{"id":89445,"date":"2019-02-23T14:11:36","date_gmt":"2019-02-23T14:11:36","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/immer-wieder-ich\/"},"modified":"2019-02-23T14:11:36","modified_gmt":"2019-02-23T14:11:36","slug":"immer-wieder-ich","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/immer-wieder-ich\/","title":{"rendered":"Immer wieder ich"},"content":{"rendered":"<p>In jedem Augenblick w\u00e4hlst du dein Selbst. Aber w\u00e4hlst du \u2013 dich selbst? K\u00f6rper und Seele haben tausend M\u00f6glichkeiten, aus denen du viele Ichs bauen kannst. Doch nur eines von ihnen ergibt die Kongruenz zwischen dem, der w\u00e4hlte, und dem Gew\u00e4hlten. Nur eines \u2013 und du findest es erst, wenn du alle anderen M\u00f6glichkeiten ausgeschlossen hast, alles neugierige Tasten, verlockt von Staunen und Begehren, zu seicht und fl\u00fcchtig, um Halt zu finden im Erlebnis des h\u00f6chsten Mysteriums des Lebens: dem Wissen um das anvertraute Pfund, das \u201edu\u201c bist.<\/p>\n<p>Dag Hammarskj\u00f6ld<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\">[1]<\/a><\/p>\n<p><strong><em>An sich selbst arbeiten &#8211; <\/em><\/strong><\/p>\n<p>in der Regel steht dieses Thema nicht oben auf unserer Agenda. Wenn nicht gerade Silvester ist und man sich fragt, ob man nicht mehr Sport treiben oder abnehmen sollte, oder den vollgestopften Alltag (oder den Kleiderschrank) entr\u00fcmpeln \u2013 alles Fragen, die um das Selbstbild kreisen \u2013 besch\u00e4ftigt die Arbeit am Selbst die meisten Menschen eher wenig.<\/p>\n<p>Alles, was mit Konkurrenz und Status zu tun hat und uns dazu bringt, Dinge zu tun oder anzustreben, die uns intelligenter \/ \u201etaffer\u201c \/ wohlhabender \/ geschmackvoller aussehen lassen und die wir nicht um ihrer selbst willen tun oder anstreben: Auf diese Weise \u201earbeiten\u201c wir beinah unabl\u00e4sssig, Aber man sieht an dieser Stelle schon, dass die Arbeit am <em>Selbst<\/em> nicht auf die Entwicklung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit beschr\u00e4nkt ist. Was ich tue, womit und mit wem ich mich umgebe, all das spielt eine Rolle. Das Au\u00dfen l\u00e4sst sich nicht vollst\u00e4ndig vom Innen (dem \u201eSelbst\u201c) trennen.<\/p>\n<p>Wenn man aber wirklich anf\u00e4ngt an sich zu arbeiten, geht es an den Charakter und damit (wenn man sich nicht zu leicht zufrieden gibt) ans Eingemachte. Wie ist es, wenn wir versuchen, in der engeren Umgebung Konflikte aufzul\u00f6sen, alte Streitigkeiten beizulegen? Man kann konflikttr\u00e4chtige Themen meiden, sich Geduld auferlegen, Strategien f\u00fcr den Umgang mit Menschen finden, die immer wieder Spannungen ausl\u00f6sen. Man kann aber auch tiefer blicken und feststellen, dass im eigenen Inneren Anl\u00e4sse f\u00fcr diese Spannungen vorhanden sind. Manche Menschen l\u00f6sen Abwehrreaktionen in uns aus, und wir wollen uns von ihnen abheben, sie ins Unrecht setzen, sie in den Hintergrund dr\u00e4ngen, ihnen ihre Defizite klarmachen. Oft zeigt ein n\u00fcchterner Blick, dass sie nichts wirklich Kritikw\u00fcrdiges getan haben. Dennoch wehren wir uns, k\u00e4mpfen wir. Etwas an diesen Menschen r\u00fchrt an <em>unser<\/em> Selbstverst\u00e4ndnis und bringt uns zu \u00fcbertriebener Abgrenzung. Und es mag scheinen, dass das Loslassen dieses Konflikts uns etwas von uns <em>selbst<\/em> wegn\u00e4hme. Dass wir, um die Spannung zu beseitigen, etwas von uns selbst aufgeben m\u00fcssten. <em>Bin<\/em> ich nur, wenn ich mich von X oder Y abheben kann?<\/p>\n<p><strong><em>Ein Weg zeigt sich<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es gibt eine Seelenentwicklung, in deren Verlauf wir solche Abgrenzungen aufgeben k\u00f6nnen. Im Herzen eines jeden von uns wohnt ein Seelenprinzip, das aus der g\u00f6ttlichen Ur-Einheit stammt. Wenn es sich entfalten kann, werden die Grenzen unseres aktuellen Ichs durchl\u00e4ssiger, weil sie immer weniger notwendig sind. Die Seele, die in der Einheit erwacht, kann tats\u00e4chlich aufh\u00f6ren, sich abzugrenzen und zu k\u00e4mpfen. Sie braucht keine Konflikte. Das jetzige Ich kann ohne Abgrenzung nicht sein, es meint sich zu verlieren, wenn es keine Grenzen ziehen kann, \u00fcber die es wenigstens teilweise die Kontrolle hat.<\/p>\n<p>So entwickelt sich im eigenen Innern ein Kampf zwischen dem Ichhaften und der (Ewigkeits-)Seele. Wer zur Selbsterkenntnis bereit ist, lernt all die Hinweise anzunehmen, die in den immer noch unvermeidlichen Konflikten liegen. Die Seele empfindet den Schmerz der Abweisung, der Rechthaberei, der Grenz\u00fcberschreitungen dem Anderen gegen\u00fcber. Dieser Schmerz ist ein Wegweiser zu neuen Entscheidungen, zum Loslassen der alten Grenzen. Jede solche Empfindung zeigt mir, wer ich derzeit<strong> <\/strong>bin und stellt mir die Frage, wer ich sein m\u00f6chte \u2013 oder im tiefsten Wesen, <em>eigentlich<\/em>, bin. Und es scheint ein Weg auf, der noch zur\u00fcckzulegen ist.<\/p>\n<p>Ein Freund sagte mir einmal, das \u00e4u\u00dfere Leben mit all seinen Ereignissen sei so etwas wie mein \u201eexternes Ich\u201c. Ich habe diese \u00c4u\u00dferung lange nicht verstanden. Aber f\u00fcr das gesamte Leben gilt das Gleiche wie f\u00fcr die mehr oder weniger konflikttr\u00e4chtigen pers\u00f6nlichen Begegnungen. Jeden Tag kommen Ereignisse auf mich zu, auf die ich reagieren muss. Vieles kann ich nicht kontrollieren. Aber jede einzelne Begebenheit zeigt mir, wer ich bin. Freude, Gier, Angst, Abgrenzung: Ich \u00f6ffne und schlie\u00dfe meine Grenzen, ich ringe um Kontrolle. In Momenten der Ruhe kann ich zugeben, dass ich mich selbst in meinen Reaktionen kennen lerne.<\/p>\n<p>Ich bin nicht nur, wer ich in meinen vier W\u00e4nden am Feierabend bin. Ich bin nicht nur, wer ich unter Freunden bin. Ich bin alles, was auf mich zukommt, denn ob ein Ereignis gut oder schlecht ist, entscheide <em>ich<\/em>, spontan und unbewusst. Bis ich es zulassen kann, dass die Ereignisse mein Leben \u2013 und mich \u2013 formen. Bis die Seele stark genug ist, um die Waage von Gut und B\u00f6se zum Stillstand zu bringen und in dieser Stille das wahre Selbst aufscheint, zu dem <em>ich<\/em> auf dem Weg bin. Bis ich dieses Selbst w\u00e4hlen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; in: Zeichen am Weg, M\u00fcnchen 2005, Seite 51<\/p>\n","protected":false},"author":920,"featured_media":5603,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110101],"tags_english_":[],"class_list":["post-89445","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-spiritsoul-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5603"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89445"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89445"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}