{"id":89864,"date":"2019-10-15T14:33:41","date_gmt":"2019-10-15T14:33:41","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/glucklich-sein\/"},"modified":"2019-10-15T14:33:41","modified_gmt":"2019-10-15T14:33:41","slug":"glucklich-sein","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/glucklich-sein\/","title":{"rendered":"Gl\u00fccklich sein"},"content":{"rendered":"<p><iframe allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\" height=\"232\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/6OA9ugWMM6NtqMblHZhezw?utm_source=generator\" style=\"border-radius:12px\" width=\"100%\"><\/iframe><\/p>\n<p>Die \u00d6konomen haben einen Gl\u00fccksindex entwickelt, mit dem sie messen, welches Einkommen eine Person idealerweise braucht, um gl\u00fccklich zu sein. Dabei ziehen sie in Betracht, dass mehr Geld nicht unbedingt mit mehr Gl\u00fccksempfinden einher geht. Was das ideale Einkommen sei, h\u00e4nge letztlich davon ab, wo jemand lebt und um was f\u00fcr eine Pers\u00f6nlichkeit es sich handelt. Nat\u00fcrlich spielen Faktoren wie Komfort und Sicherheit eine Rolle, aber sie variieren je nach dem, welcher Wert ihnen beigemessen wird.<\/p>\n<p>Das Materielle beh\u00e4lt hierbei seinen Wert. Von einem spirituellen Standpunkt aus betrachtet, kann Gl\u00fccklichsein indes nicht von \u00e4u\u00dferen, \u201emateriellen\u201c Umst\u00e4nden abh\u00e4ngen. Es geht aus der spirituellen Sicht nicht um Gl\u00fcckstreffer im Leben wie z.B. einen guten Job, eine gute Familie, eine gute soziale Stellung, Gesundheit und \u00c4hnliches, sondern eher darum, herauszufinden, was \u00fcbrig bleibt, wenn man das alles wegnimmt.<\/p>\n<p><strong>Ein philosophischer Standpunkt<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchrende fr\u00fche Philosophen stimmen darin \u00fcberein, dass Gl\u00fcck ein umfassender und vollkommener Zustand sein muss. So stellt Aristoteles, der griechische Philosoph, der im 4. Jahrhundert vor Christus lebte, in seinem Werk <em>Nikomachische Ethik<\/em> fest, dass Menschen tats\u00e4chlich viele Dinge brauchen, um gl\u00fccklich zu sein (ein gutes&nbsp; Einkommen, gute Freunde, einen guten Ruf etc.), aber er sagt zugleich, dass diese Dinge nur dann zum Gl\u00fccklichsein beitragen, wenn jemand \u00fcber Tugenden und Urteilskraft verf\u00fcgt, welche man durch praktische Lebenserfahrung erringt. Das bedeutet, dass junge Menschen aus dieser Sicht nicht wirklich gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen, denn sie haben die praktische Lebenserfahrung noch nicht ausreichend erlangt. Auch arme Menschen k\u00f6nnen nach Aristoteles nicht gl\u00fccklich sein, weil sie sich ja um ihr \u00dcberleben sorgen m\u00fcssen. Aus dieser Sicht gibt es also kein Gl\u00fcck f\u00fcr alle. F\u00fcr die Griechen in der Antike war das eine \u00fcbliche Sichtweise.<\/p>\n<p><strong>Standpunkte im Christentum<\/strong><\/p>\n<p>Die christliche Anschauung, wie die Kirchen sie vertreten, sieht den Menschen als gefallenes Wesen, das von Natur aus zum B\u00f6sen neigt. Deshalb kann der Mensch aus sich selbst heraus keine wahre Tugend erlangen, vielmehr h\u00e4ngt er ganz und gar von Gott ab. Wer den g\u00f6ttlichen Ruf beantwortet, wer gl\u00e4ubig wird und Gott folgt, erlebt durch ihn eine gro\u00dfe Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Augustinus, ein Philosoph und Theologe aus dem 4. und 5. Jahrhundert nach Christus, sagte, dass die Gnade Gottes unwiderstehlich ist. Ab einem bestimmten Punkt liegt es gar nicht mehr beim Gl\u00e4ubigen, ob er Gott dienen will, sondern er kann dann gar nicht mehr anders. Er erlebt vollkommenes Gl\u00fcck, das von Gott kommt und von den Umst\u00e4nden ganz unabh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p>Hierzu schrieb der deutsche Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) in seiner &nbsp;<em>Metaphysischen Abhandlung<\/em> (\u00a7 14), dass, wenn pl\u00f6tzlich die ganze Welt zerst\u00f6rt w\u00fcrde \u2013 die materiellen K\u00f6rper eingeschlossen \u2013 und nur die Seele und Gott \u00fcbrig seien, die Beziehung der Seele zu Gott unangetastet bliebe.<\/p>\n<p>Die Geschichte der fr\u00fchen Christen liefert eindrucksvolle Beispiele daf\u00fcr, dass in einem tief gl\u00e4ubigen Menschen Unerkl\u00e4rliches wirkt. Sie lie\u00dfen sich f\u00fcr ihren Glauben schlagen und ins Gef\u00e4ngnis sperren. Armut war nur das kleinste ihrer Probleme. Nach dem \u00fcblichen menschlichen Standard ist das kaum nachvollziehbar. Waren sie alle verr\u00fcckt und fanatisch? Wenn das der Fall gewesen w\u00e4re, w\u00e4ren sie nicht in der Lage gewesen, \u00fcber die Stufen ihres Weges so klar und tiefgreifend zu berichten, wie sie es in den Briefen im Neuen Testament und in den Dokumenten, die man 1945 in Nag Hammadi gefunden hat, taten.<\/p>\n<p><strong>Die Sicht der Bhagavad Gita<\/strong><\/p>\n<p>In der Bhagavad Gita, des verbreitetsten Andachtsbuchs der Hindus, beschreibt Krishna die Fr\u00fcchte der Spiritualit\u00e4t. Er z\u00e4hlt die Qualit\u00e4ten eines Yogis auf: Die Handlungen, die er verrichtet, nehmen sein Selbst nicht mehr gefangen, wenn er ihnen durch Yoga entsagt und seine Zweifel durch Einsicht beseitigt (4. Gesang, Vers 41).<\/p>\n<p>Das Selbst, um das es hier geht, ist der viel gesuchte Atman aus der indischen spirituellen Tradition. Er ist die Grundlage allen Seins. Atman ist das g\u00f6ttliche Prinzip in allem. Man spricht auch vom Wahren Selbst, im &nbsp;Gegensatz zum falschen Selbst, welches der Ego-Pers\u00f6nlichkeit des Menschen im unerwachten Zustand zu Grunde liegt. Der Weg besteht darin, die Natur des abgetrennten falschen Egos zu \u00fcberwinden und im universellen Bewusstsein des Wahren Selbstes zu erwachen, also den Atman-Zustand zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Universelle Spiritualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlungen eines Individuums, in dem eine Beziehung zum Wahren Selbst entstanden ist \u201eAtman\u201c, der \u201eChristus in mir\u201c), sind nicht von der Absicht getragen, ihm oder ihr Vorteile zu bringen, sondern sie vollziehen sich spontan, ohne Berechnung, ohne Besorgnis, w\u00e4hrend das Bewusstsein die Verbindung mit dem Innersten aufrecht erh\u00e4lt. Darin liegt eine \u201eEntsagung vom Handeln\u201c, die zu einer Befreiung vom Karma f\u00fchrt, von der Kette der Ursachen und Wirkungen, die die Menschen gefangen h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass das Wissen, das aus dem neuen Bewusstsein resultiert, ein Wissen von der Essenz der Dinge ist und nicht nur von ihrer \u00e4u\u00dferen Manifestation. Dieses Wissen ist wie ein Schwert, das die Zweifel und Ungewissheiten, die so kennzeichnend f\u00fcr die Menschen sind, durchschneidet. Ein spirituell fortgeschrittener Mensch fragt sich nicht, woher er kommt oder wohin er geht oder was der Sinn des Lebens ist. Das sind Fragen des suchenden Menschen. Er geht seinen Weg auf der Grundlage der gemachten Erfahrungen.<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fccklichsein ist m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n<p>Wohl jeder wird sagen, dass Gl\u00fccklichsein w\u00fcnschenswert ist und es als ein grundlegendes Ziel des Lebens angesehen werden kann. Jedoch gab es immer schon Zweifel, ob dieses Ziel dauerhaft zu erreichen sei.<\/p>\n<p>Die Hoffnung auf Ganzheit und Erf\u00fcllung beinhaltet die Aufl\u00f6sung des Partikul\u00e4ren, das so grundlegend ist f\u00fcr die menschliche Pers\u00f6nlichkeit. Der Fehler unseres aktuellen Selbstes besteht darin, dass es sich mit seiner Vereinzelung identifiziert. Daher r\u00fchrt der Versuch, einen Gl\u00fccksindex aufzustellen, um das nat\u00fcrliche Sehnen nach Erf\u00fcllung zu stillen, w\u00e4hrend man gleichzeitig die Kontrolle behalten will, um das Gl\u00fcck zu messen.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklichsein wird erst m\u00f6glich, wenn sich unsere wahre Identit\u00e4t bemerkbar macht und wir in seine F\u00fclle eintauchen. Das Partikul\u00e4re bleibt dann in der \u00e4u\u00dferen Perspektive noch bestehen, aber es ist nicht mehr entscheidend. Die Lebensumst\u00e4nde in der Welt sind nach wie vor vorhanden, aber sie k\u00f6nnen uns das Gl\u00fcck nicht mehr nehmen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6804,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-89864","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89864","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6804"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89864"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89864"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}