie \u2013 die obere Alchemie. Keine ist ohne die andere m\u00f6glich.<\/p>\n<p>So kennt auch Europa mit seinen Finanzsystemen und dem allt\u00e4glichen gesellschaftlichen Treiben die untere Alchemie. In dem alchemistisch-freimaurerischen Menschenbild, das der Europahymne zugrunde liegt, kommt die obere Alchemie zum Ausdruck. Die Hymne r\u00fcckt den Menschen in die Mitte der Gesellschaft.<\/p>\n<p><em>Freude, sch\u00f6ner G\u00f6tterfunken,<\/em><\/p>\n<p><em>Tochter aus Elysium,<\/em><\/p>\n<p><em>Wir betreten feuertrunken,<\/em><\/p>\n<p><em>Himmlische, dein Heiligtum.<\/em><\/p>\n<p><em>Deine Zauber binden wieder,<\/em><\/p>\n<p><em>Was die Mode streng geteilt,<\/em><\/p>\n<p><em>Alle Menschen werden Br\u00fcder,<\/em><\/p>\n<p><em>Wo dein sanfter Fl\u00fcgel weilt<strong>.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>In seiner <em>Ode an die Freude<\/em> beschreibt Schiller sowohl die kleine Welt des Menschen, die aus Himmel und Erde besteht und vom horizontalen Denken beherrscht wird. Gleichzeitig beschreibt er aber auch die Welt oberhalb des Sternenzeltes mit seinem Himmel \u00fcber dem Himmel. Dieser ist das Ziel des vertikal denkenden Menschen. Er durchst\u00f6\u00dft als Himmelswanderer das Sternenzelt, um in einer anderen Welt zu erwachen und bewusst zu werden.<\/p>\n<p>Wie lange braucht ein Mensch, um sich vom vertikalen Denken ber\u00fchren zu lassen? Was passiert, wenn das vertikale Denken die horizontale Erlebnisstruktur ersch\u00fcttert? Dem Europ\u00e4er stehen mit seiner modernen Gesellschaft und dem Menschenbild in seiner Hymne jeden Tag zwei T\u00fcren offen. Er selbst ist der Schnittpunkt dieser beiden Welten, und so steht er in seinem Leben immer wieder mal vor dem Kreuz, das ihn zum Himmel emporhebt, und mal vor dem Scheiterhaufen, auf dem alles verbrennt, was sich nicht mit dem wirklichen Menschen vertr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":922,"featured_media":7792,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-90213","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/922"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7792"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90213"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90213"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}