{"id":90155,"date":"2020-01-18T14:54:57","date_gmt":"2020-01-18T14:54:57","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/der-riss-im-vorhang-von-der-prinzessin-und-dem-nicht-mehr-so-lieben-gott\/"},"modified":"2020-01-18T14:54:57","modified_gmt":"2020-01-18T14:54:57","slug":"der-riss-im-vorhang-von-der-prinzessin-und-dem-nicht-mehr-so-lieben-gott","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/der-riss-im-vorhang-von-der-prinzessin-und-dem-nicht-mehr-so-lieben-gott\/","title":{"rendered":"Der Riss im Vorhang. Von der Prinzessin und dem nicht mehr so lieben Gott"},"content":{"rendered":"<p>Nein, eine Prinzessin war ich nicht, so wie ich dastand: etwa f\u00fcnf, sechs Jahre alt, etwas pummelig, ziemlich klein, mit Sommersprossen im Gesicht und sch\u00fcchtern im Herzen, mit langen dunklen Spaghettihaaren. Wie schon so viele Male, war ich mit meinen Freunden zusammen. Innerlich immer ein wenig einsam, anders als die anderen, worin auch immer. Es war Sommer, wir hatten den ganzen Vormittag auf dem Sandweg spielt, der an unseren G\u00e4rten vorbeif\u00fchrte.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u201eDu bist eigentlich eine Prinzessin.\u201c Auf einmal war diese Stimme, dieses Wahrnehmen da.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es waren vielleicht keine konkreten Worte, die ich vernommen hatte, sondern eher die Idee, die dahinter liegt und f\u00fcr die ich keine andere, treffendere Deutung zur Verf\u00fcgung hatte.<\/p>\n<p>Aber es stimmte, ich bin etwas Besonderes \u2013 jedoch nicht in einem bl\u00f6den, arroganten, sondern in einem richtigen Sinn. Mir wurde etwas mitgeteilt, das ich als wahr anerkennen durfte und musste. Nichts, was einen in der Welt auszeichnet. Aber etwas, das einem eine Verbindung offenbart, die Verbindung zu einem anderen Sein. Vielleicht wurde das allen Menschen mitgeteilt!?<\/p>\n<p>Von au\u00dfen betrachtet, verhielten die anderen sich allerdings nicht so. Ich mich aber auch nicht, also konnte das allein kein Kriterium sein. Ich empfand die Menschen nicht als gleichartig. Und so blieb ich allein \u2013 zumindest innerlich. Ich wagte es nicht, meine Sehnsucht, meine Einsamkeit und mein Erkennen mit jemandem zu teilen. Es gab sich niemand als gleichartig zu erkennen und mir h\u00e4tten auch die Worte gefehlt \u2026<\/p>\n<p><strong>Andere Welten<\/strong><\/p>\n<p>Mit acht oder neun Jahren machte ich mit meinem Stiefvater und meiner Mutter einen Fahrradaus\ufb02ug. Das taten wir an vielen Wochenenden und ich mochte es sehr, dahinzugleiten und die Welt zu be\u00e4ugen. Auf einer langen Stra\u00dfe, ganz beil\u00e4u\ufb01g, wie selbstverst\u00e4ndlich, war es auf einmal da, dieses Bild, diese Impression: ein gigantisches Geb\u00e4ude, direkt neben mir. Die Fassade ragte nicht senkrecht in die H\u00f6he, sondern verj\u00fcngte sich nach oben hin leicht und war aus hellen, cremefarbenen Steinen erbaut, die in dem Licht einer glei\u00dfenden Sonne erstrahlten.<\/p>\n<p>Obwohl dies nicht das Geringste mit einem Tagtraum zu tun hatte, sondern die Wahrnehmung so real war wie die gewohnte Welt um mich herum, war es doch nichts, was ich jemandem erz\u00e4hlen konnte. Es war, als w\u00e4ren Risse in meinem eigenen System entstanden.<\/p>\n<p>Das Prinzessinnen-Erlebnis war ein Riss in den Vorh\u00e4ngen, die das Innere verh\u00fcllen. &nbsp;<\/p>\n<p>Dies nun war der Riss nach au\u00dfen hin. Er brachte mir Gewissheit! Es gibt andere R\u00e4ume, ein gr\u00f6\u00dferes Sein, das allerdings nicht mit den gew\u00f6hnlichen Sinnen erfahren werden kann.<\/p>\n<p>Mit diesem Erleben war ein Schrecken verbunden, denn die Welt war nun unberechenbarer f\u00fcr mich geworden. Doch bei weitem \u00fcberwog die Erleichterung, das Aufatmen, denn eine erahnte Perspektive begann sich zu offenbaren, bot Potential zur Entfaltung, zur Heilwerdung.<\/p>\n<p><strong>Der nicht mehr ganz so liebe Gott<\/strong><\/p>\n<p>Einige Jahre sp\u00e4ter, als Jugendliche, besuchte ich in der Schule die Philosophie-AG, freiwillig, am Nachmittag beim Religionslehrer. Was fanden sich da f\u00fcr Typen zusammen \u2013 alle intellektuell bem\u00fcht, alle ein wenig verschroben, alle ein bisschen alternativ und doch sehr individuell. Ich liebte es. Es bescherte mir gro\u00dfartige Aha-Gedanken. Der Lehrer wusste durch seinen Input, Anst\u00f6\u00dfe zu bieten zum Denken und zum Erkennen. Er selbst, vielleicht noch kaum bewusst, war auf der Suche, war voller Sehnsucht und Begeisterung, sein Gefundenes teilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Platons H\u00f6hlengleichnis, in dem dargestellt wird, dass der Mensch nur die Schattenbilder des Wirklichen erkennen kann, war eine Offenbarung f\u00fcr mich. Das gr\u00f6\u00dfte Staunen aber und die damals pr\u00e4gendste Erkenntnis ploppte in mir bei der Frage auf: Ist Gott ein guter Gott \u2013 bei all dem, was auf der Welt stattfindet?<\/p>\n<p>Zuerst verteidigte ich vehement \u201emeinen\u201c Gott. Und der war gut, so was von gut, der \u201eGuteste\u201c \u00fcberhaupt! Die Einw\u00e4nde der anderen waren zum Teil clever, wirkten ausgereift, f\u00fchlten sich in ihrer materialistischen Pr\u00e4gung jedoch ganz falsch f\u00fcr mich an. Ich stie\u00df an meine Grenzen. Wie sollte ich die Zust\u00e4nde in der Welt in Einklang bringen mit meiner Vorstellung vom \u201elieben Gott\u201c?<\/p>\n<p>Es gab nur einen Ausweg. Ich musste die Erweiterung meines Gottesbildes zulassen.<\/p>\n<p>Es war schmerzhaft und ich f\u00fchlte mich hil\ufb02os, wusste ad hoc nicht, was meiner Anschauung fehlte, nur dass etwas fehlte, stand glasklar vor mir. In diesen verstandesentleerten Raum manifestierte sich ein Geistesblitz: Zum universellen Gott geh\u00f6rt die Freiheit. Und ebenso geh\u00f6rt sie zum Menschen, in dem ein g\u00f6ttlicher Keim angelegt ist.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen nicht gut und brav sein, wenn wir uns dem G\u00f6ttlichen n\u00e4hern wollen, sondern vielmehr das Freisein lernen und aus der dabei gemachten Erfahrung Erkenntnis gewinnen und die richtigen Entscheidungen treffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":7623,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-90155","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/90155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90155"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=90155"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=90155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}