{"id":89427,"date":"2019-02-12T18:50:55","date_gmt":"2019-02-12T18:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/logon.media\/logon_article\/eine-gewisse-kontrolle\/"},"modified":"2019-02-12T18:50:55","modified_gmt":"2019-02-12T18:50:55","slug":"eine-gewisse-kontrolle","status":"publish","type":"logon_article","link":"https:\/\/logon.media\/de\/logon_article\/eine-gewisse-kontrolle\/","title":{"rendered":"Eine gewisse Kontrolle"},"content":{"rendered":"<p>So weit ich zur\u00fcckdenken kann, habe ich eine Menge Zeit vor dem Fernseher verbracht. Fast alles habe ich angeschaut, endlos viele Geschichten. Wenn mir dann einfiel, dass ich schon lange davor sitze, waren meine Emotionen schon geweckt, und ich blieb nat\u00fcrlich weiter vor der Scheibe sitzen.<\/p>\n<p>Eine gewisse Kontrolle hatte ich allerdings. Ich konnte ja Filme auf verschiedenen Kan\u00e4len ausw\u00e4hlen. Da war vieles, was ich unbedingt sehen musste, die erstaunlichsten Dinge, die ein junges M\u00e4dchen nicht verpassen darf.<\/p>\n<p>Und dann kam es, dass die Finger auf der Smartphone-Oberfl\u00e4che arbeiteten, dass sie hoch und runter und nach rechts und links scrollten. Bilder, Farben, Kl\u00e4nge stimulierten das Bewusstsein, ununterbrochen. Das Gehirn wurde dumpf, &#8230; es war zu viel.<\/p>\n<p>Einmal las ich in einem Artikel: \u201eNetflix greift, neben anderen Wettbewerbern, nach dem Schlaf des Menschen.\u201c Da regte sich in mir eine Stimme. Aber ich ignorierte sie. Die Show war in mir noch nicht in ihrem Finale angekommen.<\/p>\n<p>Doch das Mitmachen \u00e4nderte sich nun. Eine Leere breitete sich langsam aus, und die Stimme, die ich zum Schweigen gebracht oder ignoriert hatte, t\u00f6nte lauter und flehte mich an, auf sie zu h\u00f6ren. Ich gelangte in eine Ersch\u00f6pfung, und dann gab ich dem Gef\u00fchl nach, das in mir gewachsen war. Und pl\u00f6tzlich war da eine M\u00fcdigkeit, immer nur Zuschauer oder Zuh\u00f6rer von anderen Geschichten zu sein. Es tat mir leid, dass ich so sp\u00e4t auf mein Inneres geh\u00f6rt hatte. Geht es denn nicht um mein Leben, um mein Hiersein, um den jetzigen Moment?<\/p>\n<p>Es ist sch\u00f6n, mit Freunden auch virtuell zusammen zu sein, besser als nichts. Das macht mir keinen Kummer, das finde ich nicht schlecht. Aber das Wichtige ist doch, dass in mir ein Leben steckt, das gelebt werden m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ich war s\u00fcchtig geworden, hatte meine Sinne bet\u00e4ubt. Nun wandte ich mich greifbaren Dingen zu, Dingen, die ich unmittelbar wahrnehmen und erleben konnte, zum Beispiel meinem K\u00f6rper. Ich begann, meine Arme, meine Beine, meinen Hals, meine Kn\u00f6chel \u2026 zu sp\u00fcren. Sie waren irgendwie erschlafft.<\/p>\n<p>Und durch meine Bewegungen kam aus dem K\u00f6rper heraus ein Auftrieb. Die belastende Leere l\u00f6ste sich auf und ein Gef\u00fchl von Frieden erf\u00fcllte mich. Ich empfand es als einen Akt der Befreiung, als ich meine Schuhe anzog und zu einem Park ging. Immer schon wollte ich da mal hingehen wollte, hatte es aber nie geschafft.<\/p>\n<p>Als ich das Haus verlie\u00df, schien mir die Sonne ins Gesicht und ich f\u00fchlte ihre W\u00e4rme. Auf dem Weg h\u00f6rte ich dem Gesang der V\u00f6gel zu und blickte in einen blauen Himmel, den kein Smartphone-Filter jemals erzeugen kann. Es war eigentlich alles sehr einfach, aber viel umfassender. Meine Wahrnehmung f\u00fchlt sich erweitert an. Ich sp\u00fcrte, wie die Luft meine Lungen f\u00fcllte und wie eine unbeschreibliche Freude in mir aufstieg.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, ich werde von jetzt an meine eigene Geschichte leben.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4132,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"tags":[],"category_":[110114],"tags_english_":[],"class_list":["post-89427","logon_article","type-logon_article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category_-zeitgeist-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article\/89427","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/logon_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/logon_article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89427"},{"taxonomy":"category_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/category_?post=89427"},{"taxonomy":"tags_english_","embeddable":true,"href":"https:\/\/logon.media\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags_english_?post=89427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}