{"id":89685,"date":"2019-06-29T03:52:16","date_gmt":"2019-06-29T03:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/alchemie-ein-weg-zum-gold-des-innern-teil-1\/"},"modified":"2019-06-29T03:52:16","modified_gmt":"2019-06-29T03:52:16","slug":"alchemie-ein-weg-zum-gold-des-innern-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/alchemie-ein-weg-zum-gold-des-innern-teil-1\/","title":{"rendered":"Alchemie &#8211; Ein Weg zum Gold des Innern Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Die Alchemie z\u00e4hlt zu den fr\u00fchen Zweigen der Naturphilosophie. Sie entwickelte sich in den ersten Jahrhunderten nach Christus unter dem Einfluss der sog. Alexandrinischen Schule in \u00c4gypten. Alte und neue Ideen wurden zu einer einzigartigen Synthese vereint und es entstanden unter anderem die <em>Tabula Smaragdina<\/em> und das <em>Corpus Hermeticum, <\/em>letzteres eine Sammlung von Texten, die der Alchemie eine Art spirituelle und philosophische Identit\u00e4t verlieh. Zu den Hauptinspiratoren z\u00e4hlt Aristoteles mit seiner Beschreibung der eigenschafts- und formlosen Urmaterie (<em>prote hyle<\/em> oder <em>prima materia)<\/em>, aus der die vier Grundelemente Feuer, Luft, Wasser und Erde hervorgehen.<\/p>\n<p>Kaum ein anderes Thema hat so viele Spekulationen und grundlegend unterschiedliche Interpretationen hervorgebracht wie die Alchemie. Sie ersetzt die legend\u00e4ren Charaktere der alten Mythologie mit ihren symbolischen und psychologischen Inhalten durch etwas, was man als \u201euniverselle Wahrheiten in Analogie zu chemischen Elementen&#8220; bezeichnen k\u00f6nnte. Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung betont: \u201eDie Erforschung der alchemistischen Symbole f\u00fchrt so wenig wie die Besch\u00e4ftigung mit Mythologie vom Leben weg, als die vergleichende Anatomie von der Anatomie des lebenden Menschen. Im Gegenteil dient uns die Alchemie als ein wahres Schatzhaus der Symbolik \u2026\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a> Jung betont die Beziehung der Alchemie zur Psychologie des Unbewussten.<\/p>\n<p>Der Name Alchemie stammt von den Arabern. Die \u00c4gypter bezeichneten ihr Land als <em>Khemennu<\/em> (\u201eLand des Mondes\u201c). Den dunklen Sand im Nildelta nannte man <em>Khem<\/em>, den \u201eStoff aus \u00c4gypten\u201c.<\/p>\n<p>Die Alchemie wird als \u201ek\u00f6nigliche Kunst&#8220; bezeichnet, die der Welt bedeutende praktische M\u00f6glichkeiten gebracht hat, wie zum Beispiel die Schaffung einer Apotheke durch die arabischen Alchimisten im 12. &#8211; 13. Jahrhundert und die Ausbildung der traditionellen Medizin. Im Sp\u00e4tmittelalter trennte sich die Chemie von der Alchemie. Einer der prominentesten Alchimisten war Paracelsus, der Vater des wissenschaftlichen Ansatzes, der unmissverst\u00e4ndlich feststellte: \u201eViele haben \u00fcber die Alchemie gesagt, dass es sich um die Herstellung von Gold und Silber handelt. F\u00fcr mich ist dies nicht das Ziel, sondern nur die M\u00f6glichkeit zu erkennen, welche Tugend und Kraft in der Medizin liegen kann.&#8220;<\/p>\n<p>Trotz einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Entdeckungen und praktischer Konzepte, die uns die Alchemie hinterlassen hat, richteten sich ihre Bem\u00fchungen immer auf das, was als \u201eUmwandlung (Transformation) von unedlen Metallen in Edelmetalle&#8220; bezeichnet wird, zusammen mit der Suche nach einer Reihe \u201eabstrakter Substanzen\u201c, wie dem Elixier des Lebens, dem Stein der Weisen, dem Allheilmittel und dem Alcahest (dem universellen L\u00f6sungsmittel). Vielleicht ist hier zu erw\u00e4hnen, dass die moderne Physik es bereits vermag, andere Metalle in Gold umzuwandeln, beispielsweise durch radioaktiven Beta-Zerfall von Quecksilber 197. Allerdings ist der Prozess wirtschaftlich nicht rentabel.<\/p>\n<p>Der weiterreichende, und wohl auch eigentliche Zweck der Alchemie \u2013 zumindest f\u00fcr echte Alchemisten \u2013 war nicht die Suche nach physischem Gold, sondern nach dem \u201eGold im Menschen\u201c.<\/p>\n<p>Zu den bekanntesten Alchemisten geh\u00f6ren neben Paracelsus auch Albert der Gro\u00dfe, Isaac Newton und Roger Bacon, alles Personen in hoher sozialer Position, mit au\u00dfergew\u00f6hnlichem Intellekt und, nicht zuletzt, tiefer Religiosit\u00e4t. Ebenso wie f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Psychoanalyse war auch f\u00fcr die Theologie war Gold mit seiner Noblesse, Reinheit und unver\u00e4nderlichen Natur stets ein Symbol f\u00fcr den Geist. Paracelsus unterscheidet die niedrige von der h\u00f6heren Alchemie. Wir wollen in diesem Artikel versuchen, den psychologischen Inhalt der symbolischen Begriffe, die die Alchimisten verwandten und die Prozesse, die sie durchf\u00fchrten, in kurzen Worten zu verdeutlichen.<\/p>\n<p>Neben dem \u00e4u\u00dferen Labor, in dem die alchimistischen Experimente durchgef\u00fchrt werden, gibt es das \u201eSpeziallabor\u201c, das hei\u00dft das menschliche Individuum in seiner Gesamtheit. Dort sind die speziellen \u201eLaborgef\u00e4\u00dfe\u201c die Organe des K\u00f6rpers und die psychologischen Auswirkungen des inneren Prozesses.<\/p>\n<p><strong>Die Phasen des Gro\u00dfen Werkes<\/strong><\/p>\n<p>Nicht ohne Grund wird die Alchemie, wenn sie bewusst durchgef\u00fchrt wird, als k\u00f6nigliche Kunst oder \u201eGro\u00dfes Werk\u201c (<em>opus magnum<\/em>) bezeichnet. Der Ausdruck opus magnum wird zum Beispiel auch f\u00fcr das gr\u00f6\u00dfte Werk im Leben eines K\u00fcnstlers verwandt. Die Alchemie betrachtet das Meisterwerk als aus drei Hauptphasen bestehend (in den fr\u00fchen Jahrhunderten waren es vier), die durch ihre Farbeigenschaften festgelegt wurden: <em>Nigredo<\/em> (Schw\u00e4rzung), <em>Albedo<\/em> (Wei\u00dff\u00e4rbung), <em>Rubedo<\/em> (R\u00f6tung). In der letzten Phase gilt der Stein der Weisen, der alles in Gold verwandelt, als entdeckt. Im Allgemeinen stellen diese drei Phasen die Entwicklung einer menschlichen Psyche dar, die zun\u00e4chst die Erkenntnis und Akzeptanz ihrer eigenen Dunkelheit (Nigredo) durchl\u00e4uft und dann durch Demut die Reinigung und Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr das Licht (Albedo) erreicht. Das ultimative Ergebnis ist, dass das Licht in das Blut des Alchimisten (Rubedo) eindringt und eine Lebensform herbeif\u00fchrt, die Gott und dem Menschen dient. Diese Art der Farbdifferenzierung der Phasen der alchimistischen Transformation wird in entsprechender symbolischer Weise im ersten vollst\u00e4ndig alchimistischen Text des Gnostikers Zosimos beschrieben (seine griechischen Begriffe sind <em>melanosis<\/em>, <em>leukosis<\/em> und <em>iosis<\/em>). Der Text stammt aus dem 3.\/4. Jahrhundert, bezieht sich aber auf Schriften des 1. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>In der nachfolgenden Entwicklung der Alchemie und ihrer Anpassung an die st\u00e4ndig wachsende Komplexit\u00e4t des Denkprozesses werden die Farbphasen weiter unterteilt und angepasst an die Universalit\u00e4t der Zahl Sieben. Sie werden damit zugleich an die Einfl\u00fcsse bestimmter Planeten gebunden und an die Eigenschaften von Metallen. Paracelsus erl\u00e4utert, wie die Metalle geistigen Qualit\u00e4ten entsprechen.<\/p>\n<p>Kurz skizziert, lauten die Aussagen hierzu: Merkur entspricht der gelben (oder braunen) Farbe, die durch das Element Quecksilber repr\u00e4sentiert wird; sie bezieht sich auf eine neue Denkweise. Venus entspricht der gr\u00fcnen Farbe, die durch das Element Kupfer repr\u00e4sentiert wird; sie betrifft eine neue Art des F\u00fchlens. Mars entspricht der roten Farbe, repr\u00e4sentiert durch das Element Eisen, und bedeutet einen neuen Willen. Jupiter korrespondiert mit der blauen Farbe, die durch das Element Zinn repr\u00e4sentiert wird, und fordert dazu auf, Arroganz und Kritik zu \u00fcberwinden. Uranus entspricht dem Indigo, dargestellt durch das Element Zink, und bedeutet, jeden Widerstand loszulassen und damit alles zu beleuchten, was bisher als irrational galt. Neptun entspricht der violetten Farbe, die durch das Element Kobalt dargestellt wird, und verlangt, die menschlichen Vorstellungen loszulassen und eine direkte Verbindung mit dem Geist herzustellen.<\/p>\n<p>Da es sich bei der Alchemie auch um einen st\u00e4ndigen Suchprozess handelt, gibt es Variationen in diesem siebendimensionalen Schema, in denen manchmal das graue Blei des Saturn und Pluto mit seinem schwarzen Element Wismut sowie als Grundsymbole von Seele und Geist der silberne Mond und die goldene Sonne beschrieben werden.<\/p>\n<p>Abgesehen davon dachten einige Alchimisten, dass alle Metalle (Seelenqualit\u00e4ten) aus unterschiedlichen Anteilen von Quecksilber, Schwefel und Salz best\u00fcnden, wobei \u201eGold&#8220; das Produkt ihrer richtigen Vermischung sei. Quecksilber und Schwefel repr\u00e4sentieren hier die Gegens\u00e4tze unserer Welt und Salz das Element, das sie vers\u00f6hnt und vereint.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> C.G. Jung, Mysterium Coniunctionis, Erster Teil, Z\u00fcrich 1955, S. XV<\/p>\n","protected":false},"author":917,"featured_media":6292,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-89685","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89685","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89685"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89685"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89685"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}