{"id":89499,"date":"2019-03-11T06:18:32","date_gmt":"2019-03-11T06:18:32","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/nichtsein\/"},"modified":"2019-03-11T06:18:32","modified_gmt":"2019-03-11T06:18:32","slug":"nichtsein","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/nichtsein\/","title":{"rendered":"Nichtsein"},"content":{"rendered":"<p>Was meinte Christus, als er sagte: \u201eWer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden\u201c (Matth\u00e4us 10, 39)?<\/p>\n<p>Es gibt das biblische Gleichnis vom \u201ereichen J\u00fcngling\u201c. Er war reich an Qualit\u00e4ten, wie es auch heute viele spirituell interessierte Menschen sind. Als er dazu aufgefordert wurde, all dies zur\u00fcckzulassen und ins ungewisse Neue zu gehen, wandte er sich ab (Lukas 18, 18 ff).<\/p>\n<p>Jesus sagte daraufhin, dass es schwer ist f\u00fcr einen \u201ereichen\u201c Menschen, ins Himmelreich zu kommen. Die J\u00fcnger fragten: \u201eWer kann dann selig werden?\u201c Und sie erhielten zur Antwort: \u201eWas bei den Menschen unm\u00f6glich ist, das ist bei Gott m\u00f6glich.\u201c (Lukas 18, 26 f) Der irdische Mensch, auch der spirituell \u201eangereicherte\u201c, kann das Lichtreich nicht betreten.<\/p>\n<p>In der Urschrift der Rosenkreuzer, der <em>Fama Fraternitatis<\/em> aus dem Jahr 1614, wird berichtet, dass Christian Rosenkreuz den Weisen seiner Zeit seine Sch\u00e4tze anbot. Doch sie wollten sie nicht haben. Was waren das f\u00fcr Sch\u00e4tze? Sie bezogen sich auf den Weg der Neugeburt, auf den Weg, der Platz schafft f\u00fcr das Neue.<\/p>\n<p>Die Fama Fraternitatis berichtet in ihrem zweiten Teil, wie die Br\u00fcder des Rosenkreuzes auf der Suche nach dem Grab des Gr\u00fcnders ihres Ordens sind. Sie sto\u00dfen schlie\u00dflich auf einen \u201eGrabtempel\u201c. Es ist ein transzendenter Ort, gelegen in der Tiefe des menschlichen Herzens. Das Wissen, wie man dorthin gelangt, war verloren gegangen. Erst nach dem Tod von \u201eBruder A\u201c wird der Zugang entdeckt. A ist der erste Buchstabe des Alphabets. Dieses kann als Symbol dienen f\u00fcr all die Inhalte des menschlichen Bewusstseins. \u201eBruder A\u201c, der W\u00e4chter an der T\u00fcr, muss Platz machen, damit aus der Tiefe das Unerh\u00f6rte, das zu uns geh\u00f6rt, aufsteigen kann.<\/p>\n<p>An die Stelle von \u201eBruder A\u201c tritt \u201eBruder NN\u201c, der Namenlose. Er ist es, der die entscheidende Ver\u00e4nderung erm\u00f6glicht. Er findet, so hei\u00dft es in der Fama Fraternitatis, eine \u201eGedenktafel aus Messing\u201c und geht daran, sie in ein \u201egeeigneteres Gew\u00f6lbe\u201c zu versetzen. Dazu zieht er einen gro\u00dfen Nagel, an dem sie befestigt ist, heraus. Ein Stein l\u00f6st sich, der Putz br\u00f6ckelt ab und eine T\u00fcr wird sichtbar.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung, das Abbr\u00f6ckeln des Putzes unseres bisherigen Selbstverst\u00e4ndnisses erm\u00f6glicht einen Zugang zum Innersten. In uns liegt eine andere Identit\u00e4t verborgen, sie ist gleichsam in uns \u201ebegraben\u201c. Das Grab ist ein \u201eTempel\u201c, das Heilige in uns. Wenn es zutage tritt, bedeutet es eine Neugeburt.<\/p>\n<p>Wer sein Leben verliert \u201eum meinetwillen\u201c, wird den Grabtempel finden. Die Neugeburt erfolgt aus diesem Innersten heraus. Die Bibel spricht von der Wiedergeburt aus \u201eWasser und Geist\u201c, die Rosenkreuzer nennen sie die Transfiguration. Im Neuen Testament geschieht sie auf dem \u201eBerg Tabor\u201c. Diejenigen, die ihn besteigen, werden von einer Wolke aus Licht umh\u00fcllt (Matth. 17, 5).<\/p>\n<p>Die Wolke \u2013 das ist ein Bild f\u00fcr die Kr\u00e4fte, mit denen sich das wahre Selbst des Menschen umh\u00fcllt. Es kann erst in Erscheinung treten, wenn ihm der Weg bereitet wird, wenn das jetzige Ich bereit ist, in dem wahren Ich unterzugehen.<\/p>\n<p>Das Aufl\u00f6sen der bisherigen eigenen Gr\u00f6\u00dfe f\u00fchrt zu Erfahrungen mit dem \u201eungeschaffenen Licht\u201c. Damit gehen Einsichten einher, die nicht leicht zu verkraften sind. Doch wer sich der inneren Verwandlung \u201eum Gottes willen\u201c und um des gro\u00dfen Weges der Menschheit willen unterwirft, erlebt, wie ihm St\u00e4rke, Durchhalteverm\u00f6gen und Inspiration geschenkt werden.<\/p>\n<p>Eine andere Rosenkreuzerschrift, die <em>Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreuz<\/em>\u201c (1616), beschreibt, wie alle, die an der \u201echymischen\u201c (d. h. bis in die Elemente des K\u00f6rpers hinein reichenden) Hochzeit teilnehmen m\u00f6chten, einer Pr\u00fcfung auf sieben Waagschalen unterzogen werden. Christian Rosenkreuz h\u00e4lt den sieben Gewichten stand, weil er sich selbst keine Vorz\u00fcge zuweist. Er weist auf Gottes Gnade hin und vertraut nicht auf pers\u00f6nliche F\u00e4higkeiten und Vorz\u00fcge.<\/p>\n<p>Wir sprechen oft von Dienstbarkeit. Sie hat damit zu tun, dass man Opfer bringt. Das Wort Opfer hei\u00dft auf Lateinisch <em>sacrum<\/em> (das Heilige). Dienstbarkeit im urspr\u00fcnglichen Sinn bezieht sich also darauf, das \u201eHeilige zu tun\u201c, oder, anders gesagt, dem Heiligen Raum geben, damit \u201ees\u201c mit unserer Hilfe handeln kann.<\/p>\n<p>Das bedarf der Hingabe, der Selbstaufgabe gegen\u00fcber dem \u201einneren Gott\u201c. Eine vollst\u00e4ndige Selbstaufgabe erscheint unm\u00f6glich. Zu viele Bereiche unseres bisherigen Selbst bleiben im Unbewussten. Sie lassen sich nicht mit einbeziehen in die Hingabe an das innere Licht, denn wir haben keinen Zugriff auf sie. Gleichwohl ist es m\u00f6glich, \u201edas eigene Leben zu verlieren\u201c in dem Sinne, wie die Schriften es meinen. Das immanente G\u00f6ttliche spiegelt sich, sobald wir ihm entgegen gehen, in unsere Bem\u00fchung hinein. In seiner Kraft erneuert sich das Bewusstsein, bis es schlie\u00dflich vollkommen neu aufflammt, in einer neuen seelischen Gestalt.<\/p>\n<p>Man sagt, Gott habe die Welt aus dem Nichts erschaffen. Besser w\u00e4re es zu sagen, er hat sie \u201eim Nichts\u201c erschaffen. Denn es bedarf der Leere, es bedarf des Platzes f\u00fcr die neue Sch\u00f6pfung. Und das gilt auch f\u00fcr den Menschen, in dem sie stattfinden soll.<\/p>\n","protected":false},"author":917,"featured_media":5738,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-89499","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89499","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5738"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89499"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89499"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89499"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89499"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}