{"id":89469,"date":"2019-02-28T06:25:15","date_gmt":"2019-02-28T06:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/der-golem-teil-1-die-vergangenheit\/"},"modified":"2019-02-28T06:25:15","modified_gmt":"2019-02-28T06:25:15","slug":"der-golem-teil-1-die-vergangenheit","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/der-golem-teil-1-die-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Der Golem Teil 1: Die Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt ein Thema, das die Menschheit auf ihrer Reise in und durch die Materie begleitet. \u00c4u\u00dferlich betrachtet, hat es sich durch die Zeiten hin ver\u00e4ndert. Seine Essenz bleibt jedoch immer die gleiche: Wir wollen ebenfalls Sch\u00f6pfer sein, wie Gott.<\/p>\n<p>In der j\u00fcdischen Legende vom Golem findet dieses Bestreben einen pr\u00e4gnanten Ausdruck. Der Golem wurde von einem Rabbi aus Lehm geformt und zum Leben erweckt.<\/p>\n<p>N\u00e4her ist uns westlichen Menschen wahrscheinlich die Geschichte von Mary Shelley \u201eFrankenstein oder der moderne Prometheus\u201c (1818) und vor allem die Filme, die sich darauf st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Das Thema reicht bis in eine graue Vorzeit zur\u00fcck. Geistige Lehrer sprechen davon, dass es einmal einen Kontinent mit Namen Lemurien gab. Es wird gesagt, dass dieser gro\u00dfe Kontinent vor etwa 850.000 Jahren im Ozean versank. Australien, Madagaskar und die Osterinsel gelten als \u00dcberreste, die von den Wellen verschont wurden.<\/p>\n<p>In einem Artikel \u00fcber Australien schreibt Jan van Rijckenborgh:<\/p>\n<p><em>Die \u00e4u\u00dferst primitiven und groben tierhaften Pers\u00f6nlichkeiten der Lemurier wurden von Monaden oder himmlischen Wesen durchdrungen, die noch nahezu vollst\u00e4ndig im urspr\u00fcnglichen [geistig-seelischen] Feld existierten. Ein Teil der urspr\u00fcnglichen Menschheit war in jenen Tagen noch auf dem Weg der Involution, dem Weg des vollkommenen Eintauchens in die stoffliche Welt. Der himmlische Mensch war noch nicht im Schlaf versunken, Prometheus war noch nicht vollkommen gefesselt. Allerdings hatte dieser Teil der Menschheit, der schon nicht mehr unter g\u00f6ttlicher Leitung stand, bereits eine primitive, grobe, missgestaltete Pers\u00f6nlichkeit geschaffen, die keine eigene Intelligenz besa\u00df.<\/em><\/p>\n<p><em>Dieses tierhafte Gesch\u00f6pf glich einem Golem, einem Roboter, einem lebendigen Automaten aus Fleisch, Knochen und Muskeln, der vollkommen auf seinen halbg\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfer reagierte und dessen Instrument war. Als Roboter war er f\u00fcr den Gott-Menschen in seinem Niedergang ein Spielzeug und ein Werkzeug, mit dessen Hilfe er in der groben Materie der Dialektik wirken konnte. Und so f\u00fchrte der tierhafte Sklave \u2013 soweit die grobe Materie es erlaubte \u2013 die wunderlichen und bizarren Ideen und Auftr\u00e4ge der ihn lenkenden Monade aus.<\/em><\/p>\n<p><em>Er baute enorme St\u00e4dte mit seltsamen Formen und schuf aus dem Lavastein gro\u00dfe Standbilder, welche die Monaden darstellen sollten.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\"><strong>[1]<\/strong><\/a>&nbsp; <\/em><\/p>\n<p><strong><em>Die Idee eines Himmels auf Erden<\/em><\/strong><\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir sehen, dass in sehr fr\u00fchen Zeiten ein Teil der menschlichen Geistseelen damit besch\u00e4ftigt war, sich immer enger mit der Materie zu verbinden. Es ist der Weg einer Involution des Geistigen. Auf diese Weise wurden die Lemurier zu Doppelwesen. Man k\u00f6nnte fragen: Warum haben sie das getan, die Geistseelen, warum haben sie diesen Weg gew\u00e4hlt? \u2013 Es ist eine Schl\u00fcsselfrage. \u2013 Es scheint, dass der Mensch das Bed\u00fcrfnis hat, selbst so zu sein wie Gott. Und das nicht ohne Grund, denn seine Wurzeln liegen im G\u00f6ttlichen. In der Tiefe besitzen wir einen g\u00f6ttlichen Kern. Doch wie realisieren wir dieses Potenzial? In Lemurien wurde offenbar mit dem Versuch begonnen, die Idee vom Himmel auf Erden zu verwirklichen.<\/p>\n<p>Es stellte sich allerdings heraus, dass die Realit\u00e4t anders war. Was fand statt? Himmlische Kr\u00e4fte erschufen eine Pers\u00f6nlichkeit mit einem irdischen K\u00f6rper als eine Art \u201eFahrzeug\u201c, in der Annahme, sie w\u00fcrde sich zu einem neuen g\u00f6ttlichen Menschen entwickeln, einem Menschen, in dem die Monade, der individuelle Gott, leben und sich ausdr\u00fccken k\u00f6nnte. Der Versuch war, wie gesagt, verst\u00e4ndlich, aber f\u00fcr die Geistseelen auch gef\u00e4hrlich, wenn man bedenkt, was daraus wurde. Das aus irdischer Materie entwickelte Wesen errang eine Dominanz. Das G\u00f6ttliche fand sich in einem \u201eHaus des Fleisches\u201c eingeschlossen und konnte sich nicht mehr frei offenbaren. Es verschwand in seine eigene Sch\u00f6pfung hinein.<\/p>\n<p>Davon legen die Skulpturen der Osterinsel Zeugnis ab, sogar mit einer gewissen Ironie. Die Monade wurde durch ihre lemurische Pers\u00f6nlichkeit in der Materie abgebildet. Allerdings konnte der Lemure nicht wissen, dass er damit auch seine eigene Zukunft darstellte \u2013 in einem Testament aus Stein. Er konnte nicht wissen, dass sein innerstes eines Tages so sein w\u00fcrde wie diese Skulpturen: ein Bild mit toten Augen.<\/p>\n<p>Und nun stehen diese Skulpturen auf einer Insel, die noch nicht von den Meereswellen verschluckt worden ist. Heillos starren sie ins Weite und scheinen auf jemanden zu warten, der sie aus ihrem Unheil, ihrer Erstarrung, rettet.<\/p>\n<p>Die mysteri\u00f6sen Skulpturen der Osterinsel sprechen sowohl zu unserer Vorstellungskraft als auch zum Unterbewusstsein. Sie wurden zum Gegenstand vieler historischer und wissenschaftlicher Theorien. Nach einer Legende der Bewohner der Insel sind die Kolosse eines Tages von alleine angekommen. Wenn wir das von einem spirituellen Standpunkt aus betrachten, liegt darin eine gewisse Wahrheit. War es nicht der Licht-Mensch, der vom Himmel auf die Erde kam und auf der materiellen Ebene Experimente anstellte? Die Folge davon waren der Verlust seines freien Willens und der Verlust seiner g\u00f6ttlich-geistigen Gestalt.<\/p>\n<p><strong><em>Der gefesselte Prometheus<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Aus dem Zitat von Jan van Rijckenborgh lassen sich Bez\u00fcge herstellen zu Mary Shelleys Frankenstein und zur Gestalt des Prometheus aus der griechischen Mythologie. Der Name Prometheus bedeutet \u201eder Vorausdenkende\u201c. Er stahl das Feuer der G\u00f6tter und brachte es den Menschen, weil er meinte, sie seien schlecht ausgestattet f\u00fcr ihr Leben. Als Strafe daf\u00fcr kettete Zeus ihn an einen Felsen. T\u00e4glich nagte ein Adler an Prometheus&#8216; Leber, die sich w\u00e4hrend der Nacht wieder regenerierte. Schlie\u00dflich t\u00f6tete Herakles den Adler und befreite Prometheus.<\/p>\n<p>In Mythen sind bisweilen spirituelle Wahrheiten verborgen. Wir haben gesehen, wie in der lemurischen \u00c4ra der g\u00f6ttliche Mensch, die feurige Geistseele, durch Experimentieren an die materielle Gestalt gebunden wurde. Sie wurde gleichsam an einen Felsen gekettet. Das, was weiterhin an Kr\u00e4ften von ihr ausgeht, wird von den Naturkr\u00e4ften verschlungen. Es ist nicht schwer zu verstehen, dass wir selbst der Mensch sind, an den Prometheus gekettet ist und der die von ihm ausgehenden Impulse f\u00fcr sich in Anspruch nimmt. Ja, wir sind das Resultat der beschriebenen Entwicklung. In der Tiefe unseres Wesens ist Prometheus an uns gekettet. In dieser Tiefe liegt unsere wahre Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auch lassen sich Parallelen ziehen zwischen Prometheus und Luzifer. Beider Aktionen sind rebellisch und experimentell. Beide sind Licht-Tr\u00e4ger, doch ihr Geistfeuer versinkt in dem Versuch, ein weltliches K\u00f6nigreich zu schaffen und hier dauerhaft die Vollkommenheit zu verankern.<\/p>\n<p>Somit k\u00f6nnen wir sehen, dass die Themenkreise Identit\u00e4t und Imitation eine gro\u00dfe Rolle in der menschlichen Entwicklung spielen.<\/p>\n<p>\u2013 Wer bin ich?<\/p>\n<p>\u2013 Woher komme ich?<\/p>\n<p>\u2013 Wohin gehe ich?<\/p>\n<p>\u2013 Welchem Weg soll ich folgen?<\/p>\n<p>Wenn dich jemand fragt: \u201eWer bist du?\u201c, was wirst du antworten?<\/p>\n<p>Im zweiten Teil von \u201eDer Golem\u201c werden wir erkunden, ob uns unser gegenw\u00e4rtiges Bestehen Hinweise zu diesen existenziellen Fragen geben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a> In: Pentagramm 2008, Heft 4, S. 7<\/p>\n","protected":false},"author":917,"featured_media":5670,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-89469","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5670"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89469"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89469"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}