{"id":89509,"date":"2019-04-06T12:51:46","date_gmt":"2019-04-06T12:51:46","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/die-upanischaden-und-die-uralte-lehre-vom-selbst\/"},"modified":"2019-04-06T12:51:46","modified_gmt":"2019-04-06T12:51:46","slug":"die-upanischaden-und-die-uralte-lehre-vom-selbst","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/die-upanischaden-und-die-uralte-lehre-vom-selbst\/","title":{"rendered":"Die Upanischaden und die uralte Lehre vom Selbst"},"content":{"rendered":"<p>Die Upanischaden, niedergeschrieben in der Zeit von 700 bis 200 v. Chr., werden als \u201eHerzst\u00fcck\u201c der indischen Philosophie bezeichnet und geh\u00f6ren zu den alten, heute noch weit verbreiteten und rezitierten Texten des Hinduismus. Die meisten von ihnen sind Teil der Veden, der \u00e4ltesten religi\u00f6sen Schriften. (Es gibt vier Veden: Rigveda, Samaveda, Yajurveda und Atharvaveda.<\/p>\n<p>In der <em>Tattiriya-Upanishad<\/em>, Teil II, 3.1<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a> hei\u00dft es:<\/p>\n<p><em>Die geistige H\u00fclle des Menschen besteht aus dem \u201eYajur-Veda als Kopf, dem Rig-Veda als rechtem Arm, dem Sama-Veda als linkem. Die Weisheit der Upanischaden ist das Herz, und der Atharva-Veda ist das Fundament.<\/em><\/p>\n<p>Die Upanischaden sind eine gro\u00dfe, tiefgr\u00fcndige Sammlung von Erl\u00e4uterungen und Dialogen, meist zwischen Sch\u00fclern und Meistern, aber auch zwischen K\u00f6nigen und Weisen. Sie besprechen viele spirituelle Themen, die immer wieder auf unterschiedliche Art und in verschiedenen Zusammenh\u00e4ngen die universelle Lehre zur \u00dcberwindung des Rades von Geburt und Tod betrachten.<\/p>\n<p>Die <em>Chandogya- Upanishad<\/em> (Kap. 3) bringt uns die Weisheitslehre des Shandilya in kurzen Worten nahe:<\/p>\n<p><em>Das Brahman ist diese ganze Welt. \u2026 Der Mensch besteht aus Wollen. Wie das Wollen des Menschen in dieser Welt ist, so wird er nach seinem Scheiden aus dieser Welt. Er muss sein Wollen bilden. \u2026 Dieser mein Atman im Innern des Herzens ist feiner als ein Reis- oder Gersten- oder Senf- oder Hirsekorn oder das Korn eines Hirsekorns. Dieser mein Atman im Innern des Herzens&nbsp; ist gr\u00f6\u00dfer als die Erde, gr\u00f6\u00dfer als der Luftraum, gr\u00f6\u00dfer als der Himmel, gr\u00f6\u00dfer als die Welten.<\/em><\/p>\n<p><em>Er ist allwirkend, allw\u00fcnschend, voll jeglichen Duftes, voll jeglichen Geschmacks, all dies umfassend, wortlos, achtlos. Dieser mein Atman im Innern des Herzens ist das Brahman, zum ihm werde ich nach meinem Scheiden von hier gelangen. Wem solche Gewissheit ist, dem bleibt kein Zweifel. So spricht Shandilya, Shandilya.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\">[2]<\/a><\/em><\/p>\n<p>Diese kurze Beschreibung des Universums gleicht dem Axiom von Hermes Trismegistus: \u201eWie oben so unten, wie unten so oben.\u201c<\/p>\n<p>Seit Jahrtausenden wird der Menschheit die Lehre \u00fcbertragen, dass alles Suchen im \u00c4u\u00dferen uns nicht zu einer Erl\u00f6sung f\u00fchrt. Erst das \u201eUmwenden\u201c von au\u00dfen nach innen erm\u00f6glicht es, die in unserer \u00e4u\u00dferen Welt so deutlichen und starken Gegens\u00e4tze zu \u00fcberwinden und aufzul\u00f6sen. Wenn wir in der Lage sind, Atman, unser innerstes Selbst, mit Brahman, dem Sch\u00f6pfer des Universums, in unserem Herzen zu vereinigen, gibt es keine Trennung, keine Dualit\u00e4t mehr, und auch nicht den Wechsel von Leben und Tod.<\/p>\n<p>Deshalb sagt die <em>Prashna-Upanishad<\/em> (Frage VI):<\/p>\n<p><em>Wie die Str\u00f6me in ihrem Lauf zum Meer, wenn sie das Meer erreichen, verschwinden, Name und Gestalt von ihnen vergeht und alles nur Meer hei\u00dft, so geschieht es auch, dass die 16 Teile des Beschauers (Anm: Der Mensch besteht nach dieser Lehre aus 16 Teilen) auf ihrem Weg zum Purusha (Anm: Die Bedeutungen variieren je nach Quelle und Zeitepoche zwischen: Ur-Individuum, Urseele, metaphysischer Weltgeist, Geistmonade), wenn sie den Purusha erreichen, verschwinden, Name und Gestalt von ihnen vergeht und alles \u201ePurusha\u201c hei\u00dft. Er ist es, der ohne Teile besteht und unsterblich ist. Hierzu dieser Vers: \u201eWie Speichen in der Nabe des Rades, so ruhen in ihm die Teile. Diesen Purusha sollt ihr erkennen, damit der Tod euch nicht ersch\u00fcttere.\u201c Er sprach zu ihnen allen: \u201eDas ist es, was ich vom h\u00f6chsten Brahman wei\u00df. Nicht gibt es H\u00f6heres als dies.\u201c <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\" title=\"\">[3]<\/a><\/em><\/p>\n<p>Die Nabe des Rades, in der diese Erscheinungen zusammenflie\u00dfen oder von der sie ausgehen, ist das Selbst, dessen Verwirklichung zu einem Bewusstseinszustand \u201enicht von dieser Welt\u201c f\u00fchrt, zum Allbewusstsein des Meeres, in das die Fl\u00fcsse m\u00fcnden und ihre Individualit\u00e4t aufgeben. Dieser Bewusstseinszustand l\u00e4sst alle Erscheinungsformen und damit auch das Rad von Geburt und Tod verblassen.&nbsp; In der Brihad-Aranyaka-Upanishad hei\u00dft es (IV.5):<\/p>\n<p><em>Nun sagt man: \u201eDer Purusha ist Verlangen. Wie er w\u00fcnscht, so will er. Wie er will, so tut er. Wie er tut, so wird er.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\">[4]<\/a><\/em><\/p>\n<p>Die Upanischaden geh\u00f6ren zu den gro\u00dfen Zeugnissen des Menschheitsweges, auf dem sich die Entwicklung vollendet, wenn die Selbsterkenntnis vollkommen wird. \u201eMensch erkenne dich selbst\u201c ist die nicht endende Aufforderung, die am Portal des Tempels zu Delphi steht. Suche dein wahres Selbst und vereine dich mit ihm. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> <em>Die Upanischaden<\/em>, eingeleitet und \u00fcbersetzt von Eknath Easwaran, https:\/\/books.google.de\/books<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\">[2]<\/a> <em>Upanischaden, Die Geheimlehre der Inder<\/em>, \u00fcbertragen von Alfred Hillebrandt, Diederichs Gelbe Reihe, D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln 1977<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\">[3]<\/a> A.a.O. S. 198<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\">[4]<\/a> A.a.O. S. 84<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":5762,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110075],"tags_english_":[],"class_list":["post-89509","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-livingpast-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89509"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89509"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}