{"id":89995,"date":"2019-12-13T14:32:47","date_gmt":"2019-12-13T14:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/gut-und-bose-und-daruber-hinaus-teil-1\/"},"modified":"2019-12-13T14:32:47","modified_gmt":"2019-12-13T14:32:47","slug":"gut-und-bose-und-daruber-hinaus-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/gut-und-bose-und-daruber-hinaus-teil-1\/","title":{"rendered":"Gut und B\u00f6se \u2013 und dar\u00fcber hinaus -Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>L\u00e4sst sich in dem endlosen Spiel von Gut und B\u00f6se ein Sinn finden? Wir k\u00f6nnen Einsichten bekommen &#8211; allerdings f\u00fchren sie uns \u00fcber die Grenzen unserer Welt hinaus.<\/p>\n<p>Manche Menschen benutzen oft die Worte: \u201eAlles ist gut.\u201c Zu den guten Dingen geh\u00f6rt es auch, sich abends zu entspannen und einen Krimi zu lesen oder im Fernsehen anzuschauen. Auf dem Einband eines Krimis (ein Nr. 1-Bestseller) las ich k\u00fcrzlich die Worte: \u201eeinfach gut: perfide, abgr\u00fcndig, vielschichtig\u201c. Das kommt offenbar an.&nbsp;<\/p>\n<p>Was fasziniert uns an einer solchen Reklame? Was fasziniert uns an den Krimis? Sagen sie uns etwas \u00fcber uns selbst? Finden sie eine Entsprechung in uns? Wollen wir unbewusst lernen, mit dem umzugehen, was wir in uns sp\u00fcren?&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch kann mir kein Verbrechen vorstellen, das ich nicht in Gedanken auch begangen habe\u201c, ist ein Satz, den man Goethe zuschreibt. B\u00f6ses dr\u00e4ngt sich in die Gedanken und Empfindungen eines&nbsp; jeden Menschen.<\/p>\n<p>Im Neuen Testament erkl\u00e4rte Jesus einem J\u00fcngling, der ihn mit \u201eguter Meister\u201c anredete:\u201eNiemand ist gut, als Gott allein\u201c (Mark. 10, 17).<\/p>\n<p>\u00dcbergriffe auf andere Menschen, Eingriffe in das Leben anderer finden seit jeher statt. Oft beginnt es ganz harmlos. Man hat es nur gut gemeint, hat vielleicht gescherzt. Doch dann kippt das Geschehen pl\u00f6tzlich um. Menschen lassen sich zu Taten hinrei\u00dfen, die manchmal so monstr\u00f6s sind, dass man sie nicht in Worten beschreiben kann.<\/p>\n<p>Was hat es mit uns auf sich? Schnell k\u00f6nnen wir einander unheimlich werden. Wir gehen freundlich miteinander um, und pl\u00f6tzlich geschieht etwas und wir haben Angst voreinander.<\/p>\n<p><strong><em>Vom Ort des B\u00f6sen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eine Philosophin im 20. Jahrhundert, Hannah Arendt, hat sich \u2013 im Anschluss an den Nationalsozialismus \u2013 intensiv mit der Frage besch\u00e4ftigt, was das B\u00f6se eigentlich ist. Sie kommt zu einem erstaunlichen und wichtigen Ergebnis \u201eDas gr\u00f6\u00dfte B\u00f6se\u201c, so schreibt sie, \u201eist nicht radikal, es hat keine Wurzeln, und weil es keine Wurzeln hat, hat es keine Grenzen, kann sich ins unvorstellbar Extreme entwickeln und \u00fcber die ganze Welt ausbreiten.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Nicht radikal, ohne Wurzeln, das bedeutet: Das B\u00f6se reicht nicht bis ins tiefste Innere des Menschen. Es bleibt trotz seiner Schrecken in einem Au\u00dfenbereich, zu dem auch unsere Gedanken und Gef\u00fchle geh\u00f6ren. Dort kann es monstr\u00f6se Gestalten annehmen. Es kann fast alle Menschen ergreifen und hat doch keinen Bezug zum tiefsten Innern des Menschen, zu dem, was ihn eigentlich ausmacht.<\/p>\n<p>Im ersten Korintherbrief in der Bibel steht ein Satz, den wir in diesen Zusammenhang stellen wollen: Die Liebe \u201erechnet das B\u00f6se nicht zu\u201c (1. Kor. 13, 5). Die Liebe, die hier gemeint ist, ist die g\u00f6ttliche Liebe, die Kraft der zentralen Mitte des Menschen. Von ihr hei\u00dft es weiter: \u201eSie vertr\u00e4gt alles, sie glaubet alles, sie hofft alles, sie duldet alles\u201c (1. Kor. 13, 7) Das bedeutet: Sie duldet das B\u00f6se, rechnet es aber niemals dem Innersten eines Menschen zu, denn dort gibt es nichts B\u00f6ses.<\/p>\n<p>In unserer Lebenswirklichkeit ist es anders. Hier rechnen wir das B\u00f6se zu, ja, wir m\u00fcssen das tun. Denn hier findet es statt. Jeder muss Verantwortung \u00fcbernehmen f\u00fcr das, was er getan hat.<\/p>\n<p><strong><em>Woher kommen die Impulse des B\u00f6sen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Hierzu ein wichtiger Aspekt: Das Weltgeschehen und das Leben eines jeden Einzelnen wird von der Vergangenheit gepr\u00e4gt. Wir leben nach bestimmten Mustern. Dazu geh\u00f6rt auch die F\u00fclle der Erfahrungen, die in uns gespeichert sind. Alles, was einmal geschehen ist, wirkt weiter. Nichts ist vollst\u00e4ndig vorbei. Unsichtbar, schemenhaft, ist die Vergangenheit als ein unaufgel\u00f6ster Schatten gegenw\u00e4rtig. Die Selbstbehauptung, der Kampf und die Entwicklung des Ego bilden sich darin ab. Das gilt im Individuellen wie im Kollektiven. Mitunter verdichten sich die Kr\u00e4fte der Vergangenheit so stark, dass sie sich wie ein Regenguss \u00fcber Einzelne, \u00fcber Gruppen und V\u00f6lker ergie\u00dfen. Das geschieht heute auch in globalem Ausma\u00df.<\/p>\n<p>Paulus sieht darin reale, unsichtbare M\u00e4chte und nennt sie die \u201eb\u00f6sen Geister unter dem Himmel\u201c. Er sagt: \u201eWir haben nicht mit Fleisch und Blut zu k\u00e4mpfen, sondern mit F\u00fcrsten und Gewaltigen, n\u00e4mlich mit dem Herrn der Welt\u201c (Eph. 6, 12).<\/p>\n<p>Warum ist das nun b\u00f6se? Viel Gutes ist ebenfalls getan worden in der Vergangenheit? Das aus alten Zeiten Fortwirkende bindet an die Erde, wenn es sich in uns stets wiederholt. Es h\u00e4lt uns davon ab, unser Verhalten aus dem aktuellen Moment und der in ihm m\u00f6glichen Inspiration zu gestalten. Die Vergangenheit allerdings muss aufgearbeitet, verwandelt, ja erl\u00f6st werden. Insofern ist die Erde ein riesiger Arbeitsplatz, und alle Menschen haben hier eine Aufgabe, meist ohne es zu wissen.<\/p>\n<p>Die Manich\u00e4er, eine weltweite spirituelle Str\u00f6mung aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, bekannten sich zu dieser Aufgabe, und sie verbanden sich mit der Liebe, die aus dem G\u00f6ttlichen stammt. Von ihr ergriffen, sagten sie: \u201eLiebe das B\u00f6se gut.\u201c Ihr Weg f\u00fchrte \u00fcber diese Welt hinaus. Nicht ohne Grund wurden sie von den herrschenden Instanzen mit Schwert und Feuer bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p><strong><em>Vom Relativen und vom Absoluten<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Was ist nun aber gut? Und was ist b\u00f6se? Die Begriffe h\u00e4ngen zusammen, sind aufeinander bezogen, definieren sich aneinander. Man wei\u00df nur, was b\u00f6se ist, wenn man wei\u00df, was gut ist.<\/p>\n<p>Gut und B\u00f6se, wie wir sie kennen, sind etwas Relatives. Was f\u00fcr den einen gut ist, kann f\u00fcr den anderen schlecht oder b\u00f6se sein. Wir k\u00f6nnen aus unserer Perspektive nicht verl\u00e4sslich wissen, was gut und was b\u00f6se ist.<\/p>\n<p>Hierzu ein Beispiel aus dem Koran: Dort wird in der 18. Sure geschildert, wie ein von Gott begnadeter Mensch Taten begeht, die man aus unserer Perspektive als b\u00f6se bezeichnen muss. Er schl\u00e4gt ein Loch in den Boden eines Schiffes, so dass es sinkt und er t\u00f6tet einen Menschen. (Sure18: 65 ff.) Moses begleitet ihn und protestiert dagegen. Doch ihm werden die Augen ge\u00f6ffnet und er erkennt, dass durch diese Taten eine positive Entwicklung f\u00fcr die Zukunft erm\u00f6glicht wurde.<\/p>\n<p>Es gibt neben dem Relativen aber auch das Absolute. Und das bedeutet, es gibt eine \u00fcbergeordnete Perspektive. Auch zum Absoluten haben wir eine Beziehung. Die geheimnisvolle zentrale Mitte des Menschen geh\u00f6rt zum Absoluten. Es ist das g\u00f6ttliche Element im Menschen. Es ist, wie die Weisheit der V\u00f6lker sagt, das absolut Gute, das allein Gute, von dem Jesus spricht. Ein Abglanz davon in der relativen Welt ist unser Gewissen, jedenfalls dann, wenn der Zugang zum Absoluten in uns noch ein wenig offen ist.<\/p>\n<p>Aus unserer Perspektive k\u00f6nnen wir keinen tiefer gehenden Sinn im B\u00f6sen erkennen. Anders ist es aus der Perspektive des Absoluten.<\/p>\n<p>(&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.logon.media\/de\/gut-und-boese-und-darueber-hinaus-teil-2\">wird fortgesetzt in Teil 2<\/a> )<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a>&nbsp; Hannah Arendt, <em>\u00dcber das B\u00f6se. Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik<\/em>, M\u00fcnchen, 12. Auflage 2017, S. 77<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":7175,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-89995","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89995","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89995"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89995"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89995"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}