{"id":89999,"date":"2019-12-13T14:40:52","date_gmt":"2019-12-13T14:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/gut-und-bose-und-daruber-hinaus-teil-2\/"},"modified":"2019-12-13T14:40:52","modified_gmt":"2019-12-13T14:40:52","slug":"gut-und-bose-und-daruber-hinaus-teil-2","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/gut-und-bose-und-daruber-hinaus-teil-2\/","title":{"rendered":"Gut und B\u00f6se \u2013 und dar\u00fcber hinaus &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/gut-und-boese-und-darueber-hinaus-teil-1\">Nach Teil 1<\/a><\/p>\n<p><strong><em>Von der Funktion des B\u00f6sen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Hierzu als Beispiel das Buch Hiob im Alten Testament. Dort wird beschrieben, dass der Widersacher sich in der Gesellschaft Gottes befindet. Der Widersacher verk\u00f6rpert die Tendenz, sich vom Absoluten zu befreien und in der relativen Welt eine Eigenst\u00e4ndigkeit, eine Unabh\u00e4ngigkeit von Gott zu suchen. So fragt er also Gott sinngem\u00e4\u00df: Darf ich dir den Hiob abspenstig machen, deinen fr\u00f6mmsten Diener? Gott erlaubt ihm, die Lebensumst\u00e4nde Hiobs zu zerst\u00f6ren und ihn den schlimmsten Heimsuchungen auszusetzen. Ihm wird alles genommen, sein Geld und Gut, seine Familie, seine Gesundheit. Doch er h\u00e4lt an seinem Glauben an Gott fest. Er wendet sich nicht ab vom Absoluten, sondern h\u00e4lt die Beziehung aufrecht und unterwirft sich ihm, er nimmt sein Schicksal an. Und was geschieht? Er w\u00e4chst \u00fcber sich hinaus. Er w\u00e4chst \u00fcber die relative Lebenswirklichkeit hinaus. Seine zentrale g\u00f6ttliche Identit\u00e4t erwacht in ihm; sein wahres Selbst, das im Absoluten wurzelt, gibt ihm die erforderliche Kraft.<\/p>\n<p>Auch die Lehre von Karma und Reinkarnation orientiert sich am Ma\u00dfstab des Absoluten. Karma ist nur erkl\u00e4rbar aus der Beziehung des Menschen zum Absoluten. Danach ist es vorbestimmt, dass ein Mensch in seinem Leben in bestimmte Situationen gelangt, dass er zum Beispiel bestimmte Begegnungen hat. Vieles an Gutem und B\u00f6sem tritt in unser Leben ein. Jeder Mensch muss die Resultate von Verhaltensweisen aus der Vergangenheit erleben, von Verhaltensweisen, die von der Eigenwilligkeit bestimmt waren, bei denen also das G\u00f6ttliche nicht mitgewirkt hat. Die Ergebnisse davon bleiben in der Welt und m\u00fcssen aufgearbeitet werden. Ob dies stattfindet und wie es geschieht, steht in der freien Entscheidung des Einzelnen. Wenn sich ein Mensch dazu entscheidet, all sein Tun und Lassen dem G\u00f6ttlichen zu weihen, dann befreit ihn dieses von den Fesseln des Karma (Bhagavad-Gita 5, 10; 12, 6 f.) &nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Das B\u00f6se, in h\u00f6herem Licht gesehen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Aus der Sicht unserer Lebenswirklichkeit kann man nicht genau sagen, was das B\u00f6se ist. Aus der Sicht des Absoluten indes l\u00e4sst es sich klar formulieren.<\/p>\n<p>Das Corpus Hermeticum, eine Schriftensammlung vom Beginn unserer Zeitrechnung, die \u00e4gyptische, griechische und j\u00fcdische Weisheitslehren enth\u00e4lt, erkl\u00e4rt: \u201eDie Bosheit der Seele ist ihre Unwissenheit, ihr Mangel an Kenntnis, die aus Gott ist\u201c (CH 12. Buch, Vers 24). Und an anderer Stelle: \u201eDie gro\u00dfe Krankheit der Seele ist ihre Verleugnung Gottes\u201c (CH 13. Buch Vers 7). Und wir finden die Aufforderung: \u201eKehre in dich selbst ein und es wird kommen\u201c (CH 14 Buch, Vers 25), \u201ees\u201c, das Allein-Gute.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Das Absolute nicht zu kennen, das bedeutet zugleich, sich selbst nicht zu kennen, sein tiefstes Selbst zu verleugnen, das im Absoluten ruht. So lange das der Fall ist, findet alles Lebensverhalten au\u00dferhalb des g\u00f6ttlichen Wirkens statt und hinterl\u00e4sst Folgen, die irgendwann aufgehoben werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die chinesische Weisheit sagt im Tao-Te-King: \u201eWer nicht das Ewige kennt, schafft sinnlos Unheil\u201c (Kapitel 16).<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a><\/p>\n<p><strong><em>Warum der Mensch dem Relativen \u00fcberlassen wird<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Unsere heutige Zeit ist davon gekennzeichnet, dass sich die meisten Menschen vom G\u00f6ttlichen abgewandt haben. Wir haben ein Ich errungen und erproben unsere Eigenst\u00e4ndigkeit. Indem wir den Energiefluss zum Absoluten unterbrochen haben, das in unserer eigenen Mitte ist, stehen wir im Einflussbereich eines anderen Stroms, des Stroms der Lebensmuster unserer Welt. Aus ihm stammen die Inhalte unseres Ich. So bilden sich Schleier um Schleier zwischen uns und unserem Ursprung. Doch auch diesem abgetrennten Dasein ist eine gro\u00dfe Aufgabe zugewiesen.<\/p>\n<p>Werfen wir einen Blick auf die Veden, die \u00e4lteste Religion, die es heute noch gibt und die eine Art Renaissance erlebt. Wir lesen dort, dass unsere Welt geschaffen wurde, um den Geistern, die sich von Gott abgewandt haben, eine M\u00f6glichkeit zu einem erneuten Aufstieg zum G\u00f6ttlichen zu geben.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\" title=\"\">[3]<\/a> Dem dient unser K\u00f6rper und dem dienen die Naturreiche, aus denen er entstanden ist. Die Veden sprechen davon, dass es unterhalb von unserer Welt noch weitere Welten gibt, Welten d\u00e4monischer Art.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\">[4]<\/a> Die Geister aus ihnen dr\u00e4ngen in die Gedanken und Empfindungen der Menschen. Entweder sie beherrschen den Menschen, wie es meist der Fall ist, oder sie k\u00f6nnen von ihm erl\u00f6st werden, indem er sie erneut mit dem Absoluten verbindet. Hieraus ergibt sich f\u00fcr den Menschen eine noch umfassendere Aufgabe, als wir es bislang angedeutet haben.<\/p>\n<p>Die Lehre der Veden spricht von verschiedenen Weltzeitaltern. Wir befinden uns danach im Kali Yuga, dem dunklen Zeitalter, das vor circa 5000 Jahren begonnen hat. Es f\u00fchrt dazu, dass die Abwendung vom g\u00f6ttlichen Licht vollkommen wird. Sie f\u00fchrt so weit, dass die Materie an die Stelle des G\u00f6ttlich-Geistigen tritt. Der Mensch gelangt zu der Auffassung, dass er aus einem Spiel von Materieteilchen entstanden ist. Damit ist dem Dasein jeglicher Sinn abhanden gekommen. Diese Situation muss er durchleben, in ihr muss er sein Scheitern erfahren, um schlie\u00dflich zu sich selbst zu finden.<\/p>\n<p>In der Mystik des Judentums, der Kabbala, wird betont, dass die Gottheit eine solche Entwicklung zul\u00e4sst. Wir finden hier die Aussage, dass Gott immer wieder Raum schafft und sich zur\u00fcckzieht, damit die Gesch\u00f6pfe zu sich selbst gelangen k\u00f6nnen, zu ihrem wahren Selbst.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\" title=\"\">[5]<\/a> Gott respektiert die Freiheit seiner Gesch\u00f6pfe. Er liefert sie in gewissem Ma\u00dfe sich selbst aus. Alles, was sie tun, wirkt auf sie zur\u00fcck. Bis die Schleier, die ihnen den Blick auf das Absolute verwehren, zerrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch das Neue Testament best\u00e4tigt diese Sichtweise. Jesus ist durch die Taufe im Jordan zum Christus geworden, und unmittelbar danach tritt der Herr dieser Welt ihm entgegen. Die beiden sprechen miteinander. Der Widersacher regt an, dass Jesus, der Christus, die Steine dieser Welt zu Brot verwandelt. Die Welt w\u00fcrde dadurch, gleichsam von unten her, in einen besseren Zustand gelangen. Das Leid w\u00fcrde von den Menschen genommen werden. Jesus folgt dieser Aufforderung aber nicht. Denn der Mensch w\u00fcrde dann nicht zu sich selbst finden. Nur nach der Erfahrung eines fundamentalen Scheiterns wird die rechte Beziehung zum Absoluten gefunden. Deshalb verweist Jesus auf die Notwendigkeit einer Neugeburt, indem er den Widersacher auf das sch\u00f6pferische g\u00f6ttliche Wort hinweist.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\" title=\"\">[6]<\/a> &nbsp;<\/p>\n<p>Goethes Faust stellt den Menschen der Neuzeit dar. Nach wie vor, wie bei Hiob, befindet sich der Widersacher in der Gesellschaft Gottes. \u201eVon Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern\u201c, sagt Mephisto. Er ist der Widersacher, aber er ist von anderer Art, als es bei Hiob der Fall war. Der Mensch hat sich in der Relativit\u00e4t weiter entwickelt, ist zu einem denkenden Wesen geworden mit einem eigenst\u00e4ndigen Ich. Mephisto spricht mit Gott \u00fcber Faust und sie schlie\u00dfen einen Pakt. \u201eZieh diesen Geist von seinem Urquell ab\u201c, lautet die Aufforderung an Mephisto, und es wird ihm vorausgesagt: \u201eEin guter Mensch in seinem dunklen Drange \/ ist sich des rechten Weges wohl bewusst.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\" title=\"\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Der Urquell, das Innerste des Menschen, die Beziehung zum Absoluten, das g\u00f6ttliche Element, erwacht letztlich auch in Faust. Zun\u00e4chst will er aus eigener Kraft herausbekommen, \u201ewas die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt\u201c. Zwangsl\u00e4ufig scheitert er dabei, trotz aller Magie des Ego und der Menschheitsvergangenheit und trotz der Hilfe Mephistos. Faust gelangt, wie alle suchenden Menschen, an einen Nullpunkt, an dem er nicht mehr weiter kann, an dem die alten Lebensmuster und die gesamte Eigenst\u00e4ndigkeit zusammenbrechen.<\/p>\n<p>Jetzt kann er vom Absoluten ber\u00fchrt und geleitet werden. In den Abschlussversen des <em>Faust<\/em> steht eine bedeutsame und befreiende Erkenntnis: \u201eAlles Verg\u00e4ngliche ist nur ein Gleichnis.\u201c Die ganze relative Welt mit all ihren Bewusstseinszust\u00e4nden ist Symbol einer h\u00f6heren Wirklichkeit, in der sich die Wesen bewusst mit dem Absoluten vereinen.<\/p>\n<p>Diese Verbindung herbeizuf\u00fchren, ist uns aufgegeben. Sie f\u00fchrt zur Verwandlung, zur Transfiguration, wie die Rosenkreuzer sagen. An der Hand des Absoluten, des G\u00f6ttlichen in uns, ist es m\u00f6glich, \u00fcber Gut und B\u00f6se hinauszuwachsen, \u00fcber diese Welt hinauszuwachsen \u2026 und dadurch erst segensreich in ihr zu wirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> Die Zitate sind entnommen aus: Jan van Rijckenborgh, <em>Die \u00c4gyptische Ur-Gnosis und ihr Ruf im ewigen Jetzt,<\/em> 3.Teil, Haarlem 1964; 4. Teil, Haarlem 1966<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> Lao-tse,<em>Tao-Te-King<\/em>, \u00fcbersetzt von G\u00fcnter Debon, Stuttgart 1979<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\">[3]<\/a>&nbsp; Armin Risi, <em>Gott und die G\u00f6tter<\/em>, Neuhausen, Altenburg, 5. Auflage 2002, S. 90<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\">[4]<\/a> Armin Risi, a. a. O., S. 91 ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\" title=\"\">[5]<\/a> N\u00e4heres bei: Gershom Scholem, <em>Die j\u00fcdische Mystik in ihren Hauptstr\u00f6mungen<\/em>, Frankfurt am Main 1980, S. 285 ff. (die Lehre vom <em>Zimzum<\/em>, der Selbsteinschr\u00e4nkung Gottes)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\" title=\"\">[6]<\/a> Matth. 4, 3 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\" title=\"\">[7]<\/a> Goethe, <em>Faust<\/em>, Prolog im Himmel<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":7199,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-89999","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89999","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89999"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89999"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89999"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89999"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}