{"id":89563,"date":"2019-05-13T15:30:11","date_gmt":"2019-05-13T15:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/begegnung-mit-dem-ewigen-wo-sich-rosenkreuzer-und-sufis-die-hand-reichen\/"},"modified":"2019-05-13T15:30:11","modified_gmt":"2019-05-13T15:30:11","slug":"begegnung-mit-dem-ewigen-wo-sich-rosenkreuzer-und-sufis-die-hand-reichen","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/begegnung-mit-dem-ewigen-wo-sich-rosenkreuzer-und-sufis-die-hand-reichen\/","title":{"rendered":"Begegnung mit dem Ewigen &#8211; Wo sich Rosenkreuzer und Sufis die Hand reichen"},"content":{"rendered":"<p>Was ist das, dieses Dasein? Was bedeutet es? Eine zufriedenstellende Antwort ist nicht leicht zu finden. Die Suche nach ihr ist das Bem\u00fchen um ein Mysterium.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Mystik im urspr\u00fcnglichen Sinn bezieht sich auf die Erkenntnis der Mysterien. Man kann \u00fcber den Grund des Daseins nachdenken, man kann in einem Glauben aufwachsen, man kann Empfindungen haben. Bei tiefer Mystik geht es aber darum, sich selbst als Antwort zu erleben auf das \u201eGanze\u201c, sich selbst zu einer Antwort zu machen.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Mysterium, Gott, kann uns ber\u00fchren. Wir sind darauf angelegt, dass das geschieht. Und mehr noch: Wir sind darauf angelegt, dass das G\u00f6ttliche in uns erwacht. Unter der Bezeichnung Rosenkreuzertum und Sufitum werden Wege beschritten, auf denen dies stattfinden kann. Das Herz spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn in ihm befindet sich der wichtigste Ber\u00fchrungspunkt f\u00fcr das G\u00f6ttliche, eine geistig-seelische T\u00fcr, die sich \u00f6ffnen kann. Und: Es gibt viele Arten, an diese T\u00fcr zu klopfen.<\/p>\n<p>Sura 50 im Koran sagt: Gott ist dem Menschen \u201en\u00e4her als die Halsschlagader.\u201c (50:16) In der Bibel hei\u00dft es: \u201eIch lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.\u201c (Gal. 2, 20) Ibn \u2019Arabi, der gro\u00dfe Theosoph unter den Meistern des Sufismus (1165-1240), spricht davon, dass zu jedem Menschen ein geistiger Name geh\u00f6rt. Er ist der innere Gott, der geistige Pol im Menschen, der archetypische Gef\u00e4hrte, der unwandelbare Wesensgrund des Menschen. Er besteht seit Ewigkeiten, schon vor aller Sch\u00f6pfung. Er bringt uns als das \u00e4u\u00dfere Wesen hervor, um in uns zu erwachen. Der g\u00f6ttliche Name will von uns genannt werden. Er will in uns aufleuchten, erst dadurch kann er in die Existenz treten.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die<em> Fama Fraternitatis<\/em> (die erste Rosenkreuzerschrift, 1614<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a>) und Ibn\u2019Arabi verwenden erstaunlich \u00e4hnliche Bilder f\u00fcr das, was geschieht, wenn sich die T\u00fcr des Herzens \u00f6ffnet und die alles verwandelnde Begegnung mit dem Mysterium unseres Daseins stattfindet.<\/p>\n<p><strong><em>Die Fama Fraternitatis und Ibn \u2019Arabi<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Fama Fraternitatis berichtet, wie Christian Rosenkreuz, der legend\u00e4re Begr\u00fcnder des Rosenkreuzertums, eine Reise um das Mittelmeer unternimmt. Mehrfach trifft er dabei die Weisen Arabiens, die Sufis. Sie zeigen ihm ihren Weg. Gemeinsam mit ihnen \u00f6ffnet er die T\u00fcr zu den Seelenwelten und erf\u00e4hrt sich als Mikrokosmos, in dem alles vereint ist, das Transzendente und das Naturhafte. Er erlebt sich als Spiegelbild und Kompendium des Universums, des Makrokosmos.<\/p>\n<p>Nach seiner R\u00fcckkehr nach Deutschland errichtet Christian Rosenkreuz zusammen mit seinen Sch\u00fclern das \u201eHaus Sancti Spiritus\u201c. Von ihm hei\u00dft es am Schluss der Fama Fraternitatis: \u201eAuch wird unser Geb\u00e4ude, h\u00e4tten es auch hunderttausend Menschen aus der N\u00e4he gesehen, f\u00fcr die gottlose Welt in Ewigkeit unber\u00fchrt, unzerst\u00f6rt, ungesehen und vollkommen verborgen bleiben.\u201c Es ist ein \u201eHaus\u201c, eine Sph\u00e4re in der Seelenwelt.<\/p>\n<p>Zu dieser Sph\u00e4re einen bewussten Zugang zu finden, ist das, was man als Einweihung bezeichnen kann. Es ist das Erwachen innerster Regionen im eigenen Mikrokosmos und zugleich das Erwachen in den Welten, zu denen sie geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Fama beschreibt, wie sp\u00e4tere Generationen nach dem Grabgew\u00f6lbe des Christian Rosenkreuz suchen und es nicht finden. Sie stehen wie vor einer inneren Mauer. Da tritt \u201eBruder N.N.\u201c auf. Er beginnt, an ihrem \u201eGeb\u00e4ude\u201c etwas zu ver\u00e4ndern. Und dabei sto\u00dfen sie pl\u00f6tzlich auf eine \u201eGedenktafel mit den Namen aller, die der Bruderschaft angeh\u00f6rten\u201c. Sie wollen sie an eine andere Stelle setzen. An der Tafel ragt ein Nagel hervor. Sie ziehen ihn heraus und eine verborgene T\u00fcr wird sichtbar. Auf ihr steht: \u201eNach 120 Jahren werde ich offen sein.\u201c Und aus der Jahreszahl, die darunter steht, zeigt sich, dass die 120 Jahre verstrichen sind.<\/p>\n<p>Nun ist es interessant, dass mit dem Begriff Tafel im Arabischen auch die Allseele bezeichnet wird. Der Erste Intellekt, der g\u00f6ttliche Geist, schreibt auf der \u201eTafel der Seelenwelt\u201c alles nieder, was sein wird. Es handelt sich um die Zwischenwelt zwischen der Welt des g\u00f6ttlichen Geistes und unserem Daseinsgebiet.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\" title=\"\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Wenn es in der Fama Fraternitatis hei\u00dft, dass die Br\u00fcder des Rosenkreuzes die Tafel an der Wand l\u00f6sen, bedeutet das also, dass sie den Zugang zur Seelenwelt entdecken. Sie sto\u00dfen auf die Namen derer, die ihnen vorangingen. Ehe sie aber den inneren Tempel betreten, lesen sie in ihrer \u201eRota\u201c. Sie befragen die g\u00f6ttliche Weisheit ihres Innern.<\/p>\n<p>Ibn \u2019Arabi beschreibt in seinem Werk <em>Fusus Al Hikam<\/em>, wie er auf einen Tempel st\u00f6\u00dft, der keinen Zugang hat. Keine T\u00fcr, kein Fenster ist zu sehen. Er umkreist den Tempel unentwegt; dieser ruht auf f\u00fcnf S\u00e4ulen. Und pl\u00f6tzlich bemerkt er, dass eine der S\u00e4ulen etwas hervorsteht. Er n\u00e4hert sich ihr und k\u00fcsst sie, so wie die Gl\u00e4ubigen des Islam den Schwarzen Stein an der Ka\u2019aba in Mekka k\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die hervorstehende S\u00e4ule, der hervorstehende Nagel \u2013 beide symbolisieren helfende g\u00f6ttliche Kr\u00e4fte, die sich dem Menschen zuwenden. Er muss sie nur bemerken bei seinem Umkreisen des geschlossenen Tempels.<\/p>\n<p>Ibn \u2019Arabi erlebt nun, wie aus dem Schatten der Mauer eine weibliche Gestalt hervortritt. Es ist Sophia, die g\u00f6ttliche Weisheit. Sie entspricht der Rota der Br\u00fcder des Rosenkreuzes. Hand in Hand mit Sophia betritt er den inneren Tempel. Die Mauer wird durchl\u00e4ssig, sie erweist sich als lebendig: der Tempel ist das eigene Herz. Sophia wandelt sich zur unsterblichen Gef\u00e4hrtin. Sie ist ein Bild der Geistseele des Menschen und damit Abgesandte des g\u00f6ttlichen inneren Pols, des g\u00f6ttlichen Namens.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\">[4]<\/a><\/p>\n<p><strong><em>Das Ewige verk\u00f6rpern<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Br\u00fcder des Rosenkreuzes finden den unsterblichen K\u00f6rper des Christian Rosenkreuz \u201eim vollen Ornat\u201c. Sein Grabgew\u00f6lbe hat sieben Seiten. Das ist ein Hinweis auf die Universalit\u00e4t des Christian Rosenkreuz. Die Br\u00fcder m\u00fcssen einen Altar beiseite schieben, um zu dem unsterblichen Leib zu gelangen, der sich in einem noch tieferen Gew\u00f6lbe befindet. Auf dem Altar stehen unter anderem die Worte:<\/p>\n<p>\u201eDieses Kompendium des ganzen Alls habe ich mir in meinem Leben zu einem Grabe gemacht.\u201c Es geht um das Ganze und um seine Widerspiegelung im Individuum. In seiner Hand h\u00e4lt Christian Rosenkreuz das Buch T, das Buch Theos, das Buch der Unsterblichkeit.<\/p>\n<p>Der Mythos des Christian Rosenkreuz handelt vom Allumfassenden. Darauf weist auch das Bild der Reise um das Mittelmeer hin. Um das Mittelmeer herum waren alle Kulturen und Religionen vertreten. Die Reise gleicht einem Mandala, in dem alles zusammengef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Sowohl die Br\u00fcder des Rosenkreuzes als auch Ibn \u2019Arabi haben es vermocht, das innerste Heiligtum zu betreten, den seelischen Tempel in ihrem Mikrokosmos. In ihm (und damit zugleich in den geistig-seelischen Welten) ruht das h\u00f6chste Selbst des Menschen, die Ursache und der geistige Grund seines Daseins. Er wird ihnen zum Begleiter. Sie haben den Sinn ihres Lebens gefunden. Bei all ihrem Tun wird es nun darum gehen, <em>Ihn<\/em>, den Anderen im eigenen Wesen, zu verwirklichen.<\/p>\n<p>So wenden sie sich wieder der Welt zu und dienen allen, die auf der Suche sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a>&nbsp; Vgl. Henry Corbin, <em>L\u2019imagination cr\u00e9atrice dans le soufisme d\u2019Ibn\u2019Arabi<\/em>, Paris 1958, S. 278, 170, 199, 207, 260, (Englische \u00dcbersetzung: <em>Creative Imagination in the Sufism of Ibn\u2019Arabi<\/em>, Princeton 1981, p. 267, 154, 184, 193, 148); Titus Burckhardt, <em>Vom Sufitum<\/em>, M\u00fcnchen 1953, S. 63 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a>&nbsp; Sie wurde anonym ver\u00f6ffentlicht und stammte von einem Freundeskreis in T\u00fcbingen um Tobias Hess und Valentin Andreae. Eine Neuherausgabe erschien 1998 beim Rozekruis Pers in Haarlem, NL.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\">[3]<\/a>&nbsp; Ibn \u2019Arabi, <em>Urwolke und Welt, Mystische Texte des Gr\u00f6\u00dften Meisters<\/em>, herausgegeben von Alma Giese, M\u00fcnchen 2002, S. 338; Titus Burckhardt, a.a.O., S. 73<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\">[4]<\/a>&nbsp; Henry Corbin, <em>L\u2019imagination cr\u00e9atrice<\/em>, S. 289 f. (Englische \u00dcbersetzung: S. 278 f.)<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":5925,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-89563","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89563","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5925"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89563"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89563"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89563"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89563"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}