{"id":89541,"date":"2019-05-06T12:54:09","date_gmt":"2019-05-06T12:54:09","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/hohenfluge-teil-1\/"},"modified":"2019-05-06T12:54:09","modified_gmt":"2019-05-06T12:54:09","slug":"hohenfluge-teil-1","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/hohenfluge-teil-1\/","title":{"rendered":"H\u00f6henfl\u00fcge Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahren war ich mit meinem Leben nicht mehr zufrieden. Ich hatte alles, was man sich w\u00fcnschen konnte, aber ich dachte, es muss noch etwas anderes geben, H\u00f6heres, Besseres. Und da fiel mein Blick auf eine Anzeige. \u201eErheb dich \u00fcber dich selbst&#8220;, stand da, und dann wurde erkl\u00e4rt, dass man sich beim Hochfliegerverband Fl\u00fcgel bauen k\u00f6nne. Wenn man es bis zu einer bestimmten H\u00f6he schaffen w\u00fcrde, k\u00f6nne man noch bessere bauen, um h\u00f6her zu steigen, ja man k\u00f6nne bis weit in den Himmel hinein kommen \u2013 wenn man sich dem ganz hingebe. Gen\u00fcgend Helfer st\u00fcnden zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Das hat mich sehr angesprochen und ich habe mich mit dem Verband in Verbindung gesetzt. Am n\u00e4chsten Morgen konnte ich schon an einem Treffen teilnehmen. Der Ort war nicht weit von meinem Haus entfernt, und ich ging fr\u00fch hin. Mein Herz h\u00fcpfte vor Freude \u00fcber das, was ich sah. M\u00e4nner und Frauen mit mehr oder weniger hohem Gewicht flatterten mit Fl\u00fcgeln herum, die aus Holzgest\u00e4nge gebaut waren, zwischen denen feine Gaze gespannt war. Sie lachten und ermutigten ihre Kinder, es ihnen gleich zu tun mit \u00dcbungsfl\u00fcgeln aus Pappe. \u201eDu musst schneller rennen und mit den Fl\u00fcgeln schlagen! Ja! Du bist schon beinah abgehoben!&#8220; Die Kinder sprangen und rannten. Es gefiel ihnen.<\/p>\n<p>An der Seite war eine Werkstatt, in der die Fl\u00fcgel gebaut und beziehungsweise repariert wurden. Die Leute winkten mir freundlich zu. Als ich zu ihnen ging, bemerkte ich einen kleinen Jungen von etwa zehn Jahren, der auf einem Stein sa\u00df und versunken auf einen Zweig in seiner Hand schaute. Er war d\u00fcnn, hatte braunes, stacheliges Haar und ein unauff\u00e4lliges Jungengesicht. Er war der einzige, der nicht an irgendwelchen Aktivit\u00e4ten teilnahm. Als ich an ihm vorbeiging, begr\u00fc\u00dfte er mich mit einem Nicken. Er hatte gr\u00fcne Augen und einen nachdenklichen Gesichtsausdruck. Wir sprachen nicht miteinander.<\/p>\n<p>In der Werkstatt wurde ich herzlich willkommen gehei\u00dfen. M\u00e4nner und Frauen arbeiteten Seite an Seite. Das Biegen des Holzes machte am meisten M\u00fche. Mir wurde klar, dass man nicht einfach losfliegen konnte, sondern erst einmal richtig arbeiten musste. Zwei der M\u00e4nner, die hoch motiviert schienen, kl\u00e4rten mich \u00fcber die verschiedenen Holzarten auf. Ich lernte, Holz zu tr\u00e4nken und zu biegen, ganz vorsichtig, damit es nicht bricht. Das Gest\u00e4nge, das ich zusammenbaute, kam mir ziemlich schwer vor und ich fragte mich, ob ich damit wohl abheben k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>Aufstieg in die L\u00fcfte<\/strong><\/p>\n<p>Drei Monate arbeitete ich dort. Nachts schliefen wir in Zelten, wo ich viel \u00fcber das Fliegen h\u00f6rte. Ich konnte es kaum erwarten, selbst abzuheben.<\/p>\n<p>Und dann kam der gro\u00dfe Tag: Ich stand auf einer Anh\u00f6he und schlug vorsichtig mit den Fl\u00fcgeln. Dann bewegte ich sie immer schneller und z\u00e4hlte bis drei. Ich sprang und schaffte es tats\u00e4chlich, einige Minuten in der Luft zu bleiben. Ich hatte mich so konzentriert, dass ich alles um mich herum vergessen hatte.<\/p>\n<p>Meine neu gewonnenen Freunde schlugen mir auf die Schultern und ermutigten mich, es weiter zu versuchen. Es k\u00f6nne ein paar Wochen dauern, bis man wirklich eine Weile in der Luft bleiben k\u00f6nne. Ich \u00fcbte wie verr\u00fcckt. Denn ich wollte einfach hochkommen. Ich habe mit meinen Flug\u00fcbungen viele der Eltern gest\u00f6rt, die mit ihren Kindern weiter unten mit den Fl\u00fcgeln schlugen. Aber sie nahmen es gut auf. Ich achtete jetzt auch mehr auf sie, insbesondere auf die Kinder mit ihren lustigen Bewegungen. Vor allem aber schaute ich nach oben.<\/p>\n<p>Und es gelang mir schlie\u00dflich, einige sch\u00f6ne Kurven zu fliegen. Trotzdem war ich ein bisschen entt\u00e4uscht; denn ich sah nichts Neues. Daf\u00fcr h\u00e4tte ich noch h\u00f6her gemusst, aber das ging \u00fcber meine M\u00f6glichkeiten hinaus. Nachts im Zelt sprach ich mit den anderen. Sie meinten, die H\u00f6he, die ich erreicht h\u00e4tte \u2013 und in der auch sie flogen \u2013, sei doch ausreichend. Sie verstanden nicht, dass ich noch h\u00f6her wollte.<\/p>\n<p><strong>H\u00f6her hinaus<\/strong><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen sprach mich der Junge mit den gr\u00fcnen Augen an, als ich an ihm vorbei ging: \u201eWillst du noch h\u00f6her kommen? Dann musst du zu dem Plateau gehen, das da hinten liegt, ziemlich weit weg. Da machen sie noch andere Fl\u00fcgel.\u201c<\/p>\n<p>Woher wusste er eigentlich, dass ich noch h\u00f6her wollte? Aber ich dachte nicht weiter dar\u00fcber nach, holte meine Fl\u00fcgel, und flog mit ihnen in die Richtung, in die er gezeigt hatte. Es kostete mich M\u00fche, aber schlie\u00dflich sah ich im Norden eine Hochebene. Und ich schaffte es auch dorthin. Ich traf dort allerdings niemanden an. Aber da war eine kleine Werkstatt und innen an der Wand hing eine Anleitung zum Bau von Fl\u00fcgeln. In der Ecke standen ein B\u00fcndel Bambus und Rollen aus feiner Gaze. Es gab Betten und einen Schrank mit Lebensmitteln. Ich machte mich an die Arbeit und eifrig, wie ich war, war ich mit den neuen Fl\u00fcgeln nach wenigen Tagen fertig. Jetzt sah ich mich auch in der Gegend um und stie\u00df auf Gleichgesinnte, die herumflogen. Ab und zu landete einer in meiner N\u00e4he. Wir sprachen miteinander und er w\u00fcnschte mir Erfolg. Die Leute gefielen mir.<\/p>\n<p>Die jetzigen Fl\u00fcgel waren besser, aber so richtig hoch gekommen bin ich auch mit ihnen nicht. Ich sprach nun mehr mit den anderen Fliegern. In der Ferne sah ich wundersch\u00f6ne Berggipfel, teils sogar mit Schnee, und beim Fliegen ber\u00fchrte ich nun oft die Wolken. Wunderbar! Aber irgendwann sehnte mich danach, h\u00f6her zu kommen. Ich war schon richtig gut und schwebte schon fast wie von selbst.<\/p>\n<p>Eines Tages sah ich von meiner Flugbahn aus ein anderes Plateau, das h\u00f6her lag. Ich machte mich auf den Weg zu ihm, in der Luft und zu Lande.<\/p>\n<p><strong>Noch ein weiteres Plateau<\/strong><\/p>\n<p>Ich schaffte es, dorthin zu kommen. Wieder fand ich eine Werkstatt vor. Hier standen mir d\u00fcnner Stahl und noch feinere Gaze zur Verf\u00fcgung. Kurze und b\u00fcndige Anleitungen hingen an den W\u00e4nden. Es gelang mir, die neuen Fl\u00fcgel anzufertigen, und ich war stolz darauf. Jetzt kam ich wirklich hoch, und ganz pl\u00f6tzlich beschlich mich das Gef\u00fchl, dass ich ja auch abst\u00fcrzen k\u00f6nnte. Aber ich beruhigte mich. Die Fl\u00fcgel w\u00fcrden einen Sturz verlangsamen und ich w\u00fcrde wohl auch nur auf mein Plateau zur\u00fcckfallen.<\/p>\n<p>Inzwischen war das Fliegen ganz leicht f\u00fcr mich, aber wenn ich von hier aus aufstieg, bekam ich Atembeschwerden. Oft flog ich zum Start zur\u00fcck, um mich auszuruhen. Allm\u00e4hlich gew\u00f6hnte ich mich aber an die H\u00f6he und genoss die Umgebung. Ich blickte auch nach unten und sah dort Flieger, die mit ihren Bambusfl\u00fcgeln kreisten. &nbsp;<\/p>\n<p>Nach viel \u00dcbung gelang es mir, auch von meinem jetzigen Plateau aus hoch aufzusteigen. Meine Geduld und meine Beharrlichkeit zahlten sich aus. Und da sah ich weit in der Ferne ein weiteres Plateau, noch h\u00f6her gelegen.<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":923,"featured_media":5864,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-89541","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89541","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/923"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5864"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89541"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89541"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89541"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89541"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}