{"id":89748,"date":"2019-07-21T18:12:01","date_gmt":"2019-07-21T18:12:01","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/das-kranke-herz-teil-3\/"},"modified":"2019-07-21T18:12:01","modified_gmt":"2019-07-21T18:12:01","slug":"das-kranke-herz-teil-3","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/das-kranke-herz-teil-3\/","title":{"rendered":"Das kranke Herz Teil 3"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die psychosomatische Vernetzung von Herzkrankheiten<\/strong><\/p>\n<p>Schauen wir uns nun beispielhaft einige typische kardiologische Symptome an und versuchen wir, die eigentlichen psychischen Ursachen zu erkennen. Symptome sind direkter Ausdruck seelischer Wirklichkeit. Sie sind keine Zuf\u00e4lligkeiten, sondern sie zeigen mit unerbittlicher Ehrlichkeit auf, um was es eigentlich geht.<\/p>\n<p><strong><em>1. Die Herzenge, Angina pectoris<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Herzenge ist ein Symptom, das immer mit Angst einhergeht. Die pl\u00f6tzliche \u201eEisenfaust&#8220; auf der Brust, die bis in den linken Arm ausstrahlt, ist Folge einer Verh\u00e4rtung und arteriosklerotischen Verengung der Herzkranzgef\u00e4\u00dfe, die bei M\u00e4nnern \u00fcber 45 Jahren und bei Frauen jenseits der Menopause auftritt.<\/p>\n<p>Die Herzenge ist das auf die K\u00f6rperebene verschobene seelische Problem der Engherzigkeit, die es aufzul\u00f6sen gilt. Die Beklemmung zeigt die Klemme, in der der Betroffene steckt, die ihm aber nicht bewusst ist. Das sich zusammenkrampfende Herz veranschaulicht den Krampf und Kampf um die Herzensangelegenheiten, in die er verstrickt ist, ohne es sich einzugestehen. Die k\u00f6rperliche Not bremst ihn aus, um seine Aufmerksamkeit auf sein Herzensproblem, auf seine Engherzigkeit, zu lenken.<\/p>\n<p>Alle Ma\u00dfnahmen der modernen Kardiologie, wie Erweiterung durch Ballonkatheter, Stent- oder Bypass-Operationen, bringen schnelle Hilfe, aber sie vertagen das Problem, wenn es nicht von innen her gel\u00f6st wird. Das Herz ruft nach Weitung, es m\u00f6chte aus seiner Versteinerung herausbrechen, die der Betroffene \u00fcber Jahre hin dadurch entstehen lie\u00df, dass er seine Emotionalit\u00e4t eisern verschlossen hielt.<\/p>\n<p>Er muss die Sackgasse, in die sein verschlossenes Herz ihn gef\u00fchrt hat, erkennen, um eine Wandlung und \u00d6ffnung zu erm\u00f6glichen. Da er mit seiner existenzbedrohenden Situation buchst\u00e4blich \u201ean der Wand\u201c steht, bedeutet das f\u00fcr ihn eine schwere Lernaufgabe. Zu ihr geh\u00f6rt die ungeschminkte Wahrnehmung der Botschaft, die in der Symptomatik enthalten ist. Daraus kann sich dann die Bereitschaft zum inneren Wandel entwickeln.<\/p>\n<p>Das Herz zwingt den Angina Pectoris-Kranken nicht nur, alle \u00e4u\u00dferen Aktivit\u00e4ten augenblicklich stehen und liegen zu lassen und sich auf das \u00dcberleben zu konzentrieren, sondern es stellt ihn auch vor die Aufgabe, sich der Mitte und dem Wesentlichen seines Lebens zuzuwenden.<\/p>\n<p>Oftmals ist das Herz des Betroffenen auch stumpf geworden durch Entt\u00e4uschung, Resignation, Bitterkeit und Sorgen, sodass das Leben nur noch als Last empfunden wurde und die Freude abhanden gekommen ist. Abgestumpft sein bedeutet zugleich, dass die Seelenkraft verletzt und die Hoffnung getr\u00fcbt ist.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel zur Selbsthilfe liegt im R\u00fcckzug in das \u201eHerzk\u00e4mmerlein\u201c, um in der Stille wieder mit der bed\u00fcrftigen Seele in Ber\u00fchrung zu kommen. Hierdurch wird die innere Wahrnehmung gesch\u00e4rft, die Achtsamkeit w\u00e4chst und der Betreffende kann wieder ein waches Instrument der Seele mit einem offenen, ihr zugewandten Herzen werden. Er kann erleben, wie das Herz wieder h\u00f6rend wird, wie es den \u201etonlose Stimme\u201c der Seelenintuition wahrnimmt, von der er sich in zweifelsfreiem Vertrauen f\u00fchren lassen kann.<\/p>\n<p><strong><em>2. Der Herzinfarkt<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die oft finale Sackgasse der Angina pectoris ist der Herzinfarkt. Er hat eine traurige Popularit\u00e4t, denn in einem F\u00fcnftel der F\u00e4lle endet er mit dem Tod.<\/p>\n<p>\u00dcberlebt der Betroffene ihn, dann ist ein Teil seines Herzens, seiner Mitte, tot, er tr\u00e4gt eine Narbe. Das ist ein tiefes seelisches Trauma, durch das aber zugleich eine gro\u00dfe Chance zur bewussten Lebens\u00e4nderung geschenkt wird, die an die Pforte des spirituellen Erwachens f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Nie tritt ein Herzinfarkt so unerwartet und pl\u00f6tzlich ein, wie es im Augenblick der Katastrophe aussieht. Er ist unbewusst von langer Hand vorbereitet. Das Herz ist gleichsam verstopft. Schon lange lie\u00df der Betroffene keine Gef\u00fchle mehr an sein Herz r\u00fchren, kaum etwas \u201eging ihm zu Herzen\u201c und er merkte es nicht einmal. Er sprach nicht mehr aus seinem Herzen. Diese unbewusste charakterliche Rigidit\u00e4t findet ihren symbolischen Ausdruck im K\u00f6rper: im verh\u00e4rteten Herzen und der Inflexibilit\u00e4t der verkalkten Herzkranzgef\u00e4\u00dfe. Der Herzinfarkt-Kandidat steht gemeinsam mit seinem Herzen unter dem hohen Druck einer \u201efeindlichen\u201c Umwelt und einer hohen Konkurrenz. Um des Erfolges willen hat er sich in das M\u00fchlrad der ewigen \u00dcberforderung und in einen \u00fcberdisziplinierten Leistungsstress eingelassen.<\/p>\n<p>Gelingt es ihm nun, sein Herz weit zu \u00f6ffnen und den \u201eZaun\u201c einzurei\u00dfen, den sein Ego gegen den Rest der Welt aufgebaut hat, dann erfolgt eine schicksalhafte Wende hin zu Herzensw\u00e4rme, zu Freude und Mitgef\u00fchl. Wenn wir begreifen, dass es unser Ego ist, das Angst davor hat, seine Grenzen zu \u00f6ffnen, weil es f\u00fcrchtet, seine Sicherheit oder auch Bequemlichkeit zu verlieren, dann verlassen wir die Isolation und selbstgezimmerte traurige Einsamkeit und \u00f6ffnen unser Herz. Wenn man sich in Liebe \u00f6ffnet, kommt man in Resonanz mit anderen und erlebt Einheit jenseits der Polarit\u00e4t. Das bedeutet Gl\u00fccklichsein, erf\u00fcllt mit dem erhebenden Gef\u00fchl der Dankbarkeit.<\/p>\n<p>Es ist seltsam, in welchem Ausma\u00df sich die Menschen \u2013 und mit ihnen ihr Herz \u2013 heute f\u00fcr Leistung und Erfolg, f\u00fcr Anerkennung und Geld buchst\u00e4blich zerrei\u00dfen lassen. Neben dem Bluthochdruck ist es auch der Mangel an Entspannung, die die Basis f\u00fcr einen Herzinfarkt bilden.<\/p>\n<p>Aus dieser aufr\u00fcttelnden Erfahrung kann das Bewusstsein geboren werden, dass die unabl\u00e4ssige Suche nach Anerkennung und die daraus erwachsende Sucht, sich diese durch Leistung zu verdienen, eigentlich nichts anderes ist als die tiefe Sehnsucht, zu lieben und geliebt zu werden.<\/p>\n<p><strong><em>3. Herzrhythmusst\u00f6rungen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Herzstolpern, Herzjagen, ausgel\u00f6st durch emotionale Bewegtheiten, sind eine Alltagserfahrung, die wir alle gut kennen.<\/p>\n<p>Chronische Herzrhythmusst\u00f6rungen sind hingegen eine Signatur daf\u00fcr, dass der Betroffene seine Emotionen nicht mehr erlebt, weil er sie sich nicht zugesteht. Wer sich ganz auf seinen Verstand verl\u00e4sst und sich durch Emotionen nicht im Geringsten st\u00f6ren l\u00e4sst, den rei\u00dfen Herzrhythmusst\u00f6rungen leicht aus dem Trott.<\/p>\n<p>Oft sind es starre Bahnen, unverr\u00fcckbare Grunds\u00e4tze und eine eiserne Disziplin, die den Lebenstakt des Betreffenden pr\u00e4gen. In solchen F\u00e4llen muss das Herz stellvertretend \u201everr\u00fcckt spielen\u201c und aus seinem Takt rutschen.<\/p>\n<p>Die klassische Kardiologie setzt hier Betablocker oder Tranquilizer ein. Diese Pharmaka \u2013 in akuten F\u00e4llen symptom-unterdr\u00fcckend und schnell hilfreich \u2013 schneiden das Herz von allen erregenden Reizen ab. Es wird gleichsam eine psychovegetative Entkoppelung vorgenommen.<\/p>\n<p>Damit wird der Seele, die sich nicht zum Ausdruck bringen kann, erst recht die k\u00f6rperliche B\u00fchne entzogen, auf der sie sich mahnend bemerkbar machen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Bei absoluter Arrhythmie ist die Hierarchisierung der Taktgebung verloren gegangen. Verschiedene, unterschiedlich lokalisierte Herzzellen versuchen, dem Herz ihren Takt aufzuzwingen. Sie sind symbolisch Ausdruck f\u00fcr unvereinbare Bestrebungen, die die Herzarbeit blockieren. Die zentrale Sinngebung der Herzt\u00e4tigkeit ist verloren gegangen. Das Lebenskonzept ist gleichsam verzettelt, was durch das Herz f\u00fchlbar zum Ausdruck gebracht werden muss.<\/p>\n<p>Extrasystolen, eine verbreitete Art von Herzrhythmusst\u00f6rungen, sind gleichsam Stolpersteine auf unseren rhythmischen Pfaden. Ein eigentlich untergeordnetes Impulszentrum l\u00e4uft dem Sinusknoten, dem \u201eChef\u201c der rhythmischen Herzarbeit, den Rang ab und l\u00f6st einen voreiligen Herzschlag aus, oftmals zwar unangenehm, aber doch harmlos. Der seelische Hintergrund zeigt uns auf, dass der Betroffene aus dem Tritt geraten ist, ohne es sich aber einzugestehen.<\/p>\n<p>Hier gilt es zu lernen, die eigene Individualit\u00e4t zu leben und den Weg zur Individuation bewusst zu betreten. Dazu mag auch der Weg zu einer inneren Autonomie geh\u00f6ren, der nicht deckungsgleich mit den gesellschaftlichen Normen und den Erwartungen der Umwelt ist.<\/p>\n<p>Jeder Herzentgleisung liegt eine seelische Entgleisung zugrunde in einem die Lebensmitte ber\u00fchrenden Bereich. Diese Entgleisung bewusst zu machen, ist das eigentliche Anliegen des Symptoms und die Chance zur R\u00fcckkehr in die gesunde Hierarchie im Herzen, so dass die Seele wieder die Herrschaft \u00fcber die eigene Mitte erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Alle Herzsymptome legen uns nahe, wieder auf das eigene Herz zu h\u00f6ren und den Mut zu haben, sich auf die entlarvende Selbsterkenntnis, die immer auch eine Herzenserkenntnis ist, einzulassen. Dann k\u00f6nnen Fehlentwicklungen, Vermeidungen, Unterdr\u00fcckungen und selbst auferlegte Zw\u00e4nge erkannt werden, und es kann sich die h\u00f6here Einsicht in die unserem Leben zugrunde liegende Aufgabe und Sinngebung abzeichnen. Die Anstrengung des Herzens kann dann aufh\u00f6ren. Das Herz braucht uns nicht mehr, wie in einem B\u00fchnenst\u00fcck, permanent unsere Lebensproblematik zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Der spirituelle Lehrer Sri Aurobindo erl\u00e4utert diesbez\u00fcglich: \u201eDer Mangel, dich selbst nicht zu kennen, ist der Ursprung all deines Kummers und der Grund all deines Strauchelns. Ein vollkommenes Gef\u00e4\u00df der Gottheit zu werden, dies ist deine Aufgabe, das Ziel deines Seins und der Grund, aus dem du hier bist.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Worte von r\u00fchren an eine Ebene der menschlichen Wesenheit, die \u00fcber die bisher betrachteten psychosomatischen&nbsp; Entsprechungen von Herzkrankheiten weit hinaus reicht.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":6482,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110088],"tags_english_":[],"class_list":["post-89748","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-science-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89748"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89748"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}